Bundesligaumfrage: Viele interessante Beiträge

12.10.2007 – Nachdem sich am ersten Tag unserer Umfrage viele Schachfreunde gegen den stetigen Trend in der Bundesliga - immer weniger einheimische Spieler -ausgesprochen haben, sind nun auch eine Reihe von Wortmeldungen eingegangen, die entweder die gegenwärtige Situation befürworten, oder aber darauf verweisen, dass diese das Ergebnis der Rechtslage sei. Die Diskussion hat auch unser Nachbarland Österreich erfasst, wo die Androhung juristischer Maßnahmen gerade zur Aufgabe der bisherigen Inländerquote geführt hat. In vielen interessanten Beiträgen werden zahlreiche Aspekte des Themas ausführlich beleuchtet. Spieler, Organisatoren, Funktionäre und Schachfans argumentieren aus ihrer Perspektive. Es wird mehrfach darauf verwiesen, dass für den kritisierten Trend vor allem auch die Spielberechtigung in mehreren Ligen ("Ligatourismus") verantwortlich ist. Aber auch andere Probleme der Schachveranstaltung "Deutsche Bundesliga" werden angesprochen. Die Umfrage...Bisherige Beiträge...

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Umfrage zur Bundesliga:

Wir fragen: Sind Sie als Schachfan mit der gegenwärtigen Situation in der Bundesliga zufrieden? Finden Sie es richtig, dass ausländische Spieler Deutschen vorgezogen werden, weil sie entweder kostengünstiger spielen oder aber spielstärker sind? Oder würden Sie sich lieber mehr einheimische Spieler oder deutsche Talente in den Mannschaften wünschen? Soll die Bundesliga mit ihren Vereinen der Förderung des deutschen Nachwuchses dienen, indem sie Spielmöglichkeiten und finanzielle Angebote bietet? Gibt es noch andere wichtige Aspekt, die in der Einleitung nicht zur Sprache kamen?

Ihre Meinung zählt! Schicken Sie uns ihre Argumente Pro oder Contra per eMail zu - Adresse: umfrage@chessbase.de


Bisher eingegangene Meinungen:


Eine interessante Umfrage!

Generell finde ich es sehr traurig welches Dasein die Schach-Bundesliga fristet und selbst an mir als Schachspieler geht die Berichterstattung völlig vorbei, obwohl ich mir die Berichterstattung über internationale Turniere gerne anschaue. Bei der Bundesliga fehlen mir einfach Spannung, Dramatik und ein Verein, mit dem ich mich identifizieren könnte. Oder wie schon Alexander Fuchs schreibt: Nichts ist uninteressanter als die Schach-Bundesliga.

Deutschen-, Frauen-, Kinder- oder sonstige Quoten helfen uns hier nicht weiter. Als Kaufmann habe ich sogar Verständnis dafür, dass kostengünstigere ausländische Spieler vorgezogen werden. Und wenn an den unteren Bretten der Mannschaften dann Deutsche Spieler gegeneinander sollten, hat das auch nicht wirklich etwas mit Nachwuchsförderung zu tun. Eine wirkliche Farce finde ich es dagegen, wenn Spitzenspieler für mehrere internationale Clubs spielen und dann auch nur bei ein oder zwei Spitzenspielen antreten. Da rennt man dann zu einer Veranstaltung und der erhoffte Star ist leider nicht da.

Viele Kinder in meinem Bekanntenkreis begeistern sich dank Fritz und Fertig für das Schachspiel. Auf eine Idee, dass Schach im Verein auch Spaß machen könnte, kommen dagegen die Wenigsten. Weiterhefen würde eine professionelle Berichterstattung über die Bundesliga in der Tagesspresse. Vielleicht durch professionelle journalistisch aufbereitete Pressemitteilungen zu jedem Spieltag, die auch ein „Normalsterblicher“ versteht. Also eine viel größere Inszenierung mit Bildern und sprachlicher Dramatik.

Mein Vorschlag: keine Quoten, aber mehr Geld fürs Marketing und die Jugendförderung, dann kommen auch gute deutsche Spieler, damit auch mehr Sponsoren, was wieder mehr Jungendförderung ermöglicht usw.  Das dauert aber Jahre. Kurzfristig sehe ich hier leider gar keine Möglichkeiten.

Michael Busch


Ich möchte als Betroffener zu der Umfrage Stellung nehmen. Mein Name:

Großmeister Hertneck - ich spiele seit 1985/86 in der Bundesliga. Wenn man die Entwicklung Revue passieren lässt, so waren die Verhältnisse in der BL vor 20 Jahren ebensowenig zufriedenstellend wie die heutigen.

Damals war das Bundesliga-Niveau relativ schwach, und lange Zeit durften pro Mannschaftskampf maximal zwei Ausländer (sowie ggf.

"Schachdeutsche") eingesetzt werden. Heute ist es gerade andersrum, sodass man sich z.B. fragt, wieso ein so starker Spieler wie Philip Schlosser sich überhaupt noch im Kader von Baden-Baden nominieren lässt, wenn er nur mit ein paar Einsätzen rechnen kann. Alles fing mit dem unseligen Bosman-Urteil des EUGH an - damals hat man völlig das Augenmaß verloren. Erinnern wir uns: es ging um die Frage, ob ein EU-Profi den heimischen Spielern gleichgestellt wird oder nicht. Aus systematischer Sicht ist nichts dagegen zu sagen, dass freie Berufsausübung innerhalb der EU herrscht. Genau diese hat man dann aber aus politischen Gründen bei der EU-Osterweiterung eingeschränkt (innerhalb gewisser Fristen, die erst kürzlich zum Schutz des westlichen Arbeitsmarkts wieder verlängert wurden). Mit anderen Worten: der normale Berufstätige steht in der EU unter Schutz, der Schachgroßmeister natürlich nicht, denn diese unbedeutende Minderheit hatte noch nie eine Lobby! Die größte Fehlkonstruktion des Urteils war  aber die, dass man nicht sauber zwischen "Profis" und "Amateuren" abgegrenzt, und die sportlichen Auswirkungen nicht berücksichtigt hat. Freie Berufsausübung ist eine Sache, Identifikationswert und gesunde Nachwuchsförderung sowie das finanzielle Ausbluten der Vereine im Sport eine ganz andere.

Nun hätte sich der Deutsche Schachbund, der in den 90er Jahren noch die volle Gestaltungshoheit über die Bundesliga hatte, aufgerufen fühlen müssen, zum Schutz der deutschen Spieler und der Bundesligavereine (!) eine vertretbare Ausländerbegrenzung in die Regeln zu schreiben. Das ist natürlich nicht passiert, weil die Schachprofis und leider auch die BL-Vereine beim DSB noch nie eine starke Position hatten, sondern die Profi-Szene in ehrenamtlichen Kreisen oft nur als lästiges Anhängsel gelten. Man schmückt sich zwar gerne mit dem Titel "stärkste Liga der Welt", tut aber nicht allzu viel dafür. Außerdem wollte man das Prozessrisiko nicht tragen, hieß es damals. Wo käme man denn da hin, wenn man zum Schutz der Spieler und Vereine, die man zu vertreten hat, auch noch Prozesse führen müsste? Wie immer lief die Entscheidung auf den kleinsten gemeinsamen Nenner hinaus: einfach die Sache laufen lassen, und die Entwicklung dem Markt überlassen. Diese Position hat dem Image des DSB bei den deutschen Spitzenspielern sehr geschadet, und man muss sich daher nicht wundern, dass viele deutsche Großmeister dem Schach inzwischen mehr oder weniger den Rücken gekehrt haben.

Schließlich ist auch den Bundesligavereinen ein Vorwurf zu machen, da sie sich nie zu einer freiwilligen Selbstbeschränkung der Art "mindestens 50 % deutsche Spieler" durchgerungen haben (vergleichbar zum Beispiel der langjährigen Regelung in Österreich). In dieser Frage stand immer sofort die Drohung der Legionärsteams im Raum "dann ziehen wir unsere Mannschaft zurück". Vielleicht hätte man dies einfach in Kauf nehmen sollen, aber auch dann wäre natürlich eine Klage möglich gewesen, abgesehen davon, dass die Entscheidung wohl gar nicht die DSB-Instanzen passiert hätte. Insofern kann man hier dem langjährigen BL-Vorsitzenden Christian Zickelbein kaum einen Vorwurf machen, dass er das Thema bisher nicht forciert hat. Es gab ja auch andere Sorgen, wie die höchst vordringliche Gründung des Bundesliga e.V., die 14 von 16 Mannschaften befürwortet haben ...

Um die Sache kurz zu machen: gegen eine starke Liga ist sicher nichts zu sagen, solange ein ausgewogenes Verhältnis von deutschen und nichtdeutschen Spielern besteht. Dies ist auch im Sinne einer gesunden Nachwuchsförderung, sowie im rein ökonomischen Interesse, das Geld der Vereine nicht zum großen Teil ins Ausland zu tragen. Solange bei den Verantwortlichen aber keine Vernunft einkehrt, ist es wohl illusorisch, auf Besserung zu hoffen. Ich jedenfalls habe die Hoffnung aufgegeben, aber was zählt schon ein deutscher Großmeister, der seit über 20 Jahren in der Bundesliga spielt!

