Interview mit Stefanova-Trainer Georgiev

18.08.2008 – Spätestens nach ihrem Sieg im stärksten Frauenturnier aller Zeiten, dem North Urals Cup in Krasnoturinsk, gehört Antoaneta Stefanova zum Favoritenkreis für die kommende Frauen-Weltmeisterschaft in Nal'chik. Bereits in Elista 2004 konnte sich die nervenstarke Bulgarin den Weltmeistertitel erkämpfen und hofft, diesen Erfolg in diesem Jahr zu wiederholen. Derzeit bereitet sie sich zusammen mit ihrem Trainer Vladimir Georgiev in Sunny Beach bei Bourgas (Bulgarien) auf die Weltmeisterschaft vor. Dejan Bojkov sprach mit Georgiev über Stefanovas Partien in Krasnoturinsk und die Art der Vorbereitung auf die WM. Unter anderem verrät der bulgarische GM, auf welche Weise die frühere Weltmeisterin zwischen den Runden ihre Batterien auflädt - beim... Sie ahnen es ... Mehr...

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Ein Interview mit Vladimir Georgiev
Von Dejan Bojkov

Vladimir Georgiev wurde 1975 in Dobrich, Bulgarien, geboren. Er war mehrfacher Bulgarischer Meister seiner Altersklasse, bis er 1995 schließlich Bulgarischer Meister wurde. Seit 2001 spielt er für FYROM. Zu seinen besten Leistungen zählen der Turniersieg in Reggio Emilia 2001, der Gewinn der C-Gruppe im Corus-Turnier 2005 sowie der Gewinn der Silbermedaille bei der Olympiade in Turin 2006. In der Saison 2000-2001 erzielte er ein phantastisches Ergebnis von 12/13 in der Bundesliga. 2003 lebte er für ein Jahr in Chicago (USA) und arbeitete als Trainer für Kinder, aber das füllte ihn nicht aus. Er kehrte zum aktiven Schach zurück und wurde Betreuer von Antoaneta Stefanova, die in Elista 2004 Frauenweltmeisterin wurde. Seine bislang beste Ratingzahl betrug 2596. Vladimir ist in der Schachwelt als positiv und fröhlich bekannt.

Hallo, Vladko, wo steckst Du gerade?

Hallo, wir sind gerade in Sunny Beach, ein schöner Ort am Schwarzen Meer in der der Nähe von Bourgas (Bulgarien). Wir bereiten uns mit Antoaneta Stefanova auf die Frauenweltmeisterschaft in Nalchik vor.


Sunny Beach

Wie sieht eure Vorbereitung aus?

Wir schauen uns vor allem wichtige theoretische Varianten an. Wir betreiben hier eher generelle Vorbereitung.

Gibt es keine spezielle Vorbereitung für die Wettkämpfe?

Doch, wir werfen auch einen Blick auf die Gegnerinnen, mit denen es Ety wahrscheinlich zu tun haben wird.

Und wie steht es mit körperlicher Vorbereitung?

Auch darauf achten wir. Ich werde Ety heute früher wecken und dann geht’s direkt zum Swimming Pool. Es gibt einen ausgezeichneten Pool im Hotel, der nicht so voll ist, wie der vor dem Hotel. Und Schwimmen ist eine der besten Sportarten für Schachspieler.

Was macht ihr sonst noch?

Nichts Besonderes, nach dem Turnier in Krasnoturinsk versuchen wir auch ein bisschen zu entspannen.

Das war ein hartes Turnier. Das Turnier mit dem höchsten Elo-Schnitt in der Geschichte des Frauenschachs. Wie war es dort?

Ety hat das Turnier zum sechsten Mal gespielt. Sie ist die einzige Spielerin, die in allen sechs Turnieren gespielt hat.

Bis zu diesem Turnier ohne großen Erfolg…

Stimmt. Sie hat dieses Jahr noch nicht gezeigt, was sie kann. Aber jetzt konnte sie das stärkste Turnier des Jahres gewinnen. Sie braucht immer neue Herausforderungen.

Hast Du sie bei allen Turnieren begleitet?

Nur einmal - 2004, nachdem sie Weltmeisterin wurde. Damals stand sie kurz vor dem Sieg und hat in der letzten Partie mit aller Kraft versucht zu gewinnen. Aber schließlich hat sie die Partie doch noch verloren und landete am Ende bei Plus Eins. Dieses Jahr begann Ety gut – mit zwei Siegen.

 

Die auf den Großteil des Publikums ziemlich überzeugend wirkten.

Die erste Partie gegen Koneru war irgendwann einmal tatsächlich ein Bluff. Die Variante, die wir gewählt haben, war nicht die beste. Gegen Nata (Natalia Pogonina) haben wir richtig geraten, welche Variante sie spielen wird und alles lief gut, bis Ety einen Bauern gewann. Dann gab sie ihrer Mannschaftskollegin (sie spielen beide für Krasnoturinsk) leider zu viele Chancen, aber zum Glück für uns überschritt Natalia die Zeit.

Die entscheidende Partie war zweifellos die gegen Marie Sebag. Ety konnte ihre Gegnerin verwirren und in einer scheinbar verlorenen Stellung das Ruder noch herumreißen.

Aber dann kam eine untypische Niederlage gegen Pia Cramling in einem Turmendspiel drei gegen vier?

Das kann jedem passieren, vor allem, wenn man eine schlechte Stellung lange verteidigen muss. In dieser Partie hat sich Ety lange gut verteidigt, aber als schließlich eine Remisstellung erreicht war, unterlief ihr ein schlimmer Fehler.

Wie ist das von so vielen Frauen umgeben zu sein?

Ich muss zugeben – das macht Riesenspaß. Sie lächeln immer und sind abseits des Bretts freundlich. Es ist ganz und gar nicht so wie bei anderen Sportarten, zum Beispiel beim Tennis, oder bei Topalov-Kramnik, die sich aus dem Wege gehen.

Natürlich, wenn sie sich ans Brett setzen, dann sieht das anders aus. Aber ich muss ja nicht gegen sie spielen.

Ich habe gesehen, dass ihr am freien Tag eine Party gefeiert habt.

Ja, es gab Karaoke und Tanz.

Hast Du gesungen?

Neiiin, weder ich noch Ety. Aber wir haben viel getanzt. Übrigens tun die Organisatoren in Krasnoturinsk immer ihr Bestes, um die Spielerinnen zu unterhalten. Letztes Jahr war es Sportschießen, dieses Jahr Tanz und jedes Jahr ist es etwas Anderes. Ein Sponsor ist abgesprungen, aber sie haben zusätzliche Hilfe von der Regierung erhalten und konnten den Status des Turniers sogar noch steigern. Die Stadt ist sehr schön, es gibt einen malerischen Fluss. Die Leute erkennen Antoaneta und sie hat viele Anhänger.

Du hast die Partien für das Publikