GM-Turnier auf Gran Canaria

10.05.2011 – Übermorgen beginnt auf Gran Canaria ein Großmeisterturnier mit einem ganz besonders interessantem Teilnehmerfeld. Zum Einen nimmt mit dem früheren WM-Kandidaten Henrique Mecking (59) eine echte Schachlegende teil, zum Anderen mit Ilya Nyzhnyk ein großes Schachtalent. Gerald Hertneck, Stefan Kindermann, Stefan Bromberger und Markus Ragger vertreten vor der afrikanischen Küste die mitteleuropäische Alpenregion. Julio Granda Zuniga und Ramon Mateo reisen wie Mecking vom lateinamerikanischen Kontinent an, während Sabrina Vega Gutierrez und Franciso Vallejo Pons das Gastgeberland vertreten. Möglich gemacht hat dieses Turnier der Münchner Immobiliengeschäftsmann Roman Krulich. Gerald Hertneck sprach mit dem Schachmäzen über dessen Aktivitäten in München und auf Gran Canaria. Turnierseite...Zum Interview...

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„Ich unterstütze die Idee, Schach an allen Grundschulen als Pflichtfach einzuführen.“

Schachförderer Roman Krulich im Gespräch mit GM Hertneck

Man sagt, die Schachwelt ist klein, jeder kennt jeden, und doch gibt es Schachfans, die mehr oder weniger im Stillen wirken. Es mag eine natürliche Bescheidenheit sein, oder auch eine gewisse Öffentlichkeitsscheu die dazu führt , dass der Name im Hintergrund bleibt. Nun jedoch – anlässlich der erstmaligen Ausrichtung eines Großmeisterturniers auf Gran Canaria – ist der Zeitpunkt gekommen, den Schleier zu lüften, und den langjährigen Münchener Schachförderer Roman Krulich einer breiteren Öffentlichkeit vorzustellen. Im Gespräch mit GM Hertneck spricht er über das Erreichte, und gewährt einen Einblick in seine Pläne für die Zukunft.





 

Herr Krulich, Sie sind trotz starker beruflicher Belastung als Geschäftsführer von Krulich Immobilien seit Jahrzehnten in der Münchener Schachszene aktiv, und zwar nicht nur als aktiver Turnierspieler sondern auch als Mitgesellschafter der Münchener Schachakademie und als Gründer der Münchener Schachstiftung. Gehe ich recht in der Annahme, dass Ihre Schachbegeisterung auch nach über 30 Jahren noch immer ungebrochen ist?

Schach hat nach all den Jahren tatsächlich immer noch etwas Faszinierendes für mich, ich habe es als Jugendlicher erlernt und bin seitdem - mit einigen wenigen Unterbrechungen - dieser Leidenschaft treu geblieben. Seltsamerweise entspanne ich sogar  beim Turnierschach von meinen beruflichen Belastungen. Es ist eine eigene Welt, in die ich gerne eintauche. Die tiefe Befriedigung, eine gute Partie gespielt zu haben, werde ich wohl nie aufgeben wollen.

Sie haben vor einigen Jahren in München erst die Schachakademie und dann die Schachstiftung im Team mit den Großmeistern Stefan Kindermann und Gerald Hertneck sowie der FIDE-Meisterin Dijana Dengler gegründet. Was waren Ihre Beweggründe dabei?

Die Schachstiftung hat den einfachen Ansatz, Kindern auch aus weniger begüterten Elternhäusern die Möglichkeit zu geben, dieses fesselnde und gleichzeitig pädagogisch so wertvolle Spiel zu erlernen. Viele helfen bei ausländischen Projekten, das macht sicher auch sehr viel Sinn, ich wollte etwas vor unserer Haustüre tun, und es gibt leider auch im vermeintlich reichen München viele Familien, die mit sehr wenig Geld auskommen müssen.