G. Hertneck


Die gegenwärtige Regelung ist optimal. Die Nationalität der Spieler ist mir völlig gleichgültig. Ich möchte das bestmögliche Schach erleben können und wenn mir dies in Deutschland nicht mehr möglich ist, dann verfolge ich halt die interessanteren Ligen im Ausland, was dem Internet sei Dank, heutzutage kein wirkliches Problem mehr ist.

Wirklich gute Deutsche Spieler wird man nur bekommen, wenn diese sich der stärksten Konkurenz stellen müssen. Das war Teil des Erfolgsgeheimnises des Sowjetischen Schachs, wo sich der Nachwuchs immer gegen härteste Mitbewerber durchsetzen mußte und das ist ein Teil des Mißerfolgsgeheimnisses im Frauenschach, wo die "inzestöse" und widernatürliche Beschränkung auf "niveauniedrigere" fraueninterne Wettbewerbe eine wirkliche Entwicklung vielversprechender Talente verhindert.

Lutz Pinkus


Alle Jahre wieder... wird die Diskussion zur Ausländerregelung (bzw. gerade eben der nicht vorhandenen) zu Beginn einer neuen Bundesligasaison angestoßen. Dabei sind die Argumente eigentlich immer dieselben.

Fassen wir erst mal ein paar Fakten zusammen:

1. Die Bundesliga sieht sich selbst gern als stärkste Schachliga der Welt. Alleine bei der Betrachtung des Baden-Badener Kaders schnalzt der geneigte Fan ähnlich mit der Zunge wie bei den Fußballern des FC Bayern (um gleich mal den unumgänglichen Vergleich zu erledigen).

2. Es gibt nicht viele deutsche (= "schachdeutsche") Spieler, die mit dieser Stärke mithalten können. Abgesehen vom derzeit vereinslosen Hübner sind diese allesamt in der Bundesliga bzw. einer der 2. Ligen aktiv.

Damit ist bereits klar: Jede Beschränkung des Ausländeranteils bedingt eine Einbuße bei der Spielstärke.

Damit stellt sich die Frage, welchen möglichen Gewinn man durch eine solche Regelung hätte.

Das erste Standardargument ist die höhere Identifikation mit dem Verein.
Nur macht ein deutscher Pass niemanden automatisch zu einem Ortsansässigen. Ein Spieler, der im Ruhrgebiet wohnt, aber für einen Berliner oder süddeutschen Verein spielt, hat ungefähr den gleichen Bezug zu ebenjenem Verein wie ein im Ausland lebender. Umgekehrt identifiziert sich ein Spieler, der zwar einen festen Wohnsitz in der Stadt seines Vereins, aber z.B. aufgrund bürokratischer Hürden keinen deutschen Pass besitzt, sicherlich wesentlich stärker mit dem Verein (und dieser sich auch mit ihm).

Das zweite Standardargument ist die Förderung des deutschen Schachs.
Hilft es dem deutschen Schach wirklich, wenn weniger Schachausländer in der Liga aktiv sind? Wie gesagt, ginge dies zu Lasten der Spielstärke.
Dementsprechend wäre ein Platz in der Liga leichter zu ergattern. Damit droht der "Island-Effekt": Bekanntermaßen besitzt die skandinavische Insel die höchste Großmeisterdichte weltweit - wegen der staatlichen Förderung. Trotzdem gibt es zumindest derzeit keinen Isländer mit einer Elo von über 2600. Warum? Weil das eigentliche Ziel bereits mit dem GM-Titel erreicht ist.

Wer sich verbessern will, muss sich mit den Besten messen. Erleichtert man den deutschen Spielern das Erlangen eines Platzes in einer Bundesligamannschaft, so hilft das bestimmt eben diesen SchachSPIELERN, jedoch nicht notwendigerweise dem SchachSPORT.

Auch mit dem immer wieder geforderten Pflichtjugendbrett ließe sich vermutlich wenig erreichen. Die Vereine, die bereits Nachwuchsförderung betreiben, würden eben ihren besten Jugendspieler dorthin setzen, der aber an sich eher noch zu schwach für die Liga wäre. Die übrigen würden sich anderswo einen Spieler herholen. Ob das nun zur Attraktivität der Liga beitrüge, wage ich zu bezweifeln.

Solange die ausländischen (und im Ausland ansässigen!) Spieler trotz mit teilweise großer Distanz verbundenen Reisekosten deutlich billiger sind als die in Deutschland lebenden mit vergleichbarer Spielstärke, solange kann man keinem Verein einen Vorwurf machen, der diese Sparmöglichkeit wahrnimmt.

Meiner Ansicht nach gäbe es eine verblüffend einfache Lösung, die nur leider nicht alleine auf nationaler Ebene erreicht werden kann: die internationale Vereinsbindung. Ein Spieler, der nur noch für einen Verein in entweder Frankreich oder England oder Deutschland oder etc. spielen darf, verteuert sich automatisch gegenüber einem, der in allen diesen Ligen gleichzeitig aktiv sein kann. Somit könnten auch die Stars jeweils nur in einer dieser Ligen spielen, was mehr als genug Kapazitäten für inländische Kräfte freimachen dürfte. Damit wäre ganz nebenbei auch der widersinnige Zustand erledigt, dass ein Verein, der sich national für den Europapokal qualifiziert hat, ebendort nicht teilnimmt, weil sein komplettes Team bei anderen Mannschaften in Europa aktiv ist.

Nur bleibt diese Idee leider eine Wunschvorstellung, da keine Seite wirklich Interesse an einer solchen Beschränkung hat:
1.) Die Spieler fürchten Einkommenseinbußen.
2.) Die Vereinsfunktionäre (und insbesondere -mäzene) fürchten die höheren Kosten für die Mannschaft und den damit verbundenen Qualitäts- und Attraktivitätsverlust.
3.) Die nationalen Verbände vermögen keinen Bedarf an einer solchen Maßnahme zu erkennen.
4.) Und somit setzen sich ECU oder gar die FIDE gar nicht erst damit auseinander. Was kein nationaler Verband beantragt, wird logischerweise international auch nicht verhandelt.

Schlussendlich bleibt die Tatsache, dass Stars die Attraktivität einer Liga steigern. Wer das anders sieht, sollte einfach mal bei den Schatzmeistern der Fußballbundesliga nachfragen, bei welchem Gegner das Stadion denn immer (auch bei höherem Eintrittspreis) ausverkauft ist. Und eine attraktive Liga hilft dem Sport insgesamt.

Raimund Klein, SV Werder Bremen
 


Dass Mannschaften, die unter Ihren Top acht keinen deutschen Spieler haben, Deutscher Meister werden können, hat nichts mehr mit deutschem Schachsport sondern ausschließlich etwas damit zu tun, dass Sponsoren bereit sind, leider auch noch steuerbegünstigt, Wochenendflüge aus aller Welt zu finanzieren. Wenn ich die besten Spieler der Welt live sehen will, fahre ich gerne nach Dortmund oder Mainz. Bei einer deutschen Mannschaftsmeisterschaft sollten aber auch regionale Spitzenspieler oder jugendlicher Nachwuchs eine Chance haben !

Es wäre verdienstvoll, wenn einmal die Regelungen unserer Nachbarländer genannt würden. Das Bosmann-Urteil und die Frage, ob es für den Schachsport ohne das Vorliegen echter Arbeitsverhältnissen überhaupt bindend ist, wird m.W. von den meisten europäischen Schachverbänden zu Recht anders bewertet, als es im Deutschen Schachbund der Fall ist. So wie ich unseren neuen Präsidenten einschätze, habe ich die Hoffnung, dass er im Interesse einer vernünftigen Nachwuchsarbeit hilft, dass es hoffentlich bald zu einer Ausländerquote kommt. Dass dabei ausländische Mitbürger, die schon länger in Deutschland leben, nicht diskriminiert werden dürfen, ist für mich selbstverständlich.

Persönlich bin ich für eine Regelung, die für Mannschaftskämpfe des Deutschen Schachbundes den Ausländeranteil (= nicht in Deutschland 'gemeldet') auf maximal 50 % begrenzen würde.  

Horst Geuer


Zuerst einmal Anerkennung zu der Umfrage.

Das Thema ist sehr kompliziert und die Frage wird nicht besser, wenn man Sie x-Mal und jedes Jahr wiederholt oder thematisiert. 

Was wollen wir mit einer protektionistischen Bundesliga-Vereinsauswahl – wollen wir das Kind Bundesliga mit dem Bade ausschütten? Warum gibt es in Deutschland – nach Dr. Robert Hübner – keine Weltklassespieler, jemand mit Elo +2700. Das deutsche System ist faul – Leistungsunwillen überall, Bequemlichkeit und Konzeptlosigkeit vor allem bei der Hochtalentsuche und deren Förderung, keine Sponsoren – nur Mitgliedsbeitragserhöhungen und 1.Bundesligadisziplinierungenen – die Antwort des Bundestrainers spricht für sich.

