Adventskalender: 15. Dezember

von André Schulz
15.12.2016 – Für die Leser der ChessBase-Nachrichten: Jeden Tag halten wir ein Türchen in der Adventszeit zum Öffnen bereit. Einfach anklicken und sich überraschen lassen, was sich dieses Mal finden lässt - jeden Tag bis zum 24. Dezember. Adventskalender, 15. Tür...

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In der Geschichte der Sowjetunion gab es eine Vielzahl fantastischer Schachspieler. Manche wurden durch ihre Erfolge, Turnierteilnahmen im Ausland oder durch den Abdruck ihrer Partien in Turnier- und Lehrbüchern auch international bekannt. Von einige großartigen Spielern erfuhr man im "Westen" jedoch lange so gut wie gar nichts. Rashid Nezmetdinov war so ein Spieler.

Rashid Nezhmetdinov wurde heute, vor 104 Jahren, am 15. Dezember 1912 in Aktjubinsk (heute Aqtöbe ) geboren, eine Stadt, die zu Kasachstan gehört und nahe zur russischen Grenze liegt. Seine Eltern waren tatarische Bauern, die in der Notzeit nach der russischen Revolution früh verstarben. Mit seinem Bruder zog Nezhmetdinov nach Kasan und lernte dort im örtlichen Schachklub das Schachspiel nur vom Zuschauen. 1927 gewann er das Turnier der Jungen Pioniere mit 15 Siegen in 15 Partien. In dieser Zeit lernte er aber auch das Damespiel und brachte es hier ebenfalls zur Meisterschaft und gewann bei den Damenmeisterschaften von Kazan das Halbfinalturnier, wurde Zweiter im Finalturnier und dann Sechster bei den Russischen Landesmeisterschaften. Später gewann er mindestens einmal die Russischen Meisterschaften im Damespiel.

1941 wurde Nezhmetdinov zur Armee eingezogen und war in der Bajkal-Region stationiert, wo er auch an Schachturnieren teilnahm. 1946 spielte er an einem von der Armee organisierten Turnier in Berlin mit - eine der wenigen Gelegenheiten, bei denen Nezhmetdinov ein Turnier außerhalb der Sowjetunion spielen konnte. 1947 wurde er aus der Armee entlassen und startete eine Karriere als Schach - und Damespieler. 1950 gewann er erstmals die Meisterschaften von Russland, die neben den UdSSR-Meisterschaften als Meisterschaften der Russischen Sowjetrepublik seit 1920 durchgeführt wurde. Alles in allem gewann Nezhmetdinov die Russischen Meisterschaften fünfmal, 1950, 1951, 1953, 1957 und 1958, was Rekord bedeutet. Mehrer Male ließ er viel bekanntere Spieler hinter sich. Einige Male wurde bei den Russischen Meisterschaften Zweiter. Auch an den UdSSR-Meisterschaften nahm er mehrfach teil, war hier aber nicht so erfolgreich. Er schaffte es immerhin fünfmal bis in das Finalturnier mit einem 7. Platz als bestes Ergebnis in Kiew 1954.

Trotz seiner unzweifelhaften Spielstärke und seiner Erfolge erreichte Nezhmetdinov niemals den Titel eines Großmeisters. Die Fide verlieh ihm immerhin den Titel eine Internationalen Meisters, nachdem er beim Turnier in Bukarest 1954 hinter Kortschnoj Zweiter wurde.

Nezhmetdinovs Qualitäten lagen vor allem im taktischen Bereich. Wenn er eine aktive Stellung erreichte, konnte er jeden Spieler in der Welt schlagen. In der UdSSR war er bestens bekannt und für seine Geniestreiche gefürchtet. Nezhmetdinov hatte ein positives Ergebnis gegen Tal und auch die Bilanz seiner 20 Partien gegen Schachweltmeister fällt zu seinen Gunsten aus. 1960 gehörte er zu Tals Team bei dessen Vorbereitung auf den WM-Kampf gegen Botvinnik.

Nezhmetdinov gratuliert Tal

Die folgende kleine Partienauswahl vermittelt einen Eindruck von den unglaublichen taktischen Fähigkeiten des Rashid Nezhmetdinov.

Nezhmetdinovs Geniestreiche

Schon als junger Mann wusste Nezhmetdinov, wie man einen Königsangriff kraftvoll vorträgt:

Kosalapov-Nezhmetdinov, 1936

 


In der Partie gegen Chernikov verblüfft Nezhmetdinov mit einem Zug, mit dem sein Gegner bestimmt nicht gerechnet hat:

Nezmetdinov- Chernikov, 1962

 

 

Der noch recht junge Michail Tal erhielt 1957 von Nezhmetdinov eine taktische Lehrstunde:

Nezhmetdinov-Tal, 1957

 

 

Die folgende Partie wurde bei den Russischen Landesmeisterschaften 1958 gespielt. Sie ist "Nezhmetdinovs Unsterbliche".

Polugajevsky-Nezhmetdinov, 1958

 

 

Rashid Nezhmetdinov starb am 3. Juni 1974 und ist auf dem Arskoe-Friedhof in Kasan begraben. Ein Gedenkstein an seinem Grab erinnert an dieses Taktikgenie.

Foto: Wikipedia, "Bogdanov-62"

 



André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
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