"King Loek" gewinnt in Berkeley

12.01.2011 – Berkely in Kalifornien, unweit von San Francisco, ist vor allem als Standort der Univerität of California bekannt. Schach gespielt wird hier allerdings auch. Organisatoren des Berkeley Opens sind Arun Sharma, eigentlich Mathematikprofessor und David Pruess (Bild). Gespielt wird nach amerikanischem System, d.h., Spieler können sich Auszeiten nehmen. Elofavorit war Loek van Wely. Der holländische Spitzenspieler hat inzwischen in den USA seinen "Wohnwagen aufgeschlagen". Einem Remis gegen einen schwächeren Gegner ließ er fünf Siege folgen und heimste am Ende den Siegerscheck ein. Dejan Bojkov war ebenfalls dabei und versucht derzeit noch herauszubekommen, wann man wie viele Auszeiten nehmen kann. Turnierseite...Bericht, Bilder, Partien, etc...

 

 

Berkeley International
Fotos: Dejan Bojkov & Turnierseite

Das Berkeley International fand Anfang Januar (2.bis 8. Januar) in der Berkeley Chess School statt, die oberhalb der Stadt auf einem Hügel liegt.

Das Turnier war ein zehnrundiges Open mit einem strammen Zeitplan, der drei Doppelrunden zum Auftakt vorsah. Gespielt wurde mit FIDE-Bedenkzeit, allerdings führte das Klingeln des Handys nicht automatisch zum Partieverlust.
 
Berkeley ist eine kleine Stadt in der Nähe von San Francisco, die vor allem berühmt ist, weil die renommierte University of California dort ihren Sitz hat. Tatsächlich ist einer der Turnierorganisatoren, Arun Sharma, Mathematikprofessor in Berkeley. Er hat eine Elo-Zahl von ungefähr 2300 und hat vor kurzem beim North American Open in Las Vegas sehr gut abgeschnitten und einen Rating-Preis gewonnen. “Das war wahrscheinlich mein bislang bestes Turnier”, stellte er mit Befriedigung fest. Der andere Organisator ist David Pruess, IM und großer Förderer des Schachs in den USA. Auch bei den vorherigen drei Berkeley-Open 2005, 2006 und 2008 war er Organisator.

 

In der Tat war das Turnier sehr gut organisiert. Die Spielsäle boten viel Platz und waren leicht zu erreichen und die Spieler erhielten während der Partien kostenlos Getränke und Snacks.
 
Das Teilnehmerfeld war recht stark und von Beginn an gab es Überraschungen. So musste der Ratingfavorit Loek van Wely das Spitzenbrett räumen, nachdem er in der ersten Runde gegen Keaton Kiewra, ein Spieler mit Elo 2337, über ein Remis nicht hinauskam.


Keaton Kiewra

Ich habe mich immer gefragt, warum die Leute den holländischen GM King Loek nennen, doch als ich sah, wie er nach dem Rückschlag in der ersten Runde mit fünf Punkten in Folge, darunter Siege gegen die starken GMs Magesh Panchanathan, Josh Friedel und Robert Hess zu alter Form auflief, verstand ich seinen Spitznamen besser. Dieser Siegesserie ließ Van Wely drei Remis folgen, um schließlich mit einem Sieg in der entscheidenden letzten Runde das Turnier souverän für sich zu entscheiden.

Sein Gegner aus der ersten Runde spielte ebenfalls ein gutes Turnier und sicherte sich bereits eine Runde vor Schluss eine IM-Norm. Danach spielte er eine phantastische Partie gegen seinen Landsmann Hess und holte so seine erste GM-Norm. Ohnehin wurden in diesem Turnier zahlreiche Normen erzielt. Sam Shankland holte seine letzte GM-Norm und sicherte sich im Alter von 19 den GM-Titel, während Denys Shmelov, der nicht einmal IM ist, seine erste GM-Norm holte. Außerdem machte der 14-jährige Daniel Naroditsky die entscheidende Norm, die ihm den IM-Titel sicherte, während Conrad Holt und Roman Yankovsky sich jeweils über ihre zweite Norm freuen durften und Abrahamyan eine Frauen-GM-Norm erzielte.

Der zweite Platz im Turnier ging übrigens an Sergey Erenburg, der seinen Konkurrenten Timur Gareev in einer brillanten Partie überlisten konnte. Die Bronzemedaille gewann Magesh Panchanathan, der sich an Josh Friedel vorbei schob.

Ich war immer noch in Weihnachtsstimmung und verschenkte so viele Punkte wie möglich. Bemerkenswert fand ich, dass es keine Abschlussfeier gab. Die Preisträger nahmen ihre Schecks in alle Ruhe in Empfang und verabschiedeten sich dann – all das ohne bombastische Reden oder langen Applaus.


