Blick zurück auf Wijk

31.01.2004 – Eine Woche ist es erst her, dass in Wijk die besten Spieler der Welt antraten, Anand seinen vierten Turniersieg dort feierte und mit Magnus Carlsen ein neuer Star auf der Schachbühne erschien. Anna Dergachova hat diesmal ihren Vater, den bekannten Schachtrainer Abram Khasim, mit nach Wijk genommen, damit er dort seine Schüler sehen könne. Und so lüftet sich auch das Geheimnis, wie Evgeny Bareev nach schwachem Start doch noch einen starken Endspurt hinlegen konnte. Und natürlich hatte unsere Reporterin auch wieder einen Blick für die Dinge am Rande des Brettes. Corus-Turnier: alle Berichte...Bareevs Geheimnis gelüftet...

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Bareevs Geheimnis gelüftet


Eric Lobron kam per Rikscha

So viel Schach habe ich schon lange nicht erlebt. In meiner Journalistenrolle komme ich meistens zu irgendeinem Turnier und sehe nur Schachspieler, fotografiere sie,...


Yasser Seirawan

...führe Interviews mit ihnen, plaudere ein wenig...


Turnierleiter Jeroen van den Berg

...und trinke etwas.


John van der Wiel und Julian Borowski


Jan Timman mit Freundin

In Wijk war es diesmal ganz anderes. Weil mir nämlich eine großartige Idee in Kopf kam – meinen Vater Abram Khasin mitzunehmen.

Mein Vater war sofort begeistert, zum Einen spielte dort sein Lieblingsschüler  Ewgeni Bareev mit und zum Anderen, weil er zuvor noch nie in Holland war. Er wollte unbedingt die berühmte Grachten von Amsterdam sehen, was wir dann auch an einem der Vormittage geschafft haben.


"Deine Kais, Amsterdam..."

Gesagt – getan. Ewgeni, der diesmal keinen Sekundanten mitgebracht hatte, kümmerte sich um Vaters Unterkunft, wie es sich für Sekundanten gehört in demselben schönen Hotel Zeeduin, das direkt am Meer liegt. Nach einem furchtbaren Start (3 aus 9) hoffte er insgeheim, dass der alte Trainer ein Wunder vollbringen würde. Und das funktionierte auch! Kaum kamen wir am Donnerstag an, grub er zu Ehren seines Trainers eine Variante der Französischen Verteidigung, die er schon ewig nicht mehr gespielt hatte, aus.



Vielleicht nahm er gegen Topalov etwas frech einen Bauer, ganz nach meinem und Vaters Geschmack und gewann die Partie. Danach noch eine mit Weiß gegen Ivan Sokolov, dann eine kurze Pause – Remis gegen Peter Leko und die letzte Runde wieder gewonnen – gegen Vladimir Akopjan. Somit war das Turnier für ihn mit 6,5 aus 13 doch noch gerettet. Vater war dann mächtig stolz auf seinen ehemaligen Schüler, alle Partien haben wir natürlich live miterlebt. Das hieß für mich, zusammen mit Vater im Pressezentrum angestrengt auf die Monitore schauen, nachdenken, Varianten berechnen und sofort mit den anderen Sekundanten prüfen.


Vladimir Chuchelov und Abram Khasim im Pressezentrum

Jeder einzelne Trainer war natürlich hauptsächlich an den Partien seines Schützlings interessiert, wie die Eröffnung so läuft, ob die Vorbereitung etwas bringt oder nicht, wie viel Zeit noch bis zur Zeitkontrolle verbleibt.


Andrey Rychagov, Sekundant Schirovs


Alexey Shirov
 


Post Mortem: Die Analyse: Shirov und Van Wely. Kiebitze: Ljubojevic, Chuchelov, Topalov

Hin und wieder schüttelten sie nach Ausführung bestimmter Züge ihre Köpfe, ab und zu rannten sie zu den Computern und prüften mit Hilfe von starken Schachprogrammen mögliche scharfe Fortsetzungen, manchmal  schlichen sie sich in den Saal, um an der Haltung der Spieler zu verstehen, ob sie sich wohl oder unwohl fühlen und wenn nichts mehr half, gingen sie mit großen Schritten vor dem Eingang auf und ab und rauchten.

