"Frauenschach": Ein irreführender und kontraproduktiver Begriff

von Alisa Melekhina
24.07.2017 – Der Begriff "Frauenschach" hat sich mittlerweile in der Schachwelt eingebürgert, aber FM Alisa Melekhina hält ihn für irreführend und schädlich, weil er Unterschiede suggeriert, wo keine sind. Sie hält den Begriff für veraltet, für einen Verstoß gegen das Leistungsprinzip und möchte ihn gerne abschaffen. | Foto: Doug Morisoli

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Was bedeutet ein Begriff?

Schachspielerinnen stehen nicht nur am Brett vor Herausforderungen. Wir sind auch abseits des Bretts oft das Ziel von Kritik - das Niveau unserer Partien sei zu niedrig, unsere Partien wären voller Fehler und wir hätten insgesamt kein sehr gutes Schachverständnis.

Solche Behauptungen über das "Frauenschach" hört man oft. In einem Artikel, der mit Girl Power in Chess überschrieben war und im April dieses Jahres während des Spitzenturniers in Baden Baden erschien, lobte Großmeister Grigory Serper Hou Yifan, die beim Turnier gerade in Führung lag, ebenso wie Judit Polgar, die Super-Großmeisterin, die sich mittlerweile vom Turnierschach zurückgezogen hat. Um dann - in einem meiner Meinung nach ernst gemeinten Versuch der Würdigung - zu ergänzen: "Die Fortschritte im Frauenschach sind verblüffend, wenn man das Niveau der folgenden Partie betrachtet, die bei der Frauenweltmeisterschaft vor nicht einmal 80 Jahren gespielt wurde." Dem folgt eine zugegeben peinliche Partie, in der Annabelle Lougheed mit einem Turm weniger in nur 14 Zügen gegen Vera Menchik verlor.

 

Diese Partie erinnert an Bobby Fischers berühmte Bemerkung, dass er auch mit Springervorgabe gegen jede Frau gewinnen würde.

In seinem Bericht im "Guardian" über das gleiche Turnier und Hous hervorragende Leistung schrieb Leonard Barden, dass ihre "Ergebnisse gegen [Fabiano] Caruana und [Magnus] Carlsen ein Meilenstein des 'Frauenschachs' sind."

In beiden Artikeln wird der Begriff "Frauenschach" wohlwollend verwandt. Aber beide Artikel suggerieren, dass hinter dem Begriff "Frauenschach" etwas Reales steht. Der Begriff fördert die Vorstellung, es gäbe eine bestimmte Art des Schachs, das so nur von Frauen gespielt werden kann. Der Ausdruck wurde entwickelt, um eine andere Form der Wirklichkeit zu beschreiben, dieser Beschreibung so  Gültigkeit zu verleihen und so suggerieren, Frauen würden ein Spiel spielen, das ganz anders als das übliche "Schach" ist.  

Leider ist der Begriff "Frauenschach" irreführend und kontraproduktiv, wenn man wirklich etwas tun will, um den Anteil von Frauen, die Schach spielen, zu erhöhen.
 

Melekhina at the World Team Championship

Alisa Melekhina (rechts) bei der Mannschaftsweltmeisterschaft in Chengdu, China, 2015. | Foto: Yupeng Liu

"Frauenschach" gibt es, weil es frauenspezifische Schachturniere und Titel gibt, aber das sind künstliche Kreaturen der Schachwelt. Wie bei vielen Begriffen, die sich durch veralteten und anhaltenden Gebrauch festgesetzt haben, ist dessen Bedeutung nicht klar. Während "Frauenturnen" oder "Fraueneiskunstlauf" sinnvolle Begriffe sind, weil die Teilnehmerinnen (i) nur gegen andere Frauen antreten, (ii) die Ranglisten exklusiv sind und sich nur auf andere Frauen beziehen, und (iii) ganz andere körperliche Leistungen bewertet werden als bei Männern, so ist es beim Schach anders: Frauen spielen nach den gleichen Regeln wie Männer und mit den gleichen Figuren und auf dem gleichen Brett.

Bleiben wir bei Elo

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Was ist, wenn man beim Schach über Spielstärke spricht? Das scheint der Bedeutung des Begriffs "Frauenschach" näher zu kommen. Es ist sinnvoll, eine Vorstellung von "Großmeisterschach" oder "2700er-Schach" zu haben (für die Spitzenspieler, die eine Zahl von 2700 oder mehr haben), vor allem im Vergleich zu weniger starkem Schach wie dem "Anfängerschach". Hier bezieht sich das Wort, das neben dem "Schach" steht, auf die Art oder Güte des Schachs in Bezug auf die Spielstärke.

