Interview mit Daniel Fridman

04.08.2010 – Der Rückzug der vier deutschen A-Spieler Naiditsch, Gustafsson, Meier und Fridman von der kommenden Schacholympiade wird derzeit viel diskutiert. Daniel Fridman hat in einem Interview mit Johannes Fischer nun ausführlich alle Beweggründe für den Schritt der Spieler dargelegt. Dabei geht es den deutschen Spitzenspielern nicht nur um das Antrittsgeld für dieses Turnier, sondern auch um die Unterstützung des Verbandes für seine Top-Spieler generell. Neben Zuschüssen für Turniere und geeigneten Trainingsmaßnamen fehlt es auch an Turnieren selbst. So wird die Deutsche Meisterschaft als Amateuropen durchgeführt und wurde in diesem Jahr unglücklicherweise noch auf den gleichen Termin wie die Europameisterschaft gelegt. Schon nach der Schacholympiade in Dresden hatten die Spieler das Gespräch gesucht, wären aber beim DSB auf taube Ohren gestoßen. Immer mehr junge Spieler würden wegen des Mangels an Unterstützung frühzeitig Alternativen zu einer möglichen Karriere als Schachprofi suchen. Fridman meint aber, dass starke deutsche Spieler mit Erfolgen bei internationalen Einzel- oder Mannschaftsmeisterschaften auch für die Mitgliederentwicklung des Deutschen Schachbundes einen durchaus positiven Einfluss ausüben. Interview mit Daniel Fridman...

"Es geht um mehr als nur Geld“
Ein Gespräch mit Daniel Fridman über die Nationalmannschaft, die Olympiade und Spitzenschach in Deutschland

Lieber Daniel Fridman. Du bist Nummer 3 der deutschen Rangliste, wurdest 2008 deutscher Meister und gehörst zu den vier Spielern, die für die Schacholympiade 2010 nominiert wurden, jedoch nach gescheiterten Honorarverhandlungen mit dem Deutschen Schachbund nicht spielen wollen. Jetzt ist eine Situation entstanden, die für alle Seiten unbefriedigend ist: Die Spieler können nicht bei der Olympiade spielen, der DSB nominiert eine Mannschaft, deren Brett 1 die Nummer 14 der deutschen Rangliste und deren Brett fünf die Nummer 80 der deutschen Rangliste ist. Der Imageschaden für den Spieler und den DSB ist groß. Hätte man das nicht verhindern können?

Vielleicht. Aber hier geht es nicht nur um das Honorar für diese Olympiade. Es muss sich grundsätzlich etwas ändern. Und die Weigerung der Mannschaft, zur Schacholympiade nach Khanty-Mansiysk zu fahren, kam nicht wie ein Blitz aus heiterem Himmel, sondern hat eine lange Vorgeschichte. Ich spiele erst seit drei Jahren für die deutsche Nationalmannschaft, aber wie ich gehört habe, sind die Honorare seit 1990 gleich geblieben. Schon nach der Mannschaftseuropameisterschaft im Oktober 2009 in Novi Sad, wo die Bezahlung ganz schlecht war, haben wir gesagt, es muss sich etwas ändern. Aber der Deutsche Schachbund hat nicht reagiert und reagiert nicht.

Bei der Europameisterschaft haben wir gut gespielt und sind Fünfter geworden. Dennoch wollte man uns für die Olympiade in Khanty-Mansiysk erst weniger zahlen als bei der Schacholympiade in Dresden, dann hat man uns das gleiche Honorar wie in Dresden angeboten und das war nicht akzeptabel.

Wir würden alle sehr gerne bei der Olympiade spielen, aber wenn wir weiter für die gleichen Konditionen spielen, dann denkt sich der DSB, „alles in Ordnung, wir machen weiter so“. Wenn alle Angebote und jede Kritik ignoriert wird, dann ändert sich nichts. So ist uns leider nichts anderes übrig geblieben, als das „Gegenangebot“ des DSB abzulehnen.

Wenn ich Jan Gustafssons Artikel in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Schach richtig verstanden habe, dann gab es bei dem Streit um die Honorare niemals ein richtiges Gespräch mit dem DSB?

Ja das stimmt. Wir haben einen Brief geschrieben und um ein Gespräch gebeten, aber die Bitte um ein Gespräch blieb ohne Antwort. Warum das so ist, weiß ich nicht. Vielleicht hatte der DSB nichts zu sagen oder wollte nichts sagen, keine Ahnung. Danach gab es nur Emails und Telefonate.

