Bundesliga: Aufsteiger punkten

20.10.2007 – Gleich zwei faustdicke Überraschungen brachte der erste Bundesligaspieltag. Aufsteiger Erfurt siegte gegen Remagen, das ohne seine Spitzenbretter antrat, und Mitaufsteiger Trier gewann gegen Kreuzberg, obwohl die Berliner ihren Spitzenmann Levon Aronian aufbieten konnten. Baden-Baden kam auch ohne Anand, Shirov und Carlsen zu einem 6,5:1,5-Sieg gegen Zehlendorf. Der Meister machte aus der Not eine Tugend und schickte das Jugendbrett Raoul Strohaecker (Bild) ins Rennen, der das Zehlendorfer Jugendbrett Ilia Brener besiegte. In Hamburg unterlagen der Gastgeber und Eppingen gegen Tegernsee und Bremen. Bindlach Aktionär schlug Godesberg, Aljechin Solingen gewann deutlich gegen Katernberg. Mülheim und Wattenscheid trennten sich unentschieden. In einem vorgezogenen Wettkampf der siebten Runde schlug Wattenscheid Solingen. Dagobert Kohlmeyer schildert seine Eindrücke aus Berlin. Bericht, Bilder, Ergebnisse....

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Bundesligastart in Berlin
Von Dagobert Kohlmeyer


Rathaus Zehlendorf


Gegenüber die Kirche

Die Schach-Bundesliga startete am Wochenende in ihre stärkste Saison. Noch nie haben so viele Top-Großmeister in der höchsten deutschen Spielklasse die Figuren gesetzt. Einer der vier Schauplätze war die Hauptstadt. Titelverteidiger OSC Baden-Baden bestritt in Berlin zwei Auswärtsspiele. Zum ersten Mal übrigens. Gastgeber war der Aufsteiger SK Zehlendorf, der im Rathaus des gleichnamigen Berliner Stadtbezirks die Schachtische für die Badener, den SK Kreuzberg und Turm Trier gedeckt hatte.


Jürgen Brustkern bei der Begrüßung

Zehlendorf liegt im tiefen Süden. Der Bundesliga-Aufsteiger ist ein Traditionsverein, der in diesem Jahr sein 60. Jubiläum feierte. Er gab dazu eine schöne Broschüre heraus, in der an glorreiche Zeiten erinnert wird. Immerhin spielte kein Geringerer als der unvergessene Michail Tal eine Saison lang für die Zehlendorfer.


Tal

Andere Koryphäen waren der kauzige IM Heinz Lehmann oder der mehrfache Berliner Meister Harald Lieb. Letzterer spielte noch bis 2006 in der 1. Bundesliga. Da war Harald schon 71 Jahre und damit ältester Akteur in unserer höchsten Spielklasse.


Harald Lieb

Warten auf Anand

… war an diesem Wochenende vergeblich. Das Star-Ensemble des OSC Baden-Baden wird gewöhnlich von Vishy Anand angeführt. Der jüngst in Mexiko gekürte Weltmeister besetzt schon seit etlichen Jahren das Spitzenbrett des deutschen Meisters. Beim Auftakt an der Spree fehlte er allerdings. Vishy ist immer noch in Indien und ließ sich gerade von Millionen seiner Landsleute feiern. Erst in der Hauptstadt Delhi, dann zu Hause in seiner Heimatstadt Chennai (dem früheren Madras).

Neben Anand haben die Badener ja noch andere große Zugpferde: den vierfachen russischen Landesmeister Peter Swidler, den Schachromantiker Alexej Schirow oder den Wunderknaben Magnus Carlsen. Swidler spielte in Berlin am ersten Brett, Carlsen war noch beim Blind World Cup im spanischen Bilbao. Alexej Schirow spielt beim Finale der spanischen Mannschaftsmeisterschaft in Calvia. Nun, der OSC konnte ohne weiteres auf einige seiner Top Leute verzichten, die erste Hürde war nicht so schwer. (siehe Ergebnisse).


Peter Svidler

Der Präsident des Berliner Schachverbandes Matthias Kribben sprach zur Eröffnung zu den Teams und freute sich, dass die neue Saison an der Spree mit so einem Paukenschlag beginnt: „Wir sind in der Hauptstadt an viele Leckerbissen gewöhnt, doch dieses erste Bundesliga-Wochenende bietet etwas ganz Besonderes für die Freunde des Schachs.“ Kribben wünschte dem Aufsteiger SK Zehlendorf das notwendige Glück im Kampf gegen die übermächtige Konkurrenz und äußerte die guter Hoffnung, dass der SC Kreuzberg mit seinem Weltklasse-Spieler Levon Aronian wieder vorn in der Tabelle mitmischt. Mit Stolz verwies Matthias Kribben darauf, dass seit vielen Jahren zwei, manchmal auch drei Berliner Vereine in der ersten Bundesliga spielen. „Schach ist die erfolgreichste Sportart in der Hauptstadt, „denn in keiner anderen Disziplin sind so viele Berliner Vereine in der jeweiligen Eliteklasse!“, so der DSB-Vizepräsident.


