Carlsen gewinnt

von André Schulz
30.04.2014 – In der heutigen Schlussrunde des Gashimov Memorials reichte Carlsen ein Remis gegen Caruana zum Turniersieg. Allerdings entspricht es nicht dem Naturell des Weltmeisters auf Remis zu spielen. Carlsen gewann die Partie und damit auch das Turnier mit einem Punkt Vorsprung. Die beiden übrigen Partien endeten remis. Schon gestern hatte Eljanov das B-Turnier gewonnen. Bericht, Partien, Impressionen...

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Heute ohne B-Gruppe

Schon gestern feierte Pavel Eljanov seinen Turniersieg in der ebenfalls stark besetzten B-Gruppe, die mit zehn Spielern einrundig ausgetragen worden war. Heute wurde nun auch die letzte Runde im A-Turnier gespielt.

Magnus Carlsen lag vor der Runde gemäß dem für dieses Turnier von den Veranstaltern festgelegten Regeln in Führung, denn für den Turniersieg sollte beim Gashimov Memorial die größere Anzahl der Siege ausschlaggebend sein. Dieses Prinzip wurde bekanntlich auch beim Kandidatenturnier in London 2013 angewandt und verhalf Magnus Carlsen zum Turniersieg gegenüber dem punktgleichen Vladimir Kramnik. Garry Kasparow kommentierte das seinerzeit mit dem ironischen Hinweis, "der Spieler mit der größeren Anzahl von Niederlagen" habe das Turnier gewonnen.

Welches Zweitwertungs-System das gerechtere ist, darüber kann eifrig diskutiert werden - neuerdings auch im Kommentarbereich zu den Artikeln auf der ChessBase-Nachrichtenseite (Am Ende des Beitrages. Fühlen Sie sich eingeladen, dort ihre Meinung mitzuteilen. Dies kann jeder nach einer einfachen und unverbindlichen Registrierung machen.) Was aber eigentlich völlig fehlt, ist eine einheitliche und turnierübergreifende Regelung durch die FIDE. Die privaten Organisatoren legen dies nach Gusto fest, mal gilt diese, mal gilt jene Regelung. Beim "Masters Final" in Bilbao wird beispielsweise ein richtiger Stichkampf bei Punktgleichheit ausgetragen. Anderswo gelten Sonneborn-Berger oder andere Feinwertungssysteme. Manchmal wird sogar schlichtweg vergessen festzulegen, wer bei Punktgleichheit Turniersieger ist. Das kam seinerzeit in Linares vor: Kasparow und Kramnik lagen am Ende beide vorne und einigten sich irgendwie, da es vom Veranstalter keine Regelung gab. Manchmal wird auch bewusst auf eine solche verzichtet.

Wenn die Spieler sowieso nur für ihren Antritt bezahlt werden, es also kein Preisgeld nach Rang gibt, mag ihnen das mehr oder minder egal sein, obwohl die Optimierung des Spiels im Hinblick auf einen bestimmten Rang - ein Spieler ist dann vielleicht auch gegen einen Spieler mit Remis zufrieden, den er sonst schlagen würde - Auswirkungen auf die Elozahl hat. In Shamkir ging aber auch um einen Unterschied von 10.000 Euro als Differenz zwischen dem ersten und zweiten Platz (Erster Preis: 30.000 Euro).

In der heutigen letzten Runde trafen die beiden Führenden der Tabelle, Magnus Carlsen und Fabiano Caruana aufeinander. Mit der größeren Anzahl von gewonnenen Partien, nämlich vier, war Carlsen gegenüber Caruana und dessen bis dato drei Siegen im Vorteil.

Da Carlsen mehr Gewinnpartien als Caruana hatte, musste ihn die nächste Feinwertung nicht kümmern. Das wäre der direkte Vergleich - und bei einem Remis hätte Caruana dank seines Sieges gegen Carlsen in der Hinrunde bei dieser Wertung mit 1,5:0,5 vorne gelegen.

Im Hinblick auf den Turniersieg sollte der Norweger also eine Niederlage vermeiden. Aber wahrscheinlich waren Carlsen solche Überlegungen völlig fremd, weil er ja sowieso immer nur auf Sieg spielt.

