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80 Jahre David Bronstein

19.2.2004 - Heute feiert in Moskau David Bronstein seinen 80sten Geburtstag. In den 40er Jahren gelang Bronstein ein kometenhaftenhafter Aufstieg, der in dem Wettkampf um die Weltmeisterschaft 1951 gegen Botvinnik gipfelte. Mit 11,5:10,5 in Führung liegend, verlor Bronstein die vorletzte Partie und Botvinnik blieb Weltmeister. Allerlei Gerüchte ranken sich um diesen Wettkampf, der Botvinnik und Bronstein zu erbitterten Feinden machte. Auch später noch feierte Bronstein viele Turniersiege. Zudem hat er sich um das Computerschach verdient gemacht. Wir gratulieren ganz herzlich! Mehr...
 
David Ionovich Bronstein, geboren am 19.Februar 1924 gehört neben Keres, Kortschnoj und Larsen zu den stärksten Spielern, die nicht Weltmeister wurden. Vielleicht hat keiner den Titel so knapp verpasst wie er, als er 1951 beim WM-Kampf gegen Weltmeister Botvinnik mit 11,5:10,5 führte und dann das benötigte Remis in der vorletzten Partie nicht schaffte. Botvinnik glich aus und behielt aufgrund der damaligen Regelung ("Lex Botvinnik") wegen Punktgleichheit den Titel.

Bis zu diesem Zeitpunkt war Bronsteins Aufstieg kometenhaft gewesen. Vom Trainer Alexander Konstantinopolsky entdeckt, wurde er schon mit 16 Jahren  Meister der UdSSR und konnte bei der UdSSR-Landesmeisterschaft 1944 seine Partie gegen Botvinnik gewinnen. 1945 wurde er bereits Dritter der UdSSR-Meisterschaften, 1946 Moskauer Stadtmeister. 1948 gewann er das Interzonenturnier von Saltsjöbaden. 1948 und 1949 gewann er die UdSSR-Meisterschaften.

Beim Kandidatenturnier in Budapest fing er in der letzten Runde den bis dahin führenden Isaak Boleslavsky, dessen Tochter Tatiana später Bronsteins Frau wurde, ab und siegte beim folgenden dramatischen Stichkampf um das Recht, Weltmeister Botvinnik herausfordern zu können, in der Verlängerung. 

Der denkwürdige Wettkampf gegen Botvinnik fand vom 15.März bis 11.Mai 1951 in Moskau statt und machte Bronstein und Botvinnik zu erbitterten Feinden, die danach kein Wort mehr miteinander sprachen.

Bronstein wurde von Boris Weinstein (oder Vainstein) unterstützt. Weinstein, der direkt unter dem Chef der Geheimpolizei NKWD Lavrenty Pavlovich Beria (1899 geboren, 1954 hingerichtet), einem persönlichen Freund Stalins, als Chef der Wirtschaftsabteilung des NKWD arbeitete, war Präsident des Schachverbandes und gleichzeitig Vorsitzender des Dynamo Schachklubs, dem offiziellen Klub des NKWD. 1945 hatten er und Bronstein sich kennen gelernt.

Botvinnik sah Weinstein als seinen persönlichen Feind, der bereits gegen Stalins Weisung Botvinniks Versuch hintertrieben hatte, einen WM-Kampf gegen Aljechin zu organisieren, was dann durch den Zweiten Weltkrieg und Aljechins Tod endgültig unmöglich geworden war.

Später hat sich Botvinnik über das Verhalten von Bronstein im WM-Kamf von 1950 beklagt: "Im Zuscherraum, genau gegenüber der Bühne, gab es Plätze für den KGB, wo alle Anhänger des Dynamo Clubs saßen. Wenn Bronstein etwas opferte oder einen Bauern gewann, wurde dort lauthals applaudiert. Bronstein machte einen Zug, verschwand blitzartig hinter der Bühne, erschien erneut und verschwand wieder. Das Publikum lachte, was mich irritierte." (in Genna Sodonko: Russian Sihoettes, 2001).

Die Darstellung von Botvinnik ist jedoch nur die halbe Wahrheit, denn auch Botvinnik hatte Unterstützung aus dem KGB und nach dem dramatischen Schluss des WM-Kampfes 1951 wurde sogar behauptet, Bronstein hätte die letzte Partie auf Weisung des KGBs verlieren müssen. Bronstein selbst hat das zurück gewiesen und schrieb : "Es wurde viel Unsinn darüber veröffentlicht. Ich war in diesem Wettkampf zwar vielerlei psychischem Druck ausgesetzt, aber es lag einzig an mir, damit fertig zu werden."

Auch Bronstein hatte unangenehme Erfahrung mit dem NKWD. Sein Vater hatte die Zeit von 1937 bis 1944 in einem Arbeitslager verbracht.

Nach dem WM-Kampf von 1951 griff Bronstein noch mehrmals am Rande in den Kampf um die Weltmeisterschaft ein, ohne jedoch seinen Erfolg wiederholen zu können: Im Interzonenturnier in Portoroz 1958 wurde er geteilter Siebter. Beim Interzonenturnier in Amsterdam 1964 erreichte er den 6.Platz, verpasste aber die Qualifikation zum Kandidaten, weil nur drei Teilnehmer eines Landes zugelassen waren und mit Spassky, Smyslov, Tal und Stein bereits vier Sowjets vor ihm lagen. Seine letzte Teilnahme an einem Interzonenturnier war in 1973 in  Petropolis, wo er Sechster wurde, aber sich nur die ersten Drei qualifizierten.

In den Jahren 1952, 1954, 1956 und 1958 spielte Bronstein auf Schacholympiaden für die Mannschaft der UdSSR.

In seinem romantischen Stil erinnert Bronstein an den jungen Keres. Er pflegte einen unternehmenden Angriffsstil, scheute kein Risiko und brachte oft brillante Ideen auf das Brett.

In späteren Jahren hat sich Bronstein auch um das Computerschach verdient gemacht, indem er sich als Gegner und Prüfstein zur Verfügung stellte.

Bronstein veröffentlichte mehrere Bücher, besonders das unter seinem Namen erschienene Buch über das Kandidatenturnier Zürich 1953 ist berühmt.


Andor Lilienthal und Bronstein in Moskau (September 2003)

André Schulz/19.2.2004

 

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