12-h-Blitz in Kuppenheim: Interview mit Loek van Wely

10.05.2004 – Beim 12-Stunden-Blitz in Kuppenheim (14./15.Mai) ist in diesem Jahr Loek Van Wely der Internet-Gast, der seine Partien von zu Hause aus über den Fritz-Server spielen wird. Der niederländische Spitzenspieler gilt als schnellster Großmeister der Welt. Seiner Leidenschaft fielen bereits zwei Sportwagen zum Opfer. Auch sonst schaut sich Van Wely das übrige Leben neben dem Brett mit offenen Augen an. Doch seit er mit seiner Freundin fest liiert ist, hat er sein Interesse für das Frauenschach deutlich zurücknehmen müssen. Dies wird seiner Spielstärke wieder deutlich zu Gute kommen, glaubt Van Wely. Im Interview mit Hartmut Metz gibt er "die Weltmeisterschaft Libyen 2004" und "Corus Wijk aan Zee 2005" als seine größten Erfolge an. Die Porzer sehen das vielleicht anders: Am vergangenen Wochenende half Van Wely mit seinem Sieg über Shirov die deutsche Mannschaftsmeisterschaft zu gewinnen. Wer zudem wissen will, wer die Top Drei im Frauenschach sind, sollte sich das folgende Interview nicht entgehen lassen. Zur Rochade Kuppenheim...Das Interview...

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Drohende Ablenkung durch Freundin
Online-„Chauvi“ van Wely fürchtet um seinen Vorteil in Kuppenheim
Von Hartmut Metz

Loek van Wely ist vermutlich nicht ganz der weltbeste Schachspieler – aber gewiss der lustigste und schnellste Großmeister. Letzteres will er nicht nur am Freitag (ab 20 Uhr live auf dem Fritz-Server) als Online-Spieler beim Kuppenheimer Zwölf-Stunden-Blitz (Anmeldeschluss 19.30 Uhr in der Wörtelhalle) beweisen. Am liebsten zeigt er es abseits der 64 Felder mit seinen schnellen Autos, die in rascher Folge wechseln. Notgedrungen, wenn der Niederländer mal wieder eines zerlegt, aber „Lucky Loek“ gottlob dem verformten Blech unversehrt entsteigt. Die kleinen Unbilden auf den Autobahnen dieser Welt – eigentlich ist jede Straße eine Autobahn für „Quick Loek“ – steckt der 31-Jährige mit seinem Humor weg.

Ein Interview mit Van Wely wird nie langweilig. Selbst auf die banalsten Fragen weiß er originelle Antworten. Das beginnt schon bei den einfachen Daten des ehemaligen Weltranglisten-Zehnten (2714 Elo). Wie oft niederländischer Meister? „Nur viermal, aber das Leben dauert noch lange“, erklärt der Daueroptimist. Am Sonntag hat der derzeitige Weltranglisten-46. (2651 Elo) immerhin schon einen deutschen Titel zu seiner Sammlung hinzugefügt. Im Stichkampf gegen den SC Baden-Oos ebnete van Wely durch seinen Sieg über Alexej Shirov den Weg für den zehnten deutschen Meistertitel der SG Köln-Porz.

Noch größere Erfolge stehen aber kurz bevor: Die „WM 2004 in Libyen und das Topturnier in Wijk aan Zee 2005“ nennt van Wely als seine „größten Erfolge“. Der angehende Weltmeister wohnt noch in Tilburg? „Wenn man das wohnen nennt, ja.“ Vor dem Sparkassen-Cup am 14. Mai in Kuppenheim sprach Hartmut Metz mit Loek van Wely.


Frage:
Herr van Wely, wären Sie Weltranglistenerster, wenn Sie beim holländischen Topturnier in Wijk aan Zee nicht immer so grausam schlecht abschneiden und Elo-Punkte einstellen würden?

Loek van Wely:
Mein Abschneiden war die letzten zweimal nicht ganz so schlimm – obwohl,  für einen holländischen Superstar ...

Frage: Woran liegt es, dass Sie in Wijk aan Zee fast immer eins auf die Mütze kriegen? Ist dem Action liebenden Großmeister der kleine Ort zu langweilig, so dass er sich unwohl fühlt?

van Wely: Ich fühle mich immer wohl in Wijk aan Zee - aber meine Gegner noch wohler, vor allem nach unseren Partien! Aber man muss das Turnier ernst nehmen. Es ist kein Amsterdam Open, das man locker mit 8,5/9 gewinnt.

Frage: Warum spielen Sie so schwankend? Mal Top Ten – dann nur knapp über 2600 Elo. Liegt es am wilden Spielstil? Oder arbeitet Loek van Wely zu Hause zu wenig und macht während der Turniere die Nacht in Bars durch?

van Wely: Mein Spiel ist sehr abhängig von meiner Energie. Zum Glück habe ich gerade das Energie-Match gegen Jan Timman gewonnen. Also in Zukunft werde ich vorne wieder voll dabei sein.

