65 Jahre Genna Sosonko!

19.05.2008 – Gestern feierte Gennadi Sosonko in Sofia seinen 65. Geburtstag. Im sibirischen Troitsk geboren wurde er nach seiner Übersiedlung nach Leningrad, heute wieder St. Petersburg, vom Schachvirus infiziert. Aus politischen Gründen verließ er 1972 die UdSSR und fand in den Niederlanden eine neue Heimat. Dort gibt er die New in Chess Yearbooks heraus und hat einige grandiose Bücher veröffentlicht (Russian Silhouettes, The Reliable Past, Smart Chip from St. Petersburg). In Sofia, wo Sosonko das Mtel-Turnier besuchte, gehörte sein früherer Landsmann Boris Spassky zu den ersten Gratulanten. Dagobert Kohlmeyer sprach mit dem Jubilar. Mehr...

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Happy birthday, Genna Sosonko!
von Dagobert Kohlmeyer

Unter den Ehrengästen in Sofia ist seit der zweiten Turnierhälfte auch Großmeister Gennadi Sosonko. Der heutige Niederländer russischer Herkunft feierte am Schlusstag des M’tel Masters seinen 65. Geburtstag. Zu den ersten Gratulanten gehörte Boris Spasski, der seine Kindheit und Jugend ebenfalls in Leningrad verbracht hat.

Am 18. Mai 1943 im sibirischen Troitsk geboren, kam Genna später nach Leningrad, wo er vom Schachvirus infiziert wurde. 1972 verließ Sosonko aus politischen Gründen die Sowjetunion und fand in den Niederlanden eine neue Heimat.

Zu seinen Motiven sagte er uns:

„Heimat das ist ein sehr starkes Wort. Ich fühlte mich dort nicht wohl, darum verließ ich den Staat, der heute nicht mehr existiert. Mir gefielen einige Gesetze nicht, die dort bestanden. Und ich fand eine neue Heimat und vor allem das, was ich suchte: meine persönliche Freiheit und die große Chance, die ganze Welt zu sehen.

Was hat dir das Schach gegeben?

„Wenn ich zurückblicke, dann gab mir das Schach all das, was bei weitem nicht jedem vergönnt ist. Das Spiel wurde aus einem Hobby zu meinem Beruf. Wer kann das schon von sich sagen?! Nachdem ich damit begonnen hatte, ließ das Spiel mich nicht mehr los. Schach erschloss mir im Laufe meines Lebens im wahrsten Sinne neue Horizonte. Durch meine Reisen zu vielen Turnieren lernte ich die ganze Welt kennen. Ich war auf allen Kontinenten, auch mehrmals in Australien sowie in Neuseeland. Das hätte ich nie erlebt, wenn ich in einem anderen Beruf tätig gewesen wäre.

Wie sehr magst du das gute alte Spiel?

Wenn mich jemand fragt, ob ich das Schach liebe, dann erwidere ich ihm: ‚Was für eine Frage? Das wäre genauso, als wenn man einen verheirateten Mann fragt, ob er seine Frau liebt‘. Aber im Ernst: Natürlich liebe ich es, und zwar in all seinen Facetten. Es ist wie gesagt ein großes Glück für mich, dass dieses schöne Hobby bei mir zum Beruf wurde. Ich bereue nichts, was ich in dieser Richtung im Leben getan habe“.


Mit Erwin L'Ami

Elfmal hast du für deine Wahlheimat Holland gespielt? Mit welchem Erfolg?

Am besten war ich in Haifa 1976, wo ich für mein Brettergebnis eine Goldmedaille bekam. Nizza 1974 war auch nicht schlecht und Thessaloniki 1988.

Welche Turniersiege sind dir noch in guter Erinnerung?

Zum Beispiel die ersten Plätze 1976 in Lugano, 1977 in Wijk aan Zee, 1978 in Nijmegen, 1981 nochmal in Wijk aan Zee. Es ist für jeden Holländer schön, zu Hause in unserem Schachmekka ein oder mehrmals zu gewinnen. 1993 gewann ich in Polanica Zdrój. Nicht vergessen werde ich natürlich auch meinen Sieg im Zonenturnier in Barcelona 1975 vor Jesus Diaz del Coral und Ludek Pachman.

Seit vier Jahren spielst du nicht mehr aktiv. Warum?

Nun, das Alter macht sich bemerkbar. Ich schreibe heute lieber für „New In Chess“ oder arbeite an meinen Büchern. Sehr ist mir daran gelegen, die Erinnerung an frühere große Schachmeister, auch an unbekannte, zu erinnern. Ein Beispiel dafür ist „Russian Silhouettes“, das 2001 herauskam.

Hast du eine Lieblingspartie?

Spontan fällt mir da eine vom Turnier 1979 in Tilburg ein, wo ich gegen Robert Hübner recht schnell gewonnen habe. Er machte keine groben Fehler, war aber schon nach wenigen Zügen überspielt.
 

G. Sosonko – R. Hübner
Tilburg 1979, Katalanisch E04

(Anmerkungen: G. Sosonko)

1.d4 Sf6 2.c4 e6 3.g3 d5 4.Lg2 dxc4 5.Sf3 a6 [Angebracht war 5...b5?!]

6.0–0! [6.Se5; 6.a4] 6...b5?! [6...Sc6] 7.Se5 Sd5 8.Sc3 c6

[8...Lb7 9.Sxd5 Lxd5 (¹9...exd5 10.e4 dxe4 11.Dh5 De7 (11...g6 12.Sxg6) 12.Lg5 De6 13.Tae1‚) 10.e4 Lb7 11.Dh5 g6 12.Sxg6 fxg6 13.De5+- Sosonko-Schneider, Buenos Aires 1978] 9.Sxd5 exd5 [9...cxd5 10.e4 Lb7 (10...dxe4 11.Lxe4 Ta7 12.Lc6+ Sd7 (12...Ld7 13.Lxd7+ Sxd7 14.Sc6) 13.d5‚) 11.Dh5 Dc7 (11...g6 12.Sxg6!) 12.exd5 Lxd5 13.Lxd5 exd5 14.Te1+-] 10.e4 Le6 11.a4 b4 [11...Le7 12.axb5 cxb5 13.exd5 Lxd5 14.Sxf7!+-; 11...f6 12.exd5 cxd5 13.Dh5+ g6 14.Sxg6 Lf7 15.De2++-] 12.exd5 Lxd5?+- [12...cxd5™ 13.Sxc4± (13.f4 Le7 14.f5 Lc8 15.Sxf7 Kxf7 16.Dh5+ Kf8 17.f6 Lxf6 18.Lh6‚ +-) ] 13.Dg4! [13.Te1 Le7 14.Lg5 Ta7 …0–0] 13...h5

Oder 13...Lxg2 14.Te1+-; 13...Le6 14.Dh5 Le7 (14...g6 15.Sxg6 fxg6 16.De5) 15.Sxc6 Sxc6 16.Lxc6+ +-. Schwarz hat die folgende Abwicklung nicht gesehen.

14.Lxd5! cxd5

Nach diesem Abtausch ist die Partie forciert gewonnen. Wenn 14...hxg4, so 15.Lxf7+ Ke7 16.Lg5+.

15.Df5 Ta7 16.Te1 Te7 17.Lg5 g6 18.Lxe7 1–0

 


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