 

Schachunterricht an Schulen, und besonders an Grundschulen setzt sich immer mehr durch. Offensichtlich nicht nur, weil die Kinder Spaß am Spielen haben, sondern auch weil Eltern und Lehrer sich einen nützlichen Transfer auf andere Bereiche wie die Verbesserung der Schulnoten versprechen. Worin liegt aus Ihrer Sicht für die Kinder der konkrete Nutzen des wöchentlichen Schachunterrichts?

Den konkreten Nutzen erkennen wir bei all unseren Projekten mit Grundschulkindern. Sie lernen sich besser zu konzentrieren, spielerisch lernen sie logisch zu denken und nach wenigen Monaten  verbessern sich auch ihre schulischen Leistungen. Ich unterstütze daher die Idee, Schach an allen Grundschulen als Pflichtfach einzuführen.

Wie beurteilen Sie den bisherigen Erfolg der von Ihnen gegründeten Münchener Schachstiftung? Hat die Stiftung Ihre Ziele bereits erreicht, ist sie auf gutem Wege dahin, oder bleibt noch viel zu tun?

Unsere Stiftung existiert jetzt seit knapp vier Jahren und wir haben es letztes Jahr bereits geschafft, ein sechsstelliges Spendenaufkommen einzuwerben. Wir haben an vielen Schulen in München Schachprojekte realisiert, und es werden immer mehr! Aber am Ziel sind wir erst dann, wenn jedes Grundschulkind in München Schachunterricht bekommt.

Sie spielen aktiv in der 1. Mannschaft des Münchener Vereins MSA Zugzwang, wobei das Kürzel „MSA“ für die Münchener Schachakademie steht. Seit Beginn dieser Kooperation vor etwa zwei Jahren hat der Verein mehr als 30 Mitglieder gewonnen, und erstmals eine Jugendgruppe aufgebaut. Während andere Schachvereine in München überaltert sind und Mitglieder verlieren, ist Zugzwang durchgestartet, und hat seine jahrelange Stagnation im Mitgliederbereich überwunden. Denken Sie, dass die Vereine und die Landesverbände im Deutschen Schachbund genug für die Gewinnung von Kindern und Jugendlichen als neue Mitglieder tun, oder anders gefragt, wie könnte man konkret den Transfer von Schülern in die Vereine verbessern?

Meine Wahrnehmung ist, dass Kinder und Jugendarbeit sehr viel - vielleicht zu viel - von dem persönlichen Engagement meist ehrenamtlicher Helfer abhängt. Ich möchte keine Verbände oder Organisationen kritisieren, aber ich finde, jeder sollte in seinem persönlichen Umfeld nach seinen Möglichkeiten mithelfen, dass unsere Kinder die bestmögliche Ausbildung erhalten, dann hätten wir doch viel erreicht! Die Kinder müssen aber auch selbst ihren Beitrag leisten, und eben zum Beispiel das Angebot von Schachkursen und Vereinen annehmen.

Bisher sind Sie nicht als Ausrichter von Schachturnieren in Erscheinung getreten. Nun findet jedoch unter Ihrer Ägide vom 12. bis 21. Mai auf Gran Canaria ein stark besetztes Großmeisterturnier der Kategorie XII statt. Der Elo-Schnitt liegt bei 2549, der Altersschnitt bei 38 Jahren. Wie kamen Sie auf die Idee, dieses Turnier ins Leben zu rufen, und wieso in Bahia Feliz auf Gran Canaria?

Mit diesem Turnier möchte ich einen Beitrag leisten, dass es in der Schachszene wieder mehr gut besetzte Rundenturniere gibt. Schachmeister sind Spitzenkönner in ihrem Fach und ich denke, es ist wichtig, Plattformen zu schaffen, wo alle Schachbegeisterten deren Fähigkeiten bewundern können.

Wir unterhalten seit langem ein Immobilienbüro auf Gran Canaria in der Urbanisation Bahia Feliz, und ich finde , dass dieser Ort nicht nur aufgrund seines wunderbaren Klimas für Spieler aller Nationen ein interessanter Ort zur Ausübung des Schachspiels sein kann.

