"Ein Meisterwerk, Herr Müller!"

15.02.2014 – Mit der kürzlich erschienenen DVD "Endspiele 14 - Goldene Endspielregeln" hat Karsten Müller seine Endspielreihe komplettiert und abgerundet. Lukas Wedrychowski hat sich die DVD mit einem lachenden und einem weinenden Auge angesehen. Seine Rezension nutzt er zugleich, um dem Endspielexperten für seine einzigartige Reihe danke zu sagen. Mehr...

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Karsten Müller: Endspiele 14 - Die goldenen Endspielregeln

Rezension von Lukas Wedrychowski

Meine heutige Rezension muss ich mit einer guten und einer schlechten Nachricht beginnen. Da meiner Meinung nach die gute letzten Endes überwiegt, würde ich gerne mit der schlechten beginnen.

Die Endspielreihe von GM Karsten Müller nimmt mit Teil 14 (!) ein Ende. Nachdem buchstäblich alle Themen des Endspiels, von den elementaren Grundlagen der einzelnen Endspiele (Bauern-, Leichtfiguren-, Turm- und Damenendspiele), über die Geheimnisse der Endspielstrategie (Königsaktivität, richiger Abtausch etc.) bis hin zu komplexen Endspielen, abgedeckt wurden, ist es nunmehr an der Zeit einem Projekt, welches im Jahre 2006 sein Anfang nahm, seine wohlverdiente Würdigung zu geben und sich auf neues zu konzentrieren.

Der Autor, GM Karsten Müller, ist sichtlich stolz auf sein Werk, was er in meinen Augen auch durchaus sein kann. Bereits in der Einleitung strahlt er in die Kamera und verkündigt mit Stolz, dass sein Werk nunmehr zu Ende geht. Während er nochmal die einzelnen Themen Revue passieren lässt, stimmt er den Zuschauer auf diese letzte DVD, eine einer legendären Serie, ein.

Die gute Nachricht, die ich Ihnen oben versprochen habe, besteht im Inhalt der 14. Endspiel-DVD, welche wahrlich dem Ende einer so monumentalen Serie ebenbürtig ist. Lassen Sie mich Ihnen zeigen, was sich hinter den goldenen Endspielregeln verbirgt.

Der Inhalt teilt sich in zwei große Bereiche auf:
1. Allgemeine Faustregeln
2. Prinzipien spezieller Endspiele



Unter allgemeinen Faustregeln versteht man Tipps, die einem in komplizierten Situationen als Leitfaden dienen. Eine bekannte Redensart besagt: “Es ist besser einen schlechten Plan zu haben, als überhaupt keinen Plan.” Obwohl diese Regel sehr gerne kritisch angesehen wird, ist Sie zur Orientierung doch nicht verkehrt. Auch wenn man eine Stellung nicht genau einzuschätzen vermag, geht es im Schachspiel dennoch nur um die eine Frage: Was ziehe ich als nächstes?

Mit Hilfe welches feinen Motivs erzwang Anish Giri mit Weiß am Zug den Sieg?

Lösung: 63.f5! gxf5 64.g6 fxg6 65.Th8 - von hier aus deckt der Turm das Umwandlungsfeld a8 und droht im Falle des Schlagens auf a7 zugleich Th7+ mit Gewinn

Allgemeine Faustregeln geben dem Spieler zumindest einen grobe Orientierung und navigieren ihn durch den unüberschaubaren Dschungel an Varianten und Stellungsbildern. Einen Gedanken, den man beim Übergang in ein Endspiel niemals vergessen sollte, ist der, dass ein Endspiel kein Mittelspiel ist. Dadurch ergeben sich völlig andere strategische Ideen, die man im Mittelspiel aufgrund der hohen Feuerkraft am Brett nicht in Erwägung ziehen konnte. So spielt die Königsaktivität eine große Rolle, sowie Zugzwang bzw. reziproker Zugzwang. Aber auch der richtige Abtausch mag bei reduziertem Material eine umso wichtigere Rolle spielen. Hier fand ich besonders wichtig von Herrn Müller, dass er eine alte, häufig zweifelhafte Regel, richtig stellt. Es ist bekannt, dass Spieler mit Mehrmaterial Figuren tauschen sollen und die schwächere Seite Bauern. Leider ist dies, wie Karsten Müller richtig aufzeigt, nicht ganz so trivial. Denn streng genommen, sollte die stärkere Seite darauf achten, nicht die eigenen aktiven Figuren zu tauschen, Den Tausch sollte man nur in Erwägung ziehen, wenn gegnerische Verteidiger wichtiger Felder abgetauscht werden. Letzten Endes gilt jedoch, dass nur wichtig ist, was auf dem Brett bleibt und nicht, was vom Brett verschwindet. Weiter geht es mit dem Thema der Schwächen, wie solche erkannt und richtig angegangen werden. Aber auch einige wichtige Denkmethoden, wie “man soll nichts übereilen” oder “man sollte die schlechteste Figur verbessern”

Wenn Sie diese Faustregeln verinnerlichen, sollte sich der Nebel etwas legen und ein Weg zum Vorschein kommen, an dem Sie sich in dieser wichtigen Phase der Partie orientieren können.

Doch wie sieht es mit der technischen Realisierung von Vorteilen aus? Kann man hier auch auf allgemeine Mechanismen und Prinzipien vertrauen? Karsten Müller sagt: Ja!



Zwar wiederholen sich beim Kapitel “Prinzipien spezieller Endspiele” einige Themen, die schon auf den ersten DVDs behandelt wurden, aber die Wichtigkeit ist über die Jahre dennoch gleich geblieben. So wird dieses Kapitel in die einzelnen Endspieltypen unterteilt, von denen wiederum die wichtigsten prinzipiellen Manöver und Techniken hervorgehoben werden. So stehen Themen wie das “W-Manöver”, die “Opposition“, “Bodycheck“, “Gewinnzonen” beim Endspiel Dame gegen Bauern, sowie die “Philidor-” “Lucena-” und “Vancurastellung“, “Regenschirm“, “Turmaktivität” aber auch “Dauerschachmotive” im Vordergrund, um nur einen Bruchteil des zweiten Teils zu zitieren. Zu jedem Videoclip hat Herr Müller eine Partie jüngeren Datums gewählt, die von uns bekannten Topspielern wie Carlsen, Aronian, Kramnik etc. gespielt wurde, und anhand derer er die thematische Idee präsentiert und untermauert. Dadurch sollen Sie als Zuhörer erkennen, dass die “goldenen Endspielregeln” die Zeit überdauert haben und immer noch ihre Gültigkeit besitzen.

Als kleines Bonbon oben drauf ist der DVD noch eine Datenbank mit kommentierten Beispielen beigefügt, die sie kinderleicht in Ihre Sammlung von Endspielen einpflegen können.

Fazit:

Es stimmt mich etwas traurig zu sehen, dass diese großartige Endspielreihe nunmehr zu Ende geht. Allerdings kann man vor der Leistung des Autors in jeder Hinsicht nur den Hut ziehen und ihm für seine Mühe und seinen Fleiß danken! Diese letzte DVD hat meiner Meinung nach den Umfang von zwei DVDs und wird jedem Endspielfreund gerecht, der aktuelles Material zu altbewährten Themen sucht! Uneingeschränkte Empfehlung für jeden Schachfreund und absolute Grundlage für das Studium des Schachspiels. Ein Meisterwerk, Herr Müller!

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 Zur Originalrezension von Lukas Wedrychowski...

 


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