Bundesliga in Trier

09.10.2008 – Zum zweiten Mal in seiner jungen Bundesligageschichte war Trier Austragungsort einer Schachbundesliga-Doppelrunde. Inzwischen fand Turm Trier mit der Medardschule auch einen Spielort unweit des Trierer Stadtzentrums. Auch wenn Reisepartner Remagen ohne seine Stars Ivanchuk, Avrukh und Hübner antrat, kamen die Zuschauer dennoch in den Genuss, einige Topstars zu bewundern. Zu Gast war nämlich der amtierende Meister OSG Baden-Baden, der u.a. mit Weltklassespieler Alexei Shirov anreiste und mit Fabiano Caruana nun den italienischen Nachwuchsstar in seinen Reihen hat. Während des Wochenendes hatte Peter Schreiner Gelegenheit, mit Kurt Lellinger vom SC Trier Süd über die Fusion des Vereins mit dem Bundesligisten Turm Trier zu sprechen. Der Chess Classic Mainz-Organisator Hans-Walter Schmitt machte im Interview Vorschläge für eine größere Zuschauerfreundlichkeit der Bundesligawettkämpfe. Bericht, Bilder, Interview...

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Bundesligaschach in Trier
Von Peter Schreiner

Am vergangenen Wochenende konnten die zahlreichen Trierer Schachfans erneut ausgiebig Schach auf höchsten Niveau erleben. Gleich drei Bundesligapartien mit der Bundesligamannschaft von Turm Trier wurden dem interessierten Publikum am verlängerten Wochenende geboten, darunter auch der amtierende deutsche Mannschaftsmeister aus Baden-Baden.

Gespielt wurde diesmal nicht auf dem Gelände der Universität Trier, sondern recht zentral in der Medardschule direkt an der Mosel.


Im Foyer

Im Unterschied zum ersten Bundesligaauftritt gab es für die Zuschauer einige Verbesserungen. Die laufenden Partien wurde in einem separaten Raum vorgeführt und von starken Spielern wie IM Ludger Körholz und IM Mietek Bakalarz kommentiert.


Übertragung der Partien im Nebenraum

Nachteilig war die Aufteilung des Spielsaals, wo man aus Platzgründen als Zuschauer kaum etwas von den laufenden Partien sehen konnte und ein übereifriger Schiedsrichter sich alle Mühe gab, interessierte Zuschauer aus dem Spielsaal zu vergraulen. Ein großzügiges Foyer mit einem reichhaltigen Buffetangebot rundete das Angebot ab.


Das Büffet

Für das Publikum war die geballte Ansammlung von zahlreichen Titelträgern zwar sehr erfreulich, für den ausrichtenden Verein weniger. Gegen keine der Gastmannschaften gelang dem ausrichtenden Verein ein Mannschaftssieg. Die Niederlage gegen den amtierenden Deutschen Mannschaftsmeister verlief mit einer 1:7-Niederlage deutlich, aber nicht unerwartet. Gegen Remagen und Eppingen gab es sehr knappe Niederlagen, hier wäre mit etwas mehr Glück auch mehr drin gewesen. Bereits jetzt steht fest, dass der Klassenerhalt für die Trierer Mannschaft in dieser Saison sehr schwierig sein wird.


Die Schach-Bundesliga


Vorne: Topspieler Sergei Movsesian


Alexei Shirov (hinten mitte)

Die ausrichtende SG Turm Trier musste in diesem Jahr neben der Herausforderung Bundesliga noch ein weiteres Problem lösen. Der Verein hatte über die Jahre hinweg einen deutlichen Mitgliederschwund zu verzeichnen und nach und nach fehlte die breite Basis für ein geregeltes Vereinsleben. Aus diesem Grund fusionierte die SG Turm Trier mit dem SC Trier Süd, der zwar „nur“ in der „1. Rheinland-Pfalz-Liga“ spielt, dafür aber insgesamt 15 (!!!) Mannschaften in verschiedenen Spielklassen gemeldet hat. Diese breite Basis ist ein Verdienst des langjährigen Schulschachreferenten Kurt Lellinger, mit dem ich während des Bundesligawochenendes über die Fusion und Bundesligaschach sprechen konnte.


Kurt Lellinger

Frage: „Vor einigen Monaten fusionierte der von Dir gegründete SC Trier Süd mit der SG Turm Trier, was viele Trierer Schachspieler etwas überrascht hat. Kannst Du uns die Gründe für die Fusion erklären?“

Antwort: „Für uns kam das Angebot der Fusion ebenfalls überraschend. Bisher waren beide Vereine eigenständig und es herrschte eher eine Konkurrenzsituation. Aber bei Turm Trier fehlte der Unterbau unterhalb der Bundesligamannschaft und plötzlich kam das Angebot zu uns zu kommen. Das war zuerst einmal überraschend, aber wir sahen die Verstärkung für den SC Trier Süd mit den starken Spielern von Turm Trier. Das Aushängeschild Bundesliga kam als Extra noch hinzu und das bewog uns als Anreiz für unsere überaus zahlreichen Nachwuchsspieler dann dazu, der Fusionierung zuzustimmen.“

Frage: „Wenn ein Verein wie Turm Trier in der ersten Bundesliga spielt, sollte man doch meinen, dass dies auch Auswirkungen auf den Unterbau und damit auf das Vereinsleben hat. Das war aber bei Turm Trier nicht der Fall. Welche Meinung hast Du dazu?“

Antwort: „Die Bundesligamannschaft bekommt das normale Vereinsmitglied selten zu sehen. Die Spieler der Bundesligamannschaft reisen aus großer Entfernung an, es gibt keine Kontakte zu den Vereinsmitgliedern. Man bewundert diese Spieler, aber mangels persönlicher Kontakte wirkt sich die Bundesligazugehörigkeit nicht auf den Unterbau aus."

Frage: „Meinst Du, es fehlt die Identifikation des normalen Vereinmitglieds mit der Bundesligamannschaft?“

Antwort: „Ja und nein. Zunächst ist jeder stolz, wenn der Verein in der Bundesliga spielt. Das findet jeder toll. Aber der Unterbau muss auch stimmen, sonst funktioniert es nicht.“

Frage: „Wie sieht es mit der Motivation für Nachwuchsspieler aus? Wenn der Verein in der ersten Bundesliga spielt, müsste sich das doch motivierend für den Nachwuchs auswirken, Wie siehst Du das?“

Antwort: „Ich finde es hilfreich und gut, wenn der Verein in der ersten Bundesliga spielt. Aber die Motivation kommt woanders her. Wir haben in unserem Verein 95 Jugendliche und unterrichten an 18 Trierer Schulen über 300 Jugendliche. Daher kommt die Motivation. Das ist ein riesiger Unterbau und die besten Jugendlichen aus den Schulen kommen zu uns in den Verein. Das führt natürlich dazu, dass der Verein Schwierigkeiten hat, genügend Trainer zu finden. Das Raumproblem ist für Schachvereine ebenfalls ein sehr großes Problem. Die Stadt muss natürlich auch helfen, dass wir genügend Räume für die Jugendlichen zur Verfügung haben. Zur Zeit sind wir hier sehr gut in der Medardschule untergebracht, können aber nur einen Raum dauerhaft nutzen. Wir sind zufrieden, müssen uns aber für die Zukunft Gedanken machen, wie wir zu weiteren Spielräumen und vor allem zu weiteren Trainern kommen. Zur Zeit haben wir sieben Trainer, die für uns tätig sind. Das sind Vereinsspieler mit C-Trainerschein und den Herrn Bakalarz als A-Trainer, der aber als A-Trainer nur die Spitzenspieler trainieren kann. Wir planen jetzt konkret, Schach auch als Unterrichtsfach im Trierer Sportgymnasium zu etablieren und davon erwarten wir neue Impulse."