Viele Schachspieler sagen, an einer Schacholympiade teilzunehmen ist ein einmaliges Erlebnis und sie würden gerne mehr als nur Reisekosten zahlen, um diese Chance zu bekommen. Da fragt man sich: „Warum die Debatte ums Geld?“ Warum sagen die Spieler nicht: „Die Olympiade ist ein Superturnier, ich spiele gerne für Deutschland, die Olympiade steigert meinen Marktwert, ich spiele auch ohne Honorar“?

Ich spiele tatsächlich gerne für Deutschland und natürlich ist die Olympiade ein sehr interessantes, spannendes und attraktives Turnier. Man trifft viele Freunde, die Atmosphäre ist schön. Aber man muss unterscheiden. Es gibt Mannschaften, die nicht so stark sind und die nicht unter Erfolgsdruck stehen. Die Spieler dieser Mannschaften fahren zur Olympiade, um ein schönes Turnier zu spielen, fast so, als ob sie Urlaub machen würden. Aber das sind dann auch Ferien. Wenn ich Ingenieur oder Programmierer wäre, und trotzdem die Gelegenheit hätte, zur Olympiade zu fahren, dann würde ich auch zahlen, um ganz ohne Erfolgsdruck bei der Olympiade mitzuspielen.

Aber ich bin Profi und in Deutschland liegen die Dinge anders. Deutschland ist eine der stärksten Schachnationen, der Deutsche Schachbund ist eine der mitgliederstärksten Schachverbände und nur Russland hat mehr Großmeister, Internationale Meister und Titelträger als Deutschland. An die deutsche Mannschaft werden Erwartungen geknüpft. Vielleicht nicht unter die ersten drei zu kommen, aber vielleicht doch unter die ersten zehn. Das ist schwer. Die Olympiade ist ein hartes Turnier. Man spielt zwei Wochen, man hat gute Gegner. Und ein Mannschaftsturnier ist etwas anderes als ein Open. In einem Open kann man sagen, okay, es hat nicht geklappt, aber in einem Mannschaftsturnier wie der Olympiade muss man die ganze Zeit 120 Prozent geben. Im Open spielt man für sich selbst, bei der Olympiade spielt man für die Mannschaft. Und einmal in zwei Jahren könnte bei einem solchen Turnier auch von Seiten des DSB etwas kommen.

Was den Marktwert betrifft, so steigert der sich durch die Teilnahme an einer Olympiade nicht. Zumindest habe ich das nicht erlebt.

Warum ist es wichtig für das deutsche Schach, dass Deutschland mit einer guten Mannschaft zur Olympiade fährt und dort gut abschneidet?

Für mich ist das generell wichtig, nicht nur als Schachprofi, sondern auch als Schach- und Sportfan. Ich verfolge gerne Turniere und Sportveranstaltungen, und ich wäre ziemlich enttäuscht, wenn Deutschland eine zweit- oder drittklassige Handballmannschaft zu großen Turnieren oder zur Olympiade schickt – aus welchen Gründen auch immer. Ich glaube, für Schachfans ist es interessanter zu sehen, wie die deutsche Mannschaft um einen der vorderen Plätze kämpft.

Das heißt, der Deutsche Schachbund hat den deutschen Schachfans gegenüber eine Verpflichtung?

Ich würde es so empfinden.


Foto: Kohlmeyer

Die Spieler verlangen vom DSB ein Honorar. Aber was bekommt der DSB für das Geld, das er zahlt, das er in die Spieler investiert?

Ich bin Schachspieler, kein Fundraising-Experte. Ich finde, der Verband müsste sich darum kümmern, Sponsoren zu finden. Ein Verband, der nicht explizit erklärt, dass er nur für Amateure da ist, sollte einen professionellen Fundraiser haben, der Sponsoren sucht. Im DSB gibt es den entweder nicht oder er arbeitet schlecht, denn Ergebnisse sieht man nicht.

Natürlich ist das einfacher gesagt als getan, aber ich glaube, für die Nationalmannschaft sollte man Geld auftreiben können. Viele Leute sind am Schach interessiert, gerade in Deutschland, und das dürfte für Sponsoren interessant sein. Die Schachspieler müssen natürlich mitmachen, aber unsere Aufgabe ist es vor allem, gut zu spielen. Ich bitte ja auch keinen Funktionär, die Olympiade für mich zu spielen.

Ich glaube, es ist auch Aufgabe des DSB, etwas aus seiner Nationalmannschaft zu machen, Schach in Deutschland mit Hilfe der Nationalmannschaft populärer zu machen. Natürlich müssen die Nationalspieler ihren Beitrag leisten und sich z.B. für bestimmte Veranstaltungen zur Verfügung stellen, aber dazu wäre ich bereit.

