Carlsen wieder Tabellenführer

von Johannes Fischer
27.04.2014 – Partien zwischen Carlsen und Nakamura besitzen besonderen Reiz. Auch die Begegnung der beiden in Runde 7 des Vugar Gashimov Memorials verlief dramatisch. Einmal mehr stand Nakamura kurz vor einem Sieg, einmal mehr verlor er. Da die beiden anderen Partien der Runde Remis endeten, liegt Carlsen jetzt mit 4,5 aus 7 allein an der Spitze. Mehr...

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A-Gruppe:

Shakryar Mamedyarov ist die Nummer eins der Rangliste Aserbaidschans, Teimour Radjabov die Nummer zwei. Doch wie ein großer Prestigekampf wirkte ihre Partie in der siebten Runde nicht. Im Gegenteil. In einer bekannten Variante der Réti-Eröffnung kam es bald zu zahlreichem Abtausch und einem ausgeglichenen Schwerfigurenendspiel. Das endete nach 29 Zügen mit einem Remis durch Dauerschach.

Teimour Radjabov

Shakriyar Mamedyarov ging nach der gestrigen Niederlage gegen Carlsen allen Risiken aus dem Weg.

Auch Sergey Karjakin und Fabiano Caruana trennten sich in einer unspektakulären Partie Remis. Karjakin spielte mit Weiß und folgte im Grünfeld-Inder bis zum 29. Zug einer Partie zwischen Anish Giri und Caruana, die 2013 beim Turnier in Zug gespielt wurde. Schon da ein Endspiel auf dem Brett, in dem es Weiß mit Springer und zwei Bauern mit dem schwarzen Turm aufnehmen musste. Eine Konstellation, die Karjakin, wie er nach der Partie erklärte, durchaus gefiel: "Ich war der Meinung, Weiß steht angenehm und hat Gewinnchancen." Allerdings räumte er ein, "wenn Schwarz weiß, was er tut, dann sollte die Partie Remis werden".

Sergey Karjakin bei der Pressekonferenz: "Ich habe diese Variante vor langer Zeit vorbereitet. Ich war der Meinung, die Variante ist für Schwarz nicht einfach zu spielen. Aber vielleicht liege ich da falsch."

Offensichtlich wusste Caruana, was er tat. Er hatte keine Probleme, die wenigen Gewinnversuche des Weißen zu neutralisieren und so standen nach 51 Zügen nur noch die beiden Könige auf dem Brett - Remis.

Fabiano Caruana bei der Pressekonferenz: "Die Stellung ist ein bisschen unbequem für Schwarz, aber sollte objektiv remis sein."

Hikaru Nakamura hat gegen Magnus Carlsen kein Glück

Für viel Drama sorgten dafür Hikaru Nakamura und Magnus Carlsen. Nakamura hatte den Begegnungen mit Carlsen mit ein wenig Trashtalk noch zusätzliche Würze verliehen. Der Amerikaner hatte sich in einem Interview mit der Zeitschrift New in Chess als die "größte Gefahr für Carlsen" bezeichnet und den Weltmeister zugleich wenig schmeichelhaft mit Sauron verglichen, einem Bösewicht aus Tolkiens "Herr der Ringe".

Nakamuras Bilanz gegen Carlsen in Partien mit klassischer Bedenkzeit fällt allerdings verheerend aus. Rechnet man die Hinrunde im Vugar Gashimov Memorial hinzu, hat Nakamura neun Mal gegen Carlsen verloren, aber noch keine einzige Partie gewonnen. Beim Turnier in Zürich stand er kurz vor seinem ersten Sieg, aber verpatzte seine Gewinnstellung am Ende noch zu einer Niederlage.

Die Partie der beiden in Runde sieben weckte Erinnerungen an ihre Begegnung in Zürich. Carlsen kam als Schwarzer in einem Nimzo-Inder mit 4.f3 gut aus der Eröffnung heraus, aber verlor dann in einem komplizierten Mittelspiel den Faden und die Kontrolle über die Partie. Um den starken weißen Königsangriff abzuwehren, gab er einen Bauern, für den er kaum Kompensation hatte. Doch nachdem Nakamura den Bauern gewonnen hatte, geschahen seltsame Dinge. Mit nur wenig Zeit auf der Uhr machte Nakamura einen schwachen Zug nach dem nächsten und plötzlich war es Carlsen, der auf Gewinn stand. Eine Wendung der Dinge, die GM Karsten Müller, der die Partie zusammen mit Oliver Reeh auf dem Fritz-Server kommentierte, fassungslos machte: "Unglaublich, Zürich wiederholt sich."

