Frankreichs neues Supergirl: Marie Sebag

12.09.2003 – Obwohl erst 16 Jahre alt, wurde Marie Sebag zum Schnellschachturnier Grand Prix de Sénat nach Paris eingeladen. Dort knockte sie GM Laurent Fressinet (Elo 2640) aus und hatte auch GM Anatoly Vaisser im Finale in der ersten Partie schon am Boden. Doch in schrecklicher Zeitnot vermasselte sie das Endspiel. Um für das Gleichberechtigungsgesetz zu werben, hatten die Veranstalter diesmal zwei Frauen und zwei Männer antreten lassen. Michel Péchiné berichtet aus Paris. Grand Prix de Sénat...

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Gleichberechtigung in Schach und Politik

Das Grand Prix de Sénat TV Mag Schnellschachturnier fand am 5.und 6.September in Paris statt. Vier Spieler nahmen teil und es herrschte Gleichheit unter den Teilnehmer in Bezug auf die Anzahl von Männern und Frauen. Nach einem unglücklichen Sonntag für die Frauen gewann GM Anatoly Vaisser das Turnier. Organisiert wurde das Turnier vom Senat, der Zweiten Kammer des Französischen Parlaments neben der Nationalversammlung, und der Zeitschrift TV Mag von der Figaro Verlagsgruppe. Unmittelbar nach dem Turnier spielten die Teilnehmer traditionell ein Simultan im Luxembourg Garten, einer 25 Hektar großen grünen Oase am linken Seineufer.


Die Geschichte des Senats begann mit dem "Conseil des Anciens" (Ältestenrat) (1795-99), der im Rahmen des Konsulats 1799 zum sog. "Sénat Conservateur" wurde und 1814 mit der Absetzung seines Präsidenten, Napoleon, endete.

Für die vierte Auflage des Turniers beschlossen die Veranstalter eine Neuerung, in dem sie zwei Männer und zwei Frauen einluden. Die Idee war, damit auch die Gleichberechtigung der Geschlechter in der Politik zu bewerben, die in Frankreich seit dem Jahr 2000 gesetzlich fixiert ist. Das Ziel dieser fortschrittlichen Gesetzgebung ist es einmal eine gleiche Anzahl an Kandidaten für alle Wahlen zu haben.


Die beiden Hauptorganisatoren Yves Marek (li.)), Beauftragter für Kultur im Senat und der Journalist Bertrand Guyard von TV Mag.

Am Samstag, den 5. September spielten die beiden GMs Anatoly Vaïsser (2571) und Laurent Fressinet (2640) gegen Frankreichs beste Frauen, Almira Skripchenko (2485) und Marie Sebag (2432) je ein Minimatch mit zwei 25-Minuten-Schnellschachpartien und Blitzentscheid, falls nötig. Die Auslosung wollte es, dass Sebag gegen Fressinet und Skripchenko gegen Vaïsser die Semifinals zu spielen hatten. Nach einer verbissenen Schlacht im vibrierenden Salle Medicis konnte sich der "alte Haudegen" Anatoly Vaïsser (54) gegen seine Widersacherin Almira Skripchenko im Tiebreak mit 2-0 durchsetzten. Nach den beiden Remis in den Schnellschachpartien hatte Almira diese klare Niederlage nicht verdient.


Laurent Fressinet wollte nicht zwei zweimal hintereinander gegen eine Frau verlieren. Nach ihrer Niederlage im Spiel um Platz drei meint Almira: "In der ersten Partie habe ich den Gewinn verpasst. Mein alter Fehler: Bei knapper Zeit und vielen Möglichkeiten verfalle ich in Panik."

Die Hautattraktion war der fantastische Wettkampf-Sieg von Marie Sebag nach zwei gewonnenen Partien gegen Laurent Fressinet. "Sie spielt sehr schnell. Wenn Sie zuversichtlich ist, gut vorbereitet und in guter Form, dann hat sie 2600-Spielstärke", meinte der Geschlagene. Die Rede ist von einer jungen Dame mit erst 16 Jahren.


Beginn des Finales

Das Finale zog viele Zuschauer, darunter viele VIPs an. Alle hofften auf einen Sieg der jungen Marie. Tatsächlich konnte Anatoly erst nicht glauben, wie ihm geschah. In der ersten Partie spielte er seine Lieblingseröffnung, die Französische Verteidigung, verlor dann aber plötzlich die Kontrolle über die Ereignisse nach einem schlimmen Fehler (19…a5). Marie nutze den Fehler und hatte zehn Züge später eine Gewinnstellung. Unglückerweise spielte sie das folgende Endspiel furchtbar und verpasste den Sieg in Zeitnot. In der zweiten Partie gab Anatoly ihr keine Gelegenheit zurück in den Wettkampf zu kommen. So konnte Anatoly mit Glück und den besseren Nerven auf den Spuren seines Freundes Kramnik wandeln und sich in die Siegerliste eintragen. Kramnik gewann das Turnier im letzten Jahr.


Trotz Finalniederlage eine tolle Leistung: Marie Sebag.

Die Partien zum Nachspielen...

Bilder:


Washington Square, Museon Park,  Jardin Luxembourg in Paris: Schach ist ein Freiluftsport. Der Zuschauer ist GM Eloi Relange.


Sieger Anatoly Vaisser mit seiner Frau. Rechts Yves Marek und Sabrina Grimaldi, Direktorin der Webseite von TV Mag



Mrs Vaïsser (li.) und die frühere französische Vizemeisterin Nina Mousset-Evtouchenko
 


IGM Bachar Kouatly, Direktor von Europe Echecs, und Patricia Empain-Guyard, die Gattin von Bertrand, eine gute Hobbyspielerin wie ihr berühmter Vater, Baron Empain.


Der junge ungarische Geiger und Kristof Barati und der Virtuose Edward Wulfson schauen ihrem Freund Anatoly Vaïsser zu.


Mrs and Mr Relange, beide Maler, die Eltern von GM Eloi.


Almira eröffnet das Simultan, gekleidet in Pariser Chic.


Lukas, der Sohn von Sabrina Grimaldi von TV Mag, spielt gegen Marie Sebag. Rechts sein Trainer Stéphane Schabanel



Yves Marek, der früher Schach-Vizemeister von Tunesien hat einmal ein remis gegen den legendären Misha Tal geschafft. Hier spielt er gegen Fressinet.


Frankreichts Top-Großmeister Joel Lautier zwischen Anatoly Vaisser (re.) und Kristof Baraty, der beim Simultan gegen Fressinet spielte.


Der bekannte Fide- Funktionär Willy Iclicki und with Almira


Ein großer Siege für den geistig jung gebliebenen Anatoly Vaisser, der hier mit seiner Trophäe sitzt, als wäre es seine erste.

Bericht und Fotos: Jean-Michel Péchiné of Europe Echecs

 


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