"We play like Germans"

09.05.2007 – Die kaukasische Fraktion war beim Dubai-Open besonders erfolgreich. Georgier, Aserbeidschaner und Armenier belegten viele der vorderen Plätze. Levan Pentsulaia aus Georgien wurde dank bester Sonderwertung Turniersieger. Selbst in der letzten Runde wurde noch diszipliniert um Sieg und Platz gekämpft. "We play like Germans!", erklärte Tigran Petrosian dem Autor unseres Berichts, Andreas Albers, die Gründe für den unermüdlichen Einsatz. Der Ruf deutscher Tüchtigkeit im Ausland ist offenbar nach wie vor ungetrübt, sogar im Schach. Mehr...

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Dubai in georgischer Hand!
Levan Pantsulaia siegt beim Dubai-Open 2007!
Von Andreas Albers

10 Tage arabische Sonne, 9 spannende Runden und unzählige unvergessliche Erlebnisse liegen hinter den Teilnehmern des diesjährigen Dubai-Opens.

Zunächst zum Turniergeschehen:

Man muss den Spielern ein Lob aussprechen. Natürlich gibt es immer gute Gründe, auch mal ein schnelles Remis einzuschieben, aber eine kurze Durchsicht ergibt, dass an den ersten 15 Tischen, immer mindestens 10 Partien voll ausgekämpft wurden. Das ist bei weitem nicht bei jedem deutschen Open der Fall, denke ich. Es gibt verschiedene Gründe für diese Aggressivität: Zum einen drängten immer wieder asiatische Talente in die Spitze, die den Großmeistern kräftig zusetzten und keinerlei Respekt vor großen Namen zeigten. Und vielleicht haben auch die deutschen Amateure zur Stimmung beigetragen. So staunte Tigran Petrosian nicht schlecht, als er nach 4 Stunden an den hinteren Brettern vorbeischlenderte und die beiden Hamburger Rolf Sander und Andreas Albers immer noch kämpfen sah. Eine Runde später kam es zur armenischen Paarung Melkumyan–Petrosian und Tigran erklärte mir „we play like Germans!“


Tigran Petrosian lernt „deutsche Tugenden“.....


 ...von Rolf Sander

Neben dem Kampf um den Turniersieg waren die Blicke immer wieder auf Shirin Navabi gerichtet. Die sympathische Iranerin hatte bereits in Runde 1 IM Kayumov nach 13 Zügen eine Figur weggenommen und brachte danach einen Titelträger nach dem anderen zur Verzweiflung. Besonders beeindruckend das Zeitnotgefecht in Runde 6 mit IM Mohamed Tissir, in dem beide mit Leichtfigur, Turm und Bauer zahlreichen Zugwiederholungen auswichen und bis zur letzten Patrone um den vollen Punkt kämpften. Am Ende verpasste Shirin um einen halben Punkt eine IM-Norm der Männer, aber die WGM Norm war mit 4,5/9 gar kein Problem, Herzlichen Glückwunsch!


(Bild 002: Fast die IM-Norm, Shirin Navabi in der letzten Runde gegen Hrant Melkumyan)

Nicht ganz zufrieden mit sich war ihre Freundin Atousa Pourkashian, die im letzten Jahr eine IM-Norm gesichert hatte, diesmal aber ein wenig unglücklich spielte.


Atoussa Pourkashian lächelt trotzdem

Beste Dame wurden punktgleich mit 6/9 die Inderin Humpy Koneru und die Exweltmeisterinen Maja Chiburdanidze und Zhu Chen, die mittlerweile gemeinsam mit ihrem Ehemann Mohamed Al Modhiahki für Katar spielt.


Humpy Koneru sichert sich den ersten Damenpreis


Maja Chiburdanidze, natürlich mit Hut und ihrem typischen Lächeln


Sieg in der letzten Runde gegen Pourkashian, so wurde es doch noch ein gutes Turnier für Zhu Chen)

Es gab allerhand Spekulationen vor der letzten Runde. Wer würde kämpfen, etwas riskieren und damit versuchen das Turnier alleine zu gewinnen und wer nimmt lieber den berühmten Spatz in der Hand? In Runde 8 hatten sich die beiden jungen Großmeister Levan Pantsulaia (Georgien) und Gadir Guseinov (Azerbaidschan) vom Feld abgesetzt und mit 5,5/8 einen halben Punkt Vorsprung, vor allem aber die besten Feinwertungen.


Levan war nach seinem Schwarzsieg gegen Tigran Kotanjian nicht zufrieden: It was a very bad game!“

Die Auslosung am Abend vor der Runde ergab, dass Guseinov mit Schwarz gegen Pantsulaias Landsmann Mikheil Mchedlishvili antreten musste, Pantsulaia selbst gegen den starken Darmen Sadvakasov mit Weiß. Nach einem kurzen Remis in Mchedlishvili–Guseinov stand fest, sollte Pantsulaia nicht verlieren, wäre er der Turniersieger.

Guseinov überbrückte die quälend lange Wartezeit mit einem Internetbullet-Duell mit Ahmed Adly, der nur einen Stuhl weiter saß.


Warum spielen die eigentlich nicht an einem richtigen Brett?