Mathias Kribben mit Nachwuchs

Die Klubs in der Hauptstadt backen jedoch auf Grund ihrer geringeren finanziellen Möglichkeiten viel kleinere Brötchen als der deutsche Meister, der an seinen vorderen Brettern - ähnlich wie andere Spitzenteams - keinen einzigen deutschen Spieler hat.  In der 1. Schach-Bundesliga gibt es 16 Vereine. Gespielt wird an acht Brettern, die Kader sind etwa doppelt so stark. Die Statistiker haben flink errechnet: In dieser Saison sind nur noch 35 der 128 für die Bretter 1-8 gemeldeten Spieler Deutsche. (siehe Umfrage von ChessBase). Dieser Trend verwundert keinen Eingeweihten. Auch in anderen Sportarten von Basketball über Tischtennis bis Eishockey kommen in Deutschland vorwiegend ausländische Stars zum Einsatz. 


Bartosz Socko


Swidler gegen Maksimenko


Nielsen und Meister


Anand-Sekundant Nielsen


Kalinitschew gegen Jaracz


Movsesian und Berczes


Aronian gegen Kotronias


Socko gegen Bobras


Raoul Strohaecker, Jugendbrett von Baden-Baden

Der Auftakt zur Schach-Bundesliga in Berlin war sehr gut besucht. Um die Spieltische von Levon Aronian, Peter Swidler oder Elisabeth Pähtz (SC Kreuzberg) drängten sich viele Kiebitze.  „Wann sieht man schon mal so viele Stars versammelt“, sagten sich die hauptstädtischen Schachfreunde und pilgerten ins Zehlendorfer Rathaus.


Elisabeth Pähtz

Es zeigte sich jedoch auch: Die Schachszene ist und bleibt bei ihren Veranstaltungen weitgehend unter sich. Außer Berliner Klubspielern, Angehörigen der Bundesliga-Akteure oder Schachjournalisten kam so gut wie kein anderes Publikum. Vertreter anderer Medien wurden nicht gesichtet.

Obwohl die Bundesliga als stärkste der Welt gilt, hat unser Sport in Deutschland längst nicht die entsprechende Aufmerksamkeit und den Stellenwert, den der verdient. „Die mit dem Schach verbunden erzieherischen und geistigen Möglichkeiten werden vielfach unterschätzt“, meint DSB-Präsident Robert von Weizsäcker. Der Uniprofessor aus München trat sein Amt bekanntlich mit dem Ziel an, „die Akzeptanz des Schachs in der Öffentlichkeit zu erhöhen“. Diesem Vorhaben kann man nur kräftig zustimmen.