In der 1.Bundesliga geht es um Geld, es geht um eine Liga, die attraktiv sein muss, damit sie bestehen kann. Viele Top-Ausländer, wie Anand, Ivanchuk, Aronian, Carlsen, Svidler, Gelfand, usw. erhöhen den Wert und die Einschaltquote im „Live-Übertragungs-Modus“ ungemein – auch im Herkunftsland dieser Spieler - und damit wird das Geschäft für Sponsoren á la „GRENKELEASING AG“ noch attraktiver.

Auch die Ausrichtung der ganzen Ligen Europas von den Terminen her, so dass möglichst alle Mittelklassespieler alle Ligen spielen können, ist für die Spieler selbst und für die nationalen Ligen unattraktiv. Dieser Ligentourismus der Titelträger lässt das Einkommen der Gleichen bei mehr Arbeit nur insgesamt sinken, bei Ermittlung der Werte in Summe für die ganzen Ligen Europas – Termin-Korridore für die Gesamtheit der Ligen müssten eingerichtet werden, damit die Turnierveranstaltungswelt einen vernünftigen jährlichen Rhythmus bekommen kann

In einer globalisierten Welt geht es im internationalen Bundesligageschäft nur bedingt um deutsche Spieler, es geht vielmehr um gute Spieler und da spielt die Herkunft, Geburtsort, Nationalität, Geschlecht, Alter, Hautfarbe, usw. keine, aber überhaupt keine Rolle. Bei der Auswahl eines Unternehmens spielt auch keine Rolle, ob es ein deutscher Ingenieur oder ein polnischer oder ein indischer ist – zählen darf man nur die Leistung und die Team- bzw. Entwicklungsfähigkeit!

Wer sich in dem hierarchischen System der Ligen durchsetzt, wie Falko Bindrich, Arik Braun oder Niclas Hutschenbeth, wird sich auch in der 1.Liga finden, ob die Vereinsbosse ihn dann anständig bezahlen ist eine andere Sache – die meisten deutschen Vereine finden es ja noch nicht einmal für nötig Geld in die Hand zu nehmen, um einen anständigen Trainer zu bezahlen! Manchmal übertreiben Sie auch ein bisschen den „Hang“ zur Optimierung ihrer Kader ohne daran zu denken, dass Sie „Typen“ brauchen, anstatt „Ware von der Stange“.

Hans-Walter Schmitt, Chesstigers


Eine Bundesliga, in der andere Nationalitäten dominieren, ist, genau besehen, gar keine Bundesliga, sondern ein Konstrukt, für das man einen neuen Namen suchen müßte. Aus diesem Grunde stellt sich die Frage, ob mehr einheimische Spieler eingesetzt werden sollen, eigentlich gar nicht. Die identitätsstiftende Wirkung sportlicher Ereignisse steht und fällt mit der Authentizität der Akteure.

Markus Rüther, Bonn


Interesse an der Bundesliga: Als Dr. Hübner noch für Porz spielte, konnte ich mich noch identifizieren: ich bin in Porz aufgewachsen, und Dr. Hübner kannte ich von der Uni Köln vom Sehen. Aber dann spielte er plötzlich für Solingen und Bremen und ich weiß nicht, für wen noch... Die Identifikation mit dem jeweiligen Verein ist also nicht unbedingt ein Problem der Nationalität der Spieler.

Vermeidung einer Ausländer- Quote:
Das Prinzip "Ein Verein pro Spieler" würde vielleicht schon ausreichen, um die Ausländeranzahl spürbar zu vermindern. Oder würden sich die Meister alle gegen ihre ausländischen Clubs für die gutbezahlte Bundesliga entscheiden?

R. Kellerwessel, SC Bad Soden


Diese Frage ist m.E. sehr zweischneidig. Wir haben im Schach eine relativ kleine Zahl von Profis, die hiervon wirklich leben können. Einsätze in möglichst vielen Mannschaften machen hierbei den Spielern das "Schachleben" erst möglich. Wer heute in Deutschland spielt und nächste Woche in Frankreich verdient halt mehr, als jemand der nur in einem Land zum Einsatz kommt. Wenn man also die ausländischen Profis von den deutschen Futtertöpfen abschneidet wird es weniger Profis geben können und die Spitze kleiner.

Auf der anderen Seite ist es natürlich witzlos zwei Profimannschaften mit nur Ausländern die deutsche Meisterschaft ausspielen zu lassen. Deshalb sollte man sich überlegen, wie man auch deutsche Spieler dazu bringt zumindest über das Profitum nachzudenken, den das Halbprofitum bringt wenig, da es einen einerseits normalberuflich andererseits schachlich begrenzt. Diese "Förderung" von deutschen Spielern darf aber dann nicht nur auf die Schachbundesliga begrenzt sein, denn niemand wird für die paar Bundesliga-Scheine alleine einen  sicheren geregelten Beruf drangeben, oder seine Karriere aufs Spiel setzen,

Somit kann wenn man den deutschen Schachsport fördern will eine Änderung in der Schachbundesliga nur als begleitende Maßnahme  dastehen. Dazu wäre es gut, wenn man eine gewisse Festschreibung macht, z.B.: mindestens die Hälfte der antretenden Spieler sollte Deutscher sein, oder seinen festen Wohnsitz in Deutschland haben. Weiterhin sollte man mindestens ein Jugendbrett festschreiben.

Dazu müßten aber, wie gesagt, auch flankierende Maßnahmen unternommen werden, sonst spielt an Brett 1 der Supergroßmeister mit 2700 während am untersten Brett der Jugendliche mit 1700 den obengewonnenen Punkt wieder zurückgibt, denn solche Beschränkungen haben natürlich auch einen Niveauverlust für die Bundesliga zur Folge, der aber möglichst klein gehalten werden sollte.

Da man mit Förderung auch was erreichen kann sieht man daran, daß es einige sehr gute deutsche Nachwuchspieler gibt, wie Baramidze,Meier, Kritz, Braun oder ganz aktuell Daniel H. aus Hamburg. Durch einen Umbau mit Unterstützung/Aufbau der jugendlichen Spieler könnte man die Lücke klein halten, aber dann müßten halt auch Sponsoren für die Jugend gefunden werden.

Rudolf Rohs, Düren
 


Ich denke das hier wie auch in vielen anderen Sportarten der Profit mal wieder an erster Stelle steht denn wenn ein ausländischer Spieler billiger und obendrein noch etwas Spielstärker ist warum sollte man denn dann teurere etwas schwächere Spieler einsetzten und somit die Meisterschaft aufs Spiel setzen. Aus sicht der Vereinsvorstände ist das vollig verständlich allerdings Gift für die Förderung guter einheimischer Spieler und noch schlimmer für den Nachwuchs der garnicht erst die Chance bekommt sich weiterzuentwickeln weil man erst garnicht in die Manschaft kommt wenn man nicht mindestens ein Rating von 2500 Elo hat. Also wenn man irgendwann mal wieder einen deutschen Spieler unter den Top Ten der Weltrangliste sehen will dann sicherlich nicht so. Meiner Meinung nach sollten wenigstens 6 von 8 Spielern auch deutsche sein.

Wissen Sie, wenn Baden Baden wirklich den Europacup geholt hätte dann hätte man doch nicht wirklich sagen können herzlichen Glückwunsch Deutschland oder ?

Armin Hessedenz


Bei der gestellten Thematik ist zwischen einer Wunschvorstellung und der aktuellen Rechtslage zu unterscheiden.

Als Vertreter eines Schachbundes wünsche ich mir eine ausgewogenen Beteiligung heimischer Spieler an einer Mannschafts-Staatsmeisterschaft. Leider schwebt über den Schachorganisationen und Vereinen das Damoklesschwert des EU-Rechts, das ganz klar keine Beschränkungen erlaubt (siehe u.a. das Rechtsinfosystem des DSB). Da dies nicht nur im Schach sondern auch in vielen anderen Sportarten ein unerwünschter Nebeneffekt einer arbeitsrechtlich durchaus vernünftigen Bestimmung ist, muss die rechtliche Situation verändert werden.

Es ist dringend notwendig, dass nationale Verbände, nationale Sportorganisationen und die Sportsektionen der Regierungen in Brüssel vorstellig werden und gemeinsam mit den Verantwortungsträgern neue, für den Sport sinnvolle, Bestimmungen erarbeiten, die dem nationalen Charakter des Sports Rechnung tragen. Denn der Sport lebt vor allem vom Wettstreit der Nationen.

Erlaubt man Beschränkungen, dann drohen Meisterschaften am grünen Tisch entschieden zu werden. Konsenslösungen halten kaum. Es reicht, wenn einer ausschert und eine gerichtliche Entscheidung erzwingt. Bei der großen Anzahl an ehrgeizigen Individualisten ist dieses Szenario kein unwahrscheinliches.

