DSB-Kongress in Cottbus: Alle Fragen offen

02.06.2003 – Am vergangenen Wochenende tagte in Cottbus der Bundeskongress des Deutschen Schachbundes. Zwei im Vorfelde heftig diskutierte Anträge sollten zur Abstimmung gebracht werden: 1.Eine Strukturreform des Schachbundes mit dem Ziel, die Entscheidungswege durch Abschaffung oder Verkleinerung der Gremien zu verkürzen und Kosten zu sparen. 2. Die Einführung einer Quote für deutsche Spieler in den Bundesligen. In beiden Fragen wurden keine Abstimmungs-Ergebnisse erzielt. Mehr...

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Der Bundeskongress des Deutschen Schachbundes am 30. Mai in Cottbus
André Schulz

Die Strukturreform des Deutschen Schachbundes


Kenner der Strukturen und Entscheidungswege des Deutschen Schachbundes beschreiben diese als langsam, ineffizient und kostspielig. Gesteuert wird der Deutsche Schachbund von insgesamt drei Präsidien, einem Präsidium, geschäftsführenden Präsidium und einem erweiterten Präsidium (
Satzung des Deutschen Schachbundes...). Ziel der von den meisten im Prinzip mehr als notwendig erachteten Strukturreform sollte es sein, durch Abschaffung von Gremien, darunter die ständigen Referenten,  Kosten zu sparen und die Effizienz zu erhöhen. Im Wege einer neuen Satzung wurden eine Reihe von strukturellen Änderungen vorgeschlagen.

Die Präsidiumsebenen sollten wie folgt umgestaltet werden:

1. Das Geschäftsführende Präsidium wird unter Erweiterung um einen Vizepräsidenten zum neuen Präsidium und erhält zusätzliche Aufgaben.
2. Das Präsidium wird abgeschafft; damit kann der Begriff für das bisherige Geschäftsführende Präsidium verwendet werden.
3. Das Erweiterte Präsidium wird verkleinert und erhält zusätzliche Aufgaben.
4. Die Ständigen Kommissionen werden mit drei Ausnahmen (Kommission für Leistungssport, Bundesspielkommission und Kommission Breitenschach) abgeschafft.

Vergleich der bisherigen Satzung mit der vorgeschlagenen neuen Satzung (Word-Dokument)...
(Quelle: Download des Niedersächsischen Schachverbandes)

Von mehreren Seiten wurden schon vor dem Bundeskongress öffentlich Bedenken vorgetragen. In der Rochade (Ausgabe 6, S.15) schreibt Joachim Neander u.a.:

... "Das neue Erweiterte Präsidium mit Präsidium, sämtlichen Landesvorsitzenden, dem DSJ-Vorsitzenden, dem Sportdirektor und dem Referenten für Breitensport, ist dagegen ein zu groß geratener Zwitter, um das hässliche Wort Missgeburt zu vermeiden. Einerseits sind außer der Schachjugend, dem Sportdirektor und dem Breitensport damit alle Fachreferenten mit ihrer speziellen Kompetenz aus der der ersten Führungsebene verbannt worden. Andererseits steht das Erweiterte Präsidium unter den Organen des DSB künftig hinter dem Bundeskongress noch vor dem dem Präsidium an zweiter Stelle. Es ist also gleichzeitig Superregierung und Aufsichtsrat und kontrolliert sich (...) in der Person der Landesvorsitzenden praktisch selbst."

Ähnlich äußerte sich der frühere Präsident des Deutschen Schachbundes Egon Ditt: Egon Ditt zur Strukturreform...

Die Deutsche Schachjugend und die mit vielen Turnieren aktiven Vertreter des Seniorenschachs sahen sich durch die Einzelheiten der Reform in ihren Wirkungsmöglichkeiten eingeschränkt und erhoben Protest.


Die Einführung einer Quote für Deutsche Spieler in der Bundesliga

Als zweiter wichtiger Tagesordnungspunkt wurde der Antrag auf Änderung der Turnierordnung der Bundesliga angesehen. Infolge des Bosman-Urteils wurden auch in der Deutschen Schachbundesliga seinerzeit die Rechtsauffassung der EU für das Arbeitsrecht durchgesetzt, deren zentraler Punkt die uneingeschränkten Arbeitsmöglichkeiten von EU-Bürgern in allen EU-Mitgliedsstaaten ist. Danach ist die einzig die Zahl der Spieler aus Nicht-EU-Staaten auf zwei begrenzt, die Anzahl der Spieler aus EU-Staaten unbegrenzt.


Im Vorfeld des Bundeskongress gab es zwei Initiativen zur Einführung einer Quote für Deutsche Spieler in den Teams der Ersten Bundesligen. Der Verband Sachsens wollte folgenden Antrag stellen:

„In der Deutschen Mannschaftsmeisterschaft müssen in jedem Wettkampf mindestens 50% der eingesetzten Spieler deutsche Staatsangehörige sein.“

Dieser Antrag war bereits im Januar schon von der Bundesspielkommission abgelehnt worden, hätte aber beim Bundeskongress in Cottbus erneut zur Diskussion gestellt werden können. Der Verband Sachsens zog den Antrag später zugunsten eines vermeintlich ähnlichen Antrags des Thüringer Verbandes zurück.

