Blumen, Schach und Mittelmeer

von Iva Videnova
19.03.2014 – "Mediterranean Flower", Blume des Mittelmeers - das ist der Name eines Frauenturniers mit Tradition. Seit 14 Jahren findet dieses Turnier in Rijeka statt, dieses Jahr traten 10 Frauen in einem Rundenturnier gegeneinander an und genossen das Schach, den Frühling und die vielen Attraktionen der Stadt an der Adria. Bericht mit vielen Fotos...

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Karneval und Blumen in Rijeka
Von WGM Iva Videnova

Das Faschingsfest in Rijeka, der größte Karneval Kroatiens und einer der größten und beliebtesten in Europa, markierte den Beginn des 14. Internationalen Schachfestivals "Mediterranean Flower 2014". Traditionell findet dieses Rundenturnier für Frauen in Rijeka statt, dieses Jahr wurde vom 2. bis 8. März, dem Internationalen Frauentag, gespielt.

Der Karnevalszug in Rijeka wurde 1982 ins Leben gerufen und seitdem konnten über 100.000 Besucher dort über 1.000 Masken bewundern.

"Kung Fu Pandas" ist eine der 117 Gruppen mit Masken. 2014 waren beim 31. Karneval in Rijeka mehr als 100.000 Besucher dabei.

"Cicski zgoncari" - vertreibt der Legende zufolge die bösen Geister und feiert die Ankunft des Frühlings mit Glocken und Masken.

Karneval in Rijeka gab es schon im Mittelalter.

Dieses Jahr stand die Parade unter dem Motto "Sei, was du sein willst! Komm zum Rijeka-Karneval!" Und hier ist … Charlie Chaplin

Nein, das ist nicht in Madame Tussauds Wachsfigurenkabinett! Sondern in einem Café in der Innenstadt, wo die meisten Leute Masken trugen.

Abseits vom Trubel und den Feiern auf der Straße spielten zehn Frauen im Schachklub von Rijeka ruhig und friedlich Schach gegeneinander. Dieses Jahr waren IM Cristina-Adela Foisor (Rumänien), WGM Adriana Nikolova (Bulgarien), WGM Iva Videnova (Bulgaria), WGM Mirjana Medic (Kroatien), WFM Ivona Purgar (Kroatien), WIM Ana Berke, WFM Ksenija Novak (Slowenien), Giulia Tonel (Italien), Sara Jacimovic (Bosnien-Herzegowina) und Tamara Ljikar (Kroatien) die zehn "Blumen des Mittelmeers". Die Bedenkzeit betrug 90 Minuten für die ganze Partie, wobei man zusätzlich ein Zeitaufschlag von 30 Sekunden pro Zug bekam. Gespielt wurde im Schachklub von Rijeka - im Zentrum der Stadt.

Rijeka, die drittgrößte Stadt Kroatiens liegt an der Kvarner Bucht in der Adria. Etwa eine Autostunde von Triest entfernt, gehört Rijeka und Umgebung zu einem Ausflugs- und Urlaubsziel für die Italiener. Kein Kellner in einem Café oder Restaurant kann es sich leisten, nicht zumindest ein paar Worte Italienisch zu sprechen. Die Stadt selbst gehörte früher einmal ein Zeitlang zu Italien und die ausgezeichnete Lage und der Tiefseehafen Rijeka hat dazu geführt, dass die Stadt lange Jahre zum Zankapfel zwischen Italien, Kroatien und Ungarn wurde.

Corso ist der Name der großen Fußgängerzone in Rijeka. Sie lädt zu einem Spaziergang ein.

Der Platz vor dem kroatischen Nationaltheater "Ivan Zajc" ähnelt der Piazza St. Marco in Venedig - überall sind Tauben.

Das römische Tor markiert den Eingang zum gerade renovierten Archäologischen Park.

