Chess Classic Mainz: Vorschau und Interview mit Anand

26.04.2007 – In diesem Jahr werden sich bei den Chess Classic Mainz vier Topspieler als Headliner der Veranstaltung sowohl bei der Rapid World Championship als auch der Chess 960 World Championship beteiligen. Neben den jeweiligen Titelverteidigern Viswanathan Anand (Rapid) und Levon Aronian (Chess 960) sind es Rustam Kasimdzhanov und Etienne Bacrot. Neben den Klassikern Finet-Open und Ordix-Open bekommt auch der Nachwuchs eine Chance und kann sich in den Mini-Ausgaben dieser Turniere austoben. Der neue Pressechef Harry Schaack führte ein Interview mit Vishy Anand, der erstmals als Weltranglistenerster nach Mainz reist und sich u.a. zur kommenden WM äußert.Chess Tigers...Mehr...

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Die neue Nr.1 der Welt ANAND greift nach allen Titeln
Chess Classic Mainz 2007 mit neuem Format – Anand will auch Chess960-Krone

VON HARRY SCHAACK

 Bei den diesjährigen Mainzer Chess Classic, die vom 13. bis 19. August in dem bewährten Ambiente der neuen Rheingoldhalle ausgetragen werden, wird die neue Nr.1 der Welt erstmals um die Krone im Chess960, bei dem vor jeder Partie eine von 960 Startaufstellungen ausgelost wird, eingreifen. Während Viswanathan Anand die letzten sechs Mal hintereinander in Zweikämpfen unter Beweis stellte, dass er der beste Schnellschachspieler der Welt ist, wird er sich dieses Jahr in Viererturnieren mit gemischtem Runden- und Match-Modus sowohl im Schnellschach als auch im Chess960 mit drei hochkarätigen Gegnern messen. Der indische Branchenprimus, der zum insgesamt zehnten Mal als Sieger der Chess Classic hervorgehen könnte, bekommt es mit starker Konkurrenz zu tun. Neben dem amtierenden Chess960-Weltmeister Levon Aronian sind auch der letztjährige FiNet-Open Sieger Etienne Bacrot, und der Sieger des letztjährigen ORDIX-Opens und FIDE-Weltmeister von 2004, Rustam Kasimdzhanov, für den Kampf um die WM-Titel qualifiziert. Wenn alles gut läuft, könnte Anand schon vor dem diesjährigen Showdown in Mexiko, wo die Weltmeisterschaft im klassischen Schach ausgetragen wird, als Chess960- und Schnellschachkönig in den Ring steigen und schließlich mit drei WM-Titeln das Jahr beenden.

Der zuschauer- und kundenorientierte Organisator Hans-Walter Schmitt freut sich vor allem, in diesem Jahr im Abendprogramm noch mehr Partien präsentieren zu können als in den Jahren zuvor. Und er ist sich sicher, dass Anand auch das Chess960-Turnier nicht auf die leichte Schulter nimmt. „Er will jedes wichtige Turnier in seiner Karriere mindestens einmal gewinnen“, sagt der Bad Sodener. Und der Mann, der Chess960 in Deutschland populär gemacht hat, lässt keinen Zweifel aufkommen, dass die Mainzer Veranstaltung dazu gehört.

Vom 14.-16. August streiten die vier Spieler in der Rheingoldhalle zunächst jeweils ab 18:30 in drei Partien im Chess960 um den Sieg. Vom 17.-19. August wird dann bei der GRENKELEASING Rapid World Championship der Sieger ermittelt. Jeweils am letzten Tag werden die Platzierungskämpfe im großen und kleinen Finale in Mini-Matches von vier Partien ausgespielt.

Doch die Chess Classic haben immer mehr zu bieten als „nur“ hochkarätige Superturniere. Zu den Weltmeisterschaften gehören natürlich auch WM-taugliche offene Qualifikationen. Das traditionelle ORDIX-Open (18./19. August), das zum vierzehnten Mal ausgetragen wird, ist das weltstärkste Schnellschach-Open. Auch dieses Jahr werden wieder um die 600 Teilnehmer erwartet. Und das FiNet-Chess960-Open (16./17. August), das seine sechste Auflage erlebt, sucht vergleichbares hinsichtlich der Stärke und Teilnehmerzahl vergeblich. „Bei beiden Turnieren gibt es nicht nur ordentliche Preise zu gewinnen“, sagt Hans-Walter Schmitt, „sondern der Sieger qualifiziert sich auch sicher für die nächstjährige Weltmeisterschaft.“

