Gute Stimmung beim Aeroflot Open

26.02.2007 – Das Aeroflot Open ist ein Turnier der Superlative - selbst sehr starke Großmeister gehen hier leicht ohne Preis, aber mit beträchtlichem Elo-Verlust nach Hause. Um so beeindruckender ist der Sieg von Evgeny Alekseev, einem jungen russischen Großmeister, der auf dem Weg nach oben ist: Kurz vorher gewann er das Supercup Finale der Russischen Meisterschaft und zwischendurch auch noch die St. Petersburger Blitzmeisterschaft. Die Partien beim Turnier waren umkämpft, aber die Stimmung war gut. Man spielte Blitz, analysierte, ging gemeinsam aus und genoss das Schach und das Leben in Moskau. Misha Savinov schickt viele Bilder und einen Bericht, der zeigt, wie sehr das russische Schach wieder im Aufwärtstrend ist. Mehr...

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Ein Turnier für das Guiness Buch der Rekorde: Das Aeroflot Open 2007

Von Misha Savinov

Großmeister Evgeny Alekseev, der Gewinner des Superfinales der Russischen Meisterschaft belegte beim Aeroflot Open 2007 einen klaren ersten Platz - übrigens das erste Mal in der Geschichte des Turniers, dass jemand dieses Doppel gelang. Zwischendurch gewann Evgeny auch noch die Blitzmeisterschaft von St. Petersburg und damit gelang ihm beim Aeroflot Open der Hattrick. Eine gute Leistung! Alekseev ist ein sehr vielseitiger Spieler. Sein Vorbild ist Capablanca - einfaches, aber sehr gesundes, positionelles Schach verbunden mit kleinen Kombinationen. Die Gegenwart des erfahrenen Igor Khenkin, der Evgeny in diesem Turnier unterstützte, fügte dem noch eine feine Komponente Psychologie hinzu, was zu einer Reihe wertvoller Siege führte.

Evgeny Tomashevsky, ein weiterer viel versprechender russischer Spieler, landete auf dem zweiten Platz, wobei er den denkbar geringsten Vorsprung auf Dmitry Jakovenko hatte - ein einziger Punkt bei der kombinierten Wertung der Elo-Zahlen ihrer Gegner! Tomashevsky ist ebenfalls ein positioneller Spieler, aber auf etwas originellere Weise. Dem Großmeister aus Saratov mangelt es vielleicht an hochklassiger Eröffnungsvorbereitung, aber er ist ein raffinierter Stratege und seine Umklammerung ist tödlich.

Jakovenko entwickelt ein Keres-Syndrom - seit kurzem wird er in jedem wichtigen Turnier Zweiter. Das Superfinale, Pamplona, Wijk aan Zee B und jetzt Aeroflot - wirklich eine imposante Serie! Wetten Sie beim bevorstehenden Poikovsky nicht auf den Falschen.

Die Chinesen Wang Yue und Ni Hua gehörten mit ihren Siegen in der Schlussrunde etwas überraschend zu der Gruppe von Spielern, die auf dem geteilten zweiten Platz landeten. Ich gebe zu, dass ich mir ihre Partien nicht sehr gründlich angeschaut habe und deshalb nichts über ihre Spielerpersönlichkeiten sagen kann. Alles in allem prägten die chinesischen Teilnehmer das diesjährige Aeroflot Open maßgeblich und es ist kein Wunder, dass zwei von ihnen am Ende an der Spitze landeten.

Die Sieger der Vorjahre, Baadur Jobava und Emil Sutovsky, kämpften in ihrer Schlussrundenbegegnung bis zur Erschöpfung gegeneinander, bis sie sich schließlich auf Remis einigten, was ihnen den geteilten 6. bis 9. Platz brachte, gleichauf mit Zoltan Almasi und Sergey Volkov. Jobava führte das gesamte Turnier hindurch ein recht entspanntes Leben. Wer jedoch meint, dies hat ihn daran gehindert, ein besseres Ergebnis zu erzielen, dem möchte ich entgegen halten, dass die Leute ihre Energie aus unterschiedlichen Quellen schöpfen und es uns nicht ansteht, hier ein Urteil zu fällen.

Emil Sutovsky erholte sich nach zwei Niederlagen in der zweiten und dritten Runde glänzend, indem er vier Partien nacheinander gewann, dann jedoch einen Gewinn in der achten Runde übersah, in der ihm eine brillante positionelle Partie gegen Wang Yue gelang.

Vladimir Akopian war die ganze Zeit nahe an den Führenden dran, aber eine Niederlage gegen Jakovenko warf ihn aus dem Wettbewerb. Krishnan Sasikiran, ein anderer Elo-Favorit, verlor viele Wertungspunkte und kam nicht ins Preisgeld - kein ungewöhnliches Schicksal für Elo-Favoriten bei den Aeroflot Open.

Der Linares-Mann, Paco Vallejo, begann mit 0/2, rettete aber am Ende das Turnier und landete bei +2, genau wie Alexander Khalifman und die Turnierüberraschung Stanislav Novikov. Letztgenannter erzielte nur einen halben Punkt aus den drei letzten Runden. Zufälligerweise begann der Niedergang, als Novikovs Partien nicht auf der offiziellen Seite übertragen wurden.

