Egon Ditt verstorben

06.07.2005 – Gestern verstarb nach langer Krankheit Egon Ditt (29.5.1931-5.Juli 2005). Von 1989 bis 2001 leitete der FIDE-Meister und langjährige Bundesligaspieler als Präsident die Geschicke des Deutschen Schachbundes. Wegen seiner starken beruflichen Belastung als Senatsrat des Landes Bremen musste sich Ditt mehr und mehr vom Turnierschach zurückziehen und wandte sich dem Fernschach zu, wo er mit der Nationalmannschaft bei Welt- und Europameisterschaften Vizemeister wurde. Mit Egon Ditt verliert die Schachwelt eine herausragende Persönlichkeit. Die Mitarbeiter von ChessBase schmerzt der Verlust eines langjährigen Freundes und Anwenders der ersten Stunde besonders. Egon Ditt wurde 74 Jahre alt. Mehr...

Als Präsident des Deutschen Schachbundes, ein Amt, das er 1989 antrat, war Egon Ditt hoch geachtet. Vielleicht lag das auch daran, dass Ditt selber lange Jahre aktiver Turnierspieler war. Mit dem Titel eines FM und einer Spielstärke von etwa 2300 ausgestattet, hatte Ditt lange Jahre in der ersten Mannschaft des Delmenhorster Schachklubs gespielt und kannte die Gegebenheiten bei Turnieren etc, aus erster Hand. In seiner beruflichen Laufbahn war der Verwaltungsfachmann und Bremer Landesbeamte bis zum Senatsrat, dem zweiten Mann hinter dem Senator, aufgestiegen und verantwortlicher Vertreter des Senats von Bremen bei der Universität Bremen und der Hochschule für Künste in Bremen und Bremerhaven.

Wegen zunehmender beruflicher Inanspruchnahme musste Egon Ditt sich aus dem Turnierschach zurückziehen und wandte sich dem Fernschach zu, wo er mit der Nationalmannschaft bei Welt-und Europameisterschaften  erfolgreich war. Im Jahre 1959 hatte Ditt seine Ehefrau Jutta geheiratet, die selber mehrfache Bremer Meisterin gewesen ist. Ein anderer Wegbegleiter Egon Ditts war Hans Koschnick. Beide saßen sich 1949 als Jugendliche, Ditt ist 18 Jahre alt, Koschnick Anfang Zwanzig, bei den Bremer Jugendmeisterschaften gegenüber. Wie Ditt wurde Koschnick Verwaltungsbeamter. Später machte er als Bremer Senatspräsident (1967-1985) Karriere.

Egon Ditt gegen Hans Koschnick...

Neben seiner Schachkenntis zeichnete sich Egon Ditt durch große sprachliche Gewandtheit und diplomatische Fähigkeiten aus. Als die deutsche Nationalmannschaft 1988 zu einem Vergleichskampf mit der DDR nach Potsdam reiste, war Ditt Delegationsleiter, auch in seiner Eigenschaft als Vertreter des Senats von Bremen, denn der Vergleichskampf hatte auch viele politische Nebentöne. Zur Eröffnung hielt für die westdeutsche Delegation eine Rede, die die DDR-Spieler tief beeindruckte: einen so gewandten Redner in der Schachszene hatten sie bisher nicht erlebt.

Als der Lauf der Geschichte später dem Deutschen Volk die Wiedervereinigung bescherte, mussten auch die Sportverbände der beiden deutschen Staaten zusammen geführt werden. Während das in manchen Verbänden zu einigen Spannungen führte, war die Vereinigung der beiden deutschen Schachverbände unter Egon Ditt ein sanfter Prozess, der sich fast wie von selbst vollzog.

Mit seinen großen organisatorischen und fachlichen Fähigkeiten ausgestattet, fühlte sich Ditt auch auf dem rutschigen Parkett der FIDE-Politik sehr wohl. Als Persönlichkeit war er außerordentlich integer und loyal und strahlte diese Eigenschaft auch nach außen sichtbar aus, wodurch er überall schnell Vertrauen erzeugte. Seine ausgleichende Natur hinderte ihn jedoch nicht, die Ziel, die er für richtig hielt, mit Nachdruck zu verfolgen.

