"Eine Ehre mit dem Magneten Carlsen"

von Hartmut Metz
16.04.2017 – Was lockt die 1202 Spieler zum Grenke Chess Open nach Karlsruhe? Spielt für sie die Teilnahme von Weltmeister Magnus Carlsen, der auf der Bühne quasi neben ihnen sitzt, eine Rolle? Die Zuschauer begrüßten ihn mit frenetischem Applaus, was dem Norweger ein kurzes Lächeln auf die Lippen zauberte. Hartmut Metz befragte Amateure und Großmeister zu ihrer Motivation, über Ostern in der Schwarzwaldhalle zu brüten.

"Eine Ehre mit dem Magneten Carlsen"

Umfrage unter den Teilnehmern des „eigentlich zu harten“ Grenke Chess Open

 

Jens Rahnfeld (Talent vom Zweitligisten Emmendingen): „Dass Carlsen hier spielt, ist Motivation für mich. Ich hätte aber auch so am besten Turnier in ganz Deutschland teilgenommen. 1200 Teilnehmer sind schon sehr heftig! Es ist krass, wie viele hier mitspielen. Die Atmosphäre finde ich super, die Organisation ist perfekt.“

 

Thomas Braun (Jugendleiter Rochade Kuppenheim): Ich habe noch nie im Schach etwas derartig Großes gesehen. 1200 Teilnehmer beeindrucken mich. Wir spielen im B-Open leider in der Nebenhalle. Trotzdem bin ich begeistert, was man hier erlebt: Vorher stand ich neben dem Vater von Magnus Carlsen und neben Artur Jussupow. Am Bücherstand habe ich seine ,Endspiel-Universität' gekauft. Das ist auch dringend notwendig, gleichwohl ich bei meinen beiden Auftaktniederlagen nicht so weit gekommen bin.“

 

Jörg Weidemann (früherer Bundesligaspieler bei Kettwig, Koblenz, Zähringen und Königsspringer Frankfurt): „Ich wäre auch unabhängig von Magnus Carlsen gekommen, weil der Oster-Termin gut passt, zumal meine Familie weg ist. So muss ich nur einen Arbeitstag opfern am Gründonnerstag. Schon beim Vorgänger-Turnier in Deizisau war es recht voll – hier hat es noch ein paar Spieler mehr … Das Feld ist stark. Gegen keinen gewinnt man im Vorbeigehen. Zum Auftakt musste ich im Remis-Endspiel warten, bis mein 2000er-Gegner einen Fehler machte.“

 

Christian Steinwachs (Verbandsligaspieler bei Freiburg-Zähringen): Ich war auch schon in Deizisau dabei und entschied mich spontan dieses Jahr zu einer Teilnahme. Ich finde es toll, dass Carlsen mitspielt. Unabhängig von der hohen Teilnehmerzahl ist das Open hier eine super Sache.“


Velimir Kresovic (Serbien): „Die Qualität war letztes Jahr im Open noch höher, auch wenn es jetzt mehr Teilnehmer sind. Es fehlen doch einige Topleute wie Naiditsch, Perunovic oder Ivanisevic. Es ist eine Ehre und etwas Besonderes, hier dabei zu sein und in einem Raum mit einem Magneten wie Magnus Carlsen zu spielen.“

Velimir Kresovic

 

Rainer Buhmann (Großmeister und deutscher Nationalspieler): Ich finde es toll, was die Organisatoren bei der enormen Teilnehmerzahl leisten. Mit Magnus Carlsen spielte ich zwar bisher noch kein Turnier – aber wenn man selbst schon Wladimir Kramnik gegenüber saß, ist es nicht mehr dasselbe aufregende Gefühl. Ich finde das Ambiente beim stark besetzten Open schön für alle. Als einzige kleine Verbesserung fällt mir ein, dass die Mittagsrunde besser um 16 statt 15 Uhr beginnen sollte. So spielt man teilweise bis kurz nach 14 Uhr und hat kaum Zeit zum Essen und kurzen Erholen vor der nächsten Runde.“

Rainer Buhmann

 

Hans-Walter Schmitt (Organisator der früheren Weltklasse-Schnellschach-Events Chess Classic in Frankfurt und Mainz): Diese Größenordnung zu sehen, macht Spaß! Es hat mir Freude bereitet, ein Superturnier zusammen mit einem Open verquickt zu sehen – das ist wie früher in Mainz und Frankfurt, nur schneller von der Bedenkzeit her. Ich bin ein Fan davon, den Weltmeister und Amateure zusammenzuführen: Heute Magnus Carlsen, früher war das bei uns Garry Kasparow. Karlsruhe bietet von der Infrastruktur her optimale Räumlichkeiten. Ich sprach gestern mit dem Oberbürgermeister Frank Mentrup. Er begeisterte sich auch für die Schach-Veranstaltung. Ich würde mir wünschen, dass das Turnier mindestens drei bis fünf Jahre hier stattfinden kann, um es langfristig entwickeln zu können.“

Chess-Classic-Organisator Hans-Walter Schmitt beobachtet die Partie von Vincent Keymer, den der Bad Sodener zusammen mit Artur Jussupow in Karlsruhe unterstützt.

 

Fabian Ferster (Liechtensteiner Nationalspieler): „Die große Masse an Spielern sorgt dafür, dass man nicht immer auf dieselben Leute trifft – und auch viele Bekannte wieder einmal sieht. Magnus Carlsen macht mich jetzt nicht mehr so verrückt. Ich hatte das Glück, bereits bei vier Olympiaden mit ihm in der Halle zu sitzen – ansonsten wäre das natürlich ein spannender Fall.“

Fabian Ferster

 

Christoph Eichler (Bundesligaspieler bei MSA Zugzwang): „Eigentlich ist mir das Turnier zu hart! Alle Partien dauern fünf Stunden. An den ersten beiden Tagen musste ich in 22 Stunden 15 Stunden spielen! Das ist heftig. Aber die aufregende Atmosphäre und spannende Gegner entschädigen – genauso natürlich wie das Erlebnis, die Top-Großmeister live zu sehen. Das Open kostet mich zwar sicher einige Elo – aber als Amateur kann man sich das ja leisten ...“

Christoph Eichler


Hartmut Metz ist hauptberuflich Redakteur beim Badischen Tagblatt mit Hauptsitz in Baden-Baden. Er schreibt außerdem unter anderem für das Schach-Magazin 64 und Schach-Aktiv (Österreich).
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