Ideenreich: ChessBase Magazin #176

von Johannes Fischer
16.03.2017 – Was tun, wenn man nach neuen Eröffnungsideen sucht? Ein Blick ins ChessBase Magazin hilft. Die Beiträge über aktuelle Turniere, in denen Spitzengroßmeister ihre Partien analysieren und die Kolumnen über Mittelspiel, Klassiker, Taktik oder Endspiel laden zum gezielten Training ein, doch die Eröffnungsbeiträge inspirieren, neue Varianten auszuprobieren.

Zum Beispiel die Janowski-Variante im Abgelehnten Damengambit (1.d4 d5 2.c4 e6 3.Sc3 a6!?), die Weiß vor überraschend viel Probleme stellt, 4.Dd3 als Überraschungswaffe gegen den Winawer-Franzosen (1.e4 e6 2.d4 d5 3.Sc3 Lb4 4.Dd3!?) oder auch Najdorf mit 6.Sb3 (1.e4 c5 2.Sf3 d6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 a6 6.Sb3!?). Gerade dieser Zug zeigt, dass es selbst in einer so theoretisch gründlich erforschten Variante wie dem Najdorf-Sizilianer möglich ist, bereits früh überraschende Züge zu finden. Aber mit 6.Sb3 will Weiß mehr als nur originell sein. Was er will, verrät das Booklet des ChessBase Magazins:

„Eigentlich handelt es sich bei 6.Sb3 um einen Wartezug. Weiß hofft vor allem, dass Schwarz die Diagonale c8-h3 schließt und damit ein schnelles g2-g4 ermöglicht. Das am meisten gespielte 6...e6 wird also mit 7.g4 beantwortet. Es ist ein Keres-Angriff, in welchem Weiß seinen Springer von d4 weggezogen hat. Das ist sicher nicht optimal, aber Schwarz muss trotzdem um Ausgleich kämpfen.“

Auch die anderen Alternativen des Schwarzen werden vorgestellt, jeweils mit einer kurzen Erklärung, welche Strategie Weiß dann verfolgt. Das Fazit lautet: „Einerseits besitzt Schwarz mehrere gute Antworten nach 6.Sb3, andererseits kann er sich des Ausgleichs noch nicht sicher sein und muss ganz gut Bescheid wissen.“

Damit werden die weißen Ideen schnell und kompakt dargestellt und schaut man sich dann auch noch den entsprechenden Artikel an, so hat man in kurzer Zeit eine Waffe gegen Najdorf, mit der man theoretisch weniger versierte Spieler überraschen kann.

Einer der ersten, der die Möglichkeiten von 6.Sb3 erkannt hat, war der polnische Großmeister Mateusz Bartel, der damit gegen starke Gegner wie Markus Ragger, Vladislav Artemiev und Radoslaw Wojtaszek gewinnen konnte. Es dauerte nicht lange und andere Großmeister zogen nach, darunter Sizilianisch-Experte Wei Yi. 2016 gewann er in der chinesischen Liga mit 6.Sb3 eine schwungvolle Partie gegen Gao Rui.

 

Johannes Fischer, Jahrgang 1963, ist FIDE-Meister und hat in Frankfurt am Main Literaturwissenschaft studiert. Er lebt und arbeitet in Nürnberg als Übersetzer, Redakteur und Autor. Er schreibt regelmäßig für KARL und veröffentlicht auf seinem eigenen Blog Schöner Schein "Notizen über Film, Literatur und Schach".
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