Für seine Leistungen erhielt Egon Ditt von der Bundesrepublik Deutschland das Bundesverdienstkreuz.

Im Jahr 2001 trat Ditt aus Altersgründen als Präsident des Schachbundes zurück. Im Mai 2001 hatte sein Vorgänger im Amt Alfred Kinzel (+ 17.8.2004) anlässlich des 70sten Geburtstages des scheidenden Präsidenten eine Laudatio gehalten, in der die Leistungen des Jubilars gewürdigt wurden und die viele Einzelheiten aus dessen beruflichen und schachlichen Werdegang enthielt. Im Folgenden ist diese Rede abgedruckt.

André Schulz

 


Egon Ditt mit Ehefrau Jutta

Egon Ditt und Matthias Wüllenweber beim
Abschluss eines Kooperationsvertrages
 

Egon Ditt und Anatoly Karpov

Auf der 125-Jahr-Feier des deutschen Schachbundes


 

Laudatio auf den scheidenden DSB-Präsidenten Egon Ditt
Von Alfred Kinzel auf dem DSB-Kongress in Coburg am 26.5.2001 gehalten

Meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Schachfreunde,

als ich zurückblickte, um die Stationen und Details im Leben unseres Präsidenten Egon Ditt schildern zu können, musste ich erkennen, dass es schwierig ist, die vielen, vielen Bereiche, in denen er tätig war und ist, in einer kurzen Abhandlung kundzutun.

Zwar könnte ich Lebensbereiche, Handlungen und Leistungen kalendermäßig zusammenstellen und vortragen, doch was sagen diese allein schon aus?

Getroffene Maßnahmen und Entscheidungen, erzielte Erfolge, aber auch aufgetretene Schwierigkeiten, ja sogar Widerstände, sind immer verbunden mit den Umständen und den Ereignissen der jeweiligen Zeit. Sie bedürfen der Erläuterung, um verstanden zu werden.

Lassen Sie es mich versuchen, Ihnen einen Abriss des Menschen, des Schachspielers und des Schachorganisators Egon Ditt vorzutragen:

Aufgewachsen in Bremen, erreichte er in seinem Berufsleben als Beamter sehr bald den Titel eines Senatsrats. In dieser Funktion war er verantwortlicher Vertreter des Senats von Bremen bei der Universität Bremen und der Hochschule für Künste in Bremen und Bremerhaven. In seinem Amt war er zuständig für Forschungsinstitute, Theater, Museen, das Philharmonische Orchester, Archive, Jugend- und Volksmusikschule sowie für Bibliotheken und Denkmalspflege.

Die Interessen des Landes Bremen nahm er außerdem wahr bei der Kultusministerkonferenz, beim Wissenschaftsrat, bei der Bund- und Länderkommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung, ferner in den Aufsichtsräten für Film und Bildung und in Wissenschaft und Unterricht.

Meine Damen und Herren, wenn Sie nur diese hier vorgetragenen Bereiche nehmen, in denen Egon Ditt tätig war, kommen Sie sicherlich mit mir zu der Erkenntnis, dass der Deutsche Schachbund eine Führungspersönlichkeit in seinen Reihen hat, deren beruflicher Lebensabschnitt von hoher Bildung und Kultur geprägt ist.

Wenden wir uns nun dem Schachspieler Egon Ditt zu.

Seit 1946 ist er Mitglied im Schachklub Bremen-Ost und im Delmenhorster Schachklub. Egon Ditt ist FIDE-Meister mit der Elo-Zahl 2305. Als Spieler gewann er regionale Meisterschaften und kleinere internationale Turniere. Als ständiges Mitglied der 1. Mannschaft des DSK nahm er – bei einer hohen Gewinnquote – an 196 Mannschaftswettkämpfen teil. Außerdem war er Teilnehmer bei mehreren deutschen Kandidatenturnieren und einer deutschen Meisterschaft.

