Anand zum Sportler des Jahres in Indien gewählt

09.05.2003 – Schach genießt in Indien große Popularität. Das liegt nicht nur daran, dass Indien das Ursprungsland dieses Spiels ist. Mit Viswanathan Anand, Weltmeister und mehrfacher Vizeweltmeister, verfügt das indische Schach über einen herausragenden Botschafter. Viele indische Nachwuchspieler eifern inzwischen dem populären und charmanten Schach-Superstar nach. Nun wurde Anand in Indien von der Hero Indian Sports Academy (HISA) zum Sportler des Jahres gewählt. Die HISA ist mit der Laureus Sport for Good-Stiftung verbunden, die mithilfe des Sports die soziale Integration fördern will. "Sport spricht zur Jugend in einer Sprache, die sie versteht", sagte Nelson Mandela anlässlich einer Laureus-Sports-Awards-Rede. Gerald Schendel berichtet über die Hintergründe...

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Bei den Frauen war eine Schiess-Sportlerin vorne, beste Mannschaft des Jahres wurde das Hockey-Team der indischen Frauen. Als bester weiblicher Newcomer 2002 wurde Koneru Humpy (Schach) ausgezeichnet, und unter den zwölf Geehrten für herausragende Leistungen in den Disziplinen Leichtathletik, Badminton, Schach, Cricket, Football, Golf, Cue Sports, Hockey, Kabaddi, Schiessen, Gewichtheben und andere Sportarten befand sich wiederum Viswanathan Anand als bester Schachspieler.

Abgestimmt hatten Mitglieder des Sportjournalisten-Verbandes von Indien in der Weise, dass in jeder Kategorie vier Sportler zur Auswahl standen, unter denen dann wiederum die 20 indischen Gründungsmitglieder der Akademie die Gewinner ermittelten. Als Sportler des Jahres 2002 liess Anand so zwei Cricket-Idole und einen Tennis-Star hinter sich.

Indien ist von Mitteleuropa ziemlich weit entfernt, und so ist es nicht überraschend, dass man hier nicht so recht weiss, wie diese Meldung einzuschätzen ist. Dass Schachspieler zu Sportlern des Jahres gewählt werden, kam in der früheren UdSSR gelegentlich vor. Bekannt ist auch, dass Viswanathan Anand in Indien schon verschiedentlich geehrt wurde - aber was verbirgt sich hinter der Hero Indian Sports Academy (HISA)?

Hero ist in diesem Zusammenhang nicht die englische Bezeichnung für einen Sporthelden, sondern ein 1956 kreierter Marken-Name für eine indische Firma, die in ihren bescheidenen Anfängen vor 60 Jahren Fahrrad-Komponenten herstellte und heute nach vielfältiger Diversifizierung (Produkt-Design, IT-Services, Finanz- und Versicherungs-Dienstleistungen etc.)
der weltweit führende Fahrrad-Hersteller ist. 1984 verbündete sich die indische Hero-Gruppe in einem Joint Venture mit der Honda Motor Company (Japan) zur Hero Honda Motors Ltd., die an dem weltweiten Zweirad-Markt nach eigenen Angaben einen Anteil von 48 Prozent hat. Chefs in der Hero-Gruppe sind die Brüder Munjal.

Feierlich eröffnet wurde die HISA erst Anfang Februar 2003 in Anwesenheit des legendären Doppel-Olympiasiegers Edwin Moses. Am 3. Februar annoncierte Moses in seiner Eigenschaft als Vorsitzender der Laureus World Sports Academy in Neu Delhi den Start des indischen Zweigs der Laureus Sport for Good-Stiftung durch HISA. Unter Berufung auf den früheren Präsidenten Südafrikas, Nelson Mandela, sagte Edwin Moses: "Sport ist in der Lage, die Welt zu ändern, und wir haben dies mit unserer Arbeit bewiesen. Nun starten wir unser erstes Projekt in Indien." Die indische Cricket-Legende Kapil Dev ist HISA-Vorsitzender und zugleich das einzige asiatische Gründungsmitglied der Laureus World Sports Academy. Zu den HISA-Gründungsmitgliedern zählt u.a. der als Banker tätige indische Schach-Grossmeister Pravin Thipsay.

