Felix Magath und Artur Brauner werben für die Schacholympiade

09.09.2008 – Gestern Abend lud die Dresdner Oberbürgermeisterin Helma Orosz zu einem Schachabend in die sächsische Landesvertretung in Berlin. Unter den Ehrengästen waren viele Prominente aus Schach und Politik, darunter Schirmherr Thomas de Maiziere, Chef des Bundeskanzleramtes, und der frühere Fernschachweltmeister Fritz Baumbach, der gestern seinen 73sten Geburtstag feierte. Noch ein paar Tage älter war der Filmproduzent Artur Brauner (90), der in Begleitung der Schauspielerin Vaile erschien und zusammen mit dem Trainer und Sportdirekter des VFL Wolfsburg Felix Magath als Botschafter der Schacholympiade im Blindsimultan gegen Uwe Bönsch antrat. Dagobert Kohlmeyer führte mit dem Rasenschachstrategen Magath ein Interview.Zur Schacholympiade...Interview, Bilder, Partien...

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"In jeder Situation den besten Zug machen“
Interview mit Fußballtrainer und Schacholympiade-Botschafter Felix Magath
Von Dagobert Kohlmeyer

64 Felder hat ein Schachbrett - und 64 Tage vor der Olympiade in Dresden informierten die Organisatoren die Medien und Sponsoren am Montag in der Sächsischen Landesvertretung in Berlin über den Stand der Vorbereitungen.

Viel Prominenz war da. Schirmherr Thomas de Maiziere, Chef des Bundeskanzleramtes, warb ebenso für das Turnier der Nationen wie die neue Dresdner Oberbürgermeisterin Helma Orosz.

Die Kommunalpolitikerin vergaß in ihrer Rede nicht darauf hinzuweisen, dass sie in der über 800-jährigen Geschichte ihrer Stadt die erste Frau ist, die im Rathaus regiert. Die Sportstadt Dresden freue sich sehr auf die Schacholympiade vom 12.-25. November. Später wurde Frau Orosz selbst aktiv und spielte eine Partie gegen Philippe Roitzsch vom Dresdner Sportgymnasium.


Prominente gegen Sportgymnasium Dresden

Dabei wurde sie fachkundig von Großmeister Jens-Uwe Maiwald beraten.


Dresdens Oberbürgermeisterin Helma Orosz

Das Spiel endete remis.

Unter den Gästen des Abends waren auch die Fernschach-Olympiasieger Fritz Baumbach und Matthias Kribben. Baumbach feierte an diesem Tag seinen 73. Geburtstag.


Fernschachweltmeister Fritz Baumbach, Dr. Matthias Kribbe und Felix Magath

Mit besonderer Freude  begrüßte Helma Orosz den Filmproduzenten Artur Brauner (90) sowie den Fußballtrainer Felix Magath (55) als neue Botschafter der Schacholympiade.




Dr. Dirk Jordan begrüßt Artur Brauner


Vaile und Artur Brauner

Die beiden trugen eine Simultanpartie gegen Bundestrainer Uwe Bönsch aus, der als Großmeister das Handicap auf sich nahm, mit verbunden Augen zu spielen. Bönsch besiegte beide Schachamateure ohne große Mühe (siehe Partien). Olympiade-Chairman Dirk Jordan kommentierte die filigranen Züge von Brauner und Magath. Die fairen Verlierer hatten dennoch ihren Spaß. Sie wollen nun nach besten Kräften für die in zwei Monaten beginnende Schacholympiade zu trommeln.


Blindsimultan mit Uwe Bönsch



Dagobert Kohlmeyer nutzte die Gelegenheit und sprach mit Felix Magath über sein liebstes Hobby.

Welche Erkenntnisse ziehen Sie aus der gerade vergeigten Partie?

Ich sollte wieder häufiger spielen. Als Sportdirektor und Trainer beim VfL Wolfsburg habe ich zu wenig Zeit, meinem Hobby nachzugehen. Deshalb musste ich eine Schachpause einlegen. Mir fehlt ganz einfach die Übung. Dennoch war es eine Freude, mal wieder am Brett zu sitzen und die Figuren zu bewegen. Vor der Leistung des Blindspielers habe ich großen Respekt.

Sehen Sie Parallelen zwischen Schach und Fußball?

Es gibt sie ganz selbstverständlich. Ich glaube sowieso, dass es sinnvoll ist, wenn ein Fußballer auch Schach spielt. Von dieser Beschäftigung habe ich viel für die Theorie im Fußball gelernt. Deswegen kann ich nur jedem empfehlen, sich vom Schachspiel inspirieren zu lassen und das auf den Fußball zu übertragen.

Der sowjetische Eishockeycoach hat seinen Spielern früher ebenfalls Schach verordnet.

Eine kluge Maßnahme, weil Sportler Strategie und Taktik beherrschen müssen, um Spitzenleistungen zu vollbringen. Schach ist die Mutter aller Strategiespiele. Jede Sportart kann davon lernen.