Das Wort "Frauen" hier auf die gleiche Weise zu benutzen, würde bedeuten, dass Frauen auf eine bestimmte Art oder auf einem bestimmten Niveau spielen, und zwar so, wie es nur Frauen können, was bedeuten würde, dass Frauen Schach von Natur aus anders spielen als Männer. Aber Frauen haben einen ganz unterschiedlichen Spielstil. Judit Polgar gilt als eine der größten Angriffsspielerinnen aller Zeiten, egal, ob man Männer oder Frauen nimmt. Die letzten drei US-Meisterinnen — Sabina Foisor (2017), Nazi Paikidze (2016) und Irina Krush (2015) — spielen in erster Linie positionell, vor allem Paikidze. Hou hat einen universelleren Stil.

Ein anderer Grund, warum wie selbstverständlich angenommen wird, dass Frauen weniger gut Schach spielen, liegt darin, dass es in der Weltspitze nur so wenige Frauen gibt. Aber der prozentuale Anteil von Frauen, die den Großmeistertitel haben (ein bisschen mehr als zwei Prozent), entspricht in etwa der Anzahl von Frauen mit einer FIDE-Elo-Zahl (weniger als zehn Prozent). Eine angesehene Theorie legt nahe, dass es mehr Frauen mit Großmeistertitel geben würde, wenn der Anteil von Frauen an der Gesamtzahl der Schachspieler größer wäre.

Noch wichtiger ist, dass der Elo-Durchschnitt von Turnieren, in denen nur Frauen spielen dürfen, deutlich niedriger ist als der Elo-Durchschnitt von Spitzenturnieren, in denen Männer spielen - auch wenn man Turniere berücksichtigt, bei denen nur die besten Frauen gegeneinander antreten. So lag der Elo-Durchschnitt der US-Frauenmeisterschaft 2017 bei ungefähr 2295, im offenen Bereich lag der Elo-Schnitt im Vergleich dazu bei 2685.

Partien von Spielern mit einer Elo-Zahl von 2300 sind natürlich nicht so gut wie Partien zwischen Spielern mit einer Elo-Zahl von 2700. Partien zwischen Spielern, die eine Elo-Zahl von 2300 haben, als "Frauenschach" zu bezeichnen, ist irreführend und unfair — sie spielen wie 2300er, nicht wie Frauen.

Ein angemessener Vergleich zwischen Frauen und Männern wäre ein Vergleich des Spiels von Meistern mit dem von Großmeistern — das wäre eine gender-neutrale Analyse. Stattdessen versieht man Frauen mit einem abwertenden Begriff, der auf der Zahl der spielenden Frauen beruht, die gegen Spieler mit niedrigerer Elo-Zahl antreten.

Könige gegen Damen, das Experiment

KvQ

Eine genauere Einschätzung, ob Frauen einen von Natur aus anderen Stil haben, der das Label "Frauenschach" verdient, würde eine umfangreiche Studie erfordern, in der man Partien zwischen Männern und Frauen miteinander vergleicht, wobei man darauf achtet, dass sie die gleiche Spielstärke haben. Die größte Nähe zu einem solchen Experiment gab es beim Kings vs. Queens Match im September 2011, organisiert vom Chess Club and Scholastic Center of St. Louis. Sorgfältig wählten die Organisatoren die Männer und Frauen für die beiden fünf-köpfigen Teams aus, deren Elo-Durchschnitt so nahe wie möglich beieinander liegen sollte; der Elo-Schnitt beider Teams war am Ende 2476. Das Match wurde doppelrundig ausgetragen, gespielt wurden Schnellpartien im klassischen Schach und Schnellpartien im Chess960-Modus.

Nach zehn Runden kamen die Könige auf 31,5 Punkte, die Damen hingegen auf 18,5. Das war bislang das erste und einzige Match dieser Art. Eine Datenerhebung — vor allem eine, in der keine langen Partien mit klassischer Bedenkzeit, auf denen die Elo-Zahl beruht, gespielt wurden — ist kaum ausreichend, um stichhaltige Schlüsse zu ziehen; man bräuchte eine signifikante Zahl von Studien oder Wettkämpfen. Aber dieses Format hatte die richtige Idee, um genauer zu messen, wie Frauen gegen Männer im Schach abschneiden.

