Drei Sergeys

06.05.2008 – Drei Spieler mit dem Namen Sergey gewannen die Medaillen bei der Europameisterschaft. Sergey Tiviakov war der einzige Spieler der Spitzengruppe, der in der letzten Runde noch eine Schachpartie spielte. Der Titel eines Europameisters war der Lohn. Alle anderen zogen es vor, das Turnier mit einem schnellen Remis zu beenden, wodurch sie zwar aus dem Rennen um den Titel waren, aber ihren Qualifikationsplatz für den World Cup sicherten, der bei einer Niederlage in Gefahr geraten wäre. Das seltsame System, mit dem die ECU die Europameisterschaft ausspielt - 11 Runden sollen über 320 Spieler angemessen klassifizieren -, sorgt für seltsame Effekte und hält die Spitzenspieler des Kontinents von diesem Wettbewerb fern. Sergei Movsesian und Sergey Volkov holten Silber und Bronze. Im Frauenturnier gewann Kateryna Lahno nach 2005 schon zum zweiten Mal den Titel. Nachklang mit Bildern...

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Drei Sergeys
Nachklang zur Europameisterschaft

Mit Sergey Tiviakov hat die Europameisterschaft einen etwas überraschenden Sieger gefunden. Schon mit der achten Runde litt die Spitze des Turnierfeldes, bzw. die Spieler, die sich dort widerfanden, unter starken Angstzuständen und quälte sich mit kurzen, teils sehr kurzen Remispartien, von Runde zu Runde. In der Schlussrunde passierte dann in der Spitzengruppe, die aus acht Spielern bestand, gar nichts mehr. Der einzige, der überhaupt eine Schachpartie spielen wollte, war Sergey Tiviakov. Nun gilt der Wahlniederländer mit Wohnsitz in Groningen nicht gerade als Mann, der nicht weiß, wie man das Wort "Remis" schreibt, allerdings beschränkten sich seine Anstrengungen bei der Europameisterschaft, eine Punkteteilung zu erzielen, auf die schwarzen Steine. Mit Weiß indes spielte er konzentriert auf Gewinn. So auch in der letzten Runde, als er mit Emil Sutovsky, Europmeister von 2001 und amtierender Vizeeuropameister, auch nicht gerade den leichtesten Gegner hatte. Sutovsky bekam Gelegenheit, sich mit eine von Tiviakovs Spezialwaffen auseinander zusetzen, dem 2.c3-Sizilianer. Schon ziemlich bald stand der Israeli ordentlich unter Druck und verlor schließlich einen Bauern. Der Gewinn der Partie war dann eine Angelegenen, die Tviakovs Endspieltechnik ohne große Mühe erledigte. So entschied die einzige ausgespielte Partie in der Schlussrunde die Europameisterschaft.

Die Remiskrankheit war bei früheren Europameisterschaften reine Männersache. Bei Frauenturnieren wurde indes bis zum Schluss gekämpft. Einige erinnern sich vielleicht noch daran, wie die als überlegene Siegerin schon lang fes stehende Tatiana Kosintseva sogar noch in der letzten Runde der Europameisterschaft Dresden im letzten Jahr auf Gewinn spielte. Dies sorgte für Erstaunen, auch wenn die Russin einen guten Grund hatte. Mit einem Sieg wollte sie ihrer Schwester ein besseres Ergebnis verschaffen. Inzwischen haben sich auch die Frauen schon soweit "professionalisiert", dass auch sie in den Schlussrunden auf "kräftesparende" Kurzremisen aus sind.





Da man mit Appellen an die Spieler nichts erreicht wird, kann die ECU nur mit einer Änderung der Regeln oder des Formats dieser hässlichen Erscheinung Herr werden. Im Prinzip ist das Beenden einer Partie per Kurzremis ja schon im Regelwerk untersagt. Hier werden Ergebnisabsprachen eindeutig verboten. Was anderes ist aber ein Kurzremis, dass nicht einmal zehn Züge dauert? Vielleicht sollte die ECU sich aber ein Format für seine Europameisterschaft suchen, das keine Kurzremisen fördert und zudem noch die Topspieler des Kontinents zur Teilnahme bewegt, damit das Turnier zu einer echten "Europameisterschaft" wird. Im Moment ist es nicht mehr als ein gut besetztes Open.

