Das Teilnehmerfeld der London Chess Classic

von André Schulz
06.11.2017 – Eine der Höhepunkte zum Ausklang des Turnierjahres 2017 werden die London Chess Classic sein. Zehn der weltbesten Spieler treten Anfang Dezember an, darunter Weltmeister Magnus Carlsen, um den besten Spieler der Grand Chess Tour 2017 zu ermitteln. (Foto: Lennart Ootes)

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Die Weltelite in London

Die Turnierserie der Grand Chess Tour 2017 setzt sich aus fünf Turnieren zusammen, davon drei kombinierte Schnellschach- und Blitzturniere und zwei klassische Turniere. Norway Chess, im Jahr zuvor noch Bestandteil der Serie, war für die diesjährige Auflage ausgestiegen, so dass mit dem Sinquefield Cup und den London Chess Classic noch zwei Turniere mit klassischer Bedenkzeit übrig bleiben. Während die Turniere mit kürzerer Bedenkzeit mit jeweils 150.000 Dollar Preisfonds dotiert sind, werden für die klassischen Turniere das Doppelte, also 300.000 Dollar, ausgelobt. In der Summe aller Turniere ergibt das 1.050.000 Dollar Preisgeld. Für den Gesamtsieger gibt es noch einen Zuschlag von 150.000 Dollar, so dass die Grand Chess Tour mit einem Gesamt-Preistopf von 1,2 Mio. Dollar aufwarten kann.

Die Verteilung der Preisgelder im Einzelnen: 

Preisgelder

Event Playing Dates * Prizes
Paris GCT 21 - 25 June $150,000
Your Next Move 28 June - 2 July $150,000
Sinquefield Cup 2 - 12 August $300,000
Saint Louis Rapid & Blitz 14 - 19 August $150,000
London Chess Classic 1 - 11 December $300,000
GCT Prize Pool   $150,000
Total GCT Prizes   $1,200,000

Die Spieler in Leuven (Foto: Lennart Ootes)

Nach den bisher vier ausgespielten Turnieren führt Magnus Carlsen nach Punkten die Grand Chess Tour an. Er ist auch in London am Start und wird versuchen, mit einem guten Ergebnis auch das Sonderpreisgeld für den Tour-Sieger zu gewinnen. Maxime Vachier-Lagrave ist engster Verfolger.

Zu den neun Dauer-Teilnehmern der Grand Chess Tour 2017 gesellt sich diesmal Michael Adams als Nominierter des Veranstalters hinzu.

Spiritus Rector der Grand Chess Tour ist Garry Kasparov und die Serie versteht sich durchaus als Konkurrenzangebot zu den Turnieren der FIDE, im Besonderen zu der Grand Prix-Serie. Zur persönlichen Geschichte von Kasparov gehört der Wettstreit mit der FIDE irgendwie immer dazu. Das war schon damals so, als er mit Bessel Kok Mitte der 1980er Jahre die Turnierserie der GMA ins Leben rief, setzt sich fort, als er 1993 zusammen mit Nigel Short im Streit mit dem damaligen FIDE-Präsidenten Florencio Campomanes die FIDE verließ, und seinen Titel als Schach-Weltmeister fortan auf Privatbasis verteidigte, dabie mit der PCA eine eigene Schach-Organisation gründetet und 1994/1995 sogar einen vollwertigen eigenen WM-Qualifikationszyklus auf die Beine stellte. 2010, damals noch als Hintermann von Karpov, und 2014 versuchte Kasparov, Zugang zum FIDE-Präsidium zu bekommen, zuletzt als Kandidat für das FIDE-Präsidentenamt, wenn auch ohne Erfolg.

Auch die Idee, eine eigene Rating-Wertung zu etablieren, ist nicht neu. Diese Idee verfolgte Kasparov schon zu Zeiten der PCA. Nun versucht auch die Grand Chess Tour, sich für ihre Serie auf eine eigene Wertungszahl zu stützen. Während die FIDE inzwischen drei Wertungszahlen verwaltete, eine für Partien mit Turnierbedenkzeit, eine für Partien mit Schnellschachbedenkzeit und eine Wertungszahl für Partien mit Blitzbedenkzeit, ermittelt die Grand Chess Tour eine eigene Wertungszahl in ihrem "Universal Rating System", in dem die Ergebnisse in allen drei Disziplinen zu einer Zahl zusammengefasst werden. Außerdem werden ältere Partien weniger stark gewichtet wie neuere Partien. Jeff Sonas, der seinerzeit rückwirkend ein Ratingsystem für historische Spieler entwickelt hatte, ist einer der beteiligten Wissenschaftler an diesem System. Ein anderer ist Mark Glickman, der schon früher versucht hat, mit einer eigenen Formel, das bestehende auf Arpad Elo basierende System zu verbessern.

Für den normalen Schachfreund ist diese Inflation von Ratin-Listen allerdings verwirrend. Nun gibt es also vier verschiedene Rating-Zahl von zwei Organisationen und alle Zahlen sehen ziemlich gleich aus: Sie sind vierstellig, bewegen sich bei den Spitzenspielern im Bereich 2700 und höher und sind voneinander nicht ohne Weiteres zu unterscheiden, da an der Zahl nicht kenntlich gemacht wird, um welche Ratingtyp es sich handelt. Man muss als Zuschauer schon genau hinsehen, um nun die angegebene Ratingzahl eines Spielers richtig zu bewerten: Von welcher Organisation wurde sie ermittelt? Welche Bedenkzeit wird beim betrachteten Turnier gespielt? Immerhin gibt es eine Konstante für alle vier Listen: Magnus Carlsen ist immer oben.

Das letzte Turnier der Serie 2017, die London Chess Classic, ist traditionell eingebettet in ein großes Schachfestival unter der Regie von Turnierdirektor Malcolm Pein. Das Festival dauert vom 1. bis zum 11. Dezember. Zum Rahmenprogramm gehören unter anderem: ein FIDE Open, Amateur-Turniere, Schnellschachturniere, ein Blitzturnier, ein Prominenten-Turnier (Pro Biz Cup), die Britischen K.o.- Meisterschaften, Schulschachmeisterschaften und ein Schulschachkongress sowie Simultanvorstellungen von John Nunn und Jon Speelman.

London Chess Classic...

London Chess Classic Terminplan...

Universal Rating System...



André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
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Mazel_tov Mazel_tov 07.11.2017 02:18
Das Glicko-Rating hätte man durchaus beim Namen nennen können, da Mark Glickman ja durchaus genannt wird. Viele Spieler können damit inzwischen etwas anfangen, da es auf der lichess-Plattform verwendet wird. Dort hat beispielsweise auch schon Wesley So gespielt, zudem viele andere bekannte Großmeister.
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