Vermittelt wurde die HISA-Gründung durch eine in Indien seit über zehn Jahren führende Sportmanagement- und Marketing-Firma mit dem bemerkenswerten Namen
Percept D'Mark (Mumbai). Diese Gründung erfolgte bereits Anfang August 2002. In Neu Delhi enthüllten während einer Pressekonferenz Ian Banner (Geschäftsführer der Laureus World Sports Awards), Kapil Dev, Pawan Munjal (Hero-Gruppe) und Tennis-Star/Schachfreund Boris Becker (Vorsitzender der Laureus Sport for Good-Stiftung in Deutschland) das Logo der HISA. Die Hero Indian Sports Academy soll gemäss dem Konzept der Laureus World Sports Academy entwickelt werden, die von den Konzernen DaimlerChrysler und Richemont gegründet worden ist.

DaimlerChrysler und
Richemont (ein Konzern, zu dem ein Portfolio von 14 weltbekannten Luxusmarken wie Alfred Dunhill, Baume&Mercier, Cartier etc. gehört) gaben am 4. Oktober 1999 in London ihre Absicht bekannt, weltweite Sportler-Ehrungen durchzuführen. Ziel der Initiative soll sein, die Leistung von Sportlern und Sportlerinnen verschiedener Herkunft in diversen Kategorien zu würdigen und dabei die Staatsgrenzen und Abgrenzungen zwischen unterschiedlichen Sportarten zu überwinden. Ziel soll insbesondere sein, die Nützlichkeit des Sports für die Gesellschaft herauszustellen (daher der Projekt-Name Sport for Good). In diesem Anfangsstadium gründeten DaimlerChrysler und Richemont ein Joint Venture ("LSA Inc.") mit Sitz in der Schweiz, London und Monte Carlo, welches das Projekt finanzieren und managen sollte. Am 13. März 2001 wurde in Berlin bekannt gegeben, dass die Deutsche Bank Private Banking sich dem Projekt angeschlossen hat: In addition to our function as Official Private Bank of the Laureus World Sports Awards, as the Trusted Private Bank of the Laureus Sport for Good Foundation we also act as a key interface translating dedication to sport into social commitment (Dr. Bernd-A. v. Maltzan, Deutsche Bank).

"Social commitment" - das ist der wesentliche Punkt. Während Sport sonst meist nur steril als eine Übung um ihrer selbst willen präsentiert wird, geht es hier ausdrücklich um Sport als Instrument sozialen Wandels. Was unter der sozialen Verpflichtung des Sports verstanden werden kann, kann man z.B. einer Laureus-Sports-Awards-Rede Nelson Mandelas vom Mai 2000 entnehmen. Hier sagte Mandela anlässlich der in Monaco durchgeführten Ehrung des brasilianischen Fussballers Edson Arantes do Nascimento, weltbekannt unter dem Namen Pelé: Sport spricht zur Jugend in einer Sprache, die sie versteht. Sport kann Hoffnung wecken, wo sonst nur Verzweiflung wäre. Sport ist mächtiger als Regierungen, wenn Rassenschranken heruntergerissen werden sollen. (...) Um ein wirksamer Vermittler von Frieden zu sein, darf man nicht allein danach streben, die Welt zu ändern. Schwieriger ist es, sich selbst zu ändern, bevor man andere zu ändern versucht. (...) Eine Legende wie Pelé und all die andern Geehrten hinter mir sind unsere Helden, unsere Hoffnung, weil sie in ihrem jeweiligen Tätigkeitsfeld den Frieden fördern...

Gegenwärtig unterstützt die Laureus Sport for Good-Stiftung weltweit 18 Projekte. Hierzu gehören u.a. obdachlose Kinder und Jugendliche im Street Universe Project in Cape Town und Inner City Games in New York; ein Kindersoldaten-Programm in Sierra Leone; behinderte Kinder in China; die Einführung von Frauen-Fussball im islamischen Marokko...

Im indischen Mumbai, wo 54 Prozent der Bevölkerung unterhalb der indischen Armutsgrenze leben, soll HISA für die Laureus Sport for Good-Stiftung das Projekt "Magic Bus" betreuen. Hierdurch sollen "Schulräume ohne Mauern" geschaffen werden. Geboten werden Ausbildung, Unterbringung, Kleidung, Nahrung und medizinische Betreuung verbunden mit Sport. Weitere Informationen hierzu gibt es im Internet unter der Adresse
http://www.laureus.com/.

Viswanathan Anand hatte an der feierlichen Verleihung der Preise wegen eines Turniers im spanischen Bilbao nicht teilnehmen können. Nach seiner Rückkehr sprach ein Journalist der indischen Zeitung
The Hindu mit ihm. Anand sagte: I'm quite pleased to be awarded the Best Sportsman and Best Chess Player Awards. It is always nice to be appreciated by sports journalists and fellow colleagues.

Gerald Schendel / 08.05.2003

 

 

 


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