Das Teilnehmerfeld ist zugleich sehr gemischt und attraktiv besetzt. Stärkster Spieler ist der Spanier Vallejo Pons, der mit 2722 Elo der Weltspitze zuzurechnen ist. Mit Markus Ragger nimmt der stärkste Österreicher teil, der aktuell auf Elo 2674 hochgeschossen ist, und außerdem ist der peruanische Spitzenspieler Granda Zuniga mit von der Partie, der vor einem Jahrzehnt das Establishment in der Schwachwelt aufmischte. Die eigentliche Sensation dürfte aber die Teilnahme von Henrique Mecking sein, der zu seiner besten Zeit zu den drei stärksten Spielern der Welt gehörte. War es schwer, diese Schachlegende zu einer Teilnahme zu bewegen?

Eigentlich war ich überrascht, wie schnell und unkompliziert Henrique Mecking zugesagt hat. Wir freuen uns sehr dass er bei unserer Turnierpremiere dabei ist.

Turnierfavorit ist offensichtlich Vallejo Pons. Welchen Teilnehmern trauen Sie darüber hinaus den Kampf um den Turniersieg zu?

Das ist  eine schwierige Frage, viele der 10 Teilnehmer kenne ich persönlich schon viele Jahre, da fällt es mir schwer, einen hervorzuheben. Aber so wie es aussieht, ist Markus Ragger derzeit in sehr guter Form, und so ist auch er mit Sicherheit ein heißer Favorit!

Wird das Turnier auch live im Internet übertragen? Wird es auch Kommentierungen geben?

Ja,  das Internet ist doch für Schach ein äußerst geeignetes Medium, die Partien werden auf unserer Homepage www.ajedrezbahiafeliz.com und auch im Schachserver live übertragen.

Leider sind gerade in letzter Zeit viele Traditionsturniere eines plötzlichen Tods gestorben, zum Beispiel Melody Amber, Linares, das Mainzer Chess Classic und auch die Zukunft von Moskau Aeroflot scheint ungewiss zu sein. Sicher kann man das GM-Turnier auf Gran Canaria in diese Kategorie nicht einreihen. Dennoch stellt sich die Frage, ob Sie die Schachwelt mit einer jährlichen Ausrichtung des Turniers bereichern möchten?

Derzeit denken wir nicht an eine jährliche Ausrichtung, aber wir haben uns vorgenommen, das Turnier alle zwei Jahre um diese Zeit herum auszurichten. Gerade im ersten Jahr der Ausrichtung fällt ein sehr hoher Aufwand an, und so möchten wir es erst mal langsam angehen lassen...

Die Münchener Spitze ist im Turnier mit Stefan Kindermann und Gerald Hertneck vertreten. Da stellt sich die Frage,  ob Sie mit diesem Turnier einen gewissen Austausch zwischen München und der Schachwelt auf den Kanaren begründen wollen. Gibt es dort auch Ansätze, Schach in den Schulen zu etablieren?

Schon beruflich habe ich sowohl in Deutschland als auch in Spanien zu tun, Spanien ist zudem eine sport- und auch schachbegeisterte Nation. Wir haben regen Austausch mit der spanischen und kanarischen Schachföderation und allen Schachbegeisterten auf den Kanarischen Inseln. Dort wird auch eine hervorragende Arbeit an den Schulen geleistet. Wir haben zum Beispiel bereits organisiert, dass Schulklassen aus der Umgebung das Turnier regelmäßig vor Ort besuchen werden. Außerdem hat Las Palmas eine lange Tradition an bedeutenden Schachturnieren vorzuweisen.  Wir sind dort auf sehr gute Resonanz gestoßen mit unserer Idee diese Tradition fortzusetzen.

Herr Krulich, ich denke, es wird ein spannendes Turnier, und danke für das Gespräch.

 

 

 

 


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