Mit 1.d4 2.Sf3 und 3.g3 zeigte der Weltmeister an, dass er kein Interesse hatte, sich mit Caruana auf ein Theorieduell in dessen Lieblingsverteidigung, der Grünfeld-Verteidigung, einzulassen. Vielleicht hatte er zusammen mit seinem Sekundanten Peter Heine Nielsen etwas in der Fianchetto-Variante vorbereitet, doch dies kam nicht zum Tragen, da Caruana mit 4...c5 einen anderen Weg wählte. Carlsen folgte der Einladung zur Benoni-Verteidigung oder einem Übergang zur Englischen Eröffnung jedoch nicht, sondern verteidigte seinen Bauern d4 mit 5.c3 und nachdem Caruana nun 5...d5 zog, nahm Carlsen den Bauern auf c5 weg und hielt den Bauern dort fest. 8.Le3 war dann der erste neue Zug in diesem sehr selten gewählten Abspiel.

Die Eröffnung war sicher ein Erfolg für Carlsen, denn es war ihm gelungen, den eröffnungstheoretisch zumeist gut vorbereiteten Caruana auf unbekanntes Terrain zu locken. Mit einem Bauern weniger suchte der Italiener nach Kompensation am Königsflügel. Doch den schwarzen Angriff federte Carlsen geschickt ab, sammelte dabei weitere Bauern ein und um den 30. Zug herum zeichnete es sich langsam ab, dass der schwarze Angriff so gut wie abgeschlagen war und der weiße Materialvorteil sich wohl durchsetzen würde. Im 40. Zug setzte sich dann ausgerechnet der im 6.Zug mit dxc5 eroberte c-Mehrbauer in Richtung Grundlinie in Bewegung, wonach das Partieende nicht mehr lange auf sich warten ließ. Carlsen gewann die Partie und das Turnier und ließ keine Fragen offen.

Daniel King zeigt die Partie Carlsen gegen Caruana

Shakhryar Mamedyarov und Sergey Karjakin wandelten im Doppelfianchetto der Englischen Eröffnung auf den Pfaden der Partie Nakamura gegen Karjakin aus dem gleichen Turnier (Runde 5). Mit 18.g5 probierte Mamedyarov etwas Neues. Die folgenden taktischen Verwicklungen führten jedoch nur zu Figurentausch und schließlich endete die Partie einigermaßen rasch durch Dauerschach.

Den (inoffiziellen) Preis für die längste Partie holten sich heute Hikaru Nakamura und Teimour Radjabov, allerdings auf ungewöhnlich Weise. Einmal mehr wurde die Berliner Verteidigung der Spanischen Partie thematisiert. Radjabov war schon im 25. Zug der Meinung, das die Stellung völlig verrammelt, ausgeglichen und Remis wäre und zog nun bis zum 36. Zug nur noch den Turm von h8 nach h5 und zurück. Nakamura nahm diese Einladung zur Stellungswiederholung aber nicht an, und spielte noch weiter, worauf Radjabov nun auch noch die Felder g8, h6 und g6 für seinen Turm ausprobierte.

Tatsächlich zog der aserische Großmeister zur Demonstration der Nutzlosigkeit aller weißen Bemühungen zwischen dem 24. und 48. Zug nur mit diesem Turm hin und her, bevor er im 49. und 50. Zug mit Lc6-d7-e6 eine kleine Umgruppierung seines Läufers vornahm. Dann war wieder der Turm an der Reihe. Nakamura zeigte in seinen Zügen zwar etwas mehr Abwechslung, vielleicht auch nur, um einer Stellungswiederholung auszuweichen, änderte aber an der Position auch nichts.

Im 77. Zug wurde die Partie dann offenbar gemäß der 50-Züge-Regel remis gegeben. Nakamura und Radjabov scheinen nicht die besten Freunde zu sein.

 

Runde 10 – 30.04.14
Mamedyarov
½-½
Karjakin
Nakamura
½-½
Radjabov
Carlsen
1-0
Caruana

 

Endstand:

 

Partien der A-Gruppe:

 

 

 

Live-Kommentare auf Schach.de

Alle Partien werden live im Fritzserver (Schach.de) in zwei Sprachen kommentiert. Partiebeginn ist 12 Uhr MESZ. Die Kommentierung beginnt ca. eine halbe Stunde später.