Wegen seiner hohen beruflichen Belastung konzentrierte sich Egon Ditt immer mehr auf das »Fernschach« . Er ist Fernschachmeister mit der Fernschach-Elo-Zahl 2500; nahm an Kandidatenturnieren zur Fernschach-Weltmeisterschaft teil, spielte in Endrunden zur Europa-Mannschaftsmeisterschaft und zu mehreren Fernschach-Olympiaden. Hierbei erreichte er mit der Mannschaft des Deutschen Schachbundes die Vize-Europa-Meisterschaft und die Vize-Weltmeisterschaft mit dem persönlichen Ergebnis: 11 Partien gewonnen, 6 Partien remis und keine Partie verloren!

Schachorganisation: Bis zu seiner Berufung als Präsident des Deutschen Schachbundes war Egon Ditt in seinen Vereinen und im Schachverband Weser-Ems organisatorisch gebunden als Jugendwart, Schriftführer, Pressewart, Kassenwart, Turnierleiter und Vorsitzender. Auch hier müssen wir erkennen, dass Egon Ditt alle klassischen Felder der Vereins- und Verbandsarbeit erlebte und gestaltete.

Bevor wir nun zu Egon Ditt als Präsident des Deutschen Schachbundes kommen, lassen Sie mich noch anmerken: Egon Ditt heiratete im Jahr 1954 seine Frau Jutta. Frau Ditt ist 5malige Bremer Schachmeisterin und Teilnehmerin an zwei deutschen Damenmeisterschaften. Sie war ihm stets Stütze und auch berufene Ratgeberin, die man als Spitzenrepräsentant immer benötigt, wenn man erfolgreich sein will. Wir fast alle hier im Saal wissen um den Wert des Rates, der von einem Lebenspartner kommt.

Liebe Frau Ditt, ich darf Ihnen nun einen kleinen Frühlingsstrauß überreichen, in der Hoffnung, dass Sie noch sehr, sehr lange den neuen Lebensweg mit Egon gehen und auch mitgestalten.

Während seiner Tätigkeit als Präsident des Deutschen Schachbundes war Egon Ditt eingebettet in vier große Strömungen unserer Zeit:

  1. In die Zusammenführung des Deutschen Schachverbandes der DDR mit dem Deutschen Schachbund.
  2. In die Um- und Neugestaltung des deutschen Schachlebens.
  3. In die enorm veränderten Funktionen im Weltschachbund und, darin eingebunden, die der Europäischen Schachunion.
  4. In den Wirbelsturm der Veränderungen auf dem Gebiete der Kommunikation, mit einem ganzen Bündel neuer Technologien.

Der Vereinigungsprozess: Keine Angelegenheit gibt es, die schwieriger zu behandeln, zweifelhafter im Gelingen und gefährlicher zu leiten ist, als die Einführung einer neuen Ordnung. Schachspieler, gleich ob Spieler oder Organisator, haben den Wandel im Allgemeinen noch nie besonders geschätzt und sind neuen Gestaltungen gegenüber nur schwer zugänglich. Sie lieben das Beständige.

Als hohes Ziel der Vereinigung sah es Egon Ditt an, das Selbstgefühl und die Selbsterfahrung unserer Schachfreunde in den neuen Bundesländern zu beachten. Auf der Führungsebene gab es in beiden Verbänden vorbereitende Gespräche und Maßnahmen im internen Bereich. Nach einem eingehenden Gedankenaustausch zwischen den Präsidenten beider Verbände, Egon Ditt und Dr. Michael Schmidt, entwickelte sich die Idee, eine Vereinigung beider Schachverbände noch im Jahr 1990 anzustreben und vorzubereiten. In vielen Einzelgesprächen in Berlin, Dresden und Leipzig wurden die Grundlagen für einen Zusammenschluss beider Verbände geschaffen. Am 29. September 1990 beschloss ein gemeinsamer Kongress in Leipzig die Zusammenführung beider Verbände. Stil und Tempo hatten sich bewährt.

Doch lassen Sie mich diesen Komplex nicht verlassen, ohne Folgendes hinzu zu fügen: Im Deutschen Schachbund gibt es keine »Ossis« und »Wessis«. Wir sind die große Schachfamilie in Deutschland und lassen uns durch nichts auseinanderbringen.