Frage: „Du hast Dir in der Vergangenheit zahlreiche Verdienste um die Nachwuchsförderung erworben. Welche Motivation steckt hinter Deinem Einsatz?“

Antwort: „Ich sehe meine Rolle als ein Wegbereiter und möchte durch das Schulschachpatent das analytische Denkvermögen der Kinder steigern. Überspitzt könnte man sagen, dass ich das Schach in den Schulen missbrauche, um den Kinder das richtige Denken beizubringen. Es ist nicht Ziel einer Schule, Großmeister zu züchten. Es macht mir einen Heidenspaß, wenn ich sehe, dass die Kinder durch das Schach bessere Leistungen in den anderen Schulfächern erzielen.“

Frage: „Dir geht es also in erster Linie darum, über das Medium Schach die Persönlichkeitsbildung der Kinder weiterzuentwickeln?“

Antwort: „Der Eingangspunkt ist ganz klar die Entwicklung der kindlichen Persönlichkeit. Darüber hinaus habe ich natürlich ein sehr grosses Interesse daran, dass die besten Schüler auch langfristig Vereinsspieler werden. Ich bin quasi doppelt gepolt. Ein Schwerpunkt ist der vernünftige Ablauf der schulischen Grundausbildung, dann aber auch die entsprechende Entwicklung der Talente im Verein mit entsprechender Förderung. Das beste Beispiel ist Georg Maier, den wir bis zum Großmeister gefördert haben. Im Vordergrund steht aber für mich, das Wahrnehmungsvermögen der Kinder zu schulen und ihnen einen persönlichen Entwicklungsschub mitzugeben."

Frage: „In Trier gibt es eine Schachakademie, die Du mit gegründet hast. Ich muss gestehen, dass ich die Entwicklung nicht weiter verfolgt habe. Wie ist der Zuspruch und das Interesse an der Schachakademie?“

Antwort: „Die Entwicklung läuft momentan nicht so gut. Das liegt einfach daran, dass viele Eltern nicht bereit oder in der Lage sind, die Kosten für den Schachunterricht zu bezahlen. In München gibt es eine Schachakademie mit einem monatlichen Etat um die 6.000 Euro. Dort belegen die Kinder z.B. einen 14tägigen Lehrgang und die Eltern bezahlen dafür ca. 200 – 300 Euro. Dies ist in Trier nicht machbar, obwohl wir die Preise für die Unterrichtsstunden deutlich abgesenkt haben. Das Interesse an dem von unserem A-Trainer Bakalarz angebotenen Unterricht ist sehr groß, aber es fehlt die Bereitschaft, diese Leistung entsprechend zu bezahlen. Uns fehlen wahrscheinlich auch die großen Spitzen. Wir haben zwar einige talentierte Nachwuchstalente, aber die sind noch nicht soweit, dass sie bereits auf Bundesebene konkurrieren könnten. Hier fehlt einfach die Bereitschaft vieler Eltern, den Unterricht angemessen zu vergüten.“

Meiner Meinung nach dürfte die neue SG Trier jetzt vor allem davon profitieren, dass der Verein fein abgestuft in vielen Klassen vertreten ist. Das sollte vor allem für junge Spieler eine große Motivation bieten.

Ein Wiedersehen gab es mit dem Organisator der Chess Classic, Hans-Walter Schmitt, der mit dem Deutschen Meister Baden-Baden angereist war. Anlässlich des Bundesligadebüts von Turm Trier im April hatte sich der Macher der Chess Classics in Mainz sehr kritisch über die Präsentation und Vermarktung der Bundesligamatches geäußert. Hier In Trier habe ich die Gelegenheit genutzt, mich noch einmal mit einem der profiliertesten Kenner der internationalen Turnierszene zu unterhalten.


Hans-Walter Schmitt

Ein Wiedersehen gab es mit dem Organisator der Chess Classic, Hans-Walter Schmitt, der mit dem deutschen Meister Baden-Baden angereist war. Anlässlich des Bundesligadebüts von Turm Trier im April hatte sich der Macher der Chess Classic in Mainz sehr kritisch durchaus konstruktiv über die Präsentation und Vermarktung der Bundesligamatches geäußert. Hier In Trier habe ich die Gelegenheit genutzt, mich noch einmal mit einem der profiliertesten Kenner der internationalen Turnierszene zu unterhalten.

