Deutsche Achse sorgt für Badener Erfolg

11.12.2007 – Das vergangene Bundesliga-Wochenende verlief für den OSC Baden-Baden mehr als perfekt. Trotz des Fehlens von Svidler, Shirov und Carlsen kam der Titelverteidiger zu zwei wichtigen 4,3:3,5-Erfolgen gegen die stark aufgestellten Nordvereine Werder Bremen und Hamburger SK. Der vielleicht stärkste Konkurrent im Kampf um den Titel, Werder Bremen, unterlag zudem im Kampf gegen Reisepartner Hamburg. Schließlich musste auch noch Mitkonkurrent Mülheim eine Niederlage hinnehmen. In seinem Kommentar aus Sicht des Meisters lobt Fabian Döttling die ausgezeichnete Betreuung in der VIP-Lounge des Weserstadions und die kampfstarke "deutsche Achse" seines Teams. Mehr...

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„Deutsche Achse“ stellt den Doppelerfolg des OSC Baden-Baden sicher
Von Fabian Döttling
Fotos: Frederic Friedel

Der OSC Baden-Baden kann auf ein in jeglicher Hinsicht absolut gelungenes Bundesligawochenende in Bremen zurückschauen. Die Mannen von Mannschaftsführer Sven Noppes konnte in den beiden Spitzenkämpfen der fünften und sechsten Runde die in Bestbesetzung angetretenen norddeutschen Mannschaften vom SV Werder Bremen und dem Hamburger Schachklub jeweils mit 4,5-3,5 bezwingen. Dabei waren es vor allem die deutschen Spieler, die allesamt +1 am Wochenende erzielten, die der Garant für den doppelten Erfolg des OSC waren.

Angereist sind wir wie üblich am Freitag. Da ich bereits um 17.00 Uhr im Bremer Hotel war, die anderen allesamt erst später ankamen, habe ich die nächsten drei Stunden, die mir noch bis zum gemeinschaftlichen Abendessen verblieben, darauf verwendet, den Kampf zwischen den beiden Reisepartnern Hamburg und Bremen im Bremer Weserstadion „auszuspionieren“. Dabei konnte ich schnell erkennen, dass beide Mannschaften nahezu in Bestbesetzung antraten. Bei Bremen fehlte zu diesem Zeitpunkt lediglich das Spitzenbrett Luke McShane. Obwohl die Bremer auf dem Papier favorisiert waren, zeichnete sich nach drei Stunden Spielzeit bereits eine Überraschung ab, da der Kampf, meiner Ansicht nach, insgesamt günstig für die Hamburger verlief. Das Ende des Kampfes konnte ich allerdings nicht abwarten, da ich mich gegen 19.30 auf den Weg zurück ins Hotel und zum gemeinschaftlichen Abendessen machte. Wir, d.h. Vishy Anand, Etienne Bacrot, Paco Vallejo, Arkadij Naiditsch, Peter Heine Nielsen, Rustem Dautov, Philipp Schlosser, Mannschaftsführer Sven Noppes, Hans-Walter Schmitt und ich, machten uns dann zum nahe gelegenen Griechen auf den Weg, wo wir dann auch exzellent verköstigt wurden. Später am Abend, beim Telefonat mit meiner Freundin, habe ich dann erfahren, dass Hamburg tatsächlich 4,5-3,5 die Bremer bezwingen konnte, womit außer dem OSC keine andere Mannschaft mehr verlustpunktfrei war.

Tags darauf mussten wir dann selbst ran, wobei wir ca. 2 Stunden vor Rundenbeginn erfuhren, dass das Spitzenbrett von Werder Bremen, der Engländer Luke McShane, noch angereist war, was die Vorbereitung auf die Gegner natürlich erschwerte.



Der Kampf an sich begann dann auch recht verheißungsvoll für den OSC. Vishy Anand erzielte am Spitzenbrett schnell spürbaren Druck gegen McShanes Berliner Verteidigung, Paco Vallejo erhielt schnell gegen Alexander Areshchenko eine vielversprechende Angriffsstellung während ich selbst problemlos am letzten Brett mit Schwarz gegen Gennadij Fish ausgleichen konnte und die Partie nach einem kleinen taktischen Scharmützel in einem remisen Endspiel und der Punkteteilung endete.