Der Verband Thüringens brachte folgenden Antrag zur Abstimmung vor:

„Zum Wettkampf müssen in jeder Mannschaft mindestens 51% der Sportler deutsche Spieler sein. Als deutsche Spieler gelten diejenigen, welche nach der Bekanntgabe des Weltschachbundes (FIDE) offiziell für den Deutschen Schachbund registriert sind."

Der Sprecher der Bundesliga Christian Zickelbein kommentierte diesen Antrag u.a. folgendermaßen:

... So wird z.B. gern übersehen, dass der Thüringer Antrag gar nicht notwendig zu mindestens fünf Deutschen in jeder Mannschaft führen muss, sondern dass er durchaus zum Ziel haben oder doch dazu verwendet werden kann, Ausländern – unabhängig von ihrer Nationalität – eine Spielberechtigung in der Bundesliga zu verschaffen, indem sie sich in die deutsche FIDE-Liste eintragen lassen. ..."

und hoffte:

"Der Kongress in Cottbus wird die Problematik hoffentlich ernsthaft erörtern und sich nicht von Stimmungen, sondern von der Vernunft leiten lassen, zumal er mit der Strukturreform des DSB eine weitere Mammutaufgabe zu lösen hat. Die Tagung der Bundesliga-Vereine am 21./22. Juni in Kassel wird die Diskussion fortsetzen und zu einem Agreement der Vereine des 1. Bundesliga führen, das nach der Beratung auch in der Bundesspielkommission (so es sie denn noch geben wird) Grundlage einer künftigen Turnierordnung der Bundesligen werden kann, die nicht zwangsläufig zu einem Niveauverlust führen muss."

Ergebnisse des Bundeskongress

Der Kongress diskutierte im Laufe der 13-stündigen Sitzung fast ausschließlich die vorgeschlagene neue Satzung des Deutschen Schachbundes. Dabei wurde nicht die Notwendigkeit einer Reform bestritten, sondern die Änderungen im Detail kontrovers diskutiert. Viele Reformgegner meldeten sich zu Wort, darunter die früheren DSB-Präsidenten Alfred Kinzel und Egon Ditt, Vertreter der Deutschen Schachjugend und des Seniorenschachs. Schon vor dem eigentlichen Kongress wurde die neue Satzung in einer Sitzung des Präsidiums mit 12:3 Stimmen deutlich abgelehnt. Der Bundeskongress hat die neue Satzung nicht verabschiedet.

Erst am Ende des Sitzungstages kam der Antrag auf Änderung der Turnierordnung zur Diskussion. In dieser Frage hatte es vorab eine Reihe von Veröffentlichungen gegeben (s. www.schachbundesliga.de). Nachdem schon im Vorfeld des Bundeskongress klar wurde, dass der Landesverband NRW nicht für den Antrag stimmen und dieser keine Mehrheit finden würde, wurde von Seiten des Antragsstellers noch einige Ergänzungen eingebracht (Deutschen Spielern gleich gestellt ist, wer einen gültigen Arbeitsvertrag, eine gültige Aufenthaltserlaubnis hat...). Kritiker des Antrages betonten auch, dass in diesem nicht ausgearbeitet worrden war, welche Regelungen für die unteren Ligen gelten sollten.

Nach einigen wenigen zugelassenen Wortmeldungen wurde der Antrag zur Bearbeitung an den Bundesliga-Ausschuss weiter gereicht.


Vorab-Info des Deutschen Schachbundes zum Bundeskongress
Norbert Heymann

In das Präsidium wurden gewählt:

Alfred Schlya (Präsident),
Heinz-Jürgen Gieseke (Vizepräsident - Vertreter des Präsidenten),
Siegfried Wölk (Vizepräsident),
Michael Langer (Schatzmeister),
Reinhold Kasper (Sportdirektor),
Klaus Deventer (Referent für Leistungssport),
Hajo Gnirk (Referent für Seniorenschach),
Norbert Heymann (Referent für Öffentlichkeitsarbeit),
Dr. Hans-Jürgen Hochgräfe (Referent für Aus- und Weiterbildung),
Jürgen Dammann (Referent für Datenverarbeitung),
Joachim Fleischer (Referent für Wertungen),
Ernst Bedau (Bundesrechtsberater).

Nicht besetzt werden konnten die Referate für Frauenschach sowie Breiten- und Freizeitsport. Als Rechnungsprüfer wurden gewählt: Eberhard Hallmann, Ingo Thorn; Stellvertreter: Hans-Jürgen Dorn.

Die vorgelegte neue Satzung mit der darin enthaltenen Strukturreform wurde nicht verabschiedet. Der Antrag zur Änderung der Turnierordnung („In der Deutschen Mannschaftsmeisterschaft müssen in jedem Wettkampf mindestens 50 % der eingesetzten Spieler deutsche Staatsangehörige sein.“) des Schachverbandes Sachsen wurde an den Bundesliga-Ausschuss verwiesen. Bericht folgt.

 

 

 

 

 


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