Walter Kastner, Generalsekretär des Österreichischen Schachbundes


Geschätzte Schachfreunde!

Als derjenige, der in Österreich vor einem Jahr den Stein ins Rollen brachte, der ebenfalls zur vollständigen Aufhebung der Ausländerbeschränkung führte, möchte ich einige Gedanken zum angesprochenen Thema beitragen.

1. Das immer wieder hervorgekramte Bosman-Urteil ist für die bestehende Rechtslage und die zur Diskussion stehende Ausländerfrage nicht von Bedeutung. Rechtlich relevant sind einzig Artikel 39 bzw. 49, sowie eventuell Artikel 12 EG.

http://eur-lex.europa.eu/de/treaties/dat/12002E/htm/C_2002325DE.003301.html

2. Die bestehende Rechtslage muss fortwährend als Ausrede für Mängel in der Nachwuchsförderung und die schwindende Anzahl heimischer Spieler in den höchsten Spielklassen herhalten. Heimische Talente kommen immer wieder hervor und werden sich durchsetzen oder auch nicht, unabhängig von der Beschränkung der Ausländerzahl. Dies kann nicht durch ein (rechtswidriges) Regulativ beeinflusst werden, sondern liegt einzig und allein in der Verantwortung der Vereinsfunktionäre und im Potenzial der Spieler.

3. Durch eine Beschränkung der Ausländerzahl ist für den Nachwuchs nichts zu gewinnen, ganz im Gegenteil: Gesetzt den Fall, man beschränkte auf 2, 3, 4 „Ausländer“ (Nicht-Deutsche) so ist mit großer Wahrscheinlichkeit damit zu rechnen, dass diese 2, 3, 4 auf den vordersten Brettern gegeneinander spielen. Die (jungen) Einheimischen spielen dann auf den weiteren Brettern gegeneinander. Sollte ein Einheimischer dann die Spielstärke oder den Ehrgeiz haben, weiter vorne gegen die „Ausländer“ zu spielen, so hat er sich möglicherweise „durchgesetzt“, hätte aber ohne Beschränkung viel eher Gelegenheit gehabt, solche Erfahrungen zu sammeln.

4.Effektives Sponsoring ist nur durch Attraktivität und Erfolg einer (Bundesliga) -Mannschaft zu realisieren und sollte dazu genutzt werden, den eigenen Nachwuchs zu fördern.

Abschließend möchte ich festhalten, dass es jeder Verein mit entsprechenden Strukturen und Potenzial selbst in der Hand hat, heimische Spieler nach oben zu bringen! zB.: (Auf unserem Einserbrett spielt unser Nachwuchstrainer!) Ein Großteil unserer Mannschaft (2. Bundesliga West, Österreich) besteht aus deutschen Staatsbürgern, aber ich kann und will sie nicht als „Ausländer“ bezeichnen oder gar in der Schachsportausübung durch vorgeblich „nationale Interessen“ beschränkt wissen!

Gens una sumus in einem gemeinsamen Europa

Arnold Endthaler, SC INTER SALZBURG


Diese ganze Debatte würde sich vermutlich sofort in Luft auflösen, wenn wieder die bis zu Beginn der 90er Jahre geltende Regelung eingeführt würde, dass Spieler grundsätzlich nur für eine einzige Mannschaft startberechtigt sind und nicht wie zur Zeit, in beliebig vielen Ländern.

Natürlich würden dadurch die Verdienstmöglichkeiten der Schachprofis beeinträchtigt, allerdings stellt sich die Frage, ob dies denn das Mass aller Dinge sein sollte und nicht viel mehr das Interesse der "Schachallgemeinheit". In keiner anderen Sportart gibt es schliesslich ein derartiges Kuriosum, dass Spieler für den Einsatz etwa in Europawettbewerben, wie soeben in Kemer (Türkei) beendet, in mehreren Mannschaften startberechtigt wären.

Hans-Dieter Müller (Köln)


eine lösungwie im profi-fußball wäre wünschenswert. ausländische spieler bereichern die bundesliga. jedoch sollte auch daran gedacht werden, den einheimischen eine chance zu geben. daher plädiere ich für eine lösung ähnlich der im fußball.

otto kleehammer


Es sollte im jeden Fall eine Quote geben.

Schach wird in Deutschland nur dann wieder populär und attraktiv, wenn es mal wieder deutsche Spitzenspieler gibt. Ohne Entwicklungsmöglichkeiten in der Bundesliga sind die Chancen dafür sicherlich gering, was sehr schade ist. 

Berthold Huber


Solange noch genug deutsche Spieler für die Nationalmannschaft übrig bleiben; - ist das doch noch zu akzeptieren. Die Ausländer heben ja auch das Niveau. Gleiches Problem haben wir ja beim Fußball. Also dann sage ich mal..." wir sollten eine max. Anzahl von Ausländern pro Team zulassen. Z.B. 2,-3, oder max. 4Spieler. Genial jetzt können mehr deutsche Talente eingesetzt werden.

Manfred Barthel
 


Die Anzahl der ausländischen Spieler pro Team einzuschränken kann, wenn es sich um EU-Ausländer oder Ausländer mit vergleichbarem Status handelt, kaum durchgesetzt werden. Es gibt aber eine einfache Lösung, die schon von mehreren Umfrage-Teilnehmern genannt worden ist: ein Spieler darf im gesamten FIDE-Bereich nur in einer Mannschaft gemeldet und spielberechtigt sein. Alles andere - auch die Ausländer-"Problematik" in der 1. und 2. BL - regelt sich dann von selbst. Im übrigen ist es ein Gebot der Fairness, und zwar in jeder Klasse, "eingekaufte" Spieler nicht nur in vereinzelten, den aus welchen Gründen auch immer vermeintlichen wichtigen Kämpfen, einzusetzen und ansonsten mit einer völlig anderen Mannschaft anzutreten. Bis sich diese Erkenntnis aber bei den mit diesen fragwürdigen Mitteln arbeitenden Mäzenen oder Mannschaftsführern durchsetzt, bis dahin dürfte noch sehr viel Zeit vergehen. Leider.

Michael Savoric


Ich bin in der just begonnenen Saison selbst als einziger deutscher Spieler unter den Top 8 meines Vereins gemeldet, sehe aber eine Ausländerbeschränkung sehr kritisch. Viele Spieler ohne per Geburtsort und Eltern deutschen Pass sind - um im Sportlerjargon zu bleiben - naturalisierte Deutsche, die nicht nur von besonders liberalen Kreisen sondern einer breiten Mehrheit als unserer Gesellschaft zugehörig gesehen werden und insofern unter derlei Repressalien unnötig zu leiden hätten.

Desweiteren kann man von Weltklassespielern, auch der erweiterten Elite, sicherlich mehr lernen als ausschliesslich von den nationalen Spitzenspielern. Negativ bleibt in meinen Augen nur eine "Entfremdung" des Sportlers von seinen Fans, wobei auch das angesichts von der deutschen Sprache mächtigen Stars wie etwa Anand oder Aronian und der Lingua Franca Englisch heutzutage selten wird.

Abgesehen von diesen Gedankengängen halte ich in jeglicher Sportart gerne zu jenen Vereinen, die deutsche Spieler fördern und einsetzen. Aber - bei aller Antipathie gegenüber manchen Fussballbundesligisten - was wäre eine Sportschau ohne Ribery, Diego, van der Vaart und dergleichen? Und weiter: Was wäre eine Schachbundesliga ohne all die grossen Spieler?

Ich persönlich bin froh und stolz eine solche starke Liga sehen zu dürfen mit grösstenteils sympathischen Spielern und bezahle auch gerne den Preis, eine oder mehrere Klassen niedriger spielen zu müssen als in vergleichbaren Ländern und Ligen.

Sebastian Gramlich (einziger "GER"-Spieler unter den ersten 8 des SC Schwegenheim, 2. BL Süd)
 

Der deutsche Meister nennt sich Meister, weil er noch hier im Lande ermittelt wird…? Quoten helfen da alleine nicht. Erst sollte das Korn gesaet werden. Schach als Regelfach beginnend in den Grundschulen. Es muss sich durch den "Druck" von unten selber regulieren. Die dann nachströmenden Jungen und Mädchen werden dann IHREN Platz in den Top Teams bekommen.

Bernhard Kaczmarek
 

Ich halte die Entwicklung mit immer mehr Ausländer für problematisch. Es ist zwar interessant, die Stars am Brett oder auch online spielen zu sehen, aber wenn nur noch Ausländer am Brett sitzen hat es mit der deutschen Bundesliga nicht viel zu tun. Es ist beim Fußball nicht gut, und auch nicht in anderen Sportarten wie Basketball oder Handball. Der Schachsport sollte sich seine Talente aufbauen und mal aus der eigenen Entwicklung heraus Spitzenspieler formen. Ich halte eine Begrenzung auf max. 4 Ausländer für sinnvoll, Varianten wie Jugendbrett oder Frauenbrett sind aber m.E. nicht erforderlich.

