Gibtele.com-Festival in Gibraltar

28.01.2004 – Ein Aberglaube besagt, dass Gibraltar so lange zu England gehören wird, so lange es dort Affen gibt. Ob die Ausrichtung eines Schachturniers damit irgendwie im Zusammenhang steht, wissen wir nicht. In diesem Jahr fanden über 80 Teilnehmer den Weg zum Schachfestival in die Kronkolonie, die sich seit 1704 im Besitz Englands befindet und die von den Spaniern als Pfahl im Fleische empfunden wird. Wenn der Protest der Spanier zu heftig wird, lassen die Engländer einfach im Hafen von Gibraltar ihre havarierten Atom-U-Boote reparieren. Die Grenzkontrollen der Spanier nach Gibraltar sind die schärfsten in Europa und dauern auch am längsten. Deshalb wird von vielen die schnellere Anreise über See aus Marokko gewählt. Oder man kommt aus der Luft, so wie James Bond in dem Film "The living daylight." Turnierseite...Bond, Schach und Gibraltar...

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In dem Bond-Film von 1987, "The Living daylight" (dt. Der Hauch des Todes, Musik: A-ha), ist Timothy Dalton James Bond. Der Film zeigt zu Beginn eine Übung des Sonderkommandos SIS, die mit Fallschirmen über Gibraltar abspringen. Aus der Übung wird schnell Ernst, denn ein Mörder schießt mit scharfer Munition auf die Agenten und tötet sie. Der einzige Überlebende, James Bond, nimmt die Verfolgung auf.

Nach einem Handgemenge in einem Land Rover stürzt der Mörder über die Klippen.

Bond rettet sich mit einem Fallschirm. Bei der Leiche eines der Toten findet man eine Nachricht: "smyert shpionem"...

Die Episode auf Gibraltar ist der Vorfilm zur Hauptgeschichte, in der der Doppelagent Gergi Koskov der Widersacher von Bond ist. Über den Darsteller des Georgi Koskov, den bekannten holländischen Schauspieler Jeroen Krabbé, ergibt sich eine hübsche Verbindung zum Schach. Er ist nämlich der Bruder des in noch bekannteren Autors und Schach-Essayisten Tim Krabbé.

Auch wenn dieser Film sich mit einem russischen Waffenhändler beschäftigt, sollten die Spanier gewarnt sein. Wenn die Engländer James Bond ausgerechnet nach Gibraltar schicken, ist das ein deutliches Zeichen.

 

Das Gibtele.com-Schachfestival
27.Januar bis 5 Februar 2004
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Das Gibtele.com Masters findet im La Caleta Hotel statt, malerisch am Fuße des berühmten Felsens gelegen.



La Caleta Hotel

Über 80 Spieler haben den Weg nach Gibraltar gefunden, darunter auch einige Großmeister aus Russland, die im letzten Jahr noch ihr Visum zu spät erhalten hatten und fernbleiben mussten. Da ja Gibraltar quasi in England liegt, wird das größte Kontingent an Spielern naturgemäß  von den Engländern gestellt. Immerhin haben sogar fünf Spieler aus Spanien den Weg nach Gibraltar gefunden, obwohl Spanien sehr weit entfernt liegt, zumindest gedanklich.

Nummer Eins der Setzliste ist Nigel Short. Als frisch gebackener Commonwealth-Meister ist es ja fast eine Pflicht, am Schachfestival in der Kronkolonie teilzunehmen. Dreev und Epishin sind ebenfalls heiße Anwärter auf den ersten Platz. Allerdings musste Vladimir Epishin in der ersten Runde schon eine Niederlage gegen Peter Wells hinnehmen.

Auch die beiden Kubaner Bruzon und Dominguez, in Wijk Erster und Zweiter im B-Turnier, machen hier Station. Von dort sind auch Zhu Chen und Antoaneta Stefanova angereist.

Ab 15 Uhr MEZ wird auf der Turnierseite eine Live-Übertragung der Spitzenbretter angeboten.

Partien der ersten Runde...


