Anna Hahn

27.03.2003 – Für die Experten etwas überraschend konnte Anna Hahn die diesjährige US-Meisterschaft der Frauen für sich entscheiden. Sie setzte sich im Stichkampf gegen die favorisierten Irina Krush und Jennifer Shahade durch. Als Schachspielerin hat Anna Hahn etwas ungewöhnliche Hobbies. Neben ihren Interessen für Theater und Kunst, singt sie, tanzt, fährt Eiskunstlauf und hat vor Kurzem auch noch mit Kickboxen angefangen. Oliver Popov hat ein Porträt der jungen Meisterin geschrieben, die eigentlich aus Lettland stammt. Anna Hahn, US-Meisterin 2003...

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Anna Hahn, die neue USA-Meisterin
Von Oliver Popov

In der kürzlich im neuen Format durchgeführten und sehr spannenden US-Meisterschaft, bei der Männer und Frauen im gleichen Turnier gegeneinander spielten, überraschte die junge Anna Hahn (Elo 2230) die Schachwelt, als sie nach einem Stichkampf den Frauentitel gewann. Anna Hahn ist zur Zeit  "Masters student" im "Carnegie Mellon's Computational Finance Programm (GSIA ’04)".

Es ist der zweite große Erfolg für Carnegie Mellon seit dem Erfolg eines bekannten Schachprogamms namens Deep Blue, das zum Teil von dem Carnegie Mellon Doktoranden Feng-hsiung Hsu entwicklet wurde und schließlich in einem Wettkampf den besten menschlichen Schachspieler, nämlich Kasparov, schlug.

Schon im sehr zarten Alter von sieben Jahren war Anna von den geheimnisvollen Zügen der Schachfiguren fasziniert und schließlich wagte es ihr Großvater ihr mehr über die Komplexität des Spiels zu erzählen. Alles, was mit Denken zu tun hatte, begeisterte Anna und sie war begierig, Dinge zu entdecken und zu erforschen. Da sie in einer sehr intellektuellen, künstlerischen und fürsorgenden Familie geboren war, bekam sie alle Freiheiten, ihre Interessen zu entwickeln, nicht nur in Bezug auf Schach. Sie entfaltete viele Talente, begann zu singen, zu tanzen, probierte Eiskunstlauf und in jüngster Zeit sogar Kickboxen. Daneben interessiert Anna sich für Theater, geht gerne in Kunstausstellungen und verbringt viel Zeit mit Freunden und ihrer Familie.

1993 wurde Anna Zweite bei den Junioren Weltmeisterschaft. Zuvor hatte sie schon eine Reihe von Erfolgen erzielt, darunter den Titel als Lettische Meisterin 1992 und die Teilnahme an der Olympiade im Lettischen Olympiateam. 1995 bekam sie den Titel eines Internationalen Meisters. Dank ihres Schachengagements bekam Anna Gelegenheit, viele Kulturen aus erste Hand kennen zu lernen während sie durch Länder wie Brasilien, Türkei, Dänemark, Indien und viele mehr reiste.

Wenn man sie nach ihren Vorbildern im Schach fragt, dann nennt sie niemand Geringeren als den weltbekannten Mikhail Tal, den "Zauberer aus Riga", Weltmeister 1960-1961, . Als kleines Mädchen hatte sie einmal Gelegenheit gegen ihn in einer Simultanvorstellung zu spielen. Sie tappte in eine Falle, als sie eine Figut schlug, die ungedeckt schien. Nach der Partie bezeichnete Tal sie in der Analyse wohlwollend-scherzhafter als "naives kleines Mädchen".

Anna erinnerte sich bei der Beschreibung von Tal sofort, wie er nicht zögerte, auch bei Anwesenheit von kleinen Kindern seiner Gewohnheit des Kettenrauschens nachzugehen. Aber sie beschreibt ihn auch als freundliche und humorvolle Persönlichkeit, den sie sehr für seine Fähigkeit bewunderte anscheinend friedvolle, störungsfreie Partien plötzlich in Katastrophen für den Gegner zu verwandeln. Seit dieser Begegnung ist viel passiert und Anna hat sich inzwischen nach vorne katapultiert und Gegnerinnen mit 200 Elopunkten und mehr das Fürchten gelernt. So schlug sie bei den US-Meisterschaften Irina Krush (Elo 2413) und Jennifer Shahade (Elo 2341).

Zum viel beachteten Wettkampf zwischen Gary Kasparov und Deep Junior, dem Computerweltmeister, meint Anna, dass sie Schachprogramme eher als Hilfe zur Analyse seihet, weniger als Gegner, den man so ernst nehmen sollte. Sie fand es interessant, dass Kasparov Deep Blue immer von einer "Denkmaschine", die mit den Mitteln der psychologischer Kriegsführung arbeite. Tatsächlich war es aber ja nur eine Maschine ohne jede Emotion. In einem Artikel schrieb Kasparov kürzlich, dass bei der Entwicklung im Computerschach deutliche Fortschritte gemacht wurden und dass das Figurenopfer in der fünften Partie seines Wettkampfes gegen Deep Junior zeigt, wie einfallsreich Computer inzwischen geworden sind. Aber so lange sie keinen Apfelwein mit einem Stück Apfelstrudel bestellen können, will Anna lieber gegen Menschen spielen.

Zur Zeit ist Anna von der schnellen und energetischen Welt der Wall Street umgeben, wo sie für eine große Investment Bank arbeitet. Außerdem führt sie Klassen durch den Kampus der Carnegie Mellon University an der New Yorker 55 Broad Road. Sie würde gerne ein Laufbahn im Handel und Anlage Management einschlagen.

Anna ist eine sehr charmante junge Frau, die ohne Zweifel noch einen großen Beitrag zur Schachwelt leisten wird und es wäre gar nicht so überraschend, wenn vielleicht einmal gegen einen zukünftigen Weltmeister in einer ihrer Simultanvorstellungen spielen würde.


Oliver Popov (BBA ’98), Anna Hahn (GSIA ’04) – US-Meisterin 2003)
 


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