Interview mit dem Deutschen Meister Thomas Luther

04.12.2002 – Bei der stark besetzten Deutschen Meisterschaft in Saarbrücken hatte Arkadij Naiditsch bis kurz vor Schluss die besten Karten. Doch dann setzte sich stattdessen etwas überraschend Thomas Luther durch. Es ist der zweite Titelgewinn des Erfurter Großmeisters nach 1993. Der frisch gekürte Meister gab ChessBase ein Interview und konnte dabei auch die Gerüchte um die Abschaffung der Deutschen Meisterschaft ausräumen. Interview mit Thomas Luther...

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Interview mit dem Deutschen Meister Thomas Luther

Wie fühlt man sich denn,  nachdem man eine Deutsche Meisterschaft gewonnen hat?

Ich fühle mich super!

Und wie lief das Turnier aus deiner Sicht?

Am Anfang kam ich nicht richtig in Tritt. Nach der Olympiade war ich vielleicht auch etwas ausgebrannt. Ich hatte schwere Partien am Anfang. Aber mit der Zeit wurde es immer besser, besonders in der zweiten Turnierhälfte. Gegen starke Gegner gelangen mir gute Partien. Ein herber Rückschlag war die Niederlage gegen Najditsch. Vorher hatte ich gegen Graf auch schon etwas Glück gehabt. Am Schluss habe ich natürlich von der Nervenschwäche von Naiditsch profitiert.

Was war mit ihm los?

Schwache Nerven. Er konnte dem Druck und der Belastung nicht standhalten. Gegen Handke ließ er in der letzten Runde unerklärlicherweise sogar die Zeit ablaufen, im 39.Zug. Um eine Deutsche Meisterschaft zu gewinnen, reicht es nicht, nur gut Schach zu spielen. Man braucht noch andere Qualitäten. Ich bin sicher, dass Naiditsch bei seinem Potential in diesem Bereich in Zukunft auch nachlegen wird.

Das ist deine zweite Deutsche Meisterschaft. Was ist der Unterschied zwischen dieser und der von 1993?

Das kann man nicht so richtig vergleichen. Damals war ich noch nicht Großmeister, sondern ein junger IM. Der Gewinn des Titels hat mir damals sehr geholfen. Mit einem Schlag war ich bekannt und bekam mehr Einladungen zu Turnieren. Außerdem qualifizierte ich mich dadurch für das Zonenturnier und vier Jahre später konnte ich bei der ersten K.O. -WM in Groningen mitspielen. Damals war das Feld allerdings nicht so hochkarätig besetzt. Diesmal waren mit Ausnahme von Christopher Lutz ja alle Spitzenspieler am Start. Umso mehr freue ich mich, dass es dieses Jahr noch einmal geklappt hat.

Wie waren die Spielbedingungen in Saarbrücken?

Toll. Das Organisationsteam um Herbert Bastian hat sich sehr bemüht und mit viel persönlichem Engagement für einen reibungslosen Ablauf mit guten Bedingungen gesorgt. Wir haben in den Messehallen gespielt. Das Licht war dort sehr gut. Das ist für uns Spieler sehr wichtig. Und auch die Luft war gut. Ebenfalls ein wichtiger Punkt, den man nicht übersehen darf. Auch für die Zuschauer. Schach macht keinen Spaß, wenn es dunkel und stickig ist. Am Anfang war es etwas kalt, das wurde aber mit jedem Spieltag besser. Die Tische und Stühle waren vielleicht auch nicht optimal. Aber das sind Kleinigkeiten. Irgendetwas kann man ja immer verbessern.

Welche Stellung hatte die Meisterschaft als Veranstaltung vor Ort?

Das Turnier hatte eine sehr gute Anbindung an die Stadt, an die Firmen und auch an die Politik. Der Ministerpräsident war an einem Tag zu Besuch und bei der Abschlussfeier war auch ein hochrangiger Minister anwesend. Offenbar hat Schach und eine Deutsche Schach-Meisterschaft im kleinen Saarland einen sehr viel höheren Stellenwert als anderswo, zum Beispiel bei mir zu Hause in Thüringen.

Es gab auf der Turnier-Webseite Live-Übertragungen der Partien, Berichte und Fotos.

Richtig. Ich habe die Webseite zwar bisher nicht gesehen, aber Schachfreunde haben mir erzählt, dass dort guter Service geboten wurde. Das Team vor Ort konnte man natürlich auch beobachten. Die Übertragungen hat Axel Fritz besorgt. Er war die ganze Zeit, zehn Tage, vor Ort und hatte immer viel zu tun. Es ist viel Aufwand, das zu organisieren und durchzuführen. Ich finde die Internet-Übertragungen sehr gut und man sieht, dass Schach mit Hilfe des Internets doch zum Zuschauersport wird, denn viele schauen sich die Live-Partien zu Hause am PC oder in Internet-Cafés an.

Was kann man zu den übrigen Spielern sagen?

Wenn man selber spielt, ist es schwierig die anderen zu beobachten. Sehr stark hat jedenfalls Alexander Graf gespielt. Er hat zwei Partien unglücklich wegen Zeit verloren. Aus den anderen hat er 6,5 aus 7 gemacht. Das ist beeindruckend. Er müsste sein Zeitproblem besser in den Griff bekommen. Ansonsten ist er einer der stärksten Spieler, die ich kennen gelernt habe. Bei Hübner merkte man eine gewisse Ermattung im Laufe des Turniers. Er hat sehr stark und sehr anspruchsvoll begonnen. Man sah im aber an, dass er später im Turnier Schwierigkeiten hatte, das hohe Niveau durchzuhalten. Bei Artur wundert es mich, dass er so viele Partien nicht gewinnen kann, auch gegen Gegner, die schwächer sind als er. Wenn er gegen mich spielt, sieht das immer ganz anders aus und oft gewinnt er dann auch.

Was sagst du zu den jungen Spielern?

Finde ich klasse. Mich freut es für Handke, dass er seinen letztjährigen Erfolg bestätigen konnte. Najditsch war natürlich auch enorm stark. Ebenso Gustaffson und Kritz. Wenn man sich das Potential dieser Spieler ansieht, braucht man keine Angst um das deutsche Schach zu haben und muss auch nicht um die deutsche Nationalmannschaft besorgt sein.

Was gab es für Gerüchte um die Abschaffung der Deutschen Meisterschaft?

Alles Quatsch. Der Verband der Problemschachfreunde "Schwalbe" hat einen Antrag gestellt, die Deutsche Meisterschaft aus Kostengründen abzuschaffen. Weil die Problemfreunde den Status eines Landesverbandes haben, muss der Antrag zumindest als Tagesordnungspunkt aufgeführt werden. Ehrlich gesagt, habe ich für diesen Antrag der Problemfreunde keinerlei Verständnis. Die Sache wurde dann irgendwie aufgebauscht. Die nächste Meisterschaft wird auf Wunsch vieler Spieler aber erst Anfang 2004 stattfinden. Der Novembertermin verursachte zu viele Terminkollisionen.

Das Interview führte André Schulz

 

 


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