Frage: „Im April haben wir uns anlässlich der Trierer Bundesligapremiere ausführlich über die Präsentation der Bundesligamatches unterhalten. Zu meiner großen Überraschung gab es als Reaktion auf die von Dir genannten Anregungen einige harsche Attacken. Das hat mich insofern auch erstaunt, weil die von Dir vorgebrachten Kritikpunkte von den meisten Zuschauern vor Ort genau so beurteilt wurden. Wie erklärst Du Dir als Kenner der Szene diese Reaktionen?“

Antwort: “So schätze ich den Sachverhalt nicht ein. Es gab eigentlich nur harsche Angriffe von einem Schachspezialisten, einem sogenannten Experten aus der schönen Stadt Bremen. Die generelle Resonanz war eindeutig positiv. Nämlich die, dass endlich einmal jemand klar ausspricht, was er erwartet, wenn er zum Fußball – Schach – kommt. Letztendlich ist der Zuschauer der Zahler. Was ist Fußball, was ist eine Oper ohne Zuschauer? Das macht doch auch den Akteuren keinen Spaß."

Frage: „Es gibt aber doch einen wichtigen Unterschied. Beim Fußball oder bei der Oper muss der Zuschauer Eintritt bezahlen. Hier war der Eintritt umsonst.“

Antwort: „Der Zuschauer ist der entscheidende Faktor für Sponsoring und Aufmerksamkeit in den Medien. Unabhängig davon, ob er Eintritt zahlt oder nicht. Der Zuschauer ist durchaus bereit, zu bezahlen, wenn er dafür einen Gegenwert bekommt. Bei den Chess Classic in Mainz haben an einem Samstagabend über 1000 Leute den Eintritt von 8 Euro anstandslos bezahlt. Das sind dann über 8.000 Euro, das ist eine Menge Geld. Wenn man eine gute Präsentation macht, wenn man dem Kunden etwas bietet und ihm das gibt, was er haben will, dann sind die Leute auch bereit, dafür zu bezahlen. Die Chess Classic beweisen das. Die Partien müssen beispielsweise nachspielbar sein, sie müssen gut kommentiert werden, das ist elementar und gehört einfach dazu.
 
Man könnte hier auch noch einen Schritt weitergehen und mit einem Schachprogramm darstellen, um wie viele Punkte eine Partei besser oder schlechter steht. Mit einem Balkendiagramm könnte man den Partieverlauf darstellen, damit nicht nur der Experte, sondern auch der Hobbyspieler auf Anhieb nachvollziehen kann, wie die Partie sich entwickelt hat, mit allen Auf und Abs. Die Zukunft kann nur so aussehen, sowohl die Experten und eben auch die Laien zufrieden zu stellen. Das gilt für den Spielsaal, wo die Experten einfach nur zuschauen und sich selbst einen Eindruck vom Geschehen verschaffen. Wer aber vom Spiel nicht so viel versteht, der muss andere einfachere Angebote bekommen. Mit der Bewertung durch ein Schachprogramm und ein Balkendiagramm könnte man dieser Zielgruppe schon sehr viel Information anbieten, ohne großen Kostenaufwand!

Frage: „Immerhin werden die Partien auf Leinwänden in einem separaten Raum vorgeführt. Dank der Kommentare von IM Körholz war das bereits eine deutliche Verbesserung gegenüber dem Debüt des Vereins hier in Trier. Ich habe zwar auch nicht verstanden, warum man in dem separat gelegenen Raum auf die Informationen eines mitrechnenden Schachprogramms als zusätzliche Orientierung verzichtet hat. Aber die Kommentierung war doch ein sehr gutes Angebot für die Zuschauer. Grotesk fand ich das allerdings das Verhalten des Schiedsrichters im Spielsaal, der mit seinem Übereifer gegenüber den Zuschauern doch eher abschreckend wirkte. Im Spielsaal war von den Partien nichts zu erkennen, weil die Absperrung keine Annäherung an die laufenden Bretter ermöglichte. Wie könnte man diese Darstellung zuschauerfreundlich gestalten?“