Der Ruf nach einem deutschen Magnus Carlsen oder einem Boris Becker des Schachs wird eben nur dann Wirklichkeit, wenn der DSB seine Spitzenleute fördert, damit sie besser werden und jungen Spielern Vorbilder und Perspektiven aufzeigen können. Davon profitiert dann auch der DSB, u. a. mit steigenden Mitgliederzahlen etc.

Oft wird in dieser Debatte gesagt, der Deutsche Schachbund hätte gar kein Interesse am Spitzenschach und der Förderung des Spitzenschachs. Wie siehst Du das?

Diesen Eindruck habe ich auch. Ich spiele jetzt seit drei Jahren für Deutschland und die einzige Förderung, die ich bekommen habe, war eine teilweise Übernahme der Kosten für die Europameisterschaft, die ja auch ein Turnier ist, bei dem man Deutschland offiziell vertritt.

Die bittere Ironie war hier allerdings, dass die Europameisterschaft parallel zur Deutschen Meisterschaft stattfand. Das ist natürlich eine andere Geschichte, aber ich finde – und viele andere Spieler denken genauso – man sollte die Deutsche Meisterschaft als Rundenturnier austragen. Zum Beispiel mit acht Spielern, die aufgrund ihrer Elo-Zahl gesetzt werden, dazu noch vier Spieler, die sich qualifizieren. So wie es in Holland gemacht wird. Gibt es dann noch gute Preise, kommen auch starke Spieler und man hat eine richtig gute und starke Meisterschaft.

Ich weiß natürlich auch, dass man das aktuelle System nicht einfach ändern kann, weil die Landesverbände Vertreter ihres Landes schicken wollen. Aber das entwertet den Meistertitel. 2008, als ich zum DSB gewechselt bin, habe ich die Meisterschaft gewonnen und war natürlich sehr stolz. Aber viele starke Spieler haben gar nicht mitgespielt.

Natürlich ist es schön, die Deutsche Meisterschaft zu gewinnen. Aber etwas anderes wäre es, eine Deutsche Meisterschaft zu gewinnen, in der wirklich die Besten spielen, die ein richtig hartes Turnier ist, eine richtige Meisterschaft.

Generell gibt es in Deutschland nur wenig wirkliche Schachprofis. Das soll nicht heißen, dass Leute, die studieren oder arbeiten und gleichzeitig Schach spielen, nicht gut sind. Aber es gibt nur wenige Leute, die ausschließlich Schach spielen und vom Schach leben. Und ich habe nicht den Eindruck, dass in Zukunft viele dazu kommen werden.

Jetzt schickt man also eine junge Mannschaft zur Olympiade. Khenkin wurde nicht aufgestellt, aber wo sind Arik Braun und David Baramidze? Die Jugend soll gefördert werden, das ist gut und schön, und ich bin dankbar, dass ich in Lettland als Jugendlicher gefördert wurde. (Wobei ich mir dennoch mehr Förderung in Lettland gewünscht hätte, denn außer dem Training, das tatsächlich sehr gut war, gab es keine Förderung.) Aber wieso spielen junge Spieler wie Arik Braun und David Baramidze nicht? Weil sie studieren, um dann einen Beruf zu ergreifen, der finanzielle Sicherheit bietet – was ich gut verstehen kann. Aber wäre es dann nicht besser, auch etwas für die Leute zu tun, die beim Schach bleiben, die Profis sind?

Klaus Deventer meinte in seinem offenen Brief, der DSB hofft, dass die jungen Spieler die durch unseren Rückzug entstandene Lücke schnell schließen können. Aber das ist nicht ganz so einfach, wie ich aus eigener Erfahrung sagen kann. Da können Jahre vergehen und die meisten Spieler sagen wahrscheinlich irgendwann: „Okay, jetzt muss ich einen Beruf ergreifen und mit Schach auf professionellem Niveau aufhören.“ Und selbst wenn diese Jugendspieler diese Lücke schließen, dann kann ich mir nicht vorstellen, was das ändert. Glaubt der DSB, dass sie für wenig Geld und die gleichen Konditionen weiter für den Deutschen Schachbund spielen? Über kurz oder lang wird die gleiche Situation entstehen, die jetzt entstanden ist.

Warum sind Profis für das deutsche Schach wichtig, warum braucht Deutschland Spitzenspieler?

