Eröffnungsübersichten in ChessBase Magazin 125

09.09.2008 – Für ein aggressives Repertoire gegen 1.d4 eignet sich die Zugfolge 1...d5 2.c4 e6 3.Sc3 c6 hervorragend. Das "natürliche" 4.Sf3 erlaubt die Noteboom-Variante 4...dxc4 - Schwarz holt sich den Bauern und gibt ihn nicht wieder her. Deshalb wird 4.e3 von vorsichtigeren Naturen bevorzugt. Aber nun kann Schwarz eine Art Stonewall spielen, die genaueste Reihenfolge ist 4...Ld6 5.Ld3 (oder 5.Sf3) und jetzt 5...f5. In einer Eröffnungsübersicht für CBM 125 (von 13 insgesamt) zeigt GM Alexey Kuzmin die wichtigsten Ideen und Varianten. Hier können Sie den kompletten Beitrag einsehen und auf Wunsch herunterladen. Mehr Eröffnungsübersichten in CBM 125, im Shop kaufen... Beschreibung des Beitrages im Heft CBM 125... Kuzmin: Der Slawische Stonewall...

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Der Stonewall in der Slawischen Verteidigung

Von Alexey Kuzmin

Der Eröffnungsklassifikation nach gehört die Stellung

zur Holländischen Verteidigung, in der Praxis aber entsteht sie fast ausschließlich über das Slawisch-Abspiel 1.d4 d5 2.c4 c6 3.Sc3 e6 4.e3 Ld6 5.Ld3 f5.

Schon die allerersten Züge bedürfen des Kommentars. Zunächst ist hervorzuheben, dass es natürlich auch die Zugfolge 1.d4 d5 2.c4 e6 gibt. Da 3.Sf3 die Möglichkeiten des Gegners im Damengambit drastisch erhöht (zum Beispiel hat er jetzt die Wiener Variante), bevorzugen viele Weißspieler 3.Sc3, und nach 3…c6 sind wir wieder in unserer Variante. Mit der Fortsetzung 4.e3 umgeht Weiß die schwarze Noteboom-Variante (4.Sf3 dxc4 5.e3 b5) und verschmäht auch das Slawische Gambit 4.e4 (dazu siehe den Artikel im CBM 123). Zuweilen spielt Schwarz schon im vierten Zug f7-f5, dies aber erlaubt Weiß das keineswegs ungünstige Abspiel 5.g4!?, und daher bevorzugt der Nachziehnde meist 4…Ld6 5.Ld3 (5.Dc2; 5.Sf3) 5...f5. In diesem Fall ist 6.g4 ungefährlich (bezüglich dieser und anderer seltener Fortsetzungen siehe die Partie Sokolov,I - Timofeev,A 0-1), da Weiß bereits ein Tempo für Ld3 aufgewendet hat.

Damit erreichen wir die Stellung im Diagramm. Formell gesehen handelt es sich hier um die Stonewall-Variante im Holländer. Die strategische Hauptidee des Anziehenden dagegen (in der klassischen Variante 1.d4 f5 2.c4 e6 3.Sf3 d5 4.g3 c6) ist der Abtausch der schwarzfeldrigen Läufer mittels Lf4 oder La3. Hier aber sind bereits die Züge e2-e3 und Sb1-c3 geschehen, so dass wir eine relativ günstige Version für Schwarz haben. In der Diagrammstellung hat Weiß drei strategische Hauptpläne:


A) Sf3, b3, Lb2 nebst Se5. Anschließend lautet die Absicht, den schwarzen Springer e4 mittels des Manövers Se2 und f2-f3 zu vertreiben.

6.Sf3 Sf6 7.0-0 0-0 8.b3 Se4 9.Se2 Sd7 10.Lb2

Nun ist der positionelle Plan 10…b6 (Grigore,G - Sveshnikov,E ½-½) durchaus möglich für Schwarz. Bei genauem Spiel sollte er in der Lage sein, seine Eröffnungsprobleme zu lösen. Interessanter ist aber meines Erachtens der Zug 10…Df6!?, der das Eindringen des feindlichen Springers auf e5 verhindert und gleichzeitig einen Angriff am Königsflügel mit g7-g5 vorbereitet (Cvitan,O - Erenburg,S ½-½).

B) Der halb-symmetrische Plan: Weiß spielt f2-f4, was möglicher Aktivität von Schwarz am Königsflügel einen Riegel vorschiebt, und versucht, den minimalen Raumvorteil auszunutzen, welcher sich aus der Konstellation der Bauern c4 gegen c6 ergibt.

6.f4 Sf6 7.Sf3 0-0 8.0-0

In dieser Variante nimmt das Spiel einen streng positionellen Charakter an. Schwarz besetzt e4 mit seinem Springer, zieht b7-b6, entwickelt seinen Läufer nach b7 oder sogar a6 und plant, nach entsprechender Vorbereitung, den Vorstoß c6-c5. Anzumerken ist, dass der frühzeitige Springerausfall nach e5 Weiß keinerlei Dividenden einbringt (Beliavsky,A - Timofeev,A ½-½). Die ernsthaftesten Probleme bereitet Schwarz stattdessen das Manöver Lc1-d2-e1-h4. Dieser Plan ist in den Anmerkungen zu der Partie Aleksandrov,A - Timofeev,A 0-1 zu sehen. Alles in allem vermag Schwarz seine Eröffnungsprobleme zu lösen, doch fällt es ihm nach f2-f4 sehr schwer, um die Initiative zu kämpfen.


C) Vorbereitung des Hebels e3-e4. Zu diesem Zweck entwickelt Weiß seinen Springer nach e2 und lässt dann f3, Dc2 usw. folgen. Dies ist der aggressivste Plan, der zu originellen, zweischneidigen Stellungen führt.

6.Sge2 Sf6 7.f3 0-0

Falls Weiß nun 8.Dc2 wählt, hat Schwarz den hochinteressanten Plan mit ...dxc4 nebst b7-b5 (Kosyrev,V - Frolyanov,D ½-½). Eine wichtige Ressource in diesem Fall ist der Zug Sb8-a6 mit der Drohung ...Sb4 unter Tempogewinn. Bevorzugt der Anziehende 8.0-0, so ist das analoge Gegenspiel weniger begründet. Stattdessen würde ich Grischuks universelleren Plan empfehlen (dieser ist nämlich auch gegen 8.Dc2 okay): 8...b6 9.0-0 a6 zur Vorbereitung des Hebels c6-c5! (Zhu Chen - Negi,P 0-1). Um die Wahrheit zu sagen, Alexander begann mit ...a6 und zog erst dann ...b6. Aber hinsichtlich der prinzipiellen strategischen Idee spielt das keine große Rolle, und die Zugfolge mit dem Auftakt ...a7-a6 gibt Weiß die Möglichkeit zu c4-c5, was in meinen Augen weniger genau ist.


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