FIDE Grand Prix mit neuem Format

von André Schulz
26.04.2016 – Gemäß den ursprünglichen Planungen sollte im Mai das erste Turnier der neuen Grand Prix-Serie 2016-17 stattfinden. Doch Details oder ein Austragungssort konnten - offenbar mangels Bewerber - lange nicht bekannt gegeben werden. Nun hat die FIDE in ihrem "Handbook" ein neues Format für die GP-Serie verkündet. Die Turniere werden jetzt mit je 18 Teilnehmern und 9 Runden im Schweizer System ausgetragen. Mehr...

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In Bezug auf ihre Informationspolitik scheint die FIDE derzeit wieder etwas auf den Stand früherer Jahre zurück gefallen zu sein. Die sensationelle Nachricht, dass die amtierende Weltmeisterin aus dem laufenden FIDE Grand Prix der Frauen ausgestiegen ist, erfährt man in einigen Zeilen des Eröffnungsberichts zum Grand Prix in Batumi. Auch die mutmaßliche Aufstockung der Serie auf fünf statt der bisher vier geplanten Turniere wird von der FIDE nicht offensiv kommuniziert.

Eine weitere wichtige Änderung, den Grand Prix der Männer betreffend, kann man nun - recht versteckt - dem neu gefassten FIDE Handbook entnehmen. Immerhin wurde die Änderung aber nun auf dem FIDE Twitter Account vermeldet, nachdem man zuvor schon Anfang April die betroffenen Spieler in einem Anschreiben informiert hat, dass der ursprüngliche Starttermin der neuen Serie im Mai nicht eingehalten wird und das Änderungen anstehen.

 

 

Die größte Änderung betrifft das Format. Statt der vier Turnier im Modus Jeder-gegen-Jeden sind nun vier Turniere mit 9 Runden im Schweizer System geplant. Die Anzahl der Spieler pro Turnier wird auf 18 aufgestockt, die Anzahl der Spieler der Gesamtserie auf 24. Damit haben mehr Spieler die Chance, in den Kampf um die Qualifikation für das Kandidatenturnier einzugreifen. Jeder Spieler nimmt an drei der vier Turniere teil. Wie gehabt qualifizieren sich die ersten beiden Spieler der Serie für das nächste Kandidatenturnier. Der Gesamtpreisfonds für die ganze Serie beträgt 520.000 Euro.

Durch die Änderung des Formats wird die Dauer eines Turniers verkürzt, von bisher 17 Tagen auf 11 Tage (mit An- und Abreise).  Die Anzahl der einzuladenden Spieler und damit die Kosten für Anreise und Unterbringung erhöht sich für den Veranstalter allerdings. Neben dem Preisgeld in Höhe von 130.000 Euro und den Anreise- und Unterbringungskosten muss der Veranstalter zudem noch eine stattliche Summe für die Unterbringung von mindestens sechs FIDE und AGON- Offiziellen und Funktionsträgern entrichten, sowie Gebühren entrichten (Unterbringung und Anreise von Offiziellen ca. 35.000 Euro, Gebühren: ca. 50.000 Euro).

In den Regularien weist die FIDE übrigens noch einmal explizit darauf hin, dass sie alle Rechte für Foto, TV-und Videoaufnahmen und Internet-Übertragung für sich bzw. die beauftragte Verwertungsfirma, konkret: AGON, beansprucht.

Der Anlass für Änderung des Formats ist offenbar der Mangel an Sponsoren und Ausrichtern für diese Turnierserie. In der Vergangenheit wurden die GP-Turniere zwar in unterschiedlichen Ländern ausgetragen, oft aber mit staatlichen russischen Mitteln oder mit Hilfe regierungsnaher russischer Oligarchen finanziert. Die russische Finanzwelt ist jedoch, zuletzt durch die reduzierten Einkünfte aus dem Energiesektor und durch die offiziellen und verdeckten Maßnahmen der US-Regierung (Wirtschafts- und Finanzboykott, Panama-Papers), unter Druck geraten. Neben dem FIDE-Präsidenten Kirsan Ilyumzhinov ist zum Beispiel auch der Oligarch Gennady Timchenko betroffen: Beide stehen auf der Blacklist des US-Schatzamtes.

Die Gelder fließen nicht mehr so bereitwillig. AGON hofft nun durch die getroffenen Änderungen vielleicht nationale Verbände und lokale Sponsoren als Geldgeber für die Spieler aus den betreffenden Ländern zu gewinnen.

Das erste Grand Prix-Turnier in der neuen Form soll im August 2016 stattfinden.

 

FIDE Handbook...

 

 


Themen FIDE, Grand Prix

André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
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