Schiedsrichter in Berlin, Bade und Möller



Ergebnisse des 1. Spieltages

SK Zehlendorf    1½-6½ OSC Baden Baden 
 3 Maksimenko,An 0 : 1 Svidler,Peter  2
 6 Berczes,David 0 : 1 Movsesian,Ser  7
 8 Prohaszka,Pet 0 : 1 Naiditsch,Ark 10
 9 Meister,Jakov 0 : 1 Nielsen,Peter 11
10 Berger,Steve  0 : 1 Dautov,Rustem 12
11 Werner,Dimo   1 : 0 Schlosser,Phi 13
12 Orzech,Domini ½ : ½ Doettling,Fab 14
15 Brener,Ilia   0 : 1 Strohhaeker,R 15
SC Kreuzberg     3½-4½ SC Trier        
 1 Aronian,Levon ½ : ½ Kotronias,Vas  1
 3 Socko,Bartosz 1 : 0 Bobras,Piotr   3
 6 Tischbierek,R 0 : 1 Flumbort,Andr  4
 7 Kalinitschew, ½ : ½ Jaracz,Pawel   5
 8 Volke,Karsten ½ : ½ Gonda,Laszlo   7
 9 Paehtz,Elisab ½ : ½ Galyas,Miklos  8
11 Loeffler,Stef 0 : 1 Seger,Ruedige  9
13 Richter,Micha ½ : ½ Kolbus,Dietma 10
SC Remagen       3½-4½ Erfurter SK     
 5 Fedorchuk,Ser ½ : ½ Kraemer,Marti  1
 6 Goloshchapov, 1 : 0 Votava,Jan     2
 7 Degraeve,Jean 0 : 1 Haba,Petr      3
 8 Popovic,Petar ½ : ½ Kuczynski,Rob  4
 9 Mainka,Romual ½ : ½ Machelett,Hei  5
11 Boidman,Yuri  ½ : ½ Mueller,Matth  6
12 Swinkels,Robi ½ : ½ Enders,Peter   7
14 Schulz,Klaus- 0 : 1 Casper,Thomas  8
Godesberger SK   3 - 5 Bindlach-Aktionä
 1 Kasimdzhanov, ½ : ½ Navara,David   1
 2 Lutz,Christop ½ : ½ Laznicka,Vikt  3
 3 Sprenger,Jan- 0 : 1 Baramidze,Dav  4
 4 Steingrimsson 0 : 1 Bindrich,Falk  5
 6 Jenni,Florian ½ : ½ Prusikin,Mich  6
 7 Likavsky,Toma ½ : ½ Slobodjan,Rom  7
 9 Jackelen,Thom ½ : ½ Bunzmann,Dimi  8
11 Dranov,Alexan ½ : ½ Schneider,Ilj 12
Hamburger SK     3½-4½ TV Tegernsee    
 2 Gustafsson,Ja ½ : ½ Volokitin,And  1
 3 Ftacnik,Lubom ½ : ½ Khenkin,Igor   4
 4 Kempinski,Rob ½ : ½ Sokolov,Andre  5
 7 Mueller,Karst ½ : ½ Ribli,Zoltan   6
 8 Heinemann,Thi ½ : ½ Rozentalis,Ed  7
 9 Beikert,Guent 1 : 0 Teske,Henrik   8
10 Reeh,Oliver   0 : 1 Bromberger,St  9
11 Sebastian,Dir 0 : 1 Boensch,Uwe   10
Werder Bremen    5 - 3 SC Eppingen     
 2 Efimenko,Zaha ½ : ½ Berkes,Ferenc  2
 3 Areshchenko,A ½ : ½ Acs,Peter      6
 5 Meier,Georg   ½ : ½ Guliyev,Namig  7
 6 Kritz,Leonid  ½ : ½ Medvegy,Zolta  8
 8 Nyback,Tomi   ½ : ½ Vogt,Lothar    9
 9 Babula,Vlasti ½ : ½ Meinhardt,Max 10
10 Pelletier,Yan 1 : 0 Miltner,Arndt 11
11 Fish,Gennadij 1 : 0 Welz,Thomas   14
SV Wattenscheid  4 - 4 SV Mülheim Nord 
 1 Eljanov,Pavel ½ : ½ Landa,Konstan  2
 2 Najer,Evgeniy ½ : ½ Fridman,Danie  3
 4 Rustemov,Alex 0 : 1 Vachier-Lagra  4
 6 Bartel,Mateus 1 : 0 Tregubov,Pave  5
 7 Czarnota,Pawe 0 : 1 Potkin,Vladim  6
 8 Appel,Ralf    1 : 0 Berelovich,Al  8
 9 Holzke,Frank  ½ : ½ Saltaev,Mihai 11
10 Handke,Floria ½ : ½ Hausrath,Dani 12
SG Aljechin Soli 6 - 2 SF Katernberg   
 1 Stellwagen,Da 1 : 0 Glek,Igor V    3
 2 Nikolic,Predr ½ : ½ Chuchelov,Vla  6
 3 Jussupow,Artu 1 : 0 Firman,Nazar   7
 4 Sandipan,Chan ½ : ½ Seel,Christia  8
 5 Naumann,Alexa 0 : 1 Senff,Martin   9
 7 Hoffmann,Mich 1 : 0 Siebrecht,Seb 10
 8 Ragger,Markus 1 : 0 Souleidis,Geo 12
10 Ernst,Sipke   1 : 0 Scholz,Christ 13

Tabelle:
 1. OSC Baden Baden   1  2   6½ 
 2. SG Aljechin Soli  1  2   6 
 3. Bindlach-Aktionä  1  2   5 
 4. Werder Bremen     1  2   5 
 5. TV Tegernsee      1  2   4½ 
 6. Erfurter SK       1  2   4½ 
 7. SC Trier          1  2   4½ 
 8. SV Wattenscheid   1  1   4 
 9. SV Mülheim Nord   1  1   4 
10. SC Kreuzberg      1  0   3½ 
11. SC Remagen        1  0   3½ 
12. Hamburger SK      1  0   3½ 
13. SC Eppingen       1  0   3 
14. Godesberger SK    1  0   3 
15. SF Katernberg     1  0   2 
16. SK Zehlendorf     1  0   1½ 
Vorgezogenes Spiel der 7.Runde
SV Wattenscheid  4½-3½ SG Aljechin Soli
 1 Eljanov,Pavel 1 : 0 Stellwagen,Da  1
 2 Najer,Evgeniy ½ : ½ Nikolic,Predr  2
 4 Rustemov,Alex 1 : 0 Jussupow,Artu  3
 6 Bartel,Mateus 0 : 1 Sandipan,Chan  4
 7 Czarnota,Pawe ½ : ½ Naumann,Alexa  5
 8 Appel,Ralf    1 : 0 Hoffmann,Mich  7
 9 Holzke,Frank  0 : 1 Ernst,Sipke   10
10 Handke,Floria ½ : ½ Wegerle,Joerg 12

 

 

 

 


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