Um blitzschnelle Angriffe auf dem Eis zu starten oder einen tödlicher Pass auf dem Rasen zu spielen?

Sicher. Aber es geht nicht allein darum, dass man voraus denkt. In dem Punkt unterscheidet sich Schach nicht von anderen Sportarten. Was viele jedoch nicht begreifen oder nicht sehen, habe ich gerade bei diesem Spiel gelernt: In jeder Situation muss man versuchen, nicht irgendeinen Zug zu machen, sondern den besten. Genauso sollte ein Fußballer, wenn er spielt, nach der besten Lösung suchen. Wenn er das beherzigt, wird er schon besser sein als vorher.

Warum ist Schach für Sie neben Fußball der schönste Sport?

Weil es aufgrund der vielen Steine eigentlich auch ein Mannschaftssport ist. Das Schachspiel wird ja erst dann richtig schön, wenn die Figuren gut zusammenarbeiten und nicht, wenn eine von ihnen ganz allein über das Brett spaziert.

Der Hamburger Schachklub ist Ihnen heute noch dankbar für eine nette Hilfsaktion.

Ja, das war die Sache mit den Ataris. Der HSV unterstützte den zu ihm gehörenden Schachklub, als dieser es in den 80er Jahren schwer hatte. Als Manager habe ich  der Schachabteilung damals zu 19 Computern verholfen. Das war ein Startschuss für die Schachspieler, über den Rechner ihre Spielstärke zu verbessern. Die Entwicklung führte dann bis zu der heute so erfolgreichen Firma ChessBase. Ich habe natürlich auch ihr Programm „Fritz“ zu Hause.

Wie werden Sie den Dresdnern als Botschafter der Schacholympiade helfen?

Indem ich bei vielen Gelegenheiten deutlich mache, was für ein Riesen-Event das ist. Nach fast 40 Jahren haben wir endlich wieder ein solches Turnier der Denksportler in Deutschland. Da geht es den Freunden des Schachs doch ähnlich wie den Fußballfans bei der tollen WM 2006. Ein derartiges Top-Ereignis sollte mehr Aufmerksamkeit bekommen. Auch von denjenigen, die vielleicht mehr am Fußball hängen.

Danke für das Gespräch!

Und hier die beiden „Kunstwerke“ der Olympiade-Botschafter. Wir danken Raymund Stolze, der die Züge mitnotiert hat, während der Berichterstatter auf den Auslöser seiner Kamera drückte.

Blindsimultan

A. Brauner ­– U. Bönsch
Sizilianische Verteidigung [B50]

1.e4 c5 2.Sf3 d6 3.h3 Sf6 4.Sc3 g6 5.d3 Lg7 6.a3 0–0 7.b4 cxb4 8.axb4 Sc6 [8...Sxe4! 9.dxe4 Lxc3+ 10.Ld2 Lxa1 11.Dxa1] 9.b5 Se5 10.Sxe5 dxe5 11.La3 Le6 12.Lc5 Sd7 13.Lxa7? b6? [13...Dc7! 14.Ta3 Txa7 15.Txa7 Dxc3+ 16.Dd2 Dc5] 14.Ta6? [14.Ta3 Dc7 15.Da1 Tfc8 16.Le2 Lf6 17.0–0] 14...Dc7 15.Da1 Db7? [15...Tfc8 16.Ta3 Db7 17.Le2 Tc7] 16.Sa4?? [16.Le2 Sc5 17.Ta3] 16...Txa7 17.Sxb6 Txa6 18.bxa6 Dxb6 19.a7 Ta8  und Weiß gab auf.

U. Bönsch – F. Magath
Damengambit [D38]

1.d4 d5 2.c4 Sf6 3.Sc3 e6 4.Lg5 Lb4? [4...Le7] 5.e3? [5.Sf3] 5...h6 6.Lxf6 Dxf6 7.cxd5 exd5 8.Sf3 0–0 9.Ld3 Te8 10.0–0 c6 11.Lc2 Lg4 12.h3 Lxf3 13.Dxf3 Dxf3 14.gxf3 Sd7 15.Tac1 Sf6 16.Tfd1 Te7 17.a3 Ld6 18.Ld3 Tae8 19.Sa4 Txe3?? [19...Sd7] 20.fxe3 Txe3 21.Sc5 Txf3 22.Sxb7 Lf4 23.Tc3 Txh3?? 24.Lh7+ Kxh7 25.Txh3 g5 26.Sd8 Kg6 27.Sxc6 h5 28.Se5+ Kg7 29.Tc3 Se4 30.Tc7 Lxe5 31.dxe5 g4 32.e6 Kf8 33.Txf7+ Ke8 34.Tc1 Sd6 35.Th7 , und Matt in maximal sechs Zügen.  Schwarz gab auf.

 

 

 

 


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