Nach dem eigentlichen Turnier, bzw. den beiden Turnieren, stand diesmal immerhin der Europameister fest. Im letzten Jahr musste selbst um den Titel zumindest bei den Männern noch gestochen werden. Diesmal wurde "nur" die Vergabe von Silber und Bronze im Stichkampf ermittelt, außerdem der größte Teil der Qualifikationsplätze.


Huzman und Golod

Bei den Männern setzte sich Sergei Movsesian als Silbermedaillengewinner gegen Sergey Volkov durch. Drei Sergeys also an der Spitze, wobei sich manche so, die anderen so schreiben. Es könnte aber auch umgekehrt sein.



Stichkampf um Silber und Bronze

Sergei Movsesian durchlebt zur Zeit einen Höhenflug, eilt von Erfolg zu Erfolg und wird vermutlich bald zu den +2700-Spielern gehören. Ursache sei, so hört man, dass er nun auch als Trainer aktiv ist, und sich deshalb auch mal intensiver mit Schach beschäftigt. Bisher lebte er fast ausschließlich von seinem Talent.


Eröffnungsansprache


Der bulgarische Verbandspräsident Sergiev
 


ECU-Chef Kutin


Pia Cramling und Begleitung


Sergey Tiviakov, Europameister



Im Frauenturnier siegte Kateryna Lahno zum zweiten Mal  nach ihrem Titelgewinn von 2005. Auch hier wurden die weiteren Medaillen im Stichkampf vergeben. Viktorija Cmylite gewann Silber, Anna Ushenina. Zum Sieg reichte Kateryna Lahno, die vor der Schlussrunde mit einem halben Punkt Vorsprung führte - ein Remis.





Über den Dächern von Plovdiv










Die bulgarischen Organisatoren in Plovdiv hatten die Europameisterschaft gut im Griff. Die übersichtliche Turnierwebseite war stets aktuell. Alle Partien wurden noch am gleichen für die Schachfreunde zum Herunterladen bereit gestellt. Dazu gab es Informationen und Bilder vom Turnier.


Dejan Bojkov

 

André Schulz
Fotos: Dejan Bojkov

 



Die bisherigen Europameister


Europameisterschaft
 

Jahr Ort Sieger
2000 Saint-Vincent Pavel Tregubov
2001 Ohrid Emil Sutovsky
2002 Batumi Bartłomiej Macieja
2003 Istanbul Surab Asmaiparashvili
2004 Antalya Vassily Ivanchuk
2005 Warschau Liviu-Dieter Nisipeanu
2006 Kusadası Zdenko Kozul
2007 Dresden Vladislav Tkachiev
2008 Plovdiv Sergey Tivyakov

Europameisterschaft der Frauen

Jahr Ort Siegerin
2000 Batumi Natalia Zhukova
2001 Warschau Almira Skripchenko
2002 Varna Antoaneta Stefanova
2003 Istanbul Pia Cramling
2004 Dresden Alexandra Kosteniuk
2005 Chisinau Kateryna Lahno
2006 Kusadası Ekaterina Atalik
2007 Dresden Tatjana Kosintseva
2008 Plovdiv Kateryna Lahno


 

Sergei Tiviakov   Sicilian with 2.c3 - Alapin Variation
I started playing the line 1.e4 c5 2.c3 in the Sicilian Defense as White in 1988. Since then I have employed it in more than 100 games, achieving a high performance score. My personal peak were the years 2005 - 2006, when I managed to win twelve 2.c3-games in a row. Yet I also know the other side of the coin – countless times I had to face this opening with Black when the opponents wanted to avoid my Dragon, for example during the World Candidates Match against Adams in New York in 1994....

 

Born in Krasnodar (Soviet Union), Sergei Tiviakov was a member of the Smyslov school and gained the titles of World Youth Champion at U16 and U18 levels. 1994 he represented Russia in the Chess Olympiads. Since 1997 Tiviakov has been living in Groningen (Netherlands). With his new home country he won the title in the European Teams Championships in both 2001 and 2005 and was victorious in the championship of the Netherlands in 2006 and 2007.


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