Darryl Johansen gewinnt in Queenstown

24.01.2012 – Neuseeland liegt etwas abseits von den Zentren der Zivilisation. Der nächst gelegene Kontinent Australien ist immerhin auch noch etwa 2000 km entfernt. Trotzdem - oder deshalb -kann man hier viele spannende Dinge erleben und beobachten. Nur in Neuseeland ist z.B. der Kiwi-Vogel zuhause, viele andere seltene Tierarten lassen sich ebenfalls in freier Wildbahn beobachten. Wer schon alle Tiere kennt, kann sich dem Bungee-Jumping zuwenden, das in Neuseeland, und zwar in Queenstown erfunden wurde. Die spannende Frage ist stets: Hat das Gummiseil die richtige Länge oder ist es nicht doch etwas zu lang geraten? Alle drei Jahre findet in Queenstown zudem ein Schachopen statt, das inzwischen viele internationale Gäste anzieht. In diesem Jahr nutzte der australische Großmeister Darryl Johansen seinen Quasi-Heimvorteil und gewann dank guten Endspurts und besserer Zweitwertung vor den Favoriten. Dejan Bojkov berichtet.Turnierseite...Bericht, Bilder, Entstand, Partien...

 

 

Spannendes Finale in Queenstown
Von Dejan Bojkov
Fotos: DFejan Bojkov, Nadig Kruttika, Wolfgang Thiele

 


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Der Anfang war aufregend, doch das Finale war noch aufregender. Mit Spannung am Anfang meine ich nicht, den Unfall, den Paul Spiller vor dem Turnier hatte. Mit seinem Lieferwagen, in dem die ganze Turnierausrüstung nach Queenstown gebracht wurde, war der Chef-Organisator von einem außer Kontrolle geratenen Wagen gerammt worden. Zum Glück gab es nur Sachschaden am Auto und ein kleiner der Teil der Ausrüstung ging zu Bruch. Der deutsche Großmeister Klaus Bischoff, der mit seiner Lebensgefährtin Ingrid Lauterbach am Turnier teilnahm, half noch beim Wegräumen einiger Gegenstände.


Am Heck gerammt


Das Turnier fand im Millenium Hotel in Queenstown statt


 


Die meisten Laptops blieben heil


Ingrid Lauterbach, Klasu Bischoff

Auf diese Form der Spannung verzichtet man gerne, nicht aber auf das spannende Turniergeschehen. Das ist die Kurzfassung der Ereignisse beim dritten Queenstown Classic Tournament, das vom 15. bis 23. Januar in Queenstown, Neuseeland, gespielt wurde.


Queenstown City


Hier kann man mit einer Seilbahn den Berg hinauf fahren

 


Bungie Jumping wurde in Queenstown erfunden


Am See


Wenig bevölkerter Strand

Dieses Turnier hat etwas ganz Besonderes. Entschuldigung, ich muss mich korrigieren, das ist zu schwach ausgedrückt. Alles an diesem Turnier ist besonders! Die Tatsache, dass es alle drei Jahre stattfindet, die außergewöhnliche Schönheit der Natur in Queenstown, die seltenen Tierarten, die man nur hier sehen kann, ja, sogar die Reise an diesen wunderbaren Ort. Man wird für all seine Mühen belohnt und das Turnier selbst ist wundervoll.


Ein Opossum

Neuseeland ist der einzige Ort, an dem der Kiwivogel in freier Wildbahn zu sehen ist, und darauf sind die Einheimischen sehr stolz.

So selten dieser Vogel ist, so selten sind auch internationale Schachturniere in Neuseeland, aber das sollte reisende Schachfans nicht beirren. Tatsächlich gingen dieses Jahr fast 150 Teilnehmer aus 19 Ländern beim Queenstown Classic an den Start.

Treibende Kraft, Ideengeber und überhaupt alles ist GM Murray Chandler. Egal, wie bescheiden er auftritt, seine Leistung sollte nicht übersehen werden. Jedes Jahr reist er vom Norden in den Süden Neuseelands, um dafür zu sorgen, dass alles in Ordnung ist.

Das internationale Turnier fungiert zugleich als Offene Meisterschaft Neuseelands und bei der Abschlussfeier standen die “Kiwis” Schlange, um ihre Preise in Empfang zu nehmen. Der höchste Preis und der größte Pokal gingen an FM Michael Steadman, der 6,5 Punkte aus 9 Partien holte und auf den geteilten neunten Platz kam.


FM Michael Steadman (6.5/9, 12. Platz) ist Neuseeland-Meister

Zugleich erwarb er das Recht, für Neuseeland bei der Schacholympiade zu spielen. Behalten Sie ihn im Auge, er spielt sehr aggressiv und unterhaltsam!

Das Turnier ist außerdem Teil des Ozeanien-Zyklus und hier ist Darryl Johansen aus Australien der Champion. Er holte 7,5 aus 9 und… gewann damit auch das Turnier! Am Ende lagen drei Spieler auf dem ersten Platz, aber Darryl konnte seiner umfangreichen Trophäensammlung eine weitere hinzufügen, da er die beste Wertung hatte (gewertet wurde die Zahl der Siege – er kam auf sieben). Die beiden anderen Spieler an der Spitze waren die chinesischen GMs Li Chao und Zhao Jun, die allerdings beide drei Mal Remis gespielt hatten. Johansen sicherte sich den Sieg mit einem starken Finish: er gewann die letzten drei Runden und hatte in der letzten Runde sehr viel Glück, da sein Gegner Gawain Jones ein Remis durch dreimalige Stellungswiederholung verschmähte und am Ende noch verlor.