Außerdem setzen sich die Chess Tigers als Veranstalter immer für den schachlichen Nachwuchs ein. Das „Regio111“-Projekt, das im Vorjahr den besten Jugendlichen der Vereine aus bis zu 111 km Entfernung eine startgeldfreie Teilnahme erlaubte, findet nun in den Mini-Ordix und Mini-FiNet-Open, die am 14. bzw. 15. August stattfinden, seine konsequente Fortsetzung. Hier können die Jungtalente in ihren Altersklassen unter professionellen Bedingungen spielen. Ihre Partien werden live übertragen und diejenigen, bei denen es gut läuft, sitzen auf der Bühne im Mittelpunkt des Geschehens. Der erfahrene Großmeister Artur Jussupow – Leiter der Chess Tigers Universität und jahrzehntelang einer der besten Trainer der Welt – steht während des Turniers und in den Pausen den Eltern und Kindern beratend zur Verfügung.

Das 13-Jährige indische Wunderkind Parimarjan Negi wird sich vielleicht mit seinen Altersgenossen messen. Und sicher wird er auch in den Open bei den Erwachsenen ganz vorne mitspielen. Im traditionellen Simultan können sich am 13. August 40 Spieler wieder einmal mit einem der Top10-Spieler der Welt messen, dessen Name aber im Moment noch nicht bekannt gegeben werden kann.


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Indiens Schachidol geht seinen Weg
Vishy Anand sieht Chess Classic als Generalprobe für die WM

Viswanathan Anand ist durch seine dauerhaften Erfolge zum Aushängeschild der Chess Classic geworden. Auch diesmal geht der stärkste Spieler der Welt natürlich als Favorit ins Rennen. Was der Titelverteidiger von dem neuen Format hält, wie er seine Chancen sieht und viele andere Fragen beantwortete er im Gespräch mit Harry Schaack kurz nach seinem Titelgewinn mit seinem Bundesliga-Team Baden-Baden:


Anand

SCHAACK: Vishy Anand, Ihnen kann man heute gleich mehrfach gratulieren. Zunächst einmal zur Nr. 1 der FIDE-Weltrangliste. Nach Ihrem Sieg beim stärksten Turnier der Welt in Morelia / Linares sind Sie in der April-Auswertung erstmals in ihrer Karriere unangefochten an erster Stelle geführt. Was bedeutet Ihnen dieser Erfolg?

ANAND: Es ist ein großartiges Gefühl, im selben Moment das beste Turnier der Welt zu gewinnen und gleichzeitig die Nr. 1 in der Welt zu werden. Ich denke, es ist für jeden Sportler ein erhebendes Gefühl, die Weltrangliste anzuführen.

SCHAACK: Als zweites kann man Ihnen zum Titel in der Bundesliga mit Ihrem Team OSC Baden-Baden gratulieren. Sie haben so viele Einzelerfolge in ihrer Karriere erzielt. Wie ist es, mit einer Mannschaft zu gewinnen?

ANAND: Nun, es ist schon etwas Besonderes. Wir haben mit Baden-Baden einige Jahre vergeblich versucht, die Meisterschaft zu erringen. Dieses Jahr ist es unsere erste Titelverteidigung. Wir haben uns alle sehr darüber gefreut. Wir waren zwar wieder haushoher Favorit, aber die Jahre zuvor konnten wir den Vorschusslorbeeren einige Male nicht gerecht werden.

SCHAACK: Sind Sie ein Teamplayer und spielen Sie in einer Mannschaft anders?

ANAND: Es macht für mich keinen Unterschied. Ich spiele meine Partie. Allerdings kann es manchmal frustrierend sein, wenn man zur Seite sieht, und die Nachbarbretter stehen auf Verlust, so wie das in der letzten Runde gegen Hamburg der Fall war. Dort hatten wir mit großem Glück am Ende noch ein Unentschieden erreicht.

SCHAACK: Ist es nicht ungewöhnlich, mit seinen sonstigen Konkurrenten in einer Mannschaft zu spielen?

ANAND: Nein, zu den meisten Spielern pflege ich einen guten Kontakt. Das ist nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, wie oft wir uns im Jahr sehen. Die Stimmung unter den Spielern in Baden-Baden war sehr gut. Das liegt auch an unserem Sponsor, Wolfgang Grenke, der sich rührend um die Spieler kümmert.