Antwort: „Der Raum ist für die Veranstaltung nicht optimal, die Aufteilung ist auch nicht gut. Trier macht das zum zweiten Mal, die werden es noch besser machen. Trier ist für mich ein leuchtendes Vorbild, wie man Schach zusammen bringen kann. Durch den Zusammenschluss haben sie jetzt über 150 Leute, spielen in der Bundesliga und machen eine erstklassige Jugendarbeit. Man muss aber tiefer nachfassen und fragen, wofür ein Verein sein Geld ausgibt. In erster Linie für die Gehälter der Spieler. Meine Erfahrung ist die: Habe ich ein gutes Ambiente und gute Spieler, dann habe ich auch die entsprechende Zuschauerresonanz. Bietet man dann noch wie hier gutes Essen, bekomme ich eben auch die entsprechend Mund zu Mund Propaganda und die Zuschauerzahlen steigen.

Ich will nicht zu kritisch sein. Aber von dem Anspruch, dass hier Bundesliga gespielt wird, ist nicht viel zu sehen. Das wird aber sicher noch verbessert werden.

Ein Grundübel besteht z.B. darin, dass alle Bundesligavereine noch nicht einmal in der Lage sind, mit einer einheitlichen Kleidung aufzutreten. So könnte der Zuschauer auf Anhieb unterscheiden, wer zu welcher Mannschaft gehört. Im Übrigen darf man nicht vergessen, dass viele Laien im Unterschied zu uns die Spieler ja überhaupt nicht kennen. Schlägt man solche Kleinigkeiten vor, regen sich wieder die Spieler auf. Ich sage dann immer, dass das keine Uniform, sondern einfach ein Service für den Zuschauer oder Journalisten darstellt. Wie auch immer: man sollte zumindest die Spieler in irgendeiner Form erkennbar machen. Das sind Kleinigkeiten, die nicht viel kosten und dem Zuschauer helfen. Leider wird der Zuschauer immer noch sehr klein geschrieben.

Der Schiedsrichter hier macht nur seinen Job, aber er ist in der Tat etwas übereifrig. Vor allem erkennt man aber die Stoßrichtung. Der Zuschauer muss still sein und bekommt keinerlei Komfort, bloß damit die Spieler ihr Geld verdienen. Das kann nicht sein.

Ich wurde beispielsweise sogar im Nebenraum von dem Schiedsrichter angegangen. Letztendlich dient solch ein Event auch der Kommunikation. Die Zuschauer wollen natürlich miteinander sprechen und Erfahrungswerte austauschen. Was erlebt denn der Laie, wenn er sich hier im Spielsaal aufhält? Okay, er sieht ein paar Spieler von der Seitenperspektive, das Geschehen auf den Brettern kann er hier aber gar nicht erkennen. Auch wenn er hier Weltklassespieler wie Shirov einmal sehen will, kommt er in erster Linie doch her, um die Partien zu verstehen.

Insofern wäre es schon eine deutliche Verbesserung, wenn man zusätzlich zur Übertragung der Partien in dem separaten Analyseraum noch eine Kameraeinstellung einblendet, die auch die beteiligten Spieler inkl. der Emotionen während der Partie zeigt. Mir schwebt hier eine Zusatzinformation für die Zuschauer vor, wie sie mit den Ergebnistafeln beim Fußball geboten wird. Technisch ist es doch überhaupt kein Problem, dem Zuschauer in dem separaten Raum Informationen über den Spielstand anzubieten. Aber viele Schachexperten meinen, dass dies nicht möglich oder gar nötig ist. Dabei kann man diese Information mit aktueller Übertragungstechnik vom Spielersaal abkoppeln und einfach etwas für die Zuschauer tun."