Die Gestaltung des deutschen Schachlebens unter Führung von Egon Ditt ist so vielseitig, dass ich mich in der Zusammenfassung nur stichwortartig äußern kann. Sein Genie besteht einfach darin, dass ihm, für viele Vorhaben, etwas Selbstverständliches zum ersten Mal einfiel.

Die Gedanken, die ihn trugen und zum Handeln veranlassten, zeichnen sich als Richtschnur für sein Prinzip deutlich ab: Eine Idee aufgreifen, sie im losen Gespräch publik machen, Gemeinsamkeiten in der Diskussion erarbeiten, die gewonnenen Erkenntnisse in einem schriftlichen Antrag formulieren, um ihn schließlich dem zuständigen Gremium zur Entscheidung vorzulegen. So einfach – und doch so schwer – ist so etwas.

Aus der Vielzahl »Dittscher« Aktivitäten will ich nur zwei – von unzähligen Vorhaben – nennen, besonders deswegen, weil sie seine ganze Arbeitskraft forderten:

Egon Ditt als Leitfigur des Präsidiums des Deutschen Schachbundes und Egon Ditt als Vorsitzender und Mittler des Erweiterten Präsidiums des DSB.

Der Präsident wurde getragen im Präsidium von einem großartigen Team, bestehend aus technisch und taktisch versierten Vizepräsidenten und Schatzmeister, hoch qualifizierten Referenten sowie von hauptamtlichen Mit- und Zuarbeitern, an deren oberster Stelle der Geschäftsführer sowie, im sportlichen Bereich, der Bundestrainer standen.

64 Seiten Drucktext in den heutigen Kongressunterlagen (die Seiten 17–81) sind der Ausdruck gemeinsamer und individueller Leistungen des Präsidiums unter Führung von Egon Ditt.

Das Erweiterte Präsidium ist heute ein gut funktionierendes Regulativ der Landesverbandsvorsitzenden bzw. der Mitgliedsverbände und des Präsidiums, mit dem Ziel, schachliche Aktivitäten miteinander abzustimmen, um diese gegebenenfalls dem Kongress des Deutschen Schachbundes zur Entscheidung vorzulegen.

Die Harmonie in diesem Gremium war nicht immer vorhanden. Auf dem Höhepunkt mancher Missverständnisse berief Egon Ditt 1998 eine Kommission nach Rostock ein; ein Team, bestehend aus vier Vertretern der Mitgliedsverbände und vier Vertretern des Präsidiums.

Ziel des Gespräches war es, die Zusammenarbeit zwischen Bund und Mitgliedsverbänden sowie innerhalb der Organe des DSB, wie sie sich nach der Satzungsreform 1993 ergeben hat, zu analysieren und zu bewerten sowie Vorschläge für weitere Verbesserungen zu entwickeln.

Das Gespräch fand in guter Atmosphäre statt und war vom Willen aller Beteiligten getragen, eine positive Weichenstellung für das deutsche Schach zu erreichen.

Wieder einmal erntete Egon Ditt die Früchte seines Engagements. Der Zünder in ihm ist sein Elan, sein Bestreben, Spannungen abzubauen und sich für etwas einzusetzen, dass er als richtungweisend erkannt hat.

Und was tat der Präsident Egon Ditt noch?

Er nahm teil an Kongressen und Generalversammlungen der Landesverbände; er besuchte Bundesligawettkämpfe und war auch Spieler dieser Disziplin; wir sahen ihn bei Großmeisterturnieren, Länderwettkämpfen, Kandidaten-Wettkämpfen, Mitropacup-Treffen, Deutschen Meisterschaften, Frauenveranstaltungen und Jugendversammlungen. Er nahm Ehrungen vor und war Gast bei Eröffnungs- und Abschlussveranstaltungen im großen Bogen der Vereinsebene bis zur Schach-Weltmeisterschaft und zur Schach-Olympiade. Beachtlich war auch seine Mitwirkung in Arbeitsgruppen des Deutschen Schachbundes mit Spezialthemen. Alles in allem: Ein rastloser und erfolgreicher Einsatz des Präsidenten Egon Ditt im Interesse des deutschen Schachs.

Die Aktivitäten des Präsidenten Egon Ditt im Weltschachbund und in der Europäischen Schachunion: Die von 30 Schachländern 1924 in Paris gegründete FIDE umfasst heute 159 Mitgliedsverbände und circa 5 Millionen Schachspielerinnen und -spieler.