(L-R) Könige: Nakamura, Stopa, Arnold, Finegold, Cao; Damen: Krush, Kosteniuk, Lahno, Fierro, Zatonskih | Foto: SaintLouisChessClub.org

Dieses Thema wird immer umstritten sein, wie alle Diskussionen um das Thema der Frauenförderung. Doch im Sinne weiterer produktiver Diskussionen ist es am besten, wenn man Begriffe verwendet, die nicht auf einem Irrglauben beruhen und ihn weiter verbreiten — nämlich, dass es etwas gibt, das man "Frauenschach" nennt. Der Begriff hat sich im Schach eingebürgert, aber wenn man ihn verwendet, dann tut man dem Leistungsprinzip, das dem Schach eigen ist, und das alle Spieler schätzen, keinen Gefallen. Es gibt keinen eigenständigen, abgeschlossenen Bereich des "Frauenschachs", der vom regulären Schach getrennt ist. Schach ist Schach.



Alisa ist eine der besten amerikanischen Spielerinnen und hat zahlreiche Frauen-US-Meisterschaften und Jugendweltmeisterschaften mitgespielt. Sie hat klassisches Ballett studiert und ist Absolventin der University of Pennsylvania Law School.
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nummer fünf nummer fünf 22.09.2017 12:17
wenn jemand von kindesbeinen an gerne dächer deckt und dachgauben einbaut, dann kann er oder sie später dachdeckergeselle oder dachdeckermeister werden. ob mann oder frau, die handwerkskammer unterscheidet da nicht. die fide ist da anders. sie vergibt verschiedene meistertitel getrennt nach geschlecht. gm, im, fm, cm, wgm, wim, wfm. ich bin dagegen. ich habe gegen frauen schach gespielt und keinen speziellen unterschied festgestellt, gleiches gilt für kinder. die sollten im klub von anfang an bei den erwachsenen mitspielen , dürfen aber oft nicht, weil ?? nein, die sollen erstmal titel holen in der u16, u14, u12, u10, ....ehrgeizige eltern fordern schon die u4 .
CrimsonSeahawk CrimsonSeahawk 26.07.2017 02:02
In den heutigen Zeiten sollte es keine Geschlechterspezifischen Turniere mehr geben. Frauen sollten sich mit Ihrer Ratingzahl in
die Teilnahmefelder mit Männern einsortieren. So wäre eigentlich der Trend der Zeit im Hinblick auf alle anderen Bereich des Lebens.
Die zu erwartende Konsequenz wäre in den überwiegenden Fällen, das Frauen nicht mehr wie bei reinen Frauenturnieren zu 100 % der Fall die ersten Plätze erreichen und auch die dafür vorgesehenen Preisgelder erhalten, sondern wohl in der Regel oft leer ausgehen. Ob damit den Frauen im Profibereich ein Gefallen getan ist sei dahingestellt. Über noch zeitgemäße Begrifflichkeiten lässt sich alle 10 Jahre streiten, vielleicht sollte man den Begriff "Frauenschach" in "Schach der Damen" ändern. Das hätte anscheinend zumindest eine freundliche Note in der Diskussion.
ChessSmiler ChessSmiler 26.07.2017 10:32
Meiner Meinung nach sollte es überhaupt keine geschlechtsspezifischen Turniere geben und auch Preise nicht nach Geschlecht sondern nach Ratingzahl vergeben werden. Die Wette eines Vorredners würde ich an seiner Stelle zurücknehmen. Das ist wirklich Unsinn.
hockeyplayer hockeyplayer 25.07.2017 10:25
Zu diesem Thema muss nicht mehr viel gesagt werden. Das Turnier in Gibraltar 2017 hat den Beweis geliefert, dass Frauen, selbst dann wenn sie gegen gleichstarke männliche Konkurrenz spielen wollen, nicht Gelegenheit dazu erhalten.
Wie muss es um die Intelligenz von Schachspielern bestellt sein, wenn bezüglich Gibraltar selbst der Fehler entweder nicht erkannt oder geleugnet wurde. In diesem Fall war ganz eindeutig die Software fehlerhaft, aber im Gegensatz zur ähnlichen Abgasaffäre bei deutschen Autoherstellern, sind Schachspieler oder -funktionäre nicht einmal zu der Erkenntnis fähig, dass hier der Fehler liegt.
Bei einer überarbeiteten Software hätte es dieses Problem in Gibraltar nicht gegeben. Aber Schachspieler waren ja schon immer etwas intelligenter. Vielleicht hat auch deswegen John Nunn sich aus dem Profischach zurückgezogen, weil ihn dieser Denkansatz zumindest suspekt war.
Frauenschach ist oberhalb von Elo 2400 bzw. 2500 konkurrenzfähig, aber gerade Frauenturniere mit ihren Besonderheiten z.B. im Iran verhindern, dass es nach Judith Polgar außer Hou Yifan eine weitere konkurrenzfähige Spielerin gibt.
Im Hinblick auf die weitere Entwicklung im Leistungssport des Deutschen Schachbunds wäre ein Wettkampf zwischen Hou Yifan und Blübaum interessant, ganz unabhängig vom Ergebnis.
Ein weiteres Manko besteht darin, dass nur etwa 10% aller SchachspielerInnen weiblich sind, geradezu die Umkehrung zum Pferdesport. Aber dies allein reicht als Begründung nicht aus. Sind doch Schülerinnen und Studentinnen, es gibt eine ausreichende Zahl an Statistiken, mittlerweile erfolgreicher als ihre männlichen Konkurrenten.
Das Thema ist also nicht ganz einfach und lässt sich vielleicht wie folgt zusammenfassen: In der Spitze haben Frauen mittlerweile die Chance mindestens die männliche IM-Norm zu erreichen, evtl. mehr. Im Breitensport aber sind Frauen den Männer quantitativ und qualitativ hoffnungslos unterlegen.
Vielleicht hat der neue DSB-Präsident eine Idee, wie dies in Deutschland geändert werden kann. Denn das Hauptproblem beim Schach in Deutschland besteht darin, dass entweder das ganze Vereinsschach Leistungssport ist oder eben nicht. Bisher galt Letzteres mit Ergebnissen, wie in Dortmund. Schach ist eben nicht Fußball.
Nur die Konsequenzen dazu fehlen nicht nur bei den Frauen.
DrAlexanderSchmidt DrAlexanderSchmidt 25.07.2017 10:13
"Frauenschach" gehört gänzlich abgeschafft, gibt keinen Grund sich bei einem Brettspiel nicht "Open" mit Männern zu messen...
Lupi Lupi 25.07.2017 11:38
Der Artikel ist ein Beispiel dafür, wie jemand versucht den Gebrauch der Sprache für einen Mißstand verantwortlich zu machen.