SCHAACK: Lassen Sie uns über die kommenden Chess Classic in Mainz sprechen. Sie haben jetzt dort mehrere Jahre nur noch Zweikämpfe bestritten. Dieses Jahr wird das Format modifiziert. Die Veranstaltung wird nun in zwei Viererturnieren mit denselben Teilnehmern ausgetragen: einmal im klassischen Schnellschach und einmal im Chess960. Was halten Sie von der Modusänderung?

ANAND: Das wird wieder eine neue Erfahrung für mich. Ich habe zwar schon bei den Chess Classic Ende der Neunziger Viererturniere gespielt, aber in den letzten Jahren habe ich mich an die Zweikämpfe gewöhnt. Aber immer nur Matchs ist vielleicht auf Dauer auch etwas langweilig für die Zuschauer. Ich finde diese Abwechslung jedenfalls gut.

SCHAACK: Ist es für Sie einfacher, ein Viererturnier zu spielen als ein Match?

ANAND: Es ist anders. Ich muss mich jetzt zwar auf mehrere Leute vorbereiten, aber nicht so intensiv wie auf einen Zweikampf. In einem Match musst Du bei der Vorbereitung sehr viel tiefer gehen. Bei mehreren Gegnern kann man eröffnungstheoretisch etwas breit gefächerter spielen. Außerdem entsteht bei mehreren Teilnehmern eine andere Dynamik. Aber für mich ist es angenehm. Es gefällt mir, dass wir dieses Jahr ein Viererturnier machen.

SCHAACK: Sie könnten in diesem Jahr zum zehnten Mal Ihren Schnellschach-WM-Titel verteidigen, das achte Mal in Folge. Können Sie sich bei so vielen Siegen überhaupt noch motivieren?

ANAND: Ich denke darüber nicht nach, wenn ich am Spielen bin. Wenn ich mir jedes Mal von vornherein vergegenwärtigen würde, dass ich hier schon neun Mal gewonnen habe, müsste ich zu der Überzeugung gelangen, dass meine Siegesserie bald zu Ende gehen muss. Es ist einfacher, jedes Jahr neu an die Sache heran zu gehen und sich von der Last der Vergangenheit freizumachen. Deshalb werde ich darüber nicht sehr intensiv nachdenken und es wird mich nicht belasten.

SCHAACK: Sie werden nun erstmals an einem Chess960-Turnier teilnehmen. Haben Sie damit Erfahrung und wie werden Sie sich darauf vorbereiten?

ANAND: Ich habe es vor einigen Jahren ein paar Mal mit Hans-Walter (Schmitt) gespielt. Und ich finde es toll. Ich hatte bislang noch keine Möglichkeit, ein Chess960-Turnier zu spielen. Aber es wird sicher eine gute Erfahrung. Für mich ist es einfach sehr angenehm, die Hälfte der Veranstaltung ohne Eröffnungsvorbereitung zu spielen. Das ist klasse.

SCHAACK: Sie werden sich also gar nicht auf Chess960 vorbereiten?

ANAND: Vielleicht werde ich einige Trainingspartien spielen. Ich werde mir aber auf jeden Fall einige Grundaufstellungen aufbauen, damit ich ein Gefühl für die Eröffnung mit zufälligen Anfangsstellungen bekomme.

SCHAACK: Ist es nicht schwierig, erst Chess 960 und dann Normalschach nacheinander zu spielen?

ANAND: Das kann sein, aber das kann ich erst nach dem Turnier beantworten… (lacht) Es ist sicher nicht leicht, von einem auf den anderen Tag ein anderes Turnier zu spielen. Vielleicht wird es schwierig, zunächst Chess960 zu spielen und danach wieder auf Normalschach umzuschalten. Aber vielleicht ist es auch wie in Monaco, wo wir Schnell- und Blindschach abwechselnd an einem Tag spielen müssen. Und das geht ja auch ganz gut.

SCHAACK: Was erwarten Sie, welche Chancen glauben Sie im Chess960 zu haben?

ANAND: Ich habe keine Ahnung.