Frage: „In der hiesigen Tageszeitung war unter anderem auch die Anwesenheit von GM Robert Hübner angekündigt, der dann zur Enttäuschung vieler Besucher gar nicht anwesend war. Weltmeister Anand oder GM Carlsen waren ebenfalls nicht vor Ort. Für viele Besucher ist es aber ein großer Anreiz, Weltklassespieler einmal direkt in Aktion zu beobachten. Warum ist es nicht möglich, die Mannschaftsaufstellung vorab festzulegen?“

Antwort: „Die Kadergrößen der Bundesligamannschaften umfassen 18 Personen, davon können aber nur acht spielen. Vereine wie Baden-Baden spielen nicht nur Bundesliga, sondern auch Europacup. Zum Konzept gehört dann eben auch, dass alle Spieler zum Einsatz kommen. Hier in Trier spielt mit Shirov ein absoluter Weltklassemann, aber auch der Einsatz des italienischen Supertalentes GM Fabiano Caruana, der hier sein Bundesligadebüt gibt, ist für die Zuschauer sicher interessant. Aber zurück zu Deiner Frage. Meiner Ansicht nach ist das ein Relikt aus vergangenen Zeiten. Alles wird geheim gehalten. Man muss zwei Tage vorher bekannt geben, mit welcher Mannschaft man spielen will. Das ist ein Service am Zuschauer, der dann eben nicht enttäuscht werden kann, wenn er den Event besucht. Gut finde ich es im Zuschauerinteresse auch, wenn die Spitzenleute direkt gegeneinander antreten und keine taktischen Aufstellungen möglich sind wie in anderen europäischen Ligen. Gerade das direkte Aufeinandertreffen der Topspieler der jeweiligen Vereine ist für die Zuschauer ungemein anziehend und gleichermaßen spannend. Mir leuchtet nicht ein, warum man die Interessen der Kunden im Sinne der Zuschauer vernachlässigen sollte, um die Matches für die Spieler unkalkulierbarer zu machen. Warum alle Privilegien nur für die Spieler?"

Frage: „In welchen Bereichen würdest Du ansetzen, wenn Du die Rahmenbedingungen für die Bundesliga festlegen könntest?“

Antwort: „Ich würde den Zuschauer in den Mittelpunkt stellen und ihm die optimalen Bedingungen bieten. Dazu gehört natürlich, ein gutes Team zu haben. Hier konkret entsteht die Spannung doch daraus, ob es der Heimmannschaft gelingt, dem Deutschen Meister ein Schnippchen zu schlagen. Wie bei den Chess Classic in Mainz gehört der Zuschauer in den Mittelpunkt, der Erfolg der Chess Classic bestätigt mich in dieser Einschätzung. Zuerst einmal muss eine Bundesligabegegnung zu einem echten Event gestaltet werden. Dazu gehört u.a. auch die entsprechende Werbung mit vielen Plakaten, Jahrespläne der Stadte, Broschüren, usw. Ganz wichtig ist der Aspekt Familienfreundlichkeit, dafür werde ich ja häufig ausgelacht und verhöhnt. Bei den Chess Classic kommt der Vater mit seinem Sohn und die schauen sich dann zusammen die kommentierten Partien an. Ein Beweis dafür, dass man diese Zielgruppe mit guten Angeboten durchaus ansprechen und erreichen kann. Ich bin mir sicher, dass man dies auch in der Bundesliga erreichen könnte.

Wenn erst einmal die Zuschauerräume gefüllt sind und die Presse über solch ein Event berichtet, dann sind potentielle Sponsoren auch interessiert und geben die entsprechende Unterstützung. Wenn man wie hier in Trier dann noch Schulen und Verein zusammenbringen kann, ist eine sehr gute Basis geschaffen. Selbstverständlich muss man den Spielern gute Bedingungen schaffen, aber den Zuschauern eben die besten Bedingungen. Davon ist die Bundesliga noch sehr weit entfernt.

Im Grunde genommen muss man zwei Zielgruppen bedienen. Einmal das Angebot für die Experten, die in Ruhe die Partien verfolgen wollen, aber eben auch für den Laien, der viel mehr Unterstützung für das Verständnis, bzw. „einfache“ Informationen der Partien benötigt."

Vielen Dank für das Gespräch!

 


 

 

 

 

 

 


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