Die FIDE ist angetreten unter dem Leitspruch – GENS UNA SUMUS – (Wir sind eine Familie). Doch wie sieht diese Familie aus? Die wirtschaftlichen Unterschiede in den Ländern der Schachwelt, die schreiende Ungerechtigkeit und die ungeheure, extreme Armut, der ein ebenso extremer Reichtum gegenübersteht, verursachen vielfältig Spannungen und Konflikte in der FIDE.

Egon Ditt ging in den Tagungen des Weltschachbundes unerschrocken und zugleich vorsichtig ans Werk. Er besitzt hervorragende Kenntnisse des Weltschachs und seiner Probleme, die er sich in Einzel- und Tischgesprächen mit den Repräsentanten der FIDE sehr schnell erwarb.

Seine Sachkenntnisse führten dazu, dass er in hohe Ämter der FIDE gewählt wurde, so zum Vizepräsidenten dieser Weltorganisation, zum Mitglied des Exekutivrates der FIDE und später zum Schatzmeister der Europäischen Schachunion.

Egon Ditt verstand es, ein Image der Unparteilichkeit zu erzeugen. Seine Bedeutung besteht aber nicht darin, nur Informationen zu koordinieren. Was ihn auszeichnet, ist die Fähigkeit, Ideen zu entwickeln, zu vertiefen und umzusetzen.

Dies führte in der FIDE dazu, dass immer dann, wenn sich Diskussionen festgefahren hatten, der Ruf nach Bildung einer kleinen Arbeitsgruppe von drei bis vier Personen zur Lösung des Problems erscholl. Auf der Vorschlagsliste hierzu stand fast immer der Name Egon Ditt. So in diesem Jahr in Zürich; zur Frage der Aufnahme der FIDE in den olympischen Kreis und in London, zur Änderung der Spielzeiten im schachsportlichen Bereich. Bei der umfangreichen Thematik innerhalb der FIDE scheiterte der Versuch, Egon Ditt im Erfolgsfall mit Vorteilen zu locken. Hier hielt es Egon Ditt mit Bertolt Brecht, der da sagte: »Ein Mann seltener Art – Unkäuflich«!

Der Europäischen Schachunion gehören 53 Mitgliedsstaaten an. Im Verbund mit unserem Geschäftsführer Horst Metzing, der die Funktion des Generalsekretärs der Europäischen Schachunion einnimmt, gelang es, das Generalsekretariat der ECU nach Berlin zu verlegen.

Eine großartige und bemerkenswerte Auszeichnung für den Deutschen Schachbund, bemerkten bei der Einweihung der Geschäftsstelle Ende letzten Jahres unser Innenminister Otto Schily, der Präsident des Deutschen Sportbundes, Manfred von Richthofen und viele hohe Ehrengäste des In- und Auslandes.

Neue Technologien: Egon Ditt erkannte frühzeitig, mit fast seismographischem Gespür, dass wir uns im Übergang und Entstehungsstadium einer neuen Gesellschaft befinden, die sich von der heutigen Gesellschaft ähnlich fundamental unterscheidet wie die Welt nach der industriellen Revolution.

Wir stehen mit offenem Mund da, wenn unsere Kinder und Enkel sich der neuen Mediensprache bedienen. Bei ihnen ist jede Veranstaltung ein EVENT, jedes Treffen ein DATE. Sie besuchen GAME-SHOWS und gehen zum SHOPPING. Sie senden uns E-MAILS und SURFEN im INTERNET. Wenn man nicht weiß, was SOFT- und HARDWARE bedeutet, ist man ein DAN, der nicht einmal einen PC bedienen kann. Lassen Sie es mit der Aufzählung dieser Anglizismen genug sein.

Fazit: Nicht nur Egon Ditt musste lernen, um diese Entwicklung im Schach zu steuern. Wir alle – ob wir wollen oder nicht – müssen uns der veränderten Situation in unserem Schachleben anpassen. Sollte jedoch jemand glauben, dass ich hinsichtlich der Anglizismen etwas übertrieben habe, dem empfehle ich, das Rundschreiben des Referenten für Datenverarbeitung, Jürgen Dammann, vom 13. April d. J. zum Thema »Angebot MIVIS« zu lesen.

