"Thank you, Superhero!"

04.11.2008 – Die Delegation der Deutschen Schachjugend ist wohlbehalten von der Jugendweltmeisterschaft aus Vietnam zurückgekehrt und blickt zurecht stolz auf die Vizeweltmeisterschaft von Filiz Osmanodja. Die erfolgreichste Nation war indes Indien. Der indische Schachbund ging mit fast 50 Jugendlichen an den Start - vermutlich hätte man noch viel mehr spielstarke Nachwuchsspieler finden können - und war mit acht Medaillen die erfolgreichste Föderation. Vier der zwölf Turniere wurden von Kindern und Jugendlichen des Indischen Subkontinents gewonnen. In Indien weiß jedes Kind, Schachspieler oder nicht, wer den Schachboom im Land ausgelöst hat und so feierte man Anands Sieg im WM-Kampf gegen Kramnik auch in Vietnam. Bernd Rosen hat einen Abschlussbericht geschickt. Bericht und Bilder...

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Chào Viet Nam!
Von Bernd Rosen
Fotos: Bernd Rosen, Thomas Pähtz, Max Berchtenbreiter, Familie Möhn

Nun ist unsere Expedition nach Vietnam schon wieder Vergangenheit, uns bleibt nur ein von vielen sicher ernst gemeintes „Auf Wiedersehen!“. Nachzutragen sind die Ereignisse des letzten Tages, und ein kurzes Fazit möchte ich ebenfalls ziehen.


Filiz Osmanodja mit Vater und Bernd Rosen

Noch wichtiger als die Vizeweltmeisterschaft von Filiz Osmanodjafür ist sicher die Tatsache, dass wir vor Ort von Krankheiten und Unfällen verschont blieben und wohlbehalten wieder in Deutschland angekommen sind. Letzteres ist gar nicht so selbstverständlich, wie uns eine überraschende Begegnung am Flughafen in Ho Chi Minh City zeigte: Unser kolumbianischer Schachfreund Luis Fernando Rodriguez berichtete aufgeregt, dass seine Tochter und er selbst viel zu spät am Flughafen ankamen, weil bei der Abflugzeit wohl ein Missverständnis unterlaufen ist. Jetzt müsse er drei Tage auf die nächste Flugmöglichkeit nach Hause warten und solle außerdem noch ein neues Ticket kaufen. Trotz der Sorge um die aktuelle Situation berichtete er mir strahlend, mein Foto von ihm und unserem Delegationsleiter Hartmut Jorczik werde in Kolumbien bereits im Internet verbreitet.


Dennis Wagner

Außer Filiz gelangte auch Dennis Wagner mit einem energischen Schlussspurt (3 aus 3) unter die ersten 10 in der Altersgruppe U12: 7,5 Punkte und 9. Platz lautete sein ausgezeichnetes Endergebnis. Eine ähnliche Platzierung wäre auch für Julian Jorczik, Max Beerchtenbreiter und Jens Kotainy möglich gewesen, aber von diesen Dreien schaffte nur Max ein Remis. Immerhin blieben nur vier unserer Starter unter 50%, alle erreichten mindestens 4,5 Punkte.


Sophia Schmalhorst

Hervorzuheben ist noch die tolle Leistung von Sophia Schmalhorst (U12), die 7 Punkte erzielte. Punkte und abschließende Platzierungen sind bei chess-results.com einsehbar. Hier einige weitere Impressionen von der letzten Runde:



Letzte Anweisungen von Ignatius Leong



Vermisst jemand seine Teilnehmerurkunde?



Filiz Osmanodja – Bodda Pratjusha



Lea Maria Brandl



Xianling Xu mit 6,5 Punkten!



Die Meisterschaftszeitung



WM? Nichts ist spannender als ein gutes Buch?



Überragende Nation bei dieser Weltmeisterschaft war Indien, die die Medaillenwertung mit großem Vorsprung anführt. Hier hat Viswanathan Anand offensichtlich eine totale Schachbegeisterung ausgelöst, die in wenigen Jahren auch in der Spitze zu einer beeindruckenden Leistungsdichte geführt hat.