Ich glaube, ganz genau kann diese Frage niemand beantworten. Aber warum ist Fußball so wichtig? Warum sind die Leute so begeistert davon und warum wollen sie, dass ihre Mannschaft Weltmeister wird? Spitzenspieler machen Schach einfach attraktiver und ich glaube, es ist wichtig, dass die deutschen Schachfans die beste Mannschaft sehen. Und in anderen Bereichen arbeitet auch niemand umsonst. Jeder Politiker bekommt Geld und angenommen, ein Software-Programmierer hat eine Idee für ein Programm, dass Deutschland nützt und jemand kommt und sagt: „Sehr schön, mach das bitte, aber lass uns nicht über Geld streiten“, dann würde man das absurd finden.

Bei der Debatte um die Nationalmannschaft geht es auch immer wieder um Förderung und Training und um die Rolle des Bundestrainers. Was macht der Bundestrainer Uwe Bönsch?

In Deutschland ist, so weit ich es verstanden habe, der Bundestrainer für die Aufstellung der Nationalmannschaft verantwortlich. Ich finde allerdings, man sollte die Mannschaft einfach nach Spielstärke, d.h. nach Elo-Zahl nominieren. Natürlich könnte man wie in den USA noch einen Koeffizienten einbauen, mit dem Jugendlichen bei gleicher oder etwas schlechterer Elo-Zahl bessere Chancen haben. Und ich finde, wenn man sagt, man geht nicht nach Spielstärke, sondern nominiert eine andere Mannschaft mit vermeintlich größerem Potenzial und diese Mannschaft spielt schlecht, dann muss der Bundestrainer die Verantwortung übernehmen. Wie es in anderen Sportarten ja üblich ist, nicht zuletzt im Fußball.

Der Bundestrainer nominiert die Nationalmannschaften, aber was macht er noch? Wie sieht der Kontakt zwischen dem Bundestrainer und den Nationalspielern aus?

Ich würde sagen, Uwe Bönsch kümmert sich eher um technische Fragen. Visafragen oder Dopingbestimmungen, aber Schachtraining habe ich noch nicht mit ihm gemacht. Ich war einmal bei einem Vorbereitungstreffen vor der Schacholympiade in Dresden 2008, aber da hat Uwe schachlich nicht mit uns gearbeitet. Die Spieler haben sich zusammengesetzt und trainiert.

Wie machen das andere Verbände?

Ich denke, im Idealfall wird die Mannschaft von zwei Leuten betreut. Einer, der die Rolle des Mannschaftskapitäns übernimmt, der sich um technische Fragen kümmert: die Mannschaftsaufstellung rechtzeitig einreichen, sich um Probleme und Details kümmern, usw. Das sind vielleicht nur Kleinigkeiten, aber sie sind wichtig.

Daneben sollte es einen Schachtrainer geben. Natürlich arbeitet jeder Spitzenspieler eigenständig, aber zugleich braucht man Hilfe, denn die vielen Informationen, die es heutzutage gibt, kann man alleine gar nicht bewältigen. Es hilft, wenn man einen qualifizierten Trainer hat, der bereit ist, die ganze Nacht zu analysieren, um dann am nächsten Morgen Ergebnisse zu präsentieren. Das entlastet die Mannschaft bei der Vorbereitung und die Spieler können sich stärker auf die Partie konzentrieren. Die Spieler arbeiten ohnehin sehr viel, sie prüfen Analysen, sie bereiten sich vor, und deshalb ist eine solche Arbeit sehr wichtig und hilfreich. Ein solcher Trainer kostet für ein Turnier nicht mehr als ein Spieler. Wenn man sich wundert, wie ein Trainer, der schwächer als die Spieler ist, helfen kann, dann braucht man nur an Spieler wie Kasparov und Carlsen zu denken, die ohne Trainer nie so gut geworden wären. Von anderen Sportarten gar nicht zu reden.

Haben andere Verbände solche Trainer?

Hundertprozentig genau weiß ich das nicht, aber ich glaube Holland hat Chuchelov, er wird vom holländischen Schachverband bezahlt und arbeitet individuell mit einzelnen Spielern. Bei großen Mannschaftsturnieren wie der Olympiade ist er auch als Mannschaftstrainer dabei und macht die Arbeit, die ich oben beschriebe habe. Russland hat Motylev als Trainer, Dänemark arbeitet bei der nächsten Olympiade mit Jan (Gustafsson) als Sekundant und Trainer, Frankreich hat einen Trainer, wer das dieses Jahr ist, weiß ich nicht, bei der Europameisterschaft war es Lautier, davor Tregubov, Österreich hatte Ribli, der auch bei der Einzeleuropameisterschaft dabei war und auch die USA haben einen Trainer und einen Kapitän.