Im Zuge der allgemeinen Gleichberechtigungsdiskussion kennen wir den Versuch, die Sprache und deren Gebrauch zu verändern, ja schon seit langem. Der Gebrauch des Wortes Frauenschach hat aber zunächst einmal nichts damit zu tun, dass Männer und Frauen das gleiche Spiel mit den wahrscheinlich statistisch gesehen gleichen mentalen Voraussetzungen betreiben, und eine bestimmte Form der Partieanlage/-führung als Frauenschach bezeichnet wird. Vielmehr ist es logisch und konsequent, wenn über exklusive Frauenschachturniere berichtet wird, dies auch so zu benennen. Wie soll das Schach in einem Turnier mit beschränktem Teilnehmerkreis denn sonst genannt werden. Ob es sich um Kinderschach, Jugendschach, Großmeisterschach, Politikerschach oder Studentenschach handelt, immer bezeichnet das Wort den Teilnehmerkreis der Spieler.

Dass davon abgesehen Begriffe wie Frauenschach oder Kaffeehausschach auch abwertend verwendet werden können ist richtig und auch etwa beim Damentennis oder Frauenfußball zu beobachten. Durch ein Verbot der Worte wird dieser abwertenden Intention der Sprecher aber kaum beizukommen sein. Arroganz, Intoleranz, Vorurteile und Überheblichkeit wird man kaum dadurch besiegen können, dass man versucht die Worte abzuschaffen, mit denen sie zum Ausdruck gebracht werden können.
Ein geübter Macho wird zur Not auch völlig nonverbal etwa durch ein hämisches Grinsen oder ähnliches zu verletzen wissen.

Ob die Einrichtung von Frauenschachreservaten wirklich ein guter Weg ist, die Spielstärke und Akzeptanz von Frauen für das Schachspiel zu befördern kann aus meiner Sicht mit guten Gründen bezweifelt werden. Solange diese Konstellation erhalten bleibt sollte es aber auch erlaubt sein, diese mit passenden Begriffen zu bezeichnen.

Gruß
Lupi
DoktorM DoktorM 24.07.2017 09:23
Wenn bei einem Schachturnier nur Frauen mitspielen, ist das ein Frauenschachturnier. Genauso wie man von Kinderschach-, Jugendschach- und Schulschachturnieren spricht. Begriffe haben durchaus ihren Sinn, zumindest in bestimmten Situationen.