Inzwischen hatten wir uns schon daran gewöhnt, dass bei dieser WM alles ein bis drei Nummern größer ist. „Natürlich“ wurde auch die Abschlussveranstaltung wieder live und landesweit im Fernsehen übertragen. Die deutsche Fahne hielt bei dieser Veranstaltung unsere Silbermedaillengewinnerin Filiz hoch, hier einige Fotos von der Siegerehrung:



 

Zu dem tollen WM-Erlebnis tragen natürlich auch die persönlichen Begegnungen mit Menschen aus der ganzen Welt bei. Jonathan Carlstedt freundete sich mit seinem Gegner aus der 6. Runde an: Der Türke Ertan Can spricht dank seiner in Köln lebenden Großmutter akzentfrei deutsch. Nach der Partie gegen den Iraner Toufighi Homayoon beobachtete Jonathan, dass dieser ausgerechnet mit den israelischen Spielern (!) ein besonders freundschaftliches Verhältnis pflegt. Besondere Verbrüderungsszenen spielten sich zwischen unseren Jugendlichen und der italienischen Delegation ab; ein Fußballspiel Deutschland – Italien, geleitet von zwei türkischen Schiedsrichtern, endete mit einem „historischen Sieg“ (Max Berchtenbreiter) unserer Auswahl – leider habe ich das exakte Endresultat schon wieder vergessen:

Ich selbst kam am Ende unseres Aufenthalts mit unseren beiden „Volunteers“ Diëm und Phuong ins Gespräch. Die beiden jungen Damen studieren im ersten Jahr Englisch und können sich genauso wenig vorstellen, ab Montag wieder im Alltagstrott zu stecken wie ich, dann wieder an meinem Schreibtisch im Büro sitzen. Diëm berichtete, dass sie schon einmal bei einem großen Turnier als Volunteer mitgemacht habe, dabei habe es sich aber um ein Turnier im chinesischen Schach gehandelt. Beide jungen Damen bestanden auf einem Abschiedsfoto, und da ich mir keine Klagen über nicht veröffentlichte Bilder einhandeln will (unvorsichtiger Weise haben wir die Emailadressen ausgetauscht!), hier beide Fotos:


B.R. mit Phuong (Aufnahme Diëm)


B.R. mit Diëm (Aufnahme Phuong)


Unser Hotel bat alle Delegationen, sich mit einem persönlichen Kommentar im Gästebuch einzutragen. Nach einer Nachtschicht gelang es uns tatsächlich, ein der Gastfreundschaft unserer Gastgeber angemessenes Dokument zu fabrizieren, das wir hier im pdf-Format dokumentieren möchten:


Zum Vergrößern anklicken

Vung Tau ist ein Badeort, und da unser Bus erst am Nachmittag in Richtung Flughafen startete, nutzten einige Spielerinnen und Eltern die Chance, wenigstens für einen Vormittag Badeurlaub zu spielen.
 


 




Vietnam hat einige andere Kuriosa zu bieten. Zunächst noch einmal ein ungewöhnlich öffentlicher Ort für ein Schläfchen:

 

Von einem Fehldruck bei Briefmarken habe ich schon mal gehört – aber bei Omnibussen? Suchbild mit einem unerklärlichen Unterschied:

Zum guten Schluss noch eine Merkwürdigkeit: Die Vietnamesen zeichnen auf dem Lageplan zwar genau ein, wo die Mattsau sitzt, wissen aber nicht einmal, wie diese korrekt geschrieben wird:

„I am very sad – all are very friendly and now you leave at the same moment!“ trauerte Diëm einer bemerkenswerten und schönen Zeit nach. Liebe Diëm – wir trauern auch und mancher von uns meint es buchstäblich, wenn er sagt:

„Auf Wiedersehen, Vietnam! - Chào Viet Nam!“

 

 

 

 

 


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