Doch Sadvakasov versuchte mit Schwarz alles, spielte aggressiv und gut und erreichte nach eigener Aussage eine gute Stellung. Als sich allerdings einige Ungenauigkeiten einstellten und die Stellung zu kippen drohte, sicherte er mit einem Remisangebot sein gutes Turnier und seinem Gegenüber den Turniersieg.


Al Jazeera berichtet live von der Finalrunde


Sadvakasov (rechts) versucht Pantsulaia noch zu stürzen)

Gemeinsam mit Levan kamen auch Guseinov, der Iraner Amir Bagheri und Sarhan Guliev auf 7/9


Co-Sieger Gadir Guseinov


Der alte Fuchs Sarhan Guliev schlug in der letzten Runde Pavel Kotsur


Darmen Sadvakasov aus Kasachstan auf Rang 6


Susanto Megaranto, Indonesien, Platz 7


Ashot Anastasian, Armenien Platz 8


Ehsan Ghaem Maghami, Iran Platz 9


Mikheil Mchedlishvili aus Georgien kam gerade noch in die Top 10


Ihm ging am Ende die Luft aus: der junge Großmeister Ahmed Adly aus Ägypten.

Bei der kurzen aber stimmungsvollen Siegerehrung, einen Tag nach dem Turnier nahm Levan den wunderschönen Pokal vom Scheich persönlich entgegen und fand sich natürlich auch für das große Gruppenfoto ein.


Levan Pantsulaia verlor keine Partie und spielte eine Weltklasseperformance von über 2700 Elo


Alle Sieger auf einem Bild

Auch an den hinteren Brettern wurde natürlich kräftig gespielt, es ging um Ehre, Erfahrung oder auch einfach nur den Spaß am Spiel:


Das nächste große Talent aus dem Iran, Ghazal Hakimifard, 12 Jahre alt und nach dem Turnier mit einer Elo über 2000


und Shahin Koohestani aus dem selben Jahrgang, Elo 2114

Genossen Dubai in allen Facetten: Roland Frosch und....


Mario Sandhu aus dem schönen Österreich


Jawad Ishan aus Palästina

Die relativ kurze FIDE-Bedenkzeit (90 Minuten für die ganze Partie + 30 Sekunden pro Zug) kann man diskutieren wie man will, sie hat auch ihre Vorteile. GM Tamaz Gelashvili grinst schelmisch: „Es ist perfekt, so gibt es mehr interessante Partien. Je länger die Bedenkzeit ist, desto mehr langweilige Partien!“ Nun gut, für uns Amateure hatte es den Vorteil, dass sich genügend Zeit findet, um auch den touristischen Teil zufriedenstellend zu erfüllen.

Ein Trip ins Nachbaremirat Sharjah brachte für Michael Klyszcz doch wieder einige Überraschungen. Zuerst einmal die üblichen wunderbaren Souks (Märkte):


Smile, you are in Sharjah!


Das alte Marktgelände

Neben den üblichen Souvenirshops geht Michael schnell auf Jagd nach arabischer Musik:


Überall hängt alles mögliche an der Wand


Die neusten Scheiben aus dem nahen Osten!


Arabische Textilien...


 ...und Düfte!)

Ein wenig weiter entdecken wir zunächst einen großen Gemüsemarkt mit Köstlichkeiten soweit das Auge reicht. Anders als in Dubai werden wir hier sofort angesprochen und scheinen (zumindest in der Mittagshitze, wo kein „normaler Mensch“ rumläuft) doch eine kleine Attraktion zu sein.


Das Marktgelände


Datteln in den verschiedensten Sorten


Große Gemüseauswahl


Michi bekommt gleich eine Gurke zum Probieren


und eine kleine Melone zum Tragen

So langsam wird die Hitze unerträglich und wir machen uns auf die Suche nach einem kleinen Imbiss, da stoßen wir auf dieses Schild:


Aha, jetzt geht es richtig los

Ein Schlachter reiht sich an den anderen und lustigerweise werden wir pausenlos begrüßt mit: „Are you German?“ Niemand in Dubai ist auf die Idee gekommen, wir wären Deutsche, aber hier in Sharjah scheinen die Leute ein Gespür für Nationalitäten zu haben. Überraschend auch, dass die Schlachter ganz heiß darauf sind, mit uns Fotos zu machen. Eigentlich ist es eher unangenehm für Moslems fotografiert zu werden, aber wir werden einfach nicht losgelassen, bevor wir mit jedem einzelnen abgelichtet wurden:


Michi lernt schon mal seine Gegner auszunehmen


und ich darf auch mal hinter die Schlachtbank

 Dann finden wir endlich einen schattigen Imbiss, der uns neben einem vorzüglichen Wassermelonensaft auch gutes Essen beschert und eine kleine Katze, die sich so graziös hinlegt, dass ich schließlich nachgebe:


Guten Appetit, ein langer Spaziergang hat uns hungrig gemacht


So kann man diese Wärme gut aushalten!

Am letzten Abend in Dubai finden wir noch ein besonders hübsches Exemplar der arabischen Wüste:


Ein blaues Kamel?


Diese Drinks sind super, aber was ist da bloß drin?

Schade, dass es schon wieder vorbei ist, aber im nächsten Jahr geht es wieder los und dann hat sich diese wunderbare Stadt schon wieder völlig verändert.

 

 

 

 


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