 


Die drei Sieger: Zhao Jun, Darryl Johansen, Li Chao.


"Promoter" GM Chandler mit den Siegern

Bemerkenswert war die niedrige Remisquote. Ein Grund dafür war die Regel, dass die Spieler an den ersten zehn Brettern kein Remis vor dem dreißigsten Zug machen durften. Die Strafen für einen Verstoß gegen diese Regel waren drastisch – bei einem ersten Verstoß bekam man 50% seines möglichen Preisgeldes abgezogen, beim zweiten Verstoß wäre das Preisgeld ganz verloren gegangen. Ich persönlich ziehe ja die australische Methode vor, bei der der Kampfgeist mit einem speziellen Preisfonds geschürt wird, aber die Organisatoren haben den ausländischen Titelträgern gute Konditionen eingeräumt, und das gibt ihnen das Recht, mehr von ihnen zu verlangen.


Spieler aller Art


Jung






Weniger jung


Mädchen


Frauen


Emma Guo aus Australia- 4.5/9.


WGM Kruttika Nadig (IND) 5.5/9


WGM Irine Kharisma Sukandar aus Indonesien machte ihre vierte (allgemeine) IM-Norm mir 6.5/9.


IM Akshat Khamparia aus Indien, vierter Platz mit 7/9


GM Surya Shekhar Ganguly wurde Achter mit 7/9.

Für drei Spieler verlief das Turnier besonders erfolgreich, denn sie alle holten eine IM-Norm. Trevor Tao (7/9) erzielte sogar seine letzte Norm, und da er bereits über 2400 Elo hat, ist ihm der Titel jetzt sicher.


Trevor Tao (AUS), sechster Platz mit 7/9 und seiner letzten IM-Norm

Er spielte ein phantastisches Turnier und hätte sogar geteilter Erster werden können, wenn er Li Chaos überambitioniertes Spiel in der letzten Runde bestraft hätte. Irine Sukundar aus Indonesien holte ihre vierte Männer-IM-Norm und FM Junta Ikeda aus Australien holte ihre erste Norm – die ja bekanntlich die schwerste ist. Der Schönheitspreis ging an Gawain Jones.


GM Gawain Jones holte 6/9 und den Schönheitspreis

 

 

Endstand

1 GM Johansen Darryl K AUS 2403 7.5 0.0 7 4
2 GM Li Chao B CHN 2693 7.5 0.0 6 5
3 GM Zhao Jun CHN 2569 7.5 0.0 6 4
4 IM Akshat Khamparia IND 2414 7.0 0.0 6 5
5 GM Rozentalis Eduardas LTU 2592 7.0 0.0 6 4
6   Tao Trevor AUS 2422 7.0 0.0 6 4
7 GM Hansen Sune Berg DEN 2572 7.0 0.0 5 4
8 GM Ganguly Surya Shekhar IND 2639 7.0 0.0 5 4
9 GM Bojkov Dejan BUL 2553 6.5 0.0 6 5
10 FM Ikeda Junta AUS 2349 6.5 0.0 6 5
11   Bird Andrew AUS 2216 6.5 0.0 6 5
12 FM Steadman Michael NZL 2258 6.5 0.0 6 5
13 WGM Sukandar Irine Kharisma INA 2325 6.5 0.0 6 4
14   Dragicevic Domagoj AUS 2277 6.5 0.0 6 4
15 FM Illingworth Max AUS 2388 6.5 0.0 5 5
16 FM Cheng Bobby AUS 2375 6.0 0.0 6 5
17 FM Smith Robert W NZL 2273 6.0 0.0 6 5
18   Zelesco Karl AUS 1990 6.0 0.0 6 4
19 FM Stojic Dusan AUS 2294 6.0 0.0 6 4
20 GM Bischoff Klaus GER 2537 6.0 0.0 5 5
21 IM Dive Russell John NZL 2345 6.0 0.0 5 5
22 IM Morris James AUS 2354 6.0 0.0 5 4
23 GM Zhao Xue CHN 2551 6.0 0.0 5 4
24 GM Jones Gawain C B ENG 2653 6.0 0.0 5 4
25 IM Solomon Stephen J AUS 2375 6.0 0.0 5 4
26 IM Ly Moulthun AUS 2376 6.0 0.0 4 5
27 IM West Guy AUS 2323 6.0 0.0 4 4

... 148 Spiele

Quelle: Chess-Results

Schlussstand: http://chess-results.com/tnr63826.aspx?art=1&rd=9&lan=1&fed=AUS

Turnierseite: http://www.newzealandchess.co.nz/queenstownchess/

Partien der Spitzenbretter: http://www.newzealandchess.co.nz/queenstownchess/pgndownload.html

 

 
Dejan Bojkov, Neunter, 6.5/9

GM Dejan Bojkov- www.dejanbojkov.blogspot.com

 

 

 


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