Von großer Bedeutung war für Egon Ditt der Umgang mit Vertretern der Medien. Ein immer größerer Kreis von Spielern und Organisatoren wird durch die Presse, insbesondere durch Fachzeitschriften, der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Medien stellen einen wichtigen Faktor im Meinungsbildungsprozess und im Denken des Einzelnen dar. Egon Ditt hatte gute Kontakte zur Presse, aber auch zum Fernsehen, und half, Schach populär zu machen. Höhepunkt dieses Vertrauensverhältnisses war die oftmalige Verleihung des Medienpreises des Deutschen Schachbundes.

Hier nun doch noch ein statistischer Superlativ: Die Reisen des Egon Ditt.

Mir lag ein 15seitiges, engzeilig beschriebenes Papier des Präsidenten Egon Ditt über seine, in der Amtszeit als Präsident, schachbezogenen Reisen in Deutschland, in Europa und in der übrigen Welt vor. Insgesamt war er in Deutschland in 94 Städten präsent. Sie werden verstehen, dass ich sie nicht aufzählen kann.

In Europa besuchte Egon Ditt folgende Städte in 16 Ländern: er war in Paris, Budapest, Saloniki, Lyon und Madrid, in Bled, Brüssel, Linares, Athen und Wijk aan Zee, in Riga, Warschau, auf Korfu und Rhodos, in Delphi, Apeldoorn, Barlinek und Amsterdam, in Istanbul, Groningen, Luzern, Moskau und Venlo, in Lausanne, Elista, Den Haag, Novi Sad und Erewan, in Zürich, Utrecht, Belgrad und London, in Graz, Pula und Portoroz und schließlich – vielleicht hilft hier ein Atlas – in Cap Agde (Frankreich, in Nähe der Pyrenäen), in Kishinev (Moldawien), in Litohoro (Griechenland) und in Batumi (Georgien).

In anderen Erdteilen war Egon Ditt zu Schachveranstaltungen unterwegs in Kanada, USA, Puerto Rico und Argentinien. Innerhalb Asiens war er in Hongkong, auf den Philippinen, in Indien und den arabischen Emiraten. In Afrika war Kairo sein Reiseziel. Mehrere der genannten Orte besuchte er zwei- bis dreimal.

Bei seinen Reisen benutzte er 174-mal die Eisenbahn, 83-mal reiste er mit dem Flugzeug und 120-mal war er mit dem Pkw unterwegs. Insgesamt waren es 377 Reisen, an 1.041 Tagen, mit einer zurückgelegten Strecke von 499.945 km. Mit der Fahrt von Bremen hierher nach Coburg überschritt er die halbe Million Reisekilometer. Fürwahr: Eine Mammutleistung, die nicht nur hohe und vielseitige Qualität erforderte, sondern auch eine robuste physische Kondition.

Als Schlussfolgerung des heute hier Gesagten gibt es im Schachleben des Präsidenten Egon Ditt einen roten Faden, dem eine Reihe von Fähnchen – besser – Eigenschaften, beigeordnet sind: Egon Ditt besitzt Kreativität und weckt Fantasie. Er ist klug und erfahren, arbeitet mit großem Fleiß und mit Akribie, zeigt Verständnis und Fürsorge, übt Solidarität, motiviert Kollegen und Mitarbeiter, hat Geduld – bis zur Engelsgeduld –, besitzt Originalität und Zivilcourage, versteht es, Disharmonien aufzulösen und beachtet Recht und Ethik. Zusammengefasst: Präsident Egon Ditt, 1996 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet, war und ist eine große Führungspersönlichkeit. Er entspricht dem Leitbild der sportpolitischen Klasse! Lieber Egon, mir bleibt zu sagen: Hab' Dank für Deine großartige 12-jährige Amtszeit als Präsident des Deutschen Schachbundes. Meine Damen und Herren, ich danke Ihnen für Ihre Geduld, mir zuzuhören.

Alfred Kinzel
 

(Quelle: Schachbund)

 

 


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