Die Kapuzinerkirche der Heiligen Jungfrau von Lourdes

Schloss Trsat, eins der Wahrzeichen der Stadt, steht hier seit den Zeiten der Illyrer und ist die erste Ansiedlung in Rijeka. Hinauf kommt man entweder über Treppen aus dem 16. Jahrhundert - der Weg der Pilger - oder man nimmt den Bus.

Der Turm sieht aus, als würde er einen beobachten, nicht wahr?

Ein wunderbarer Blick über Rijeka vom Schloss Trsat! Man sieht, wie die Rjecina durch die Stadt fließt und in die Adria mündet.

Die Kommunalbehörden in Rijeka sind große Förderer des Schachs. Schon ein paar Tage vor offiziellem Turnierbeginn wurde eine Pressekonferenz anberaumt. Von rechts nach links: Bojan Birk - Schiedsrichter, Ivan Mandekic - Organisator, Ihre Autorin, Igor Nacinovic - Vorsitzender der Behörde für Sport, Kultur und Technische Kultur in Rijeka, Valerij Juresic - Vorsitzender der gleichen Behörde der ganzen Region.

Auslosung

Das Turnier begann mit einer phantastischen Eröffnungsveranstaltung. Die Spielerinnen wurden auf dem zentralen Platz in der Stadtmitte einzeln vorgestellt, musikalisch untermalt von Klapa "Opatija" - einer bekannten "a cappella" Gruppe. Ein riesiges Freiluftschach war eine weitere Attraktion. Schach in Rijeka hat eine lange Tradition und ist sehr populär. Zahlreiche Kinder spielten mit den riesigen Schachfiguren, wobei viele Kinder nur ein wenig größer waren als die Figuren.

Adriana Nikolova, Ivona Purgar, Ksenija Novak, Giulia Tonel, Tamara Ljikar, Cristina-Adela Foisor, Sara Jacimovic, Mirjana Medic, Iva Videnova (von links nach rechts) waren durch die roten Rosen und die Geschenke angenehm überrascht.

Kurz nachdem das "Mediterranean Flower" Chess Festival im Jahr 2000 das erste Mal stattfand, wurde Vojko Obersnel Bürgermeister von Rijeka. Er glaubt, das Turnier bringe ihm Glück und hat es deshalb all die Jahre hindurch unterstützt (dieses Jahr fand das Turnier zum 14. Mal statt). Ich hatte die Ehre, zusammen mit dem Bürgermeister eine Freundschaftspartie zu spielen. Und zwar gegen…

...Adriana Nikolova und die Vizebürgermeisterin der Region, Marina Medaric.

Nach ungefähr 20 Minuten einigten wir uns Remis. Das Publikum verfolgte die Partie mit großem Interesse.

Klapa Opatija hat viele Fans in Rijeka

Adriana Nikolova, ich und der Organisator dieses großartigen Turniers, FM Ivan Mandekic

Iva Videnova, Tamara Ljikar, Sara Jacimovic, Adriana Nikolova und Mirjana Medic (von links nach rechts) stehen vor einer ansehnlichen Zahl von Menschen. Einige von ihnen spielen vielleicht gerne Schach zu Hause, andere haben vielleicht aus der Zeitung erfahren, dass Garry Kasparov vor ein paar Wochen die kroatische Staatsbürgerschaft bekommen hat!

Und hier sind die zehn Teilnehmerinnen des "Mediterranean Flower" Turniers 2014:

IM Cristina-Adela Foisor aus Rumänien gewann das Turnier mit einem ganzen Punkt Vorsprung.

Adriana Nikolova sorgte bis zum Schluss für Spannung. Sie spielte in der letzten Runde gegen Foisor und hätte das Turnier mit einem Sieg für sich entscheiden können, aber zum Glück für Foisor endete die Partie remis.

Ihre Berichterstatterin Iva Videnova mit einer Tasse Tee und "in Kampfstimmung". Alle Teilnehmerinnen erhielten während der Runde Getränke umsonst.