Die deutschen Kommentatoren:


GM Thomas Luther

GM Klaus Bischoff

GM Karsten Müller

IM Oliver Reeh

Kommentator-Plan

Date Runde English Deutsch
20.04.2014 Runde 1 Yasser Seirawan Thomas Luther
21.04.2014 Runde 2 Yasser Seirawan Thomas Luther
22.04.2014 Runde 3 Simon Williams Klaus Bischoff
23.04.2014 Runde 4 Daniel King Klaus Bischoff
24.04.2014 Runde 5 Daniel King Klaus Bischoff
25.04.2014 Ruhetag    
26.04.2014 Runde 6 Simon Williams Thomas Luther
27.04.2014 Runde 7 Simon Williams Oliver Reeh/Karsten Müller
28.04.2014 Runde 8 Yasser Seirawan Klaus Bischoff
29.04.2014 Runde 9 Yasser Seirawan Klaus Bischoff
30.04.2014 Runde 10 Daniel King Klaus Bischoff

 

A-Gruppe: Spielplan und Ergebnisse

Runde 1 – 20.04.14
Carlsen
1-0
Mamedyarov
Nakamura
½-½
Caruana
Karjakin
½-½
Radjabov
Runde 3 – 22.04.14
Nakamura
1-0
Mamedyarov
Karjakin
½-½
Carlsen
Radjabov
½-½
Caruana
Runde 5 – 24.04.14
Mamedyarov
1-0
Caruana
Carlsen
0-1
Radjabov
Nakamura
½-½
Karjakin
Runde 7 – 27.04.14
Radjabov
½-½
Mamedyarov
Karjakin
½-½
Caruana
Nakamura
0-1
Carlsen
Runde 9 – 29.04.14
Caruana
1-0
Mamedyarov
Radjabov
½-½
Carlsen
Karjakin
½-½
Nakamura
 
Runde 2 – 21.04.14
Mamedyarov
½-½
Radjabov
Caruana
½-½
Karjakin
Carlsen
1-0
Nakamura
Runde 4 – 23.04.14
Karjakin
½-½
Mamedyarov
Radjabov
½-½
Nakamura
Caruana
1-0
Carlsen
Runde 6 – 26.04.14
Mamedyarov
0-1
Carlsen
Caruana
½-½
Nakamura
Radjabov
½-½
Karjakin
Runde 8 – 28.04.14
Mamedyarov
0-1
Nakamura
Carlsen
½-½
Karjakin
Caruana
1-0
Radjabov
Runde 10 – 30.04.14
Mamedyarov
½-½
Karjakin
Nakamura
½-½
Radjabov
Carlsen
1-0
Caruana

 

 

 

 

Fotos: Akhmet Muhktar (Turnierseite)



André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
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Manarola1 Manarola1 01.05.2014 11:14
P.S: Die neue Kommentarfunktion finde ich super. Freue mich auf interessante und qualitativ hochwertige Meinungen und Diskussionen.
Manarola1 Manarola1 01.05.2014 11:09
Ich finde es herrlich, dass scheinbar völlig ausgeglichene Positionen weiter und - zumindest im Falle Carlsens - nicht selten auch gewonnen werden. Das bei Nakamura-Radjabov hatte schon einen gewissen provokativen Charakter. Aber das passt doch auch. Es sind halt "Typen" zu denen man stehen kann wie man will. Aber die braucht die Schachwelt auch. Und es bezahlt hier ja keiner Eintritt zum zusehen, man muss sich das Geschiebe nicht ansehen.

Für den Hobby-Spieler hat das auch in seiner Praxis Vorteile. Wie oft kam es vor, dass mir ein gleichstarker Gegner (deutlich unter 2000 Elo) Remis Anbot, weil die Stellung ausgeglichen wirkte. Das es am Schluss oft nur auf ein Tempo ankommen kann, wird da aus Unwissenheit ignoriert. Frührer dachte ich mir, naja wird wohl Remis sein. Heute kann man da ohne schlechtes Gewissen und innerlich belustigt weiter spielen, wenn man es "wissen" will.
DerJumbo DerJumbo 01.05.2014 07:33
Ich weiß nicht, was ihr alle habt. Vor 5 Jahren hat sich die "Schachwelt beklagt", dass das Schach am Ende ist. Da wurden z.B. in Dortmund Partien (u.a. von Kramnik und Leko) nach dem 20 Zuge abgebrochen, weil eine theoretische Neuerung auf dem Brett stand, und man die erst mal zu Hause bewerten wollte...
Jetzt kommt ein Spieler daher, der sich nicht groß um die Eröffnung kümmert, der einfach Schach spielt. Und das ist euch auch nicht Recht?