Es waren dann aber vor allem Rustem Dautov und Philipp Schlosser die ihre Gegner Tomi Nybäck und Vlastimil Babula sukzessive überspielten und schließlich den OSC in Führung brachten. Dass Vishy Anand derweil nach einer starken Verteidigungsleistung McShanes ebenfalls in die Punkteteilung einwilligen musste, war nicht schlimm, da auch Etienne Bacrot gegen Zahar Efimenko und auch Arkadij Naiditsch gegen Laurent Fressinet ihre Schwarzpartien remisieren konnten und der OSC somit bereits uneinholbar 4,5 Punkte auf der Habenseite vorweisen konnte. Dass Paco Vallejo später unglücklich verlor, hatte für den ungefährdeten OSC Erfolg somit lediglich ergebniskosmetischen Charakter.

Am Sonntagmorgen ging es dann gegen die andere norddeutsche Mannschaft, den Hamburger Schachklub. Diesen war im Vorjahr gegen unsere absolut beste Aufstellung ein für uns äußerst schmeichelhaftes 4-4 gelungen, weshalb auch in diesem Kampf besondere Vorsicht geboten war. Vishy Anand verbesserte am Spitzenbrett gegen Radek Wojtaszek im Slawen seine Partie gegen Levon Aronian aus dem Topturnier Linares/Morelia, in welcher er sich nach hartem Kampf dem Wahlberliner Aronian geschlagen geben musste, und erreichte bald das Unentschieden. Sämtliche deutsche Spieler, d.h. Arkadij Naiditsch, Rustem Dautov, Philipp Schlosser und ich, kamen schon bald in Vorteil. Auch in diesem Match sollten die Deutschen des OSC zum Garanten des Mannschaftserfolgs werden.

Mir blieb es gegen den Hamburger Youngster Niclas Huschenbeth vorbehalten, in einer für mich sehr viel Spaß und Freude bereitenden Partie den OSC in Führung zu bringen. Allerdings musste sich bald darauf der an diesem Wochenende sehr unglücklich agierende Paco Vallejo Lubomir Ftacnik geschlagen geben, nachdem er zunächst verheißungsvoll eine Qualität geopfert hatte, dann jedoch unglücklich fortsetzte, und sich schließlich in einem verheerenden Mattangriff des Slowaken wieder fand. Die Hamburger hatten somit zwischenzeitlich zwar ausgeglichen, doch bald darauf brachte die deutsche Nr. 1, Arkadij, uns erneut in Führung. Diese hielt dann auch bis zur letzten Partie an und war nie wirklich gefährdet. Philipp Schlosser remisierte nach wechselhaftem Verlauf gegen Oliver Reeh, während es im innerdänischen Duell zwischen Peter Heine Nielsen und Sune Berg Hansen wenig spektakulär ebenfalls zur Punkteteilung kam. Als letzter spielte Etienne gegen Jan Gustafsson. Unser Franzose besaß die ganze Partie über Vorteil und quälte seinen Gegner nahezu fünfeinhalb Stunden lang. Zwischenzeitlich besaß er wohl auch eine Gewinnstellung, wobei ihm, wie auch unseren anderen Legionären, an diesem Wochenende vergönnt war, eine Partie zu gewinnen. Am Ende stand somit also auch in diesem Kampf ein ungefährdetes 4,5-3,5 für den OSC.

Die Stimmung in der Mannschaft wurde dann noch besser, als die Nachricht eintraf, dass unser bis dato ärgster Verfolger Mühlheim gegen Tegernsee verloren hatte. Damit endete ein für den OSC vollauf gelungenes Wochenende, zu welchem auch die hervorragende Organisation der Bremer in der Business-Loge des Weserstadions, d.h. exzellente Spielbedingungen gepaart mit einem hervorragenden Catering, einen gehörigen Teil beitrug.

Viel Zeit den Erfolg zu genießen werden wir allerdings nicht haben, da es bereits nächstes Wochenende in Baden-Baden für uns weitergeht. Am Freitag werden wir ab 16.30 Uhr das Spiel gegen unseren Reisepartner SG Turm Trier bestreiten und Samstag und Sonntag werden der SK Godesberg und der SC Remagen zu Gast sein, um die aus der Novemberrunde aufgrund des Weltcups verlegten Spiele nachzuholen. Es ist davon auszugehen, dass die beiden „Westklubs“ ihre Stars Rustam Kamsindzhanov auf Seiten der Godesberger und Vassily Ivanchuk bei den Remagenern zum Einsatz kommen werden. Somit wird es auch nächstes Wochenende zu absoluten Spitzenschach im Firmengebäude der GRENKELEASING AG, am Neuen Markt in 76532 Baden-Baden kommen. Zuschauer sind natürlich herzlich willkommen (Eintritt: 3 Euro) und für eine großmeisterliche Live-Kommentierung wird auch gesorgt sein.

 

 

 


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