Nigel Davies - Nimzowitsch-Larsen-Angriff
Nimzowitsch-Larsen-Angriff - das klingt nach 'Schach-Neo-Romantik'! Und in der
Tat, das Eröffnungssystem fristet ein Nischendasein auf dem Büchermarkt und im
Turniergeschehen. Die Flanken-Eröffnung, die sich durch den Zug 1. b3 oder 1.
Sf3 und 2. b3 charakterisiert, fand sich in der Vergangenheit durchaus im Repertoire
von verschiedenen Spielertypen, wie zum Beispiel Ljubojevic, Petrosian, Taimanow
oder gelegentlich Fischer. Bent Larsen, der dänische Großmeister, galt als der
Theoretiker, der dem System die meiste Aufmerksamkeit schenkte.
Davies bevorzugt den direkten Aufschlag mittels 1. b3 und vermeidet es, den Springer
frühzeitig nach f3 ziehen, da er sich diese Option aufsparen möchte und der Springer
in diesem System durchaus aussichtsreichere Felder finden kann. Damit umgeht er
auch viele Hauptsysteme, in die eine mit 1. b3 gestartete Partie münden kann,
wie zum Beispiel den Englischen Aufbau nach 1.c4 c6 2.Sf3 d5 3.e3 Sf6 4.b3 Lg4
5.Lb2 e6 6.Le2 Sbd7.
26 Videos (und damit ebenso viele Partien) erwarten den Käufer, die sich primär
auf die Antworten 1… e5 und 1… d5 konzentrieren. Jeweils eine Partie wird 1… f5
bzw. 1… b6 gewidmet. Mit 15 Partien - und damit dem Großteil - widmet sich Davies
der Antwort 1… e5, die für Weiß als die größte zu knackende Herausforderung gilt.
Davies konzentriert sich auf Aufbauten mit e3/f4 und Lb5 (1… e5 2. Lb2 Sc6 3.
e3 d5 4. Lb5 Ld6 5. f4). Er bespricht sowohl den schwarzen Damenausflug nach h4
als auch den Damenzug nach e7. Bei letzterem bevorzugt er es, den Springer auf
sein "natürliches Feld" f3 zu platzieren. Aber auch die Alternativen für Weiß
im fünften Zug, wie 5. c4, 5. Sf3 5. Sa3 (zwei Videos) oder 5. Se2 werden besprochen.
Wer den weißfeldrigen Läufer in der frühen Phase noch zurückhalten möchte, bekommt
4. Sf3 bzw. 4. e3 angeboten. Nach 2… d6 verzichtet Davies auf ein frühes d4 und
strebt einen Aufbau mit 3. e3 oder 3. g3 an.
Die Antwort 1… d5 lässt dem Schwarzen die Möglichkeit, selbst einige Experimente
in der Eröffnung zu wagen. Zunächst beleuchtet der Autor 2… Lg4 auf die "natürliche"
Antwort 2. Lb2 und zeigt für Spieler, die das umgehen möchten, ein System bestehend
aus den Zügen e3/Lb2/Sf3 auf, bevor er sich den Hauptvarianten nach d5 widmet.
Diese entstehen nach 2. Lb2 c5 3. e3 Sc6 4. Lb5. Hier findet der Zuhörer zunächst
die selteneren Antworten 4… a6 und …Db6 widerlegt, bevor sich Davies dem Hauptzug
4… Ld7 widmet.
Oft versuchen die Gegner den eigenständigen Systemen mit 1. b3 mit einem königindischen
Aufbau (Sf6, g6) zu entgehen. Dieser fand mit nur einem Clip den Weg in die DVD.
Davies empfiehlt den Abtausch auf f6 (1. b3 Sf6 2. Lg2 c6 3. Lxf6), um einen bequemen
katalanisch-ähnlichen Aufbau (Sf6, g6, Lg7, d5 und c5) mit den schwarzen Steinen
zu vermeiden. Nun entsteht die Konstellation Läuferpaar versus Trompowsky-Bauernstruktur.
Fazit: Der englische Großmeister zählt zu einem der eifrigsten Video- und Theorietrainern
der Schachszene. Kein Wunder, dass er sich auch auf Pfaden abseits der Hauptwege
bewegt.Und er wirkt keineswegs unsicher! Auch wenn die Inhalte der DVD primär
für den Weißspieler interessant sind, so baut Davies keine Traumschlösser von
einer "unüberwindbaren" Eröffnungswaffe, da er die Möglichkeiten, über die das
schwarze Gegenspiel verfügt, nicht verschweigt. Auf diese Weise vorbereitet verfügt
der Weißspieler dennoch über einen Vorteil.
Gesamt-Videolaufzeit:
04 Stunden 40 Minuten
Zielgruppenempfehlung: Spieler, die Kreativität und Überraschungen vom ersten
Zug mögen, werden sich freuen, einen Eindruck der Möglichkeiten nach 1. b3 zu
erhalten. Mit dem System können selbst erfahrene Schwarzspieler durchaus
aus dem Konzept gebracht werden - das Verständnis der entstehenden Mittelspielstrukturen
vorausgesetzt. Der Weißspieler sollte bei den auf der DVD empfohlenen Systemen
bereits Erfahrungen im Umgang mit den Bauernstrukturen e3/f4, e3/d3 und g3/c4
gesammelt haben.
Beispielvideo
Bobby Fischer nutzte 1.b3 gelegentlich als Überraschungswaffe. In der folgenden
Partie, die vielleicht Lust macht, 1.b3 zu spielen, gelang ihm ein leichter Sieg
gegen Henrique Mecking.
Kennt man die folgende Partie - und der in der Schachgeschichte äußerst
bewanderte Fischer wird sie gekannt haben - dann wirkt der weiße Sieg noch
leichter.
Was einmal mehr zeigt, wie nützlich es sein kann, Beispielpartien zu kennen.
Aaron Nimzowitsch ging in der Eröffnung gerne eigene Wege.
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