SCHAACK: Können Sie etwas über Ihre Konkurrenten Aronian, Kasimdzhanov und Bacrot sagen? Gegen den ehemalige FIDE-Weltmeister Rustam Kasimdzhanov haben Sie im letzten Korsika Masters im Finale eine empfindliche Niederlage im Schnellschach hinnehmen müssen. Haben Sie gegen ihn noch eine Rechnung offen? Sind Sie gegen ihn besonders motiviert?


Bacrot


Kasimdzhanov

ANAND: Ja, natürlich. Ich habe ihn zwar im Schnellschach in Leon 2005 schon geschlagen. Unsere Begegnungen verlaufen also nicht einseitig, aber die Niederlage hat schon geschmerzt. Und Bacrot und Aronian haben durch ihre zurückliegenden Erfolge in Mainz gezeigt, dass sie beide sehr stark im Chess960 sind.

SCHAACK: Gegen Aronian gelang ihnen in Monaco ein mühsamer Sieg in einem ungleichfarbigen Läuferendspiel. Ihre Bilanz mit ihm ist aber weitgehend ausgeglichen.


Aronian

ANAND: Ja, er hat mich kürzlich in Morelia geschlagen, eine Partie, für die er den Schönheitspreis bekam. Und kurz darauf auch in Monaco in der Blindpartie. Aber dort konnte ich ihn in der Schnellpartie besiegen. Wir haben einen etwa ausgeglichenen Score. Wenn er sich für Mexiko für das WM-Match qualifizieren sollte, dann würde das Schnellschachmatch noch eine andere Dimension bekommen. Aber gut, ich spiele in Mainz immer starke Gegner.

Von den vier Teilnehmern können sich neben mir bis zu zwei gleichzeitig für die WM qualifizieren. Die Qualifikationskämpfe stehen zwar noch aus, aber Mainz ist irgendwie eine Generalprobe für Mexiko.

SCHAACK: Sie haben einmal gesagt, zwei Schnellschachpartien würden Sie mehr anstrengen als eine Turnierpartie. In diesem Jahr müssen Sie jeden Abend mindestens drei Partien spielen.

ANAND: Die Bedenkzeit ist zwar etwas kürzer als in den Jahren zuvor, aber es ist nicht sehr ungewöhnlich für mich, mehrere Partien am Tag zu spielen. Meinen Konkurrenten geht es ja nicht besser.

Schnellschach ist zwar schwieriger als Normalschach, weil man sich intensiver konzentrieren muss, aber eben auch kürzer. Das heißt, wenn eine Partie vorbei ist, dann kommt schon die nächste. Du musst also nicht so viel über Niederlagen nachdenken. Aber auch die Niederlage einer Schnellpartie schmerzt. Ich glaube, das hat weniger mit dem Zeitmodus als mit dem Gegner zu tun.

Bei einer Blindpartie kann mal ein grober Fehler passieren, das passiert fast jedem beim Amber-Turnier in Monaco. Aber beim Schnellschach siehst Du das Brett, und deshalb verletzt mich eine Niederlage in dieser Disziplin mehr.

Ein wesentlicher Unterschied zwischen langen Partien und Schnellschach ist allerdings, dass man im klassischen Schach nicht einfach ein Turnier „abschenken“ kann. Wenn Du schlecht spielst, verlierst Du Elo-Punkte und Weltranglistenplätze. Also musst Du Dich zusammenreißen und immer wieder neu motivieren, auch wenn es schlecht läuft. Beim Schnellschach kannst Du dagegen sagen: Ok, das Turnier läuft zwar schlecht, aber danach ist nichts passiert. Deine Elo hat sich nicht verschlechtert.

SCHAACK: Bereiten Sie sich auf ein solches Turnier auch in Sachen Fitness besonders vor?

ANAND: Nein, ich mache die normale Vorbereitung. Ich werde wie üblich trainieren, nicht mehr als sonst. In Mainz werde ich wie jedes Jahr viel am Rhein spazieren gehen. Aber wenn ich Partien verloren habe, gehe ich öfter ins Fitnessstudio, um mich abzureagieren. Dann bin ich sehr verärgert und hadere mit mir. Ich trainiere dann, um zu vergessen. (lacht)

SCHAACK: Nach den Mainzer Chess Classic ist es nicht mehr lange hin zum WM-Turnier in Mexiko. Wie werden Sie sich vorbereiten? Werden Sie etwas anders machen als beim letzten Mal in San Luis 2005?

