Sam Collins – Lerne aus offenen Spielen
Von Frank Große
Der irische IM Sam Collins, der 2002 die irischen und 2009 die japanischen Meisterschaften
gewann, beschäftigt sich in dieser DVD mit den "immer aktuellen offenen
Spielen". Collins, der zahlreiche Bücher veröffentlicht hat und auch als
Trainer renommiert ist, hatte in der Vergangenheit einen Hang zu Repertoire-Publikationen,
wie die Bücher „Schacheröffnungen verstehen“ oder „An Attacking Repertoire for
White“ zeigen. Letzteres erschien vor acht Jahren, empfahl 1. e4 und enthielt
natürlich Ratschläge zu den "offenen Eröffnungen".
Da sich das Material auf dem vorliegenden Datenträger vor allem dem Zeitraum
2009-2011 widmet, bietet sich ein Vergleich mit Teilen seines damaligen Repertoire-Buches
an.
Vorweg sollte erwähnt werden, dass Collins mit den Inhalten dieser DVD
nicht den Aufbau eines Eröffnungs-Repertoires im Fokus hat, sondern Ideen und
wichtige strategische Elemente der offenen Partien aufbereitet hat und präsentiert.
Neben einem Einstiegsvideo gibt es 22 Clips, wobei die Spanische Partie mit
zehn Clips den größten Raum einnimmt. Neben der Berliner Verteidigung (3 Videos)
und der Graf-Variante im Tschigorin-System (2 Videos) finden sich auch andere
populäre Abspiele der Spanischen Partie wieder.
Die Schottische Partie nimmt mit vier Clips den zweitgrößten Bereich auf dieser
DVD wahr. Bei all dem reproduziert Collins, der auf dem Datenträger viele eigene
Partien präsentiert und kommentiert, keineswegs die Inhalte seines oben erwähnten
Repertoirebuchs. In der Variante 1. e4 e5 2. Sf3 Sc6 3. d4 exd4 4. Sxd4 Sf6
5. Sxc6 bxc6 6. e5 bespricht er zunächst das Abspiel 6… Se4, eine im Vergleich
zur Hauptvariante 6… De7 eigenständige Spielweise. Danach folgen zwei Partien
zum durchaus interessanten Schottischen Gambit und eine Partie mit dem eher
seltenen Abspiel 5… Lb4. Die Italienische Partie, das Vierspringerspiel und
das Zweispringerspiel komplementieren die Inhalte des Datenträgers und dabei
verlässt Collins stets gerne die ausgetretenen Pfade der Hauptvarianten.
Den Abschluss bildet eine Analyse einer Königsgambit-Partie aus dem Jahre 1960
(Spassky – Bronstein, Leningrad). Auch wenn man Collins' Repertoirebuch schon
besitzt, wärmt er hier alte Dinge nicht zum zweiten Mal auf, sondern präsentiert
jede Menge neue und originelle Ideen und gibt einen Einblick in wichtige strategische
Ideen und Konzepte der offenen Spiele.
Fazit: Auf dieser englischsprachigen DVD widmet sich Sam Collins den
Offenen Spielen (1. e4 e5). Doch auch wenn er den Großteil der bedeutenden Eröffnung
abdeckt, handelt es sich bei den Inhalten keineswegs um eine klassische Repertoire-Empfehlung.
Vielmehr orientiert sich Collins an Konzepten und Ideen aus dem Mittelspiel
(sortiert nach Eröffnungen) ohne eine Farbe zu bevorteilen. Da der Großteil
der Partien in der jüngeren Vergangenheit gespielt wurde, finden sich einige
Schätze, die den gegenwärtigen Stand in Mittelspielfragen der Offenen Partien
widerspiegeln. Da der Fokus auf dem Mittelspiel und teilweise auch auf dem Endspiel
liegt, sind die Inhalte auch ohne direkten Eröffnungsbezug von Interesse und
bereichern das generelle Schachverständnis.
Gesamt-Videolaufzeit:
04 Stunden
Zielgruppenempfehlung: Die offenen Spiele gelten in der Entwicklung der
Schachtheorie als klassische Eröffnung, was keineswegs „altbacken“ bedeutet.
Schließlich sind einige offene Systeme auch heute noch bis auf höchster Ebene
sehr populär. Jeder Spieler, der nicht nur stur Züge auswendig lernen möchte,
sondern Eröffnungen verstehen will, wird hier vielfältig und gut bedient
– englische Sprachkenntnisse vorausgesetzt.
Beispielvideo
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