Peter Schell, Schachverein Walldorf


Maximal 3 ausländische Spieler müssten reichen, deutsche Talente gibt es bestimmt genug  die Gelder die für die Legionäre bezahlt werden lieber zur Förderung der jungen Spieler verwenden langfristig zahlt sich dies aus.

k. durth


1) Sind Sie als Schachfan mit der gegenwärtigen Situation in der Bundesliga zufrieden?

Die Liga ist stark besetzt, damit interessant. Was die Umstrukturierung letztlich zum e.V. bringt, beschäftigt mich dagegen weniger, wobei ich den Rückzug von Portz sehr unglücklich fand.

2) Finden Sie es richtig, dass ausländische Spieler Deutschen vorgezogen werden, weil sie entweder kostengünstiger spielen oder aber spielstärker sind?

Hier herrschen freie Kräfte des Marktes, die im Zuge der Globalisierung durchaus sinnvoll reguliert werden sollten.

3) Oder würden Sie sich lieber mehr einheimische Spieler oder deutsche Talente in den Mannschaften wünschen?

Ja, auch das.

4) Soll die Bundesliga mit ihren Vereinen der Förderung des deutschen Nachwuchses dienen, indem sie Spielmöglichkeiten und finanzielle Angebote bietet?

Definitiv ja. Als 41-jähriger Amateur spreche ich mich für die Jugendförderung aus.

5) Gibt es noch andere wichtige Aspekte, die in der Einleitung nicht zur Sprache kamen?

A) Vielleicht könnte man einen Nachwuchsplatz (m/w; Brett 8) festschreiben. Dies vielleicht auch nur bei Heimspielen. Bei einer Quotenregelung 4:4 dürfte der jeweilige Verein bei einem zweiten zusätzlichen deutschen U 20 Spieler (Brett 7 oder freie Wahl) deutscher Herkunft die Quote 4:4 per Ausnahmeregelung auf 3:5 reduzieren - sozusagen mit Anreiz Nachwuchs zu fördern - kompensativ einen starken Ausländer mehr einzusetzen. Die Gefahr liegt natürlich darin, dass es alles viel zu kompliziert wird! Im Fussball gibt es andererseits auch keine Reglementierung (Energie Cottbus ohne Deutschem im Aufgebot - glaube ich mal gelesen zu haben) der Ausländerfrage.

B) Vielleicht sollte(n) mindestens 1 oder 2 Deutscher Spiele(r)  im Achter pro Spieltag eingesetzt werden müssen, so dass 100% Ausländeranteil ausgeschlossen wird. Quote 2:6.

Günter Idaczek


Grundsätzlich geht die Identifizierung "lokaler Anhänger" eines Vereins mit dem Einsatz von Profispielern, die keinen Bezug zum Vereinsleben haben, zurück. Insbesondere ist das der Fall, wenn es sich um Ausländer handelt, die nur zu den Spielen eingeflogen werden. Oftmals ist die erste "echte" Vereinsmannschaft die "Zweite" oder gar "Dritte". Für das Vereinsleben dürfte es uninteressant sein, ob irgendwelche Mäzene sich den Luxus einer eigenen Schachtruppe unter dem geliehenen Namen des Vereins leisten.

Insofern stehe ich der gesamten Praxis der "Profi-Schachtruppen" skeptisch gegenüber. Wie schnell so etwas zerbrechen kann, ist an den Beispielen Lübeck oder erst kürzlich Porz zu sehen.

Noch skeptischer sehe ich den überwiegenden Einsatz von Ausländern in den Ligen, wenn diese lediglich für die Mannschaftskämpfe eingeflogen werden.

Daher halte ich eine Beschränkung der Ausländeranzahl für sinnvoll. Allerdings muß hier aus meiner Sicht differenziert werden, was aber in der Praxis schwierig sein dürfte. Wenn Ausländer ihren Wohnsitz im Vereinsumfeld haben, sollte nichts dagegen stehen, daß diese auch über eine sonstige Quote von vielleicht zwei Spielern hinaus eingesetzt werden können. Ich weiß allerdings nicht, wie das umgesetzt werden soll, denn eine beliebige räumliche Abgrenzung (+ 50 KM ???) müßte getroffen werden. Zumindest bliebe eine praktische Möglichkeit, Ausländer mit Hauptwohnsitz in Deutschland ungeschränkt einsetzen zu können.

Für noch nötiger halte ich aber international eine Beschränkung des Einsatzes auf eine nationale Liga. Heute ist es zumindest in den höchsten Ligen üblich, daß Spieler in vielen Ligen im Einsatz sind - ein Unding! Stellen Sie sich das mal bitte im Fußball vor. (Das war offenbar nicht immer und in allen Ligen so; ich selbst war einmal Leidtragender, als ich als Student 1988 in Schweden ein Praktikum machte, nach Fehlinformationen seitens Kamraterna Göteborg und eines Funktionärs meines damaligen Vereins PSV-Turm Duisburg für den schwedischen Verein zwei Mannschaftskämpfe spielte und nach meiner Rückkehr nach Deutschland Anfang Januar 1989 feststellen mußte, daß ich in der NRW-Liga besser nicht mehr eingesetzt werden sollte...)

Interessant sind natürlich die Partien, die inzwischen teilweise im Internet verfolgt werden können. Da zählt sicher Qualität, und die ist eher über starke und spielwillige Ausländer zu bekommen. Andererseits ist es auch wieder frustrierend, wenn die gesetzten und eingeflogenen Großmeister nach 12-13 oft gespielten Zügen (den vorher vereinbarten) Frieden schließen - aber das ist ein anders Problem.

Quintessenz: Eine Beschränkung auf maximal zwei Ausländer, die ihren Wohnsitz außerhalb Deutschlands haben, sollte angestrebt werden.

Mit freundlichen Grüßen

Dieter Schubert


Ich denke man muß Schach global und international betrachten, auch wenn es hierbei selbstverständlich um eine nationale Liga geht. Bei der Profilierung im internationalen Schach steht nunmal der Leistungsaspekt an erster Stelle, d.h. wenn es viele Spieler aus anderen Ländern gibt, die einfach besser spielen als die Deutschen (besseres Rating haben etc.), dann spricht meines Erachtens auch nichts dagegen, das man diese Spieler bevorzugt bzw. das diese dann die Plätze in den Aufstellungen der Bundesligavereine einnehmen.

Ich denke auch, das das Interesse der Liga unter den Schachfreunden primär dadurch gebildet wird, welche Spieler dort spielen, egal aus welchem Land sie kommen. D.h. es gehen mit Sicherheit mehr Zuschauer zu den Ligaspielen, wenn dort Anand, Iwantschuk, Topalov, Grischuk usw. usf. spielen, als wenn dort überwiegend nur Deutsche spielen würden, die jedoch in der Weltrangliste weit unter den Top100 stehen. Um im Schach zu lernen und sich inspirieren zu lassen, will man halt die Partien der besten Spieler der Welt (und nicht der besten Deutschen) zum Maßstab und als Lernobjekt betrachten.
Um junge deutsche Talente, oder generell deutsche Spieler zu fördern, ist man nicht unbedingt auf deren Einsatz in der Bundesliga angewiesen, hierbei wäre es viel eher entscheidend, wenn man diesen Spielern (z.B. mit Unterstützung des DSB) die Teilnahme an höherrangigen Turnieren ermöglichen würde, so daß diese dann die direkte Möglichkeit haben, sich mit besseren Spielern aus dem Ausland
zu messen.

Fazit:
Der Leistungsgedanke steht an erster Stelle, d.h. der bessere Spieler, egal aus welchem Land er kommt, soll ein Brett in der Bundesliga bekommen, es spielt hierbei keine Rolle, ob dann 8 Russen oder 8 Chinesen ohne Deutsche Beteiligung in einem Team spielen, wenn diese eben besser spielen, haben diese es auch verdient dort zu spielen und man muß dies dann auch akzeptieren und respektieren. Daß die Deutschen seit über 60 Jahren mit der Weltspitze nicht mehr mithalten können (mit Ausnahme von Robert Hübner, der wirklich ein genialer Spieler ist), liegt ja wie gesagt nicht daran, ob jemand in der Bundesliga spielt oder nicht, sondern ist vielmehr dadurch begründet, das die anderen Ländern, wie z.B. Russland oder China es einfach besser verstanden haben, ihre Potenziale auszuschöpfen, ihre Talente explizit zu fördern und ihren Spielern generell mehr leistungsorientierte Unterstützung zukommen zu lassen, das muß man hier einfach mal so sagen und auch anerkennen.

Jan-Daniel Wierzbicki (aus Berlin)
 


ALLE deutschen Ligen reformieren.

Schach ist kein Mannschaftssport wie Fussball, Handball etc.

Schach ist ein Einzelsport und wird als klassischer Zweikampf zwischen 2 einzelnen Spielern ausgetragen. Es macht also keinen Unterschied ob nun 10, 8, 6 oder 4 Spieler in einer "Schachmannschaft" zum Einsatz kommen. Je mehr Spieler eingesetzt werden, desto mehr werden groessere Vereine beguenstigt, das ist klar.

