Interview mit Gata Kamsky

23.01.2006 – Gata Kamsky war das Supertalent Anfang der Neunziger Jahre und erlebte einen Raketenhaften Aufstieg, der ihn 1996 im Alter von nur 22 Jahren bis zur FIDE-Vizeweltmeisterschaft führte. In Elista unterlag er Anatoly Karpov. Dann zog sich Kamsky mit einer Unterbrechung bei der FIDE-WM 1999 für acht Jahre vom Schach zurück. Nun ist er wieder zurück gekehrt und qualifizierte sich beim FIDE-Worldcup gleich für die Kandidatenwettkämpfe. Beim Corus-Turnier in Wijk läuft es für den Rückkehrer nicht optimal, aber ausgerechnet Kamsky gelang es, den bis dahin so souverän aufspielenden Anand zu schlagen. Auch wenn er diesen Erfolg im Nachhinein herunter zu spielen versucht, war es sicher keine völlig unemotionale Begegnung: In den Kandidatenzyklen der FIDE und der PCA trafen die beiden zweimal aufeinander und warfen sich gegenseitig je einmal aus einem Wettbewerb. Dagobert Kohlmeyer spracht mit dem US-Amerikaner. Mehr...

„Kamsky ist back!“ Diese Nachricht erfreute schon im Dezember die Schachwelt, als der frühere WM-Finalist (1996 in Elista gegen Karpow) beim FIDE-Weltcup in Sibirien auftauchte und sich dort zur großen Überraschung auf Anhieb wieder als WM-Kandidat qualifizierte. Beim gegenwärtigen Turnier in Wijk aan Zee spielt der Wahlamerikaner, obwohl ihm natürlich jahrelange Praxis fehlt, kompromisslos wie eh und je. Der Paukenschlag in der Turniermitte von Wijk aan Zee war Gata Kamskys Sieg gegen Vishy Anand, wodurch der alleinige Spitzenreiter aus Indien erst einmal gestoppt und der Kampf an der Spitze wieder offener wurde. Gut gelaunt erläuterte der „Heimkehrer“ in die große Schachwelt hinterher den Journalisten im Pressezentrum seine couragierte Partie. Kamsky, der sonst eher wortkarge Mann aus Brooklyn, war danach (was selten genug bei ihm vorkommt) auch zu einem Small Talk mit Dagobert Kohlmeyer bereit. 

Gata, welchen Score hast du gegen Anand?

Keine Ahnung, das weiß ich nicht. Wir haben lange nicht mehr gegeneinander gespielt. Ich zähle nicht mit.

Wie ist die Partie aus deiner Sicht verlaufen?

Anand hat die Eröffnung etwas ungenau gespielt und später Probleme mit seinem Bauern e6 bekommen. Danach beschloss er, das Problem taktisch zu lösen, aber es klappte nicht. Ich hatte immerhin einen Mehrbauern und ein starkes Zentrum.

Gab das den Ausschlag?

Ja, und dass er sich nicht präzise genug verteidigt hat. Ich bekam fürchterlichen Druck, und dieser Stellungsvorteil hat die Partie letztlich entschieden.

Was ist das für ein Gefühl, den Exweltmeister geschlagen zu haben?

Ein ganz normales. Ich freue mich natürlich, eine Partie gegen einen alten Bekannten gewonnen zu haben. Überhaupt treffe ich hier etliche Gegner von früher, zum Beispiel Wassili Iwantschuk und Boris Gelfand.

Die Leute in Europa haben es mit Aufmerksamkeit und Freude registriert, dass du in die Schachwelt zurückgekehrt bist.

Schön zu hören, das freut mich.

Du bist inzwischen verheiratet, und ihr habt auch ein kleines Kind. Wie geht es deiner Familie?

Danke der Nachfrage. Alles bestens.

Wie sehen deine weiteren Pläne aus?

Ich habe eine Einladung zum M-tel Masters im Mai nach Sofia bekommen. Darüber freue ich mich. Danach steht irgendwann mein WM-Kandidatenmatch gegen Etienne Bacrot an.

Du hast viele Jahre pausiert. Dachtest du hier während des Spiels gegen Anand vielleicht auch mal an Shangri Nagar 1995, wo du ihn in seiner indischen Heimat in eurem FIDE-WM-Kandidatenmatch nach einem Rückstand noch im Tiebreak bezwungen hast?

Nein, das hier ist nur eine Partie gewesen. Es ist doch ein normales Großmeisterturnier und kein Match.

Du wirkst immer so cool und lässt die Dinge auf dich zukommen. Gegen wen spielst du in der nächsten Runde?

Weiß ich nicht. Das schaue ich mir erst morgen an.

Viel Erfolg weiterhin!

Danke sehr.

Hier noch einige Fotoimpressionen und Porträts von Dagobert Kohlmeyer aus Wijk an Zee.


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