Natürlich weiß ich nicht, wie das jeder einzelne der etwa 160 Verbände macht, aber alle mehr oder weniger professionellen Verbände haben einen Trainer.

Ich weiß nicht, wie das bei den deutschen Mannschaften früher war, aber bei den Wettbewerben, bei denen ich dabei war, war Uwe Bönsch kein Trainer wie Chuchelov oder Ribli, sondern hatte eine andere Funktion. In Dresden hatten wir Christopher Lutz als Trainer, später, als wir gute Chancen hatten, vorne zu landen, kam noch Fabian Döttling hinzu. Bei der Europameisterschaft in Novi Sad hatten wir keinen Trainer, der sich um das Schach gekümmert hat. Uwe Bönsch war dabei, aber was das Schach betrifft, so waren die Spieler auf sich gestellt.

Wenn man die Diskussion um die Honorare und die Aufstellung der Nationalmannschaften rekapituliert – was ist da schief gegangen und wie kann man das in Zukunft vermeiden?

Zunächst einmal würde ich ein Gespräch befürworten, und nicht nur einen Austausch von Emails oder Briefen. Alle Beteiligten sollten sich zusammensetzen und miteinander reden. Ich denke, wir haben ziemlich klar gemacht, was wir vom Deutschen Schachbund wollen. Jetzt ist der DSB am Zug und muss klar sagen, ob er sich für Spitzensport interessiert oder nicht. Dann wissen alle, woran sie sind. Bis jetzt kam vom DSB nichts dergleichen. In Gesprächen wird angedeutet, dass sich der DSB eher auf die Förderung des Amateurschachs konzentriert, aber offiziell ist das nicht.

In vielen Ländern erhalten Spieler kein Geld, wenn sie zur Olympiade fahren, aber sie werden mit einem regelmäßigen Betrag gefördert. In Armenien bekommen die Spieler ein auch für deutsche Verhältnisse gutes monatliches Gehalt – allerdings ist der Präsident Armeniens auch der Präsident des Schachverbandes, das hilft. Und in einigen Ländern wie zum Beispiel der Türkei oder Island bekommt man z.B. bereits Geld, wenn man Großmeister ist oder zur Olympiaauswahl gehört.

Ich hoffe, der DSB fördert in Zukunft auch Spitzenspieler und nicht nur Jugendliche. Gelegentliches Training, Unterstützung bei einem Turnier. Wir reden hier über keine großen Beträge. In anderen Sportarten wird das so gemacht. Wenn man dort im A-Kader ist, bekommt man monatlich Geld, damit man sich voll auf seine Sportart konzentrieren kann. Das hat Vorteile. Ich muss Geld verdienen, ich bin Schachprofi. Und wenn ich zwei Turniere zur Auswahl habe, eins, das etwas schwächer ist oder bessere Konditionen bietet, aber wo ich gute Chancen habe, Geld zu gewinnen, und eins, das stärker ist, aber wo ich gegen stärkere Spieler spielen kann, dann werde ich meistens das schwächere Turnier wählen, weil ich eben Geld verdienen muss. Bekommt man Unterstützung, dann kann man sich besser darauf konzentrieren, die eigene Spielstärke zu verbessern.

Wie geht es nun weiter? Gibt es Bemühungen, das Kind, das jetzt in den Brunnen gefallen ist, wieder hinaus zu holen und es in Zukunft anders und besser zu machen oder herrscht zur Zeit Funkstille zwischen den Spielern und dem DSB?

Ich hoffe, dass es ein Gespräch gibt, in dem die augenblickliche unglückliche Situation geklärt werden kann. Dabei geht es hier nicht nur um etwas mehr Geld für eine Olympiade. Es geht um generelle Fragen: Wie steht der DSB zum Spitzenschach, wer wird wie gefördert und warum, wie werden die Nationalmannschaften aufgestellt, welche Aufgaben und Pflichten hat der Bundestrainer, warum gibt es genug Geld, um zahlreiche Funktionärstreffen zu finanzieren, aber kein Geld für die Nationalmannschaft, um nur ein paar zu nennen. Diese Fragen stehen im Raum und werden in Foren und auf Schachseiten im Internet diskutiert, aber bislang hat sich der Deutsche Schachbund noch nicht an der Diskussion beteiligt. Ich fürchte, der DSB versucht, diese Fragen einfach zu ignorieren und das Problem auszusitzen. Aber ich finde, der Deutsche Schachbund sollte sich äußern.

Die Fragen stellte Johannes Fischer


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