Wenn ich nun die berechtigte Forderung nach Foerderung des deutschen Nachwuchses beruecksichtige, so koennte ich mir beispielsweise gut vorstellen, in ALLEN deutschen Schachligen (Bundesliga bis hinunter zur Zweiten Kreisliga) von insgesamt 8 Brettern nicht nur ein, sondern sogar ZWEI Juniorenbretter einzufuehren. Damit wuerden alle die Vereine beguenstigt, die gute Nachwuchsarbeit betreiben und die besten deutschen Junioren erhielten gleichzeitig ausreichend Spielmoeglichkeiten auf hoechster Ebene. Juniorenarbeit muss sich lohnen und muss gefoerdert werden. Es ist doch voellig klar: wer nicht unter 18 Jahren schon GM wird, der schafft es spaeter nicht mehr bis an die Spitze, daher:"Klotzen, nicht kleckern!" wenn wir jemals einen deutschen Weltmeisteranwaerter sehen wollen.

Was den Einsatz von Auslaendern anbetrifft: ich denke, 2 Auslaender (von 8 Spielern gesamt) pro Mannschaft reicht voellig aus (egal ob an einem Senioren- oder Juniorenbrett) und zudem waere die Umsetzung der Regel "Ein Spieler - ein Verein" im deutschen und europaeischen Schach wuenschenswert.

Hubert R.


Hier kurz mein Votum:

PRO: - Topspieler sind Puplikumsmagneten,

CONTRA: - einheimische Spieler sind Lokalmatadoren und somit in jedem Fall besser werbewirksam als relativ unbekannte Schachspieler von außerhalb (das bezieht sich nicht einmal nur auf Ländergrenzen)

- Kinder und Jugendliche identifizieren sich eher mit dem Spieler, der aus dem gleichen Ort kommt, wie sie selbst, also wäre ein Einsatz einheimischer Sieler "Jugendförderung".

Ich fände ein 2:6 oder 3:5 Verhältnis optimal. Hier könnte allerdings lediglich ein öffentlicher Druck auf die Vereine etwas verändern. Na ja, vielleicht bewirkt ihre Umfrage ja etwas... Viel Glück!

Erich Bartholomé
 


Donnerstag, 11.10, veröffentlicht:


Ein paar unsortierte Gedanken:

Ganz klar: Es sollten in jedem Wettkampf mind. 4 Bretter mit deutschen Spielern besetzt sein. Ich bin begeisterter Schach-Anhänger, kaufe mir Schach-Publikationen, ChessBase CDs, verfolge mit großem Interesse und trotz der Remisschiebereien das Spitzenschach usw.

ABER: Wenn es für mich einen Wettbewerb gibt, dem ich aber auch wirklich nichts Interessantes abgewinnen kann, so ist es die Schach-Bundesliga. Fast nur ausländische Akteure, die kaum wissen, für welchen Verein sie spielen, die samstags Gegner sind und sonntags für den gleichen Verein spielen, die den Amateuren der Vereine keinerlei Mehrwert in Form von Training usw. bringen... Wer braucht das wirklich? 

Hier wird doch einzig und alleine das Ego der Funktionäre und Sponsoren gestärkt. Ich kenne Leute, die sind Fan von Kramnik, Topalow, Morozevich, Anand usw, aber niemanden, der Fan von Baden-Oos, Aktionär XY oder wie auch immer ist. Gibt es wirklich Leute, die sich damit identifizieren?

In anderen Sportarten gibt es ja ähnliche Probleme, allerdings handelt es sich dort in der Regel um Mannschaftssportarten, d.h. man kann nicht planlos Spieler kaufen, sondern man muß sie auch zum Zusammenspielen bringen, was einen gewaltigen Unterschied zum Schach ausmacht, wo 8 gute Einzelspieler per se auch eine gute Mannschaft formieren.

Was hat das ganze mit *Deutscher* Mannschaftsmeisterschaft zu tun?

Um nicht mißverstanden zu werden: Ich will keine Oase für minderbegabte deutsche (Halb-) Profis schaffen, aber in der jetzigen Form interessiert die Schach-BL doch "keine Sau".

Alexander Fuchs


Ich bin zwar kein Deutscher, aber aus verschiedene Grunde bin mit Deutschland verbunden und das ganze Thema kommt mir bekannt vor. Meiner Meinung nach, man muß nicht in Extreme fallen. 2 Ausländer sind zu wenig; gar ohne Beschränkungen wie jetzt ist schon ein anderes (möglicherweise noch grösseres) Extrem. Wahrscheinlich wäre es gut, etwas mittleres zu finden, wie z.B mindestens die Hälfte von jeder Mannschaft muss aus Deutsche Spielern sein. Vielleicht auch wichtig für Deutschland wäre, daß jede Mannschaft (sowohl in Männer-, als auch in Frauenbundesliga) einen Deutschen Nachwuchsspieler hat (als Pflicht).

Ich möchte auch sagen, daß die Umfragen, die Nationalethemen betreffen,  ziemlich gefährlich sein können. In solche Sachen es ist am besten wenn die Leute, die im Schachbund dafür verantwortlich sind, einfach eine kluge Entscheidung treffen. Ohne Extreme. Obwohl, früher oder später die Geschichte wiederholt sich: "drum lud er sich zum Osterfest neun Jägermeister ein...".

GM Dorian Rogozenko


Ich will die Stars sehen insbesondere auch einmal live!
 
Aber ich will auch die deutschen Spitzenspieler sehen, am besten auch im direkten Vergleich gegen die Weltklassespieler.

Die Hollaender machen uns vor wie es gemacht wird indem Sie in Turnieren wie Wiyk aan Zee auch immer einheimischen Talenten eine Chance geben zu wachsen. Sie haben jetzt 3-4 Junioren untern 22 Jahren mt ELO >2600; In Deutschland bis auf Naiditsch Fehlanzeige.

Deshalb bin ich fuer 4+4 bei den eingesetzten Spielern, d.h. 4 Auslaender und 4 einheimische Spieler, die fuer die deutsche Nationalmannschaft spielberechtigt sein muessten.

Torsten Warnk


Ich bin der Meinung, dass man eine Mindestanzahl von zwei oder drei deutschen Spielern pro Mannschaftskampf vorschreiben sollte - sofern dies rechtlich zulässig ist. Bei reinen Söldner-Mannschaften frage ich mich, was das dann noch mit "deutscher Bundesliga" zu tun hat...  

Mathias Zehring


Ausländische Spitzenspielen sind wichtig für die Qualität der Schachbundesliga. Zudem ziehen sie viele Zuschauer an. Positive Marketingaspekte sollten auch erwähnt werden. Anand, Carlsen & Co. sind enorm wichtig.  Aber...

Sobald eine Erstligamannschaft zu mehr als der Hälfte aus Ausländers besteht, kommen mir Zweifel. -Erfolg um jeden Preis? Talenförderung geht ja gegen Null! Sehr schade. Ach ja, dieser Spieler mit 2650 spielte doch letzte Saison noch dort und dort, na dass ist ja interessant... Der aktuelle Club muss also bessere Konditionen bieten als der letztere Verein. Drum scheint es mit Loyalität wohl doch nicht zu doll bestellt zu sein. Was soll das Fan davon halten? Wann hoppt der Kerl denn weiter? Werden Ablösesummen gezahlt? Scheint ja bei manchen fast so zu sein...

Ich erinnere mich gern an meine Jugend bei den SF Brackel 30. Da spielte der Razuwajev an Eins, Smagin an Zwei. Ab Brett 3 kamen unsere lokalen Kings: Schmittdiel, Maika usw. Manchmal wurden sogar Spieler meiner Jugendmannschaft eingesetzt. Das gab allen Jugendspielern enormen Auftrieb!. Ich konnte mich mit der Mannschaft identifizieren.

So sollte es sein!

Momentan spielen zu viele Ausländer in den oberen dt. Ligen. Eine 50:50-Quote wäre eine Lösung.

Karsten Klanert


Das Problem existiert auch in anderen Staaten. Der Grund ?

Ganz einfach: manche Spieler spielen gleich für 10-15 Vereine in ganz Europa, und nehmen so in 9-14 Ländern einem einheimischen, aber schlechteteren Spieler den Platz im Kader eines Erstligisten weg.

WARUM erlaubt der DSB bzw. die ECU oder die FIDE so etwas ?

Ganz einfach: Diese Organisationen sind eben doch NICHT mit Fragen der Ökonomie oder der Gerechtigkeit beschafft, sondern sind oft gerade durch die Interessen der berufsmässigen Spieler und ihren Lobby in den Schachzeitschriften und großen Internetservern und pfosessionellen Websites bestimmt, wenn auch vornehmlich von denen bestimmter Förderationen...

Auf diese Weise wird der Nachwuchs bzw. der einheimische Bestand an Spielern in der ersten Liga jedenfalls dauerhaft minimiert!

Ohne Ausweg!

