Der Colle-Kosmos: Sicher und gut erklärt

13.11.2014 – Man muss nicht viel Theorie kennen, um mit Weiß ohne viel Risiko auf Gewinn zu spielen. Hat man so etwas vor, empfiehlt sich der Colle-Aufbau. Warum dieses System gefährlich ist, welche Ideen Weiß verfolgt und worauf beide Seiten aufpassen müssen, erklären Thomas Luther und Jürgen Jordan auf ihrer ChessBase-DVD "Einblicke in den "Colle-Kosmos". Rezension...

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Einblicke in den Colle-Kosmos: Thomas Luther und Jürgen Jordan
Fritztrainer Eröffnung: Amateur fragt Meister

Von Heinz-Willi Jansen (komm. Schulleiter an der Kath. Hauptschule Stadtmitte in Mönchengladbach)

Trainings-Videos: 4 Stunden 18 min., Interaktiver Abschlusstest mit Videofeedback
Exklusive Datenbank mit über 50 Musterpartien, mit CB 12 – Reader, 27,90 €

In der nachfolgenden Rezension konnte ich mich erneut mit der Idee der „Tandembildung“ bei Schachlehrgängen beschäftigen, will heißen: zwei routinierte Schachspieler (einer davon Thomas Luther, seines Zeichens Schachgroßmeister (ELO 2580 im Oktober 2014), der andere Jürgen Jordan, ambitionierter Verbandsligaspieler und gleichzeitig Chefredakteur der „Schach Zeitung“) moderieren ihr Video-Training gemeinsam. Reizvoll bei dieser Konstellation ist für mich der unterschiedliche Blickwinkel der Beiden, was auf alle Fälle dem Lernenden entgegenkommt.

Die vorgestellten Betrachtungen und Analysen bleiben nicht abgehoben auf „Großmeister-Niveau“, sondern durch die aktiven Einlassungen Jordans entsteht für den Betrachter eine wesentlich größere Nähe zu eigenen Denkprozessen, wenn ich denn unterstellen darf, dass wir potentiellen Käufer dieses Trainings nicht schon GM-Meriten erworben haben.

Der Aufbau der DVD ist, wie schon seit einiger Zeit von ChessBase propagiert, mit vielen multimedialen Elementen angereichert. Aktives Nach- / Mitspielen ist angesagt, ein interaktiver Abschlusstest mit vorhergehenden Übungen ist im pädagogischen Sinn hilfreich. Insgesamt liegen Videospielzeiten von etwa 4 1/2 Stunden vor, verbunden mit einer Musterdatenbank, die themenbezogen angelegt ist und manches schachliche Highlight zur Verfügung stellt. Wie vermutlich bekannt, muss ich allerdings die DVD zuerst mit Hilfe des beigefügten Codes freischalten / aktivieren, bevor ich die Clips anschauen kann.

Nun aber zu den inhaltlichen Aspekten: Was ist überhaupt der sogenannte Colle-Kosmos? Nun Edgard Colle, ein belgischer Profispieler mit etlichen großen Erfolgen, u.a. gegen Tartakower und Euwe, entwickelte im frühen 20. Jahrhundert ein System, das sich auszeichnete durch Einfachheit, immer wiederkehrende Bauernstrukturen und hohe Flexibilität gegenüber den unterschiedlichsten schwarzen Eröffnungsvarianten. Es machte das Gerücht die Runde, dass man als Weißer im Colle-System nur sehr schwer unter liegen könne - was sich natürlich empirisch nicht klar belegen ließ. Dennoch gab/gibt es viele, die es mit dieser Variante versuchten, jedoch finden sich auf welt- oder großmeisterlichem Niveau aktuell nur einige Spieler, die ernsthafte Analysen und Weiterentwicklungen des Colle betreiben.

Edgar Colle (18. Mai 1897 – 20. April 1932, Foto: Wikipedia)

Typisch für dieses System ist die nahezu immer ähnliche Positionierung der weißen Bauern auf c3, d4 und e3. Hinter dieser „Mauer“ können sich nachfolgend die Figuren sinnvoll entwickeln und somit zu einem positiv verlaufenden Mittelspiel entwickeln. Luther und Jordan zeigen uns in zahlreichen Kapiteln / Themenblöcken die wichtigsten Abfolgen, die sich für die beiden Gegner am Brett ergeben. Für den unerfahrenen Schachfreund ist dieses System ein kleines „Schlaraffenland“, es bietet vieles, was dem Lernenden entgegenkommt: problemloser, sicherer Stellungsaufbau, unkomplizierte und schnelle Figurenentwicklung, sowie die Überleitung in ein Mittelspiel, in dem man a priori ohne große Zwänge und Druck agieren kann. Wohl gemerkt: all dies ist keine Garantie für eine mit einem Sieg endende Partie! Die beiden Trainer zeigen an einer Reihe von schwarzen Entgegnungen Wege für Weiß auf, die vor allem dank der Hinweise von Jürgen Jordan auch jedem „Normalsterblichen“ einsichtig und somit spielbar erscheinen. So ist ein Schachtraining vor allem für Anfänger nachvollziehbar und beinhaltet einen hohen Lerneffekt.

Fazit: Auch dieser Lehrgang ist für mich überzeugend, nicht nur wegen der Qualität der Ausführungen der analysierenden Experten, sondern im Besonderen wegen der sehenswerten dialogischen Präsentation - ich wiederhole mich da sehr gerne, weil ich das Konzept der Produktion für richtungsweisend halte.

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