Rituale bringen Selbstvertrauen. Mittlerweile ist der Orangensaft zu einem Markenzeichen Carlsens geworden.

In der Pressekonferenz sahen die Spieler das anders. Nakamura meinte zwar, er hätte irgendwo den Gewinn verpasst, aber gab zu, durch Carlsens Verteidigung aus dem Konzept gebracht worden zu sein. "In Zürich habe ich meine Gewinnstellung sofort in eine Verluststellung verwandelt, hier geschah das allmählich. Was hier geschehen ist, ist also schlimmer. Aber die Stellung nach dem Bauerngewinn zu verlieren, ist schon eine Leistung. Dafür braucht man viel Talent."

Und während die Engines Weiß nach dem Bauerngewinn klar im Vorteil sahen, zeigten sich die Spieler nach der Partie weit skeptischer und schätzten die Position als ausgeglichen ein. Carlsen meinte dann auch: "In gewissem Sinne hatte ich Glück, weil Weiß noch eine ganze Reihe von Zügen bis zur Zeitkontrolle machen musste, nachdem die Stellung vereinfacht worden war. Mit mehr Zeit auf der Uhr hätte Hikaru die Partie sicher nicht verloren."

Durch diesen glücklichen Sieg, Carlsens zweitem Schwarzsieg in Folge, übernahm der Weltmeister wieder die Tabellenführung. Mit 4,5 Punkten aus 7 Partien liegt er mit +2 allein an der Spitze - wie schon in der Hinrunde.

Der Weltmeister liegt drei Runden vor Schluss wieder in Führung.

Daniel King zeigt die Partie Nakamura gegen Carlsen

Runde 7, 27.04.14
Radjabov
½-½
Mamedyarov
Karjakin
½-½
Caruana
Nakamura
0-1
Carlsen

Partien der A-Gruppe:

 

 

B-Gruppe:

In Gruppe B gelang Pavel Eljanov, der gestern gegen Wang Hao verloren hatte, heute mit Schwarz ein Sieg gegen den bisherigen Tabellenführer Etienne Bacrot. Durch diesen Sieg zog Eljanov mit Bacrot gleich und teilt sich nun zusammen mit dem Franzosen mit je 4,5 Punkten aus 7 Partien die Tabellenführung.

Für die zweite Gewinnpartie des Tages in Gruppe B sorgte Wang Hao. Er kam mit Weiß mit Schottisch gegen Alexander Motylev zu einem Sieg und liegt jetzt mit 4 aus 7 zusammen mit Radoslaw Wojtaszek und Gadir Guseinov auf dem geteilten dritten bis fünften Platz.

Wang Hao spielte auch die zweite Runde in Folge wie elektrisiert.

Alexander Motylev

Runde 7, 27.04.14
Safarli
½-½
Durarbayli
Wang Hao
1-0
Motylev
Bacrot
0-1
Eljanov
Guseinov
½-½
Wojtaszek
Abasov
½-½
Mamedov

Partien der B-Gruppe:

 

 

 

Live-Kommentare auf Schach.de

Alle Partien werden live im Fritzserver (Schach.de) in zwei Sprachen kommentiert. Partiebeginn ist 12 Uhr MESZ. Die Kommentierung beginnt ca. eine halbe Stunde später.

Die deutschen Kommentatoren:


GM Thomas Luther

GM Klaus Bischoff

GM Karsten Müller

IM Oliver Reeh

Kommentator-Plan

Date Runde English Deutsch
20.04.2014 Runde 1 Yasser Seirawan Thomas Luther
21.04.2014 Runde 2 Yasser Seirawan Thomas Luther
22.04.2014 Runde 3 Simon Williams Klaus Bischoff
23.04.2014 Runde 4 Daniel King Klaus Bischoff
24.04.2014 Runde 5 Daniel King Klaus Bischoff
25.04.2014 Ruhetag    
26.04.2014 Runde 6 Simon Williams Thomas Luther
27.04.2014 Runde 7 Simon Williams Oliver Reeh/Karsten Müller
28.04.2014 Runde 8 Yasser Seirawan Klaus Bischoff
29.04.2014 Runde 9 Yasser Seirawan Klaus Bischoff
30.04.2014 Runde 10 Daniel King Klaus Bischoff