Was ist eigentlich der Zweck des Artikels? Soll man auf den Begriff Frauenschach verzichten, auch wenn es keinen besseren gibt? Umgekehrt: Was ist z.B. mit dem Begriff "2. Bundesliga"? Bei den Frauen spielen welche mit DWZ 1500 mit. Passt auch nicht zum Begriff "2. Bundesliga", so wie ihn viele verstehen. Oder?
flachspieler flachspieler 24.07.2017 03:39
Das Thema ist sehr spannend. Danke für den Beitrag.

Was ich im folgenden schreibe, ist ernst und nicht böse
gemeint. Ich gebe mir eine Chance von deutlich über 50 %,
die Partien eines Männer-Schachturniers von denen eines
Frauenturniers unterscheiden zu können.

Konkreter Wettvorschlag:
Mir werden die kompletten (anonymisierten) Partien von
zwei Rundenturnieren vorgelegt: einem Männerturnier (mit
12 oder mehr Teilnehmern; Elo-Schnitt um 2400) und
einem Frauenturnier (mit 12 oder mehr Teilnehmern; Elo-Schnitt
wie beim Männerturnier). Dann würde ich eine Wette (bei 2:1-Quote)
annehmen, wo ich 500 Euro erhalte, wenn ich richtig zuordne
und 1.000 bezahle, wenn ich falsch zuordne.

Das Ganze sollte natürlich durch neutrale Schiedsrichter
überwacht werden. Auch die Auswahl der beiden Turniere
sollte durch neutrale Personen passieren.
Ich würde mir bei dem Experiment 8 Tage Zeit für meine
Zuordnung wünschen. Ich gebe mein Ehrenwort, dass ich
nicht versuchen würde, die Spieler(innen) der Partien
zu recherchieren.

Warum ich die Wette vorschlage? Ich glaube wirklich, dass es
Stil-Unterschiede zwischen Männer- und Frauenschach gibt.
Nicht in jeder einzelnen Partie und auch nicht bei jedem einzelnen
Spieler oder jeder einzelnen Spielerin, aber bei mittelgrossen
Stichproblen (wie zwei kompletten Turnieren) schon.

Seiteninformation:
(a) Früher (in den 1980ern und frühen 1990ern) war ich
Experte, um Computerpartien von menschlichen Partien
zu unterscheiden.
(b) Bekannt ist der Turing-Test. Meist wird er so formuliert,
dass darin ein Computerprogramm so tun soll, als sei es
ein Mensch. Ursprünglich hatte Turing die Sache aber
so formuliert, dass die Versuchsperson herausfinden soll,
ob ihr Korrepondenzparter eine Frau oder ein Mann ist.

Ingo Althöfer.
Krennwurzn Krennwurzn 24.07.2017 03:30
Damenschach heißt es im deutschen Sprachraum wohl nicht, weil auch die Dame Schach bieten kann und man das als Damenschach in den Büchern lesen kann.

Eine Trennung in Damen und Herren erscheint im Schach mM wenig sinnvoll, denn beispielsweise in der akademischen Welt wird ja auch nicht Damenmathematik, Damenrecht, Damenbetriebswirtschaftslehre angeboten.
Treborsualk Treborsualk 24.07.2017 02:57
Hallo Alisa,
mein erster Ansatz wäre schon mal, den despektierlich klingenen Begriff "Frauenschach" abzulehnen. Schon vom "Frauentennis" gehört? Ich noch nicht. Also wäre - abgesehen von allem anderen - schon Damenschach ein wohlwollenderer Begriff. Vom "Männerschach" wird ja schon aus Tradition nicht gesprochen, aber wenn, dann sicher Herrenschach im Herrenzimmer und nicht Männerschach! Also ist doch über "Frauenschach" überhaupt nichts zu diskutieren, sondern schon formalbegrifflich abzulehnen. Das Übrige ist natürlich richtig und interessant. Ich glaube ja, dass es einen gewohnheitsmäßig eher aktiven oder passiven Spielstil gibt, aggressiver oder vorsichtiger, individuell bevorzugt. Ob sich das aber gendermäßig zuordnen läßt?
Solange die klischeehaften gesellschaftlichen Ungleichgewichte sind, wie sie leider immer noch existieren, kann man das vermuten. Aber festgeschrieben ist das nicht.
Beste Grüße
Treborsualk
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