Mirjana Medic ist siebenfache kroatische Meisterin und die einzige in Kroatien geborene Frauengroßmeisterin. Sie ist die einzige Spielerin, die von Anfang an bei den "Mediterranean Flower" Turnieren dabei war. Dieses Jahr spielt sie zum 14. Mal!

Ivona Purgar verdarb in Zeitnot ein paar bessere Endspiele, aber lächeln konnte sie trotzdem.

Ana Berke hatte Pech und war zu Beginn des Turniers krank. Zu einer Runde konnte sie gar nicht antreten, aber anders als in vielen modernen Turnieren üblich, musste sie keine kampflose Niederlage quittieren, sondern die Organisatoren boten ihr an, die Partie zu verlegen.

Ksenija Novak spielte ein gutes Turnier und gewann 19 Elo-Punkte

Giulia Tonel ist die erste Italienerin, die in diesem Turnier spielt. Sie stammt zwar aus einem anderen Land, aber wohnt doch nicht weit entfernt. Denn Giulia kommt aus Triest.

Sara Jacimovic ist eine junge, talentierte Spielerin aus Bosnien-Herzegowina. Sie holte 4 aus 9 und verbesserte ihre Ratingzahl um 15 Elo-Punkte.

Tamara Ljikar erwischte ein schlechtes Turnier. Aber sie ist noch jung und hat mit 16 Jahren die Zukunft noch vor sich.

Cristina-Adela Foisor startete das Turnier mit 7 aus 7. Sie gewann eine Partie nach der anderen und gab erst in Runde acht gegen die erfahrene Mirjana Medic das erste Remis ab.

Adriana Nikolova und Iva Videnova spielten ebenfalls ein gutes Turnier. So war die Entscheidung über die ersten drei Plätze bereits vor der letzten Runde gefallen (Foisor, Nikolova und Videnova), aber die genaue Reihenfolge mussten diese drei noch unter sich ausmachen. In der letzten Runde spielte Nikolova gegen Foisor und wollte gewinnen, um so Turniersiegerin zu werden. Sie hatte zwar durchaus Chancen, aber trotzdem wurde die Partie am Ende nur Remis. Damit verteidigte Cristina-Adela Foisor ihre Tabellenführung und gewann das Turnier mit 8 Punkten aus 9 Partien, mit einem ganzen Punkt Vorsprung auf ihre beiden Verfolgerinnen. Platz zwei ging an ihre Berichterstatterin - meine Wertung war besser als die von Nikolova. Wir kamen beide auf 7 Punkte, aber ich hatte die größere Zahl von Gewinnpartien.

Für die Spielerinnen mit guter Elo-Zahl war das Turnier gutes Training, für die jüngeren Spielerinnen - eine gute Erfahrung. Ich glaube, wir alle haben die Zeit in Rijeka genossen und freuen uns auf die nächste Ausgabe des "Mediterranean Flower" Turniers.

Cristina-Adela Foisor, Gewinnerin des Mediterranean Flower Turniers 2014!

Ihre Berichterstatterin Iva Videnova landete auf Platz zwei und gewann ebenfalls einen Blumenpokal.

Adriana Nikolova wurde Dritte.

Adriana Nikolova, Cristina-Adela Foisor und Iva Videnova mit weißen Rosen und Pokalen, die von Turnierorganisator Ivan Mandekic überreicht wurden.

Die Organisatoren waren echte Gentlemen! Zum Internationalen Frauentag am 8. März erhielten alle Teilnehmerinnen dieses Foto (Foto: Bojan Birk)

Schlusstabelle

Alle Partien

 

 


Themen Rijeka

WGM Iva Videnova, 26, lebt in Plovdiv, Bulgarien. Sie ist zweifache Landesmeisterin und ausgebildete Schachtrainerin mit dem Abschluss Bachelor des Nationalen Sport Akademien Sofia.
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