 

A-Gruppe: Spielplan und Ergebnisse

Runde 1, 20.04.14
Carlsen
1-0
Mamedyarov
Nakamura
½-½
Caruana
Karjakin
½-½
Radjabov
Runde 3, 22.04.14
Nakamura
1-0
Mamedyarov
Karjakin
½-½
Carlsen
Radjabov
½-½
Caruana
Runde 5, 24.04.14
Mamedyarov
1-0
Caruana
Carlsen
0-1
Radjabov
Nakamura
½-½
Karjakin
Runde 7, 27.04.14
Radjabov
½-½
Mamedyarov
Karjakin
½-½
Caruana
Nakamura
0-1
Carlsen
Runde 9, 29.04.14
Caruana
-
Mamedyarov
Radjabov
-
Carlsen
Karjakin
-
Nakamura
 
Runde 2, 21.04.14
Mamedyarov
½-½
Radjabov
Caruana
½-½
Karjakin
Carlsen
1-0
Nakamura
Runde 4, 23.04.14
Karjakin
½-½
Mamedyarov
Radjabov
½-½
Nakamura
Caruana
1-0
Carlsen
Runde 6, 26.04.14
Mamedyarov
0-1
Carlsen
Caruana
½-½
Nakamura
Radjabov
½-½
Karjakin
Runde 8, 28.04.14
Mamedyarov
-
Nakamura
Carlsen
-
Karjakin
Caruana
-
Radjabov
Runde 10, 30.04.14
Mamedyarov
-
Karjakin
Nakamura
-
Radjabov
Carlsen
-
Caruana

 

B-Gruppe: Spielplan und Ergebnisse

Runde 1, 20.04.14
Wojtaszek
½-½
Durarbayli
Eljanov
½-½
Mamedov
Motylev
½-½
Abasov
Safarli
½-½
Guseinov
Wang Hao
½-½
Bacrot
Runde 3, 22.04.14
Eljanov
½-½
Durarbayli
Motylev
0-1
Wojtaszek
Safarli
½-½
Mamedov
Wang Hao
½-½
Abasov
Bacrot
1-0
Guseinov
Runde 5, 24.04.14
Motylev
½-½
Durarbayli
Safarli
0-1
Eljanov
Wang Hao
½-½
Wojtaszek
Bacrot
1-0
Mamedov
Guseinov
1-0
Abasov
Runde 7, 27.04.14
Safarli
½-½
Durarbayli
Wang Hao
1-0
Motylev
Bacrot
0-1
Eljanov
Guseinov
½-½
Wojtaszek
Abasov
½-½
Mamedov
Runde 9, 29.04.14
Wang Hao
-
Durarbayli
Bacrot
-
Safarli
Guseinov
-
Motylev
Abasov
-
Eljanov
Mamedov
-
Wojtaszek
 
Runde 2, 21.04.14
Durarbayli
0-1
Bacrot
Guseinov
½-½
Wang Hao
Abasov
½-½
Safarli
Mamedov
0-1
Motylev
Wojtaszek
0-1
Eljanov
Runde 4, 23.04.14
Durarbayli
0-1
Guseinov
Abasov
½-½
Bacrot
Mamedov
1-0
Wang Hao
Wojtaszek
1-0
Safarli
Eljanov
½-½
Motylev
Runde 6, 26.04.14
Durarbayli
½-½
Abasov
Mamedov
½-½
Guseinov
Wojtaszek
½-½
Bacrot
Eljanov
0-1
Wang Hao
Motylev
1-0
Safarli
Runde 8, 28.04.14
Durarbayli
-
Mamedov
Wojtaszek
-
Abasov
Eljanov
-
Guseinov
Motylev
-
Bacrot
Safarli
-
Wang Hao

 

 

Fotos: Akhmet Muhktar (Turnierseite)



Johannes Fischer, Jahrgang 1963, ist FIDE-Meister und hat in Frankfurt am Main Literaturwissenschaft studiert. Er lebt und arbeitet in Nürnberg als Übersetzer, Redakteur und Autor. Er schreibt regelmäßig für KARL und veröffentlicht auf seinem eigenen Blog Schöner Schein "Notizen über Film, Literatur und Schach".
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