Ich finde es gut, ausgekämpfte Partien anzuschauen, anstatt Remisschiebereien in der Übertragung wegklicken zu müssen.
nilshero nilshero 01.05.2014 02:40
Ich mag als Zweitwertung: Die meisten Pattsiege (wobei ein Pattsieg nach wie vor nur als halber Punkt zählt). Das würde auch das Problem der schnellen Remisen in den Griff kriegen.

Da hier so viel gemeckert wird (Ich hoffe, ihr bereut eure Kommentarfunktion noch nicht, siehe auch: http://xkcd.com/1253/), will ich mal was Positives sagen: Sowohl die Schreibe als auch die Fotos (hier beispielsweise das, wo Caruana und Radjabov Carlsen beim Denken zugucken) gefallen mir in letzer Zeit gut. Weiter So!

Rainbow66 Rainbow66 01.05.2014 12:15
Es wäre wünschenswert, wenn die FIDE Empfehlungen für eine Zweitwertung ausspräche, aber den privaten Organisatoren trotzdem einen Freiraum für eigene Festlegungen ließe.
Die Diskussionen zeigen, dass es offensichtlich eine Ideallösung des Problems nicht gibt. Das empfinde ich nicht als Mangel. Entscheidend ist doch, dass alle Teilnehmer vor Turnierbeginn die Regeln kennen und sich entsprechend einrichten können. Im Nachhinein vorzurechnen, dass man Sieger gewesen wäre, wenn die "viel gerechteren" Regeln einer anderen Veranstaltung gegolten hätten, zeugt von schlechtem Stil.
Frage: Ist es nur ironisch oder beinahe schon gehässig, wenn man dem Sieger eines Kandidatenturniers und späterem Weltmeister nachsagt, dass er "der Spieler mit der größeren Anzahl von Niederlagen" sei, auch wenn das mathematisch korrekt, ja bei Punktgleichheit sogar unumgänglich ist?
Zu Carlsens Stil möchte ich bemerken, dass ich das Auskämpfen von anscheinend total ausgeglichenen Stellungen nicht als unsportlich betrachte. Es könnte im Gegenteil Anreiz für andere Schachsportler sein, belanglose Kurzremisen zu vermeiden in der Erkenntnis, dass meistens noch "etwas drin" ist. Dieses "Etwas" kann und darf, gerade in einem sportlichen Zweikampf, auch der menschliche Gegner sein.
Vielen Dank für die Einrichtung dieses Forums.
E2nO E2nO 30.04.2014 10:56
War nicht in den Candidates die erste "Zweitwertung" der direkte Vergleich - und dann erst wurden die gewonnenen Partien berücksichtigt?

Sofern das der Fall war, hinkt der oben angegeben Vergleich ziemlich: Hätten die gleichen Kriterien gegolten wie in den Candidates wäre es ein Vorteil für Caruana gewesen.

Allerdings gebe ich Ihnen in einem Punkt vollkommen recht: Die FIDE sollte zumindest eine Empfehlung für ein Zweitwertungssystem aussprechen. Abweichungen davon sie den Veranstaltern überlassen - solange sie das begründen können bzw. das von den Spielern angenommen wird.
luchle luchle 30.04.2014 10:19
Vielen Dank für den guten Kommentar von Herrn Richter.
In dieser Partie hat natürlich zuallererst Caruana (mit Schwarz!) auf Gewinn gespielt, das geht mitunter ins Auge, v.a. gegen den einen oder anderen Weltmeister.

Ich finde auch nicht, daß Carlsen sich besonders dadurch auszeichnet, daß er immer auf Angriff spielt (jedenfalls nicht in jeder Partiephase). Im Gegenteil, für einen Spieler mit seinem überlegenen Rating ist er doch ziemlich häufig erst mal am verteidigen. Er gibt sich allerdings trotzdem nur selten mit Remis zufrieden. Und er spekuliert (zugegeben auf höchstem Niveau) auf Fehler, vorwiegend im Endspiel. Das ist legitim und natürlich auch grosse Kunst, manchmal ( wie in der Partie gegen Radiabov) aber auch ein bisschen peinlich und für mein Dafürhalten auch ein wenig unsportlich: Ich finde, es hat halt etwas Anrüchiges, wenn man nicht aufhört, in einer objektiv ausgeglichenen Position unentwegt weiter zu spielen und zwar solange bis der Gegner so müde ist, daß er Fehler macht, die er sonst niemals machen würde. Ich weiss, das ist erlaubt und wer will, darf das auch toll finden und den großen Kampfgeist preisen. Ich finde es -als Methode- schachlich aber nicht so faszinierend. Meiner Meinung nach fällt unter "fighting chess" auch Anfang und Mittelteil, nicht nur das Ende.
Thomas Richter Thomas Richter 30.04.2014 07:46
Mit Verlaub, aber im Artikel steht jede Menge Unsinn:

1) Kasparow und Kramnik teilten sich den Sieg in Linares 2000 nicht, weil es keine Tiebreak-Kriterien gab, sondern weil diese alle identisch waren. Beide erzielten 6/10, die vier anderen Spieler 4,5/10. Gegeneinander spielten sie zweimal remis, zweimal gewannen sie gegen "den Rest" und hatten auch gleich viele Schwarzsiege. Da hilft nur noch Unsinn wie "Anzahl gespielte Züge" (gab es irgendwo-irgendwann tatsächlich) - was Partien wie Nakamura-Radjabov oder auch Carlsen-Radjabov belohnt und andererseits Spieler benachteiligt, die schnell im Königsangriff gewinnen während der Konkurrent im Endspiel erfolgreich ist.

2) Mit einem Sieg gegen Carlsen hätte Caruana keinen Tiebreak gebraucht, sondern (genau wie nun Carlsen) nach Erstwertung gewonnen.

3) "Allerdings entspricht es nicht dem Naturell des Weltmeisters auf Remis zu spielen" ist zumindest fragwürdig, denn 5.c3 war ja beinahe eine Art Remisangebot - nach 5.-cxd4 6.cxd4 ist die symmetrische Stellung für beide Seiten wenig gewinnträchtig. Unter anderen Umständen (Tieberaks zu seinen Gunsten) hätte Caruana diese Einladung womöglich angenommen, und Carlsen hätte sie nicht ausgesprochen. So musste er (wie Kramnik in der Schlussrunde des Kandidatenturniers) mit Schwarz was riskieren.

Wenn FIDE die Rechte privater Ausrichter beschneiden soll (warum eigentlich?), dann aus meiner Sicht immer entweder ein Stichkampf im Schnell- oder Blitzschach [wobei ich wenig davon halte, verschiedene Bedenkzeiten zu mischen] oder - in Rundenturnieren - immer das Preisgeld gleichmässig teilen.
Langenscheidt Langenscheidt 30.04.2014 06:29
Liebe Redaktion,

wie kommen Sie darauf, dass die Beziehung zwischen Nakamura und Radjabov belastet ist (siehe Kommentar in der Berichterstattung oben)? Ist das die Art der Spielführung in der letzten Partie und die offensichtlich fehlende Bereitschaft die Partie zu verschärfen (Radjabov) bzw. die Partie als ausgeglichen zu akzeptieren (Nakamura), was am Ende die 50-Züge-Regel bemühen musste? Wenn das der Grund ist, dann müsste der Weltmeister aus Norwegen persönlich dafür gerade stehen, dass er keine Freunde in der Schachszene hat - was nicht der Fall ist.

Wenn Sie die Live-Übertragung verfolgt und die anschließende Analyse von Radjabov und Nakamura sowohl am Brett, als auch in der anschließenden Pressekonferenz aufmerksam beobachtet hätten, dann würde Ihnen die fehlende Substanz Ihrer Anmerkung deutlich geworden. Oder ist die Wortwahl bewusst gewesen?

Lassen Sie bitte die Spekulationen in Ihren Reportagen weg und konzentrieren Sie sich bitte auf Inhalt der Partien und auf eine höchst professionelle Turnierorganisation, auf eine wunderbare Atmosphäre unter den Teilnehmern und Begleitern und eine wunderbare Begeisterung der Bevölkerung, die jeden Tag dem Turnier beiwohnt. Ist es nicht das, was die Leser lesen wollen? Sonst müssen Sie vielleicht demnächst Ihre Seite in ChessBild umbenennen, damit man sie richtig einordnen kann.

Es gibt viel gutes vom Schach aus der Welt zu berichten und ich schätze seit Jahren die Arbeit Ihrer Redaktion in diesem Sinne. Jedoch lese ich immer wieder eine gewisse Befangenheit in der Berichterstattung und eine gewisse Lust an Highlights am Rande (auch nationalistische Befangenheit). Leser wie ich brauchen das nicht.

Danke für die Möglichkeit meine Meinung zu äußern.
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