Eröffnungsübersichten in ChessBase Magazin 122

12.03.2008 – Es war wohl die Neuerung des Jahres 2007, als der Pole Grzegorz Gajewski (Bild) in einer tausendfach gespielten Spanischstellung einfach …d5 statt …c5 spielte. Dabei kam der Bauer noch nicht einmal von d7, sondern hatte schon mit …d6 ein Tempo verloren. Bis heute erzielen die Schwarzspieler mit dieser Variante großartige Erfolge. In einer Eröffnungsübersicht für CBM 122 (von 11 insgesamt) hat der dänische Großmeister Lars Schandorff die wichtigsten Partien und Varianten zusammengestellt. Hier können Sie den kompletten Beitrag einsehen und bei Bedarf herunterladen. Mehr Eröffnungsüberichten in CBM 122, im Shop kaufen...Beschreibung des Beitrages im Heft CBM 122..Schandorff: Spanisch mit 10…d5

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Ein neues Marshall-Gambit

Von Lars Schandorff

Nichts ist unmöglich. Halten Sie sich fest! In einer der bekanntesten Stellungen im Spanier ist ein brandneues, spektakuläres Gambit aufgetaucht.

1.e4 e5 2.¤f3 ¤c6 3.¥b5 a6 4.¥a4 ¤f6 5.0-0 ¥e7 6.¦e1 b5 7.¥b3 d6 8.c3 0-0 9.h3 ¤a5 10.¥c2

Hier hat Schwarz das verblüffende 10...d5!? entkorkt. Für einen traditionellen Schachdenker ergibt dies keinen Sinn, und einige der alten Meister würden sich vermutlich im Grabe umdrehen, wenn sie davon wüssten. Sie spielten ja immer das normale 10...c5, mit einer typischen Spanischen Partie.

Aber ...d5? Ob das mein Ernst ist? Ja, absolut. Das ist modernes Schach. Und zwar nicht nur für Vereinsspieler, die auf eine Überraschungswaffe aus sind. Der norwegische Wunderknabe Magnus Carlsen hat es auf das höchste Niveau gehievt und damit bei seiner beim Weltcup in Khanty-Mansyisk den kubanischen Topspieler Dominguez sowie den britischen Star Adams ausgeschaltet.

1) Den Gratisbauern nehmen

11.¤xe5

Schwarz hat ihn umsonst einstehen lassen. Zuerst hat er den Springer abgezogen, dann den Bauern, der ihn deckte!

11...dxe4 12.¥xe4

Logisch, aber bei meinem Debut mit dem d5-Gambit spielte Weiß das vorsichtigere 12.d4 exd3 13.£xd3. Schwarz hat keine Probleme nach dem Damentausch; im Gegenteil, er stand einen Tick besser Pedersen,C - Schandorff,L ½-½.

12...¤xe4 13.¦xe4 ¥b7

Schwarz hat großartiges Spiel für den Bauern. Vor allem der Druck auf der langen Diagonalen von b7 nach g2 wird für Weiß lästig sein.

2) Okay, dann eben den anderen Bauern nehmen

11.exd5

Natürlich. Der Bauer e5 hängt noch immer. Aber nun kommt eine überraschende Sequenz.

11...e4 12.¤g5

Wieder am natürlichsten. 12.¤e5 oder 12.¤d4 ist nichts nach 12...£xd5. In Khanty-Mansyisk nahm Adams gegen Carlsen einfach den Bauern mit 12.¥xe4, aber Schwarz hatte die bekannte Kompensation in Form des Läuferpaars, Adams,M - Carlsen,M ½-½.

12...¤xd5 13.¤xe4 f5 14.¤g3 f4 15.¤e4 f3

Wo ist dieser Bauer auf f3 nur hergekommen? Fast scheint es so, als hätte man ihn geworfen, um die weiße Königsstellung zu stören. Schwarz hat eindeutig die Initiative und gute Chancen, einen bösen Angriff zu entwickeln.

16.d4 fxg2 17.¤g3

Weiß hat auch versucht, mit 17.£h5 aktiv zu spielen, wurde aber in Guliyev,N - Fressinet,L 0-1 schnell zurückgeworfen. Es war nur eine Blitzpartie, zeigt aber doch das Angriffspotential des Schwarzen.

17...£d6 18.£d3

Nach 18.¥e4 gewann Gajewski eine brillante Partie voller spektakulärer Opfer - Kuznetsov,V - Gajewski,G 0-1. Tatsächlich ist das ganze d5-Abspiel so eine Art polnische Spezialität.

18...g6

Eine komplizierte Stellung mit Chancen für beide Seiten. Sie wurde erprobt in dem Match China - England und endete nach langem, hartem Kampf mit Remis - Wang Hao - Jones,G ½-½.

3) Gegenschlag

11.d4

Materialgewinn vergessen. Stattdessen auf Initiative spielen. Starke Spieler entschieden sich in erster Linie für diese Fortsetzung.

11...dxe4 12.¤xe5 c5 13.¥g5

Am aktivsten, aber vielleicht ist das einfache 13.¥e3 besser. Weiß überdeckt d4 und stürzt sich anschließend auf den schwarzen Bauerns e4 - Kotronias,V - Mastrovasilis,A 1-0. Diese Idee wirkt recht vielversprechend.

13...¥b7

Die Stellung steckt voller Spannung. Der e4-Bauer ist schwach, aber Schwarz hat gutes Gegenspiel gegen d4.

14.¤d2

Weiß vollendet seine Entwicklung. Der ukrainische Star Volokitin spielte bei der europäischen Mannschaftsmeisterschaft auf Kreta 14.dxc5, doch sein Gegner antwortete mit einer der besten Angriffsleistungen des Turniers, Volokitin,A - Wojtaszek,R 0-1. Wieder eine tolle polnische Vorstellung.

14...cxd4 15.cxd4 ¦e8!?

Ein guter Wartezug. 15...£xd4 16.¤xe4 gibt Weiß trotz der Vereinfachungen die Initiative.

16.¤b3

Eine Verbesserung gegenüber 16.¥xf6, was lediglich zu Abtäuschen führt - Charbonneau,P - Benjamin,J 0-1.

16...¤xb3 17.¥xb3 ¤d5! 18.¥xe7 ¦xe7

Schwarz steht ordentlich - Dominguez Perez,L - Carlsen,M ½-½.

Fazit: Das neue d5-Abspiel ist eine interessante und leicht zu lernende Variante für Schwarz, die bislang sogar auf höchstem Niveau ziemlich gut gepunktet hat. Als er bei der Blitzweltmeisterschaft damit konfrontiert wurde, erwiderte Shirov einfach 11.d3!? Er holte natürlich nichts aus der Eröffnung heraus, gewann aber die Partie Shirov,A - Leko,P 1-0. Seine Zugwahl weist darauf hin, dass die d5-Idee nicht leicht zu widerlegen ist. Vielleicht solle Weiß wie Adams gegen Carlsen einfach den Bauern nehmen und so ungefähr sagen: Schön, du hast zwei Superläufer und großartige positionelle Kompensation, aber ich habe einen Bauern! Ein weiterer wichtiger Versuch könnte darin bestehen, in Kotronias' Fußstapfen zu treten. Schließlich ist er einer der wenigen, die mit Weiß gegen d5 gewonnen haben. Die nächste Zukunft wird zweifellos weitere Partien mit diesem verblüffenden Abspiel hervorbringen.

 

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