Ich schlage vor: Der DSB verbietet Spielern, die auch im Ausland dort in einer Mannschaft gemeldet sind, den Start in einer Deutschen Liga. Das würde zwar die Anzahl der ("ausländischen") Profis in der Spitzenliga reduzieren, aber anders wird es nicht gehen. Wir müssen uns entscheiden: ein Spieler = ein Verein weltweit als aktives Mitglied erscheint mir als Formel der einzige Weg!

Ich werde dafür jetzt bestimmt mit Schelte über"zuckert", und es wird gesagt werden, was ein Alleingang bringt, aber ich frage noch etwas: Warum besteht der DSB bei seiner Nationalmannschaft darauf, das JEDER Nationalspieler auch die Deutsche Staatsbürgerschaft hat bzw. beantragt hat, wenn hier auch die meisten Verbände weltweit anders handeln ?

Ein Alleingang wäre möglich und wünschenswert, und WARUM soll die höchste deutsche Liga eigentlich das Ziel anstreben "die beste Liga der Welt" zu sein ? Etwas mehr Bescheidenheit, eine gerechte Formel für die Startberechtigung, und das Problem wäre gelöst. Dann wären nur die "Ausländer" in der Liga, die auch weitere Interessen als rein finanzielle haben, und die Anzahl der "Inländer" wäre rasch vergrößert. 

Ingo Zachos


Vielen Dank für Ihre Umfrage. Ich möchte mich kurz fassen.

Meiner Meinung nach sollte man in den Bundesligen ein Juniorenbrett einführen und außerdem vorschreiben, dass mindestens 3 deutsche Spieler eingesetzt werden müssen. Dabei darf diese Brett auch von einem ausländischen Nachwuchstalent besetzt werden.

Die Nachwuchsarbeit der Vereine würde wesentlich höher bewertet werden und diese Regelung würde den Talenten und deutschen Spielern insgesamt mehr Spielpraxis und eine höhere Nachfrage bringen.

Meines Erachtens nach wäre es eine sinnvolle Unterstützung des Schachs in Deutschland und eine enorme Steigerung der Attraktivität des deutschen Schachsports für junge ausländische Spieler, auch in Hinsicht auf deren mögliche langfristige Bindung an die Vereine.

Wenn so eine Regelung rechtlich nicht durchzusetzen ist, sollten die Vereine eine gemeinsame Ehrenerklärung abgeben.

Ingo Muschalek


Aus meiner Sicht hat sich die Bundesliga in ihrer Funktion verselbständigt. Eine Förderung des deutschen Schachs, respektive deutscher Talente, Jugendspieler etc. kann ich nicht feststellen.

Die Bundesliga hat ihre Berechtigung – ohne Frage. Ich erinnere mich beispielsweise an den Mannschaftskampf SG Porz gegen Statthagen (1994). Für die Statthagener trat Anatoli Karpow gegen Christopher Lutz an. An diesem Tag drohte das Spiellokal der SG Porz wegen Überfüllung geschlossen zu werden. Hunderte Zuschauer waren angereist, um das Spektakel hautnah zu verfolgen. Ein tolles Event und viel Werbung für Schach. Gleiches gibt es heutzutage in Baden-Baden zu sehen.

Doch wo bleibt der Nutzen für den deutschen Nachwuchs? Darüber hinaus sind diese v. g. Effekte in der Regel auf den persönlichen Einsatz bzw. die Motivation vereinzelter Sponsoren oder Mäzene zurückzuführen. Sobald das Engagement dieser Personen nachlässt, bricht der jeweilige Verein sofort auseinander. In der Bundesliga gab und gibt es etliche Beispiele, aber auch in den tieferen Klassen. Förderung der Jugend? Fehlanzeige. Es geht nur um den sportlichen Erfolg, und dieser lässt sich aus Sicht der handelnden Personen eben nur durch „Zukäufe“ ausländischer Spieler sichern, da diese gemeinhin eine höhere Spielstärke aufweisen. Ein mittel- bzw. langfristiges Konzept zur Förderung deutscher Spieler? Fehlanzeige.

Ich selbst (DWZ 2120) spiele in der Regionalliga Mittelrhein (5. Liga) und bekomme es auch dort teilweise mit bezahlten IM´s und FM`s zu tun. Scheinbar reicht die Spielstärke der regionalen einheimischen Spieler nicht mehr aus, um die sportlichen Ziele der Vereine abzudecken. Viele Vereine sind gekommen und gegangen. Nach kurzfristigen finanziellem Engagement sind die stärkeren Spieler wieder verschwunden, die Vereine mussten Zwangsabsteigen. Aus meiner Sicht ist dies ein ganz kurzfristiges Denken. Schnelle Erfolge müssen her, jährlicher Aufstieg. Langfristige Entwicklung der eigenen Jugendspieler über Jahre hinweg fehlt bei diesen Vereinen. Ein Phänomen, das weit verbreitet ist.

Zurück zur Bundesliga. Wie bereits gesagt, die Liga hat ihre Berechtigung. Ich freue mich persönlich auch, wenn ich beispielsweise Vishi Anand „hautnah“ beim Mannschaftskampf erleben kann.

Doch sehe ich die Bundesliga als selbständigen Wirtschaftsfaktor mit eigenen Interessen der jeweiligen Vereine und Sponsoren. Hier steht nicht das Ziel der Förderung des Schachsports und des deutschen Nachwuchs im Vordergrund. Ihr berechtigter Verweis auf die deutsche ELO-Liste mit Dr. Robert Hübner an der Spitze der in Deutschland geborenen Spieler ist nur ein Zeichen dafür.

Und was passiert nach Einführung einer Quotenregelung? Haben potenzielle Sponsoren dann noch Interesse, sportlich mittelmäßige Veranstaltungen ohne „Aushängeschilder“ zu unterstützen? Was ist wichtiger? Förderung oder sportlicher Erfolg? Hier fehlt mir persönlich einfach das Bindeglied zwischen dem „Aushängeschild Bundesliga“ und der notwendigen Förderung der eigenen Spieler.

Die Ausbildung der Jugend findet in den Vereinen vor Ort statt. Hier leisten viele ehrenamtliche Helfer sehr gute Arbeit - bis zu einem gewissen Grad. Unter hunderten von talentierten Jugendlichen schaffen dann nur ganz Wenige den Absprung in höhere Gefilde. Und hier wird ihnen der weitere Weg durch die vielen Schachlegionäre verbaut, die wiederum notwendig sind, um sportliche Erfolge zu erzielen, um wiederum notwendige Sponsorengelder zu sichern. Die Katze beißt sich in den eigenen Schwanz.

Mein Fazit daher: Die Bundesliga hat „Gesamtschachlich“ ihren Reitz durch die vielen ausländischen Großmeister. Mit der Förderung deutscher Schachspieler/Talente hat die Liga aber schon lange nichts mehr zu tun. Ob eine zwangsweise Verpflichtung zur Aufstellung deutscher Spieler (mit welcher Quote auch immer) hier wirkliche Besserung bringen wird, wage ich zunächst zu bezweifeln. Es sollte m. E. aber auf jeden Fall ausprobiert werden. Die ausländischen Ligen zeigen schon lange, wie es geht. Doch wie so oft, hinken wir Deutschen immer hinterher und tun uns in Bezug auf Änderungen sehr schwer.

Marco Bär  (Schachclub Bayer Leverkusen)


"Wir fragen:  Sind Sie als Schachfan mit der gegenwärtigen Situation in der Bundesliga zufrieden?"

Diese Legionärsduelle sind vollständig uninteressant und befriedigen höchstens geltungssüchtige Sponsoren.

"Finden Sie es richtig, dass ausländische Spieler Deutschen vorgezogen werden, weil sie entweder kostengünstiger spielen oder aber spielstärker sind?"

Einfach nein!

"Oder würden Sie sich lieber mehr einheimische Spieler oder deutsche Talente in den Mannschaften wünschen?" 

Mit deutschen Spielern wäre es wesentlich interessanter! So, wie es heute ist, bleibt Schach im Mediendunkel! Kein Sport von medialer Bedeutung kommt ohne Erfolge von Deutschen Spielern aus. Man schaue sich die Entwicklung der Leichtathletik an, wenn die so weiter machen, sind die bald weg vom Fenster.

"Soll die Bundesliga mit ihren Vereinen der Förderung des deutschen Nachwuchses dienen, indem sie Spielmöglichkeiten und finanzielle Angebote bietet?"

Ja! Möglichkeiten sind ein Juniorenbrett, ggf. U18 Brett! Ohne Erfolgsperspektive fehlt für unseren Nachwuchs eine essentielle Motivationslinie.

"Gibt es noch andere wichtige Aspekte, die in der Einleitung nicht zur Sprache kamen?"

