Das wilde Genie

24.10.2013 – Die Biographie von John Healy ist so bewegt, dass Sie selbst Gegenstand eines Romans sein müsste. Mit 14 verließ er die Schule und ging zur Armee. Wegen Trunkenheit unehrenhaft entlassen, lebte er als Obdachloser und wurde kriminell. Im Gefängnis lernte er Schach, fand damit zurück ins bürgerliche Leben und begann zu schreiben. Nun ist ein Dokumentarfilm über sein Leben erschienen. Mehr...

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Ungezähmtes Genie

Ein Film über den Schachmeister John Healy

John Healy, Sohn irischer Einwanderer, lebte fünfzehn Jahre als Obdachloser auf den Straßen Londons, war Alkoholiker und wurde kriminell, um zu überleben.

Während eines Gefängnisaufhenthalts brachte ihm sein Zellengenosse die Grundregeln des Schachs bei. Das Spiel wurde seine neue Obsession, mit dem Alkohol hörte er auf. Er schaffte es in die Weltrangliste und entwickelte sich zu einem Spieler, der stark genug war, um erfolgreich gegen mehrere Gegner zugleich anzutreten. Healy schrieb eine Autobiographie über sein Leben, den Bestseller The Grass Arena, der ihn eine Zeitlang zum Liebling der britschen Medien machte.

Anfang der 1990er war Healy Dauergast im internationalen Fernsehen und in der britischen Presse und sprach in zahlreichen Interviews über sein Buch. Es gab viele Gründe, warum er für die Medien attraktiv war, nicht zuletzt durch die Aura der Gefahr, die von ihm ausging. John Healy war nicht irgendein preisgekrönter Autor. Er hatte eine gewalttätige Vergangenheit. Der er nicht zu entkommen schien.

Healy lebte fünfzehn Jahre als Obdachloser auf den Straßen Londons, kämpfte und stahl, um zu überleben; er war ein Sklave des Alkohols, jeder Form von Alkohol – Wein, Cider, medizinischer Alkohol. “Ohne die erstaunliche Wendung, die sein Leben genommen hat, wäre er wahrscheinlich nicht sehr alt geworden.” Daniel Day-Lewis, August 2008.

Dann entdeckte er das Schach. Das Spiel wurde seine neue Sucht. Mit dem Alkohol hörte er auf. Er schaffte es in die Weltrangliste und wurde ein berühmter Autor und war eine Zeitlang Liebling der britischen Medien.

Dann verschwand John Healy. Gerüchte tauchten auf, die das Vakuum füllen sollten, düstere Gerüchte; seine Verleger soll er bedroht haben - er wäre geistig verwirrt - ein Psychopath.

Der Filmemacher Paul Duane verfolgte diese Gerüchte aufmerksam. Healys Buch hatte bei seinem Erscheinen enormen Eindruck auf ihn gemacht. Es schien kaum zu glauben, dass der Autor dieses Buches verschwinden konnte. Was war geschehen, dass diesen Mann verstummen ließ, nachdem er gerade seine literarische Stimme entdeckt hatte?

Im Jahr 2006 fand Paul Duane John Healy. Weit davon entfernt, der wilde, potenziell gewalttätige, Savant zu sein, mit dem er durch die Einflüsterungen seiner Umgebung gerechnet hatte, erwies sich Healy als wortgewandter, zorniger, oft ausgelassener Geschichtenerzähler, aber auch als ein Mann, dessen intensiver Verfolgungswahn stets alles um ihn herum zu verschlingen drohte.

Healy behauptete, er sei durch eine Flüsterpropaganda-Kampagne, die seine eigenen Verleger angeführt hätten, zum Schweigen gebracht worden. Seine Bücher wären absichtlich nicht wiederaufgelegt worden und ein Teil von ihnen sogar eingestampft worden. Er erklärte, es gäbe eine Verschwörung, um ihn als Psychopath von der Straße darzustellen, als ein Säufer mit Groll gegen alle, die erfolgreicher waren als er.

Doch wie weit entsprach das der Wahrheit? Ganz egal, wie verworren sein Privatleben auch sein mochte, ein erfolgreicher Autor würde doch ganz gewiss nicht so verfolgt werden? Die wahre Geschichte erwies sich als faszinierende Mischung aus Klassenbewusstsein, Geld, Kunst und Fiktion, als Zusammenprall der Kulturen, der zeigt, dass die Erlebnisse irischer Einwanderer in Großbritannien etwas sind, von dem die herrschenden Klassen des Landes noch nicht so ganz genau wissen, wie sie damit umgehen sollen.

In den Jahren, in denen Duane John Healy filmte, änderte sich das Leben Healys allmählich. Der vergessene Mann wurde wiederentdeckt. "The Grass Arena" wurde neu aufgelegt, von einem amerikanischen Verleger gerettet, den die Intrigen, mit denen das System vorgab, das Buch hätte nie existiert, weder kümmerten noch bekannt waren. Der Oscar-prämierte Schauspieler Daniel Day-Lewis bot an, ein neues Vorwort für dieses Buch zu schreiben, das er schon seit langem schätzte. Eine neue Generation konnte John Healy düstere Geschichte hören und sehen, wie Schach und Meditation zu seiner ambivalenten Erlösung führten.

Als erster Film erzählt Barbaric Genius die Geschichte eines Mannes, dessen Reise ihn so weit nach unten geführt hat, wie man es sich nur vorstellen kann. Ein Mann, dessen Willensstärke ihm erlaubte, dem Schicksal zu entkommen, das ihm durch Armut und soziale Herkunft bestimmt zu sein schien. Ein Mann, der immer noch darum kämpft, sein eigenes, außergewöhnliches Leben zu verstehen, dessen tägliche Meditationspraxis manchmal alles ist, was ihn vor erdrückender Verzweiflung darüber bewahrt, wie seine viel versprechende literarische Karriere zerstört wurde.

Offizieller Trailer von Barbaric Genius, 2013

Die Filmemacher hatten Zugang zu Johns Archiven und haben Beweise zusammengetragen, die zeigen, dass Johns Paranoia auf sehr realer Grundlage beruht - eine raffinierte Verschwörung von Klasse und Bildung gegen einen Mann, dessen Aura von Gefahr ihn für kurze Zeit zur Mode gemacht hatte. Aber am Ende gehörte John Healy einfach nicht dazu und sein Schicksal war es, kalt lächelnd abgetan zu werden – wieder in das Vergessen gestürzt zu werden, dem zu entkommen er so hart gekämpft hatte.

"Packend" **** The Guardian – "Fesselnd" **** Sunday Times
"Überwältigend" **** Hot Press – "Ein Muss" **** London Evening Standard

Barbaric Genius wurde von Duane und Mary Carson für Screenworks produziert und mit Mitteln des Bord Scannán na hÉireann/ des Irish Film Boards (BSÉ/IFB) und RTÉ gefördert. Filmverleiher ist Wildcard Distribution.

Quelle: Barbaric Genius web site

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Barbaric Genius Teaser Trailer

John Healy: Nach dem Vergessen - Promo


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