ANAND: Nein, man muss sich vor allem auf seine Erfahrung verlassen, darauf achten, wie man sich nach den einzelnen Runden fühlt. In diesem Turnier sind alle Leute stark und topp vorbereitet. Ich glaube, der Turnierausgang wird tatsächlich erst vor Ort entschieden. Da wird man sehen, wie jeder in Form ist. Man kann sich nie hundertprozentig vorbereiten, weil immer etwas Unerwartetes dazwischen kommt. In San Luis hatte ich z.B. nicht erwartet, dass ich so stark anfangen würde, mit 2,5/3 und mit dieser Superpartie gegen Adams. Ein solcher Turnierverlauf erfordert immer angepasste Entscheidungen. Natürlich mache ich mit meinem Team die normale technische Vorbereitung. Und dann werde ich mir meine letzten Turniere noch einmal genauer ansehen. Ich versuche zu antizipieren, was meine Gegner spielen werden, aber das gelingt nur mit Abstrichen. Alles entscheidet sich vor Ort. Als ich jetzt im März Morelia / Linares gewann, dachte ich zunächst nicht, dass ich Favorit bin. Es lief einfach gut.

SCHAACK: Ist denn beim letzten WM-Turnier in der Vorbereitung etwas falsch gelaufen?

ANAND: Nein. Allerdings fehlte mir auch die Zeit, einen Monat über San Luis nachzudenken. Der Zeitplan im Profischach ist einfach zu eng.

SCHAACK: Ist es für Sie als Nr. 1 der Welt nun etwas besonderes, mit dem amtierenden Weltmeister ein WM-Turnier zu spielen?

ANAND: Nein, Vladimir Kramnik ist einfach ein starker Gegner wie Topalov auch. Aber in Mexiko gibt es noch sechs andere starke Gegner.

SCHAACK: Was halten Sie von dem neuen Zyklus?

ANAND: Es ist sehr angenehm, dass der Weltmeister an diesem Turnier teilnimmt. Ich denke, das ist ein gutes Format. Wir müssen uns heute von den ehemaligen Zonen- und Interzonenturnieren, bei denen sich die ganze Welt qualifizieren konnte, verabschieden. Das ist Vergangenheit, wir müssen das vergessen. Wir brauchen ein Turnier, bei dem die Weltspitze mit dem amtierenden Champion den neuen Weltmeister ausspielt. Ich glaube, ein Turnier ist das beste Format, den Weltmeister zu ermitteln.

SCHAACK: Sollte das Turnier jedes Jahr ausgetragen werden?

ANAND: In den letzten FIDE-Verlautbarungen war das noch nicht geklärt, aber es wäre gut, wenn wenigstens alle zwei Jahre ein solches Turnier stattfinden würde. Das wäre fair. Im Moment wird darüber nachgedacht, entweder Turniere alternierend zu WM-Matchs auszutragen, oder aber - wie früher - alle zwei Jahre nur die klassischen Matchs zu veranstalten. Es ist noch nicht geklärt. Aber für mich ist nicht so wichtig, was 2015 sein wird. Das ist zu weit weg. Meine Gedanken kreisen ganz um die kommende WM in Mexiko. Und ich bin sehr zufrieden, dass wir da ein Turnier spielen werden.

SCHAACK: Es scheint ja noch einige Unklarheiten zu geben. Wird der Sieger danach noch ein Match mit Kramnik austragen?

ANAND: Es ist noch nicht alles entschieden. Ich glaube, niemand sollte diese Art von Privilegien genießen. Aber, OK, wenn der Sieger danach ein gut bezahltes Match gegen Kramnik bekommt, dann ist es nicht die schlechteste Sache der Welt. Ich denke zwar, es ist verkehrt, aber ich will auch keine große Sache daraus machen. Ich hoffe jedoch, wenn es so kommt, dass dies eine Ausnahme bleibt. Auf jeden Fall ist es sehr gut, dass Kramnik bei diesem Turnier in Mexiko teilnimmt.

SCHAACK: Glauben Sie nicht, dass durch eine solche Regel, die Kramnik begünstigt, die Qualifikation für eine WM entwertet wird, wenn es die Möglichkeit gibt, auf anderem Wege um die WM zu kämpfen – in gut bezahlten Matches?

ANAND: Nein, ich denke nicht so. In Mexiko wird die Weltmeisterschaft stattfinden und der Sieger ist Weltmeister. Aber ich weiß wirklich nicht, was nächstes Jahr passieren wird.

 

 

 

 

 

 


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