Diese Ausländerunwesen färbt ab und hat auch schon tiefste Ligen erreicht. Letzten Sonntag hat ein Gegner in der 2. Pfalzliga (!) zwei IM´s aus Bulgarien und Frankreich eingeflogen, um mit einem glücklichen Remis nach Hause zu fahren (;-)). Ein Verein, der schon seit Jahren keine Jugendlichen auf die Landesmeisterschaften gebracht hat. Besonders abstrus ist das Mehrfachspielrecht! Ein AL-GM könnte in fünf oder mehr Ländern gleichzeitig spielen. Mann stelle sich das im Fußball vor und Ronaldo spielte in Rom, Madrid, London und in Sao Paulo! Abwegig?! Warum dann im Schach?
Ein Kompromiss könnte sein: Ausländer ja, aber dann nur mit alleinigem Spielrecht in der Deutschen Liga und nirgendwo sonst.

Apropos Mehrfachspielrecht: Im Volleyball gibt es ein Zeitspielrecht für Jugendliche! Sinn: Talentierte Jugendliche verbleiben länger im eigenen (kleinen) Verein und sammelen in höheren Ligen Erfahrungen. Ein Modell auch für das Schach?!

Jürgen Wortmann


Ich bin selbst ein Ausländer, aber kein Aussiedler oder Flüchtling, sondern ein ganz normaler Arbeitnehmer nach Einladung. Ich habe die ganze Bürokratie für Arbeitsaufnahme und Aufenthaltserlaubnis erlebt, niemand sprach damals von Gleichstellung. Als mein Sohn mit Schachspielen angefangen hat (ich kann auch spielen, aber nicht so gut), habe ich gesagt: "die Deutschen spielen nicht viel Schach", ich kenne nur einen Dr. Hübner. Aber als wir bei einem Turnier waren, da waren über 500 Leute. Da hat mein Sohn gesagt: Papa siehst Du, die Deutschen spielen doch Schach. Später habe ich einen leidenden Artikel gelesen, leider war beste Deutscher (nach Staatsangehörigkeit) in diesem Turnier nur 7.

Kasimdzhanov wurde Weltmeister. Als ich gewusst habe, er spielt in Deutschland, aber in der 2. Liga, habe ich die erste Liga angeschaut und ich war ein wenig verwirrt: fast alle bekannte Grossmeister, vor allem aus ehemaligen Soviet Union.

Wenn eine Sportart unter der Bevölkerung eine breite Unterstützung haben möchte, dann muss auf jeden Fall eine bestimmte Quote für Nationalspieler gewährleistet werden. Ansonsten stirbt diese Sportart irgendwann in diesem Land, obwohl die Bundesliga mit Besten der Besten besetzt ist

Das muss sofort gemacht werden für das Schach in Deutschland, noch ist Interesse da, aber es wird leider mit jedem Tag  weniger.

Ich habe irgendwo gelesen, dass die Radiosender in Frankreich ausländische Lieder nur mit einer bestimmte Quote senden durften: niemand sprach von Diskriminierung.

K.N.
 


Es sollten wieder mehr Deutsche in den BL spielen. Die Bundesliga hat für mich eher den Eindruck eines "Geldesels" für ausländische Schachspieler, die sich nicht mit den Vereinen identifizieren. Damit stimme ich dem Bericht in der Oktober-Ausgabe von "SCHACH" zu (-> Profis = winzige Spitze des Eisberges, die keiner braucht).

Selbst in den anderen Klassen ist die Anzahl der Ausländer nach oben geschnellt, zum Teil bei den niedrigsten Amateurklassen, nur damit das Team endlich auch mal aufsteigt. Das kann nicht sein!

Gruß Markus Müller

Mannschaftsführer SG Kaiserslautern 1905, Oberliga Südwest


Ich würde es begrüßen, wenn in allen Bundesligavereinen (1. und 2. Liga) mindestens 50% der Bretter mit "deutschen" (deutscher Pass) Spielern besetzt sein müssten. Für die unteren Spielklassen ist keine vergleichbare Regelung notwendig. Das Hauptargument sehe ich in der Förderung von Talenten, die es eigentlich zu genüge gibt.

Gerhard Lohmann


1) Spielstarke ausländische (Weltklasse-)Profis heben das Niveau und sind ein Zuschauermagnet (Anand, Shirov, Ivanchuk, Carlsen, ....)
2) Die Bundesliga soll deutschen Top-Spielern die Möglichkeit eröffnen, mit Schach ihren Lebensunterhalt zu verdienen

Daher ist eine "paritätische" Lösung anzustreben: die Quote der ausländischen Spieler (im Kader und an den ersten acht Brettern) sollte auf 50% begrenzt werden.

Bernd Schuller


Die Spielstärke der Liga ist nicht alleiniges Kriterium für ihre Attraktivität. Die Mischung macht's: Große Namen wie die Anand & Co, dazu deutsche Spitzenspieler und Nachwuchskräfte, die die Berichterstattung auch für kleine Regionalzeitungen interessant machen, wären aus meiner Sicht der Königsweg. Man spart also an den hinteren Brettern Reisekosten, die an den vorderen so investiert werden, dass ein Ligaverbleib möglich wird. Im Prinzip also das Modell Tegernsee aus vergangenen Jahren. Mag sein, dass so kein Titel gewonnen werden kann - aber ist das wirklich wichtig?

Robert Klenk


Eine Begrenzung von max. 2 Ausländern pro Team wäre sinnvoll, um die Identifikation zur deutschen BL zu erhalten... Die Begrenzung von "EU-Ausländern" dürfte rechtlich jedoch extrem problematisch sein...

Jan-Hendrik Schöne


Ich selbst spiele seit ca. 50 Jahren in einem Nürnberger Verein (Noris-Tarrasch) Mannschaftskämpfe etc. und finde es ein Unding bzw. sehr beschämend wenn eine deutsche Mannschaft "Deutscher Meister" wird ohne einen einzigen deutschen Spieler in der Mannschaft zu haben.

Helmut Süß


meiner meinung nach ist der trend ok. warum? "ausländische topspieler sind für das schach insgesamt zugpferde und bereichern diesen sport gerade in unserem Land" deutsche talente sollten darum von frühester jugend beginnend von meistern geschult werden damit sie eines tages gleichfalls über unsere grenzen hinaus berühmt werden. beispielsweise einer persönlichkeit wie helmut pfleger würde solches gelingen.

hermann gosewisch


Ich sehe nicht den geringsten Sinn darin, dass eine Mannschaft deutscher Meister werden kann, ohne einen deutschen Spieler einzusetzen. M.E. sollte mindestens die Hälfte der gemeldeten Spieler die heimatliche Nationalität haben. Dies sollte aber auch für den Vereinseuropapokal gelten. Ihre aktuelle Berichterstattung zeigt doch, welch absurde Ergebnisse entstehen.  

Thomas W.Falk, SV Oberursel


In der Tat keimt die Frage, ob die deutsche Liga zu viel an ausländischem Personal beschäftigt, immer wieder auf. Die bisherige Argumentation einiger Schachjournalisten bzw. Funktionäre ist mir aber zu oberflächig. Stört es uns, dass ein Vishy Anand, Peter Svidler oder Luke McShane in der Bundesliga spielen und sich in den Vereinen gut etabliert und integriert haben? Stört es tatsächlich dass Spieler, die nicht den Bundesadler auf dem Pass haben, sich sonst aber von uns Deutschen kaum unterscheiden, in unserer Liga spielen?

Nein, mich stört es nicht und ich würde im falschen Land leben, wen dem so wäre!

Mich stört es vielmehr wenn Menschen am Brett sitzen, die unsere Mentalität und das uns bekannte Miteinander nicht akzeptieren. Mich stört es wenn zwischen Verein und Spieler keine Beziehung heranreifen kann, weil nur der Mammon zählt, aber die Belange und die Mühen der Vereine mit Füssen getreten wird. Da wäre mein Ansatz zu sagen: „Nicht willkommen“, egal welcher Abstammung.


Die Schachbundesliga e.V. ist ein Produkt was es gilt in den nächsten Jahren so gut zu vermarkten, dass Ziele oder vielleicht sogar Visionen Wirklichkeit werden. Dieses Produkt muss einiges leisten, damit der Kunde – oder eben einfach nur Fan – dieses Angebot akzeptiert und „kauft“.

Attraktivität, Beziehungsmanagement zwischen Liga und Fan und eben Spieler aus verschiedenen Nationen sind unumgängliche Zutaten einer zukünftigen Spitzenliga. Dazu noch mindestens 4 Spieler mit deutschen Pässen wäre für mich ein salomonischer Kompromiss.


Bernard Verfürden - Deep Chess!!! -
 


Meiner Meinung nach ist es kompletter Unsinn analog den Fussball Bundesliga Vereinen tw. überhaupt keine deutschen Spieler mehr einzusetzen, in Deutschland ist es diesbezüglich noch viel schlimmer als in Österreich. Deshalb ein klares Nein zu "deutschen" Vereinen mit ausnahmslos ausländischen Spielern

D. BLASL, Ternberg b. STeyr, Österreich


Ich bin für eine ausgewogene Zusammenstellung einer Mannschaft. Damit meine ich 3 Ausländer + 5 Deutsche. Die deutschen Talente hätten so die Möglichkeit mit spielstarken Spielern ihr Können zu messen.

H. J. Meffert


 

 


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