Frauen-WM: 1. Finalpartie remis

von André Schulz
02.04.2015 – Nach einem Ruhetag bestritten Natalia Pogonina und Marya Muzychuk heute die erste von insgesamt vier "regulären" Partien des Finales der Frauenweltmeisterschaft, die in Sochi mit anfangs 64 Teilnehmerinnen im K.o.-Format ausgetragen wird. Die Partie endete in einer Meraner Variante im 40. Zug nach wenig aufregendem Verlauf mit einem Remis. Mehr...

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64 Frauen sind nach Sochi gereist und nahmen dort an der Frauen-Weltmeisterschaft teil, die eigentlich schon im Herbst des letzten Jahres hätte stattfinden sollen. Zwei sind übrig geblieben, Mariya Muzychuk und Natalia Pogonina, und bestreiten nun das Finale.

Das K.o.-System als Format für eine Frauenweltmeisterschaft hatte die FIDE schon 1997 bei der (Offenen) Weltmeisterschaft eingeführt und nach der K.o.-WM 2004 - zurecht - wieder abgeschafft. Im Schach wird traditionell der beste Spieler als Weltmeister erwartet und der Modus der Weltmeisterschaften muss geeignet sein, dass dieser sich normalerweise durchsetzen kann. Das von der FIDE praktizierte K.o.-Format mit Mini-Wettkämpfen mit zwei "langen" Partien und folgenden Schnellschach - und Blitzstichkämpfen leistet das nicht. Zu viel Zufall und zu viel Nerven sorgen hier für zu viele Überraschungen.

Nachdem die Proteste bei den Top-Spielern immer größer wurden und immer weniger der Spitzenspieler teilnehmen wollte, verabschiedetet sich die FIDE von diesem Modus - bei den Weltmeisterschaften. Zur gleichen Erkenntnis kam die FIDE bei den Frauen-Weltmeisterschaften jedoch nicht. Die Bedingungen dürften hier nicht anders sein, vielleicht waren aber die Proteste geringer. Stattdessen führte der Weltschachbund einen faulen Kompromiss ein, indem er die Frauen-Weltmeisterschaften im jährlichen Wechsel abwechselnd im K.o.-Format und im Wettkampf durchführen lässt.

Was Yifan Hou, die beste Frau der Welt und nur noch ein paar Tage Weltmeisterin, davon hält, kann man sich denken: Sie nahm nicht teil. Wenn es in diesem Modus so weiter geht, wird die Chinesin in einem Jahr vielleicht Weltmeisterin sein, im nächsten wieder nicht, dann wieder doch, usw. Ihre Überlegenheit gegenüber dem Rest ist so groß, dass sie auf absehbare Zeit wohl immer die Wettkämpfe gewinnen wird. Auf das K.o.-Lotto wollte sie sich diesmal nicht einlassen.

Die Kritik am Modus soll aber die Leistungen der beiden Spielerinnen, die nun im Finale stehen, Mariya Muzychuk und Natalia Pogonina, nicht schmälern. Wer es bis hierhin geschafft hat, hat viele Wettkämpfe gewonnen und Großes geleistet.

Anders als die bisherigen Runden wird das Finale nun über vier Partien ausgetragen. In der heutigen ersten Finalpartie führte Natalia Pogonina die weißen Steine. In einer Turnierpartie sind die beiden Spielerinnen bisher überraschenderweise nur einmal aufeinander getroffen: Bei der Europameisterschaft 2007 in Dresden. Damals war M. Muzychuk allerdings erst 15 Jahre alt. Die Partie endete remis. Ihre Schwester Anna hat allerdings schon häufig gegen Pogonina gespielt und konnte sicher Tipps geben.

Die erste Finalpartie wurde mit der Meraner Variante gespielt. Pogoninas 13. dxe5 ist gegenüber 13. g3 eine weniger populäre Variante. Technisch gesehen war 17.Tac1 der erste neue Zug. Kürzlich wurde beim Moskau Open eine ähnliche Variante (Sxf3 bereits im 14. Zug) zwischen Grigoriants und Siugirov gespielt, die Weiß gewinnen konnte. 

In der Partie zwischen Pogonina und Muzychuk wurde die Remisbreite niemals verlassen, nach und nach die meisten Figuren getauscht und die wenig aufregende Partie endete im 40. Zug im Endspiel mit Dame und Läufer remis.

 

Einige Kamerateams...

... und Pressevertreter beim Finale

Das Finale beginnt

Mariya Muzychuk

Natalia Pogonina

 

1. Finalpartie

 

 

 

Finale:

Player Fed Rtg G1 G2 G3 G4 G5 G6 G7 G8 G9 Pts
Pogonina, Natalia RUS 2456 ½                 0.5
Muzychuk, Mariya UKR 2526 ½                 0.5

 

Partien:
 

 

 

 

Fotos aus allen Richtungen

 

Zeitplan:

 

Datum Ereignis Zeit
März, 16. Ankunft der Teilnehmer
Eröffnungsfeier
Technische Vorbesprechung
19:30
Runde 1 - 64 Spieler
März, 17. Partie 1 15:00 Ortszeit
März, 18. Partie 2 15:00 Ortszeit
März, 19. Stichkämpfe 15:00 Ortszeit
Runde 2 - 32 Spieler
März, 20. Partie 1 15:00 Ortszeit
März, 21. Partie 2 15:00 Ortszeit
März, 22. Stichkämpfe 15:00 Ortszeit
Runde 3 - 16 Spieler
März, 23. Partie 1 15:00 Ortszeit
März, 24. Partie 2 15:00 Ortszeit
März, 25. Stichkämpfe 15:00 Ortszeit
Runde 4 - 8 Spieler
März, 26. Partie 1 15:00 Ortszeit
März, 27. Partie 2 15:00 Ortszeit
März, 28. Stichkämpfe 15:00 Ortszeit
Runde 5 - 4 Spieler
März, 29. Partie 1 15:00 Ortszeit
März, 30. Partie 2 15:00 Ortszeit
März, 31. Stichkämpfe 15:00 Ortszeit
Ruhetag - April, 1
Runde 6 - 2 Spieler
April, 2 Partie 1 15:00 Ortszeit
April, 3 Partie 2 15:00 Ortszeit
April, 4 Partie 3 15:00 Ortszeit
April, 5 Partie 4 15:00 Ortszeit
April, 6 Stichkämpfe 15:00 Ortszeit
April, 7 Schlussfeier*  
*Die Schlussfeier kann auf den 6. April verlegt werden,
falls keine Stichkämpfe stattfinden

 

Fotos: Turnierseite (Eteri Kublashvili, Vladimir Barsky, By B. Dolmatovsky)

 

Turnierseite...

Regeln der WM 2015 ...

Regeln des WM-Zyklus...

 



André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
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Mclanda Mclanda 02.04.2015 06:36
"Wer es bis hierhin geschafft hat, hat viele Wettkämpfe gewonnen und Großes geleistet."
Diese Aussage ist nicht ganz richtig. Es müßte eher lauten: Wer es bis hierhin geschafft hat, hat u.A. auch viel Glück gehabt, da ein Weiterkommen nicht durch LZP sondern erst durch SSP und BSP entschieden wurden. Einer Schach-WM für LZP total unwürdig! Die ganze WM hat somit keinen Wert und der Sieger ist damit auch nicht der Weltmeister sondern eher der Glückspilz.
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