Interview mit Barlomiej Macieja

05.02.2008 – Seit 2000 führt die European Chess Union (ECU) Europameisterschften für Männer und Frauen durch, mit einer einzigen Ausnahme als Open im Schweizer System. Vassily Ivanchuk (2004, Anatlya) war dabei der einzige absolute Topspieler, der bisher seiner Favoritenrolle bei Europameisterschaften auch gerecht werden konnte. Mit Tregubov, Maciejia, Asmajparashvili, Nisipeanu, Kozul und Tkachiev kamen in den anderen Meisterschaften Spieler zum Titel, die man zumeist nicht als erste Anwärter dafür angesehen hatte. Dejan Bojkov führte für die Turnierseite des diesjährigen Gastgebers der Europameisterschaften Plovdiv ein Interview mit dem polnischen Großmeister Barlomiej Macieja, der 2002 in Batumi der dritte Europameister wurde.Plovdiv-Turnierseite...Zum Interview...

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Interview mit Barlomiej Macieja


Wie verlief Ihr Turnier in Maalot-Tarshiha (Israel)?

Kurz vor dem Turnier wurde ich krank. Zum Glück ging das Fieber nach Einnahme starker Medikamente bald zurück und noch vor Mitte des Turniers war ich dann wieder voller Energie. Mein Endergebnis war allerdings sehr schlecht, vor allem aufgrund schwerer Zeitnot in den Schlussphasen der Partien. Dazu kam eine für mich gar nicht typische und schwer zu erklärende Müdigkeit in der Schlussphase beinahe jeder Partie, die zu einer unglaublichen Zahl von Fehlern führte.

Haben Sie vor, in Plovdiv zu spielen?

Ja. Bislang habe ich nur eine Europameisterschaft verpasst. Letztes Jahr in Dresden habe ich nicht gespielt, da ich mich in Kusadasi 2006 bereits für den Worldcup qualifiziert hatte.

Welche Turniere wollen Sie bis dahin spielen?

Das Moskau-Open, die polnische Meisterschaft, Gausdal und einige … Tischtennisturniere, darunter Ligawettkämpfe.

Bereiten Sie sich auf wichtige Turniere speziell vor?

Im 20. Jahrhundert habe ich mich in der Regel sehr viel ernsthafter auf wichtige Turniere vorbereitet. Zum Beispiel habe ich mich einen Monat lang auf die Weltmeisterschaft in Las Vegas vorbereitet. Heutzutage schwankt das. Manchmal fahre ich ohne jede Vorbereitung zu einem Turnier. Ich bin lieber frisch; außerdem gibt es Zeiten, in denen ich nicht genug Motivation habe, um Schach zu spielen oder dafür zu arbeiten. Aber nicht beim letzten Weltcup. Ich war sehr gut vorbereitet und hoch motiviert. Das half mir, gegen Viktor Laznicka und Teimour Radjabov zu gewinnen.



Sie waren bereits einmal Europameister? War es schwer, den Titel zu gewinnen? Können Sie uns etwas über das Turnier in Batumi erzählen?

Kurz vor der Europameisterschaft hatte ich meine letzten beiden und zugleich sehr schweren Prüfungen an der Universität Warschau bestanden. Ich hatte keine Zeit gehabt, mich vorzubereiten, die zwei Wochen zuvor hatte ich nur drei bis vier Stunden pro Nacht geschlafen, ich war erschöpft. In der ersten Nacht in Batumi habe ich 14 Stunden geschlafen! Das Turnier begann sehr schlecht für mich, da ich in der ersten Runde gleich verlor. Zum Glück lief später alles nur noch besser. Ich gewann sieben der letzten zwölf Partien. Ich glaube, der entscheidende Moment war mein Schwarzsieg gegen Dmitry Jakovenko in der siebten Runde. Zu diesem Zeitpunkt hatte meine Gegner eindrucksvolle 6,5/7. Danach gehörte ich zur Gruppe der Führenden. Nach einer erfolgreichen zwölften Runde war ich alleiniger Spitzenreiter. Ein Kampfremis in der letzten Runde gegen Vadim Milov reichte mir dann aus, um Meister zu werden.

Was glauben Sie: Warum hat in der Geschichte der Europameisterschaften noch nie der Elo-Favorit gewonnen?

Das stimmt nicht ganz. 2004 war Vasili Ivanchuk an Eins gesetzt und hat die Meisterschaft gewonnen.



Halten Sie es für fair, dass bei den verschiedenen Europameisterschaften die gleiche Zahl von Plätzen für die Weltmeisterschaft vergeben wird?

In einem offiziellen Schreiben vom 10. März 2006 an die Vorstandsmitglieder der ECU hat die ACP, die Association of Chess Professionals, vorgeschlagen, ein mathematisches Verhältnis zwischen der Zahl der Qualifikationsplätze und dem Preisfond herzustellen. Die Zahl der Qualifikationsplätze bei jeder Europameisterschaft in einem Zweijahreszyklus würde prozentual nach der Größe des Preisfonds für jede Meisterschaft bestimmt werden. Zwar könnte dieser Vorschlag ein paar technische Probleme aufwerfen, aber die halte ich für geringfügig und leicht zu lösen.

Waren Sie je in Plovdiv oder überhaupt in Bulgarien? Wenn ja – was denken Sie über Land und Leute, Kultur und Küche?

Ich habe bei der Mannschaftseuropameisterschaft 2003 in Plovdiv an Brett Eins für Polen gespielt. Das ganze Turnier über war ich krank, aber trotzdem habe ich eine Silbermedaille für meine Einzelperformance (2762) gewonnen. Ich glaube, Bulgarien ist von Polen nicht sehr verschieden. Wir sind Slawen, nach dem Zweiten Weltkrieg standen wir unter dem Einfluss der Sowjetunion; haben vor fast zwei Jahrzehnten die Unabhängigkeit wieder erlangt. Ich habe gute Freunde unter den bulgarischen Spielern. Da ich fließend Polnisch und Russisch spreche, verstehe ich sogar eine ganze Menge Bulgarisch. Sprechen kann ich es natürlich nicht.

Was erwarten Sie von dem Turnier?

Nun, vor kurzem war ich wieder krank, das Turnier findet in Plovdiv statt. Gute Vorzeichen für eine gute Leistung.

Vielen Dank für das freundliche Interview und viel Glück bei Ihren kommenden Turnieren!

Die Fragen stellte Dejan Bojkov
 


Bartolomiej Maciejas Webseite: http://www.chess-sites.com/demo/index.php?option=com_frontpage&Itemid=1



 

 

 

 


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