Conrad Holt


Daniel Naroditsky


Denys Shmelov


Axel Bachmann

Endstand nach 10 Runden

1 GM Loek van Wely 2676 D16 W49 W26 W3 W5 W17 D2 D4 D6 W9 8.0
2 GM Sergey Erenburg 2600 W10 W20 W12 D5 D17 W8 D1 W6 L9 W4 7.5
3 GM Magesh Panchanathan 2537 W53 W8 D24 L1 D7 W26 D16 D14 W13 W5 7.0
4 GM Timur Gareev 2605 W51 L33 W52 D24 W32 W9 W19 D1 D5 L2 6.5
5 GM Josh Friedel 2508 W46 W9 W33 D2 L1 D11 W15 W13 D4 L3 6.5
6 IM Sam Shankland 2498 W37 W15 D17 D22 W14 D19 W11 L2 D1 D7 6.5
7 FM Daniel Naroditsky 2419 W48 L17 W53 D16 D3 L15 W52 W34 W23 D6 6.5
8 FM Conrad Holt 2388 W55 L3 W50 W12 W22 L2 L13 D33 W26 W16 6.5
9 SM Denys Shmelov 2357 W50 L5 W41 W20 W24 L4 W22 D17 W2 L1 6.5
10 WFM Tatev Abrahamyan 2327 L2 L40 D31 W57 D30 W54 D25 W20 W33 W18 6.5
11 GM Axel Bachmann 2548 D28 D41 D35 W42 W25 D5 L6 D26 D19 W29 6.0
12 IM Lev Milman 2467 W38 W39 L2 L8 W51 L13 L26 W37 W41 W25 6.0
13 IM Daniel Rensch 2393 W30 D23 L22 D28 W53 W12 W8 L5 L3 W32 6.0
14 IM Dmitry Zilberstein 2386 W31 D19 W23 H--- L6 W24 D17 D3 H--- D15 6.0
15 SM Roman Yankovsky 2359 W56 L6 W30 W33 L19 W7 L5 W24 D18 D14 6.0
16 FM Keaton Kiewra 2337 D1 W42 D19 D7 D23 W32 D3 D18 W17 L8 6.0
17 GM Robert Hess 2572 W36 W7 D6 W32 D2 L1 D14 D9 L16 D21 5.5
18 GM Jesse Kraai 2516 H--- H--- W51 H--- D26 H--- W20 D16 D15 L10 5.5
19 GM Anatoly Bykhovsky 2510 W29 D14 D16 W21 W15 D6 L4 D23 D11 U--- 5.5
20 IM Robert Ris 2418 W40 L2 W39 L9 W28 D22 L18 L10 W48 W35 5.5
21 IM Max Cornejo 2413 L49 W44 W37 L19 D52 W38 L23 D41 W34 D17 5.5

... 58 Spieler



Brett mit den Unterschriften aller Teilnehmer

Leider zog das Turnier nur wenig Zuschauer an und ich erlitt einmal einen kleinen Schock, als mich jemand fragte, ob es erlaubt wäre, in den Turniersaal zu gehen, um einen Blick auf die Partien zu werfen.

Dafür gab es ein umfangreiches Schach-Rahmenprogramm: Simultan mit dem jüngsten Nationalen Meister der USA, Kayden Troff, sowie GM Timur Gareev, einen kostenlosen Vortrag von IM Daniel Rensch und ein Blitzturnier, das von Robert Hess gewonnen wurde.

Die amerikanischen Turniere unterscheiden sich übrigens deutlich von denen in Europa. Das System der Auszeiten ist mir immer noch nicht ganz klar. Wie viele Auszeiten und kampflose halbe Punkte darf man denn nun eigentlich in Anspruch nehmen? Und wann sollte man das ankündigen? Manche Spieler nahmen sich vier Auszeiten, manche keine. Es ist ein vollkommen freies Land.

Und zwar nicht nur was Schach betrifft. Als wir am nächsten Tag durch San Francisco bummelten, kamen uns aus der BART (eine Art S-Bahn) Leute in Unterwäsche entgegen. Wie sich herausstellte, zelebrierte man in San Francisco den “No pants day”, und wer Spaß daran hatte, konnte in Unterwäsche durch die Gegend laufen. Die Außentemperatur lag bei 10° Celsius, aber niemand scherte sich darum. Das ist Amerika!

Natürlich haben wir uns auch mit großem Vergnügen ein paar Sehenswürdigkeiten:


Baseball Field

Den Golden Lake Park, den japanischen Garten, Chinatown und den Mechanics Chess Club.

Der Japanische Garten


Spaziergang durch den Japanischen Garten













Der Mechanic Chess Club


Im Mechanic Chess Club



Ein Simultan



Außerdem ist es einfach schön, in San Francisco herumzubummeln.

Spaziergang durch San Francisco











 








Oakland Bay Bridge

Offizielle Seite: http://dotq.org/chess/

GM Dejan Bojkov- www.dejanbojkov.blogspot.com



 

 

 

 

 


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