Doch wenn alles nach Plan läuft, erzählen sie lustige Storys oder zeigen  Fotos von ihren Kindern.


Danailov, Sekundant von Topalov, zeigt seine Tochter im Internet

Meistens konnte ich die Stellungseinschätzung von ihren Gesichtern ablesen. Nur Aruna, die Ehefrau von Vishy Anand, konnte nichts aus der Fassung bringen.


Hat gut Lachen: Aruna

Immer ein freundlichen Lächeln, saß sie dort und las meistens oder wechselte ein paar Worte mit den Journalisten. Im nachhinein glaube ich, dass sie das Endergebnis irgendwie schon gewusst haben musste, um so die Ruhe zu bewahren, sogar während der vorletzten Runde, als Anand seine erste und einzige Partie verlor und sein Turniersieg plötzlich nicht mehr sicher war. So sah ich es. Doch in der letzten Runde machte der Großmeister aus Indien ein schnelles Remis und ging zufrieden spazieren. Er überließ Fortuna das weitere Geschehen und sie war offensichtlich auf seiner Seite. Weder Adams noch Leko konnten ihre Partien gewinnen, deshalb der alleinige Sieg. Völlig verdient, möchte ich sagen. Er spielte das gesamte Turnier in gewohnter Manier, souverän, mit vielen neuen Ideen, und natürlich wie immer sehr schnell.


Anand: Der die Figuren tanzen lässt

Bei ihm tanzten die Figuren fast, so leicht opferte er etwas, oder umgekehrt, ungeachtet der offenen Linie nahm er einen h4 Bauern weg und das sogar ungestraft, obwohl es immerhin gegen den Weltmeister Wladimir Kramnik ging! „Hast Du alles bis zum Ende durchgerechnet?“ – fragte ich ihn nach dieser Partie. „Es gab eben in der Position keine andere Wahl“ -  antwortete Vishy – „Also musste ich ihn nehmen“. Er spielte in diesem Turnier also mit Abstand das beste Schach. Anand hat zum vierten Mal das traditionelle Turnier in Wijk aan Zee gewonnen, was vor ihm nur 3 Großmeister geschafft haben. (daraus könnte man eine Quizfrage machen. Einer davon war Max Euwe. Wer waren die anderen?)


Der Sieger: Anand


Der Collina des Schachs: Schiedsrichter Geurt Gijssen

Im B-Turnier landeten plötzlich zwei jungen Kubaner vor dem lange führenden Fressinet. Das war eine Überraschung.


Lazaro Bruzon


Lenier Dominguez

Doch die wahre Sensation ist der Erfolg eines 13-jährigen Norweger, Magnus Carlsen. Er gewann das gut besetzte C-Turnier und erreichte damit nicht nur eine GM-Norm, sondern auch die Qualifikation für das B-Turnier im nächsten Jahr.


Magnus Carlsen

Der Junge wurde zum absoluten Publikumsliebling. Keiner der bekannten Großmeister genoss so viel Aufmerksamkeit wie er. Und das nicht nur während der Partie. Auch danach versammelten sich eine Menge Menschen, um den Kommentaren des jungen Schachspieler zu lauschen.



Da er sich von der Schule zurückgezogen hat, und sich fast ausschließlich auf das Schachspielen konzentriert (seine Familie hat dieses Entschluss gefasst und sein Vater begleitet ihn zu allen Schachturnieren) und dazu noch von dem führenden norwegischen Großmeister Simon Agdestein trainiert wird, glaube ich, dass ihm eine große Schachkarriere bevorsteht. Leider ist die heutige Situation in der Schachwelt so unklar, dass niemand voraussehen kann, ob in 10 Jahren ein Supergroßmeister, was der kleine Magnus heute werden möchte, überhaupt noch von seinem Beruf leben kann. Aber dies ist ein ganz anderes Thema.


Schachbretter für Dreierschach


Wijk ist familiär: Familie Nijboer


Russisches Quartett


Bankett der Spieler

Bis demnächst:

Anna Dergachova

 

       

 


Themen Corus
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