Zwei wichtige Schlussfolgerungen kann ich aus dem Aeroflot Open 2007 ziehen. Erstens verbessert sich die finanzielle Situation der Schachspieler deutlich, da viele von ihnen ein Turnier mit einem Siegpreis von 30.000,- US-Dollar auslassen können. Es gab weniger Spitzen- oder Beinahspitzenspieler als 2004 oder 2005. Liegt das am Online Poker? Ich bezweifle es.

Zweitens machen sich die Investitionen des Russischen Schachverbands schneller als erwartet bemerkbar. Ildar Khairullin und Ian Nepomniachtchi, beide 16 Jahre alt, fühlten sich zwischen den Großmeistern mit 2550-2700 Elo zuhause und drei weitere Teilnehmer des kürzlich beendeten Superfinales gewannen einfach das Turnier. Beachten Sie, dass Alekseev in der letzten Runde den olympischen Meister Gabriel Sargissian geschlagen hat. Eine Mannschaft für das nächste internationale Turnier auszuwählen wird nicht so automatisch vonstatten gehen können wie zuvor.

Und schließlich ist das Aeroflot Open immer noch der weltbeste Pool für junge aufstrebende Spieler, die die gesamte Karriereleiter vom C- bis zum A1-Turnier in ein paar Jahren erklimmen können. Die Chinesen begreifen das besser als jedes andere Land und schickten eine der größten Delegationen. Ich bin überrascht, dass keine Amerikaner am Turnier teilnahmen (außer Alexander Ivanov). Im Aeroflot zu spielen half sowohl Aronian als auch Carlsen (wenngleich auch nicht finanziell) und man sollte eine solche Trainingsgelegenheit nicht versäumen. Auch nicht, wenn man Hikaru heißt!

Das Izmailovo Hotel bot eine breite Auswahl an Möglichkeiten zur Zerstreuung und alle Spieler, mit denen ich redete, waren mit ihrem Aufenthalt in Moskau und ihrem gesellschaftlichen Leben beim Turnier ziemlich zufrieden. Zwei nationale Sportkanäle sendeten täglich Turnierneuigkeiten im Fernsehen und machten am letzten Tag ein Interview mit dem Turniersieger. Türkische, indische und israelische Journalisten waren sehr aktiv im Pressezentrum und überschwemmten ihre Webseiten mit den aktuellsten Nachrichten.

Die Zuschauer kamen unaufhörlich, um die Partien im Spielsaal und auf den Bildschirmen zu verfolgen (obwohl manche dann doch lieber Blitzpartien im Analyseraum spielten). Alles war so wie es im einen Turnier für das Guiness Buch der Rekorde sein sollte. Fußball-, Basketball-, Tennisduelle - das ist kurzfristige, kommerziell gut verwertbare, konzentrierte Aufregung. Schach Open gleichen eher Musikfestivals. Geld ist zwar auch im Spiel, aber an allererster Stelle steht immer noch die Atmosphäre. Die Leute treffen sich, reden, gehen miteinander aus und genießen das Leben. Das ist unbezahlbar. Schach ist in diesem Fall nur ein Vorwand. Kommen Sie und überzeugen sich selbst.


Analyse in guter Gesellschaft: Lahno, Nepomniachtchi, Mamedov


Yussupov und Wang Hao


Azmai und Gijssen


GM Sedlak spielt mit Freunden Zeitvorgabepartien im Hotelsaal


Ein Flakon mit stark riechender Flüssigkeit: Wang Yues Luftfrischmacher


Ilya Nyzhnyk (links) spielte mit jedem Blitz


Sutovsky verpasste in der 8. Runde ein Gewinn


Runde 8 ist im Gang



Alisa Galliamova erforscht die 'Geheimnisse des schachlichen Denkens'


Tomashevsky gegen Jakovenko in Runde 9: ein schnelles Remis, was Tomashevsky sehr erleichtert haben dürfte - ihr individuelles Ergebnis lautet 0-4


Miss Lahno


Minasian und Novikov - jeder der beiden könnte nach Dortmund fahren, falls sie ihre Partie in der 9. Runde gewinnen


Gabriel Sargissian hatte ebenfalls eine günstige Farbverteilung beim Tiebreak, aber verlor genau wie Minasian in der letzten Runde


Evgeny Alekseev möchte nicht prüfen, wie gut Aronians Sekundant mit aktuellen Modevarianten vertraut ist


Große Namen mit +2: Paco Vallejo und Alexander Khalifman


'Faust' und Soda


Warten auf Mr. Alekseev


Andrzej Filipowicz, Bulat Asanov und Lev Psakhis im Pressezentrum


Drei Aeroflot-Gewinner: 2005, 2006 und 2007


Vorbereitungen auf ein Interview


Zuschauer jeden Alters und jeder Spielstärke


Yury Dokhoyan studiert die neuesten Partien seiner augenblicklichen Schüler, der Kosintseva-Schwestern


Maria Fominykh - Rauf Mamedov; Zeitvorteil: 5 zu 1


Bulletpartien sind ziemlich populär


Wang Yue knetet Stanislav Novikov


Baadur Jobava: Nicht neidisch auf den neuen Sieger!


Die Schlussfeier


Die Preisgeldwarteschlange


Vugar Gashimov beeindruckt Paco Vallejo


Gashimov-Petrosian: eine Schlagzahl von drei Zügen pro Sekunde






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