Frage: Wie weit könnten Sie es bringen, wenn Sie sich solide wie ein Kasparow, Anand oder Kramnik vorbereiten würden?

van Wely: Also dieses Trio ist noch immer ein klein bisschen besser als ich – wenn ich mir jedoch früher nur etwas mehr Mühe gegeben hätte ... Glücklicherweise liegt das aber schon  weit hinter uns – ich meine, glücklicherweise für Kasparow, Anand und Kramnik.

Frage: Wie sind Ihr Ruf und Ihre Stellung in den niederländischen Medien, die traditionell seit Max Euwe viel über Schach berichten? Ich kann mir vorstellen, dass die Medien froh sind, einen Paradiesvogel zu haben, der im Gegensatz zu vielen anderen Schachprofis nicht nur Standardfloskeln, sondern auch lockere Sprüche drauf hat.

van Wely: Ja, jede Frau in Holland liebt mich bestimmt, und alle Männer hassen mich. Zumindest glaube ich, dass ich einerseits eine große Gruppe von Fans habe, die es schätzen, wenn man einfach seine Meinung sagt, andererseits gibt es eine Gruppe – die garantiert von mir nicht umgarnt wird -, die glaubt, dass das ein Zeichen mangelnden Respekts ist.

Frage: Ein Sekundant von Ihnen soll bei der WM für jede Runde, in der Sie weitergekommen sind, einen Bordellbesuch frei gehabt haben. Das Turnier war für ihn wie Sie befriedigend: Sie kamen weit, bis ins Viertelfinale, was genug Preisgeld für einen teuren BMW bedeutete.

van Wely: Das war bei der Weltmeisterschaft in Groningen 1997. Es hätte noch viel besser laufen können, aber ich konnte ein Springer-Endspiel mit zwei Mehrbauern gegen Michael Adams nicht gewinnen. Vielleicht hätte ich in diesem Moment Mickey auch etwas anbieten sollen? Ein Bier vielleicht?

Frage: Sie lieben schnelle Autos und Frauen. Erst zu den Pferdestärken: Vor einigen Jahren wurden gerne Unfallwagen von Ihnen in Schachzeitungen abgebildet. Wie viele Autos haben Sie schon zerstört?

van Wely: Nur zwei. Deshalb habe ich wie eine Katze immer noch viele Leben übrig.

Frage: Sie sind im Internet schnell – und mit den Autos offensichtlich auch. Selbst Schuld gewesen bei den Unfällen?

van Wely: Nein, natürlich nicht! Für Schnee und Wasser gibt es eigentlich keinen Platz auf der Autobahn und beides gehört da nicht hin.

Frage: Wie viele Strafzettel erhalten Sie im Monat für zu schnelles Fahren und sonstige Vergehen?

van Wely:  Wenn meine Freundin mein Auto fährt, viele, ansonsten natürlich keine. Ich bin einfach zu schlau. Außer einmal, da hat mich wieder Ivan Sokolov als Beifahrer angestachelt. Er treibt mich immer an mit „Go Loeky, go!“ Wir befanden uns auf dem Weg zu einer Bundesliga-Runde von Porz. Als die Polizei an uns vorbeidüste, hängte ich mich dran. Ivan wollte, dass ich die sogar überhole, aber ich erklärte ihm, dass man die Polizei als anständiger Bürger nicht überholt – und es überdies unklug sei. Ich also nur hinterher: Die mit 180, wo lediglich 120 Stundenkilometer erlaubt waren. Rein in die Baustelle mit 120, obwohl nur 80 gestattet waren. Dann kam irgendwann die Anzeige aus dem Polizeiwagen: „Bitte folgen Sie uns“. In dem Auto befanden sich zwei Frauen und ein Mann. Ich mutmaße, dass der Polizist seine zwei Kolleginnen beeindrucken wollte. Daher redete er davon, mir sofort den Führerschein abzunehmen! Na ja, es wäre ausnahmsweise an dem Tag besser gewesen. Ich kam mit nur 50 Mark Buße davon – zerlegte aber noch am selben Abend meinen BMW … 

Frage: Gibt es etwas, was Sie mehr lieben als deutsche Autobahnen ohne Tempobegrenzungen?

van Wely: Deutsche Frauen ohne Tempobegrenzungen.

Frage: Einst war ein BMW Ihr großer Traum, der am Baum endete. Von welchem Auto träumen Sie derzeit?

van Wely: Ein BMW X5 reicht momentan.


Frage:
Sie kokettieren auch gerne mit Ihrer Rolle als „großer Kenner der Schachspielerinnen“. Welche haben Sie verehrt und sind die zehn hübschesten?

van Wely: Zehn ist ja zu viel, ich möchte zumindest etwas selektiv vorgehen: Dana Reizniece ist sehr hübsch, Regina und ihre Schwester Renata Pokorna ebenso.