Mehr über Gibraltar

Gibraltar liegt an der Südspitze Spaniens. Nur 21 km entfernt ist die Küster Afrikas. Dazwischen verläuft die Straße von Gibraltar, die das Mittelmeer mit dem Atlantik verbindet. Die Phönizier kannten den Platz unter dem Namen Calpe, was auf das phönizische Verb für "aushöhlen" zurück geht. Vielleicht wurde der Ort nach der heute großen Höhle benannt, die in der Südseite des berühmten Felsen von Gibraltar zu finden ist. Heute heißt diese "St. Michael's Cave".

Menschliche Besiedlung gab es schon vor 40.000 Jahren. 1848 wurde im Geröll unterhalb des Maurischen Kastells der Schädel einer Neandertaler-Frau gefunden.

Nach den Phöniziern kamen Karthager und Römer, später Vandalen und Goten. Die Vandalen setzten von hier nach Afrika über, die Goten blieben und beherrschten die spanische Halbinsel von 414 bis 711. In diesem Jahr landeten die Araber mit einer Vorhut von 500 Mann beim heute so genannten Tarifa. Kurz danach folgte des Hauptheer unter Führung von Tarik ibn Zeyad mit 500 Reitern und 10.000 Mann Fußvolk. Die Invasion der spanischen Halbinsel hatte begonnen.

Grund für die arabische Eroberung war ein Vorfall am Hofe des Westgotenkönigs Roderic. Dieser hatte im Jahr zuvor 710 die Hofdame Florina entehrt, eine Tochter seines Statthalters in Nordafrika Graf Julian. Graf Julian hatte bisher die Araber erfolgreich von der Küste Spaniens fern gehalten. Doch nun war er so erbost, dass er den Emir Musa ibn Nosseys überredete, die "Ungläubigen" in Spanien zu bekehren. Maurische Armeen überrannten Spanien und drängten weiter nach Norden. Erst in der Schacht bei Poitiers 732 konnte der Vormarsch gestoppt werden.

Der Ortsname Gibraltar geht auf den Namen Tariks zurück, der hier eine Festung errichtete und entstand aus dem arabischen "Dschebel al Tarik" (Tariks Fels). Die arabische Okkupation dauerte mit einer kurzen Unterbrechung 600 Jahre. Der Ort Gibraltar wurde erst im Jahr 1160 im Auftrag des Kalifen von Marokko gegründet.1466 wurde die Festung Gibraltar von den Spaniern erobert. In Zuge des spanischen Erbfolgestreits 1702-1713 wurde Gibraltar 1704 von einer anglo-holländischen Flotte mit 50 Schiffen angegriffen und erobert. Im Sonderfrieden von Utrecht wurde Gibraltar "auf ewig" als englischer Besitz fest geschrieben. 1727 und 1779-1783 belagerten spanische Truppen noch einmal die Festung, aber ohne Erfolg.

Nach dem zweiten Weltkrieg forderte die UNO Großbritannien zur Rückgabe der Kolonie auf. In der Volksabstimmung vom 10. September 1967 entschieden sich die Bewohner aber zu 99% für eine Verbleib bei England.

Ein englischer Aberglaube besagt, dass Gibraltar so lange zu England gehört, so lange es die Berberaffen auf dem Felsen gibt.

1942 ließ Churchhill eiligst Affen aus dem nahen Nordafrika beschaffen und ansiedeln. Es drohte ein Angriff der Deutschen und die Population war auf nur noch sieben Affen gesunken.

Der Fall Gibraltar sorgt zwischen Spanien und England gelegentlich für Missstimmung. Vor drei Jahren ließen die Engländer im Hafen von Gibraltar ihr havariertes Atom U-Boot HMS Tireless reparieren, was in Spanien mit großer Sorge beobachtet wurde.

Der berühmte Felsen von Gibraltar ist von der Seeseite bei der Durchfahrt der 21 km breiten Meerenge meist gut zu sehen. Es gehört zur Tradition, dass sich die Schiffe bei der Durchfahrt per Funk mit ihrem Namen anmelden.

André Schulz

 

Links:

http://www.gibraltar.gi

http://www.gibraltar.gov.uk/

 

 

 

 

 


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