"Viererbande" im Gleichschritt

28.11.2003 – Zwei Runden vor Schluss der Computer-WM zeigten die vier Favoriten keinerlei Blöße. Shredder siegte erneut im Angriffsstil, aber auch Fritz, Junior und Brutus kamen zu klaren Siegen. Es führen weiter Shredder und Fritz, nun mit 7,5 Punkten, vor Junior (7) und Brutus (6,5). Morgen werden die letzten beiden Runden gespielt. Bei Punktgleichheit an der Spitze kommt es zu einem Stichkampf. Terminplan bei chess003.... Offizielle Turnierseite der Computerschach-WM... Graz 2003...Partien, Fotos, Bericht...

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Graz, 22. bis 30.November 2003

Die Partien der ersten Runde zum Nachspielen...

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Graz 9. Runde
Peter Schreiner


Peter Schreiner in Graz

Während der achten Runde gab es den ersten Wermutstropfen im WM-Turnier. Die ICGA disqualifizierte nach der 8.Runde das deutsche Amateurprogramm List. Begründung: Die Engine von Fritz Reul soll größenteils auf der Freeware Crafty von Prof. Dr. Robert Hyatt basieren. Autor Reul weigerte sich, den Organisatoren den Sourcecode seines Programms zwecks Überprüfung zur Verfügung zu stellen. Der Autor von Brutus protestierte gegen die Entscheidung. Immerhin mussten einige Teilnehmer während des Turniers Punkte gegen List abgeben, während andere Teilnehmer in den letzten Runden die Punkte kampflos zugesprochen bekamen. Viele Programmierer waren über diese Entscheidung ebenfalls sehr verärgert. Wenn man berücksichtigt, dass die Teilnehmer Reise- und Aufenthaltskosten selbst tragen und wertvollen Urlaub opfern, ist der Ärger verständlich.

Generell ist der Tenor unter den Teilnehmern der, dass List das Turnier zu Ende hätte spielen sollen. Damit wäre nach Meinung der Teilnehmer zumindest gewährleistet gewesen, dass das Turnier ohne Verzerrung bis zum Ende durchgespielt worden wäre. Zum Bedauern der Teilnehmer wurde der Protest von der ICGA abgelehnt, da es Fritz Reul ablehnte, wie in den Regel definiert, den Sourcecode seines Programms vorzulegen.
 


GM Karsten Müller schaut vorbei

Das Spannungsmoment des Turniers ist die Frage, ob die punktgleichen Spitzenreiter Shredder und Fritz sicher ihre Punkte gegen die vermeintlich schwächeren Programme einfahren können. Shredder löste die Aufgabe problemlos. Gegen das von Quark gewählte Französisch spielte Shredder das von Theoretikern als minderwertig beurteilte 3. Ld3. Bei der Bewertung muss man wissen, dass solche Bewertungen für Computer nicht unbedingt zutreffen. Entscheidend war in der Partie, dass Quark umgehend aus dem Buch war und mit der Stellung nichts anfangen konnte. Quark fraß gierig in typischer Computermanier die weißen Bauern auf b2 und d4, während Shredder seine Entwicklung beendete und schnell seinen dringend benötigten Punkt einfuhr.

Fritz stand Shredder nicht nach und machte sicher gegen den Newcomer Nexus den dringend benötigten Punkt.


Nexus gegen Fritz

Weltmeister Junior und Brutus gewannen ebenfalls ihre Partien und halten Anschluss an die Führenden.


Chrilly mit Sekundant

Insbesondere Junior darf nicht unterschätzt werden. Bei einem Ausrutscher der führenden Fritz und Shredder ist er wieder mit dabei.


GM Peter Wells

GM Peter Wells kommentiert die Partien live. Es ist schon beeindruckend, wenn man sieht, dass der Großmeister ohne Analyseunterstützung durch eine Schachengine durchweg mit der Beurteilung der einzelnen Stellungen richtig liegt. Ich habe die Gelegenheit genutzt, GM Wells nach seiner Meinung über die Performance der einzelnen Programme zu befragen.

Frage: Peter. Warum setzt Du während der Kommentierung der Partien keine Schachengine ein ?

Antwort: Der Hauptgrund liegt darin, dass sich in dieser von Computern beherrschten Umgebung eine menschliche Komponente einbringen will.

Frage: Im Rahmen der Kommentierung hast Du Dich besonders intensiv mit der Spielweise der Programme beschäftigt. Wo liegen Deiner Meinung nach die Stärken und die Schwächen der Programme ? Oder sind die Schwächen kaum noch wahrnehmbar ?

Antwort: Der qualitative Unterschied zwischen den vier Topprogrammen und dem restlichen Teilnehmerfeld ist meiner Meinung nach erheblich. Bei der Bewertung der Leistungen muss man diesen Umstand berücksichtigen. Die hervorstechendste Stärke ist nach wie vor das taktische Leistungsvermögen. Das ist aber schon länger so. Die vier Top-Programme demonstrieren hier ein teilweise beeindruckendes Verständnis im positionellen Spiel. Das Endspiel ist ebenfalls hervorragend. Die Amateurprogramme fallen im direkten Vergleich zu diesen Programmen deutlich ab. Viele Programme sind immer noch zu materialistisch eingestellt und verstehen dynamische Aspekte des Spiels nicht. Ein typisches Beispiel war die Partie Shredder-Quark, in der Quark gierig jeden Bauern nahem und das Wesen der Stellung überhaupt nicht verstanden hat.

Frage: Teilweise zeigten die Programme beachtliche positionelle Leistungen. Wie beurteilst Du das positionelle Leistungsvermögen der Programme ?

Antwort: Ich war etwas überrascht, wie stark die aktuellen Spitzenprogramme im positionellen Spiel agieren. Beeindruckend fand ich in dieser Hinsicht die Leistungen von Fritz gegen List und Shredder

Frage: Welche Programme haben Dich hier besonders beeindruckt ?

Antwort: Bisher kannte ich vor allem Fritz und Junior, auch aus deren Partien in den Matches gegen Kasparov. Als Mensch beurteilt man die Spielweise immer etwas aus der Sicht der eigenen Vorlieben. Bei diesem Turnier haben mir am besten die Partien von Shredder gefallen. Ich empfehle einmal, die Partien von Shredder gegen List mit dem Läuferopfer auf b2 oder die Partie gegen Brutus nachzuspielen.

Frage: In diesem Jahr haben wir zwei Matches von teilnehmenden Programmen (Junior + Fritz) gegen Garry Kasparov gesehen ? Wie lange wird es Deiner Meinung nach dauern, bis der Mensch keine Chance mehr gegen einen Computer hat oder wird Deiner Meinung nach dieser Fall nie eintreten ?

Antwort: Ich denke schon, dass der Moment (leider) kommen wird, wo der Mensch keine Chance mehr haben wird. Die Matches sind teilweise schwer zu bewerten, weil Kasparov nicht in seinem typischen Stil, sondern eher Anticomputerschach gespielt hat. Ich fürchte, dass der Mensch in fünf Jahren, vielleicht auch erst in 10 Jahren keine Chance mehr hat.

Frage: Das Medium Schach hat durch das Internet ganz neue Dimensionen bekommen. Hier wurde erstmals ein laufendes Turnier auf schach.de mit allen Partien inkl. Audio- und Videokommentierung übertragen. Wie beurteilst Du die künftige Entwicklung für das Schach ?

Antwort: Schach ist momentan in einer Krise. Es ist schwierig Sponsoren für Schach zu gewinnen. Die hier demonstrierte Technologie von ChessBase wird sicher dazu führen, dass Schach medienwirksamer präsentiert werden kann und damit für Sponsoren wieder interessanter wird.


 

 

 

 

 


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