Frage: Und was ist mit Alexandra Kostenjuk, die gerne als Schach-Model auftritt?

van Wely: Der Vergleich mit Anna Kurnikowa hinkt mit Sicherheit. Kostenjuk hat keinen Sexappeal.

Frage: Mit welcher Masche reißt ein berühmter Top-Großmeister Schachspielerinnen auf? Verspricht er ihnen, sie bei sich zu Hause einen Blick in seine große Chessbase-Datenbank werfen zu lassen? Oder gibt’s andere Tricks wie bei Popstars?

van Wely: Ich lasse mich nie erpressen, tut mir Leid! Ich gewähre keine Einblicke in meine wichtigsten Schachgeheimnisse.

Frage: Trotzdem sind Sie jetzt bei keiner Top-Schachspielerin gelandet. Werden Sie mit Ihrer Freundin und bald einer Familie viel ruhiger – und womöglich auch schachlich besser?

van Wely: Sie spielt auch gerne Schach und verfolgt sehr gerne meine Partien. Ich bin schon etwas ruhiger? Noch ruhiger? Ja, noch ruhiger! Das ist natürlich gut für mein Schach – ich sollte jedoch nicht zu früh jubeln. Frauen sind sehr gefährlich – man muss sich nur mal meine Elo-Zahl vom 1. Januar 2004 anschauen (Anmerkung: Mit 2617 Elo stand van Wely so tief wie seit vielen Jahren nicht mehr, ehe der 31-Jährige wieder 35 Zähler hinzugewann)!

Frage: Mit der Ihnen inne wohnenden Bescheidenheit firmieren Sie im Internet als „King Loek“. Ist der Nickname von den Leistungen her berechtigt?

van Wely: Schachlich nicht.

Frage: Wen halten Sie für den Besten im Netz?

van Wely: Mich und Sie ausgenommen?

Frage: Ja, selbstverständlich.

van Wely: Meinen besten Freund Robert Rabiega. Spielt er eigentlich noch? (Anmerkung: Die beiden lernten sich bei den Frankfurt Chess Classic 2000 kennen und schätzen).

Frage: Sie haben auch schon an sehr langen Blitzturnieren teilgenommen. Sehen Sie Probleme, beim Sparkassen-Cup in Kuppenheim die zwölf Stunden durchzuhalten?

van Wely: Überhaupt nicht. Ich habe einmal ein 17-stündiges Match gegen Alexander Rustemow ausgetragen.

Frage: Im Gegensatz zur Konkurrenz spielen Sie nicht vor Ort, sondern auf dem Fritz-Server online. Ein großer Vorteil für Sie?

van Wely: Wenn ich nicht von meiner Freundin abgelenkt werde, ja.

Frage: Roland Schmaltz hat sich bei einer Teilnahme überlegt, seine eigene Maus mitzubringen, um am PC leichter gegen Sie bestehen zu können. Ist die Maus so wichtig?

van Wely: Roland kann nicht ohne Maus leben: Er ist eine Katze.

Frage: Wie schätzen Sie Ihre Chancen im direkten Vergleich gegen den mehrfachen Bullet-Weltmeister Schmaltz alias „Hawkeye“ ein?

van Wely: In einer oder zehn Partien ganz gut, aber danach ist er der Chef.

Frage: Im Internet hört man zunehmend von Betrugsversuchen mit Computern, die Spieler nebenher laufen lassen, um ihre Bilanzen zu schönen. Welche Erfahrungen haben Sie damit?

van Wely: Ich bin noch unschlüssig, ob ich beim Sparkassen-Cup Shredder oder Fritz einsetze. Das muss ich mir noch genau überlegen! Im Ernst: Es begeistert mich, Betrüger zu betrügen.

Frage: Sollten Sie beim Sparkassen-Cup den mit Preisen im Wert von 1.000 Euro dotierten ersten Platz einheimsen, wofür werden Sie diese ausgeben? Für neue Auto-Felgen?

van Wely: Ich habe Angst, dass meine Freundin davon neue Kleider kaufen wird. Könnten wir es eventuell verheimlichen, wenn ich einen Preis in Kuppenheim gewinne?

Frage: Das Geld verprassen Sie nicht durch eine Fahrt zu einem Frauenturnier? Ist Frauenschach für Sie jetzt zu uninteressant, nachdem Sie liiert sind?

van Wely:  Ich bin nicht verrückt. Wenn das herauskäme …

Frage: Noch abschließend zur Damen-EM. Wie beurteilen Sie die Siegerin bei der EM in Dresden?

van Wely: Wer hat gewonnen?

Frage: Keine Ahnung. Wir meinten natürlich nicht den sportlichen Ausgang, sondern die Kür von Anna Scharewitsch zur „Miss EM“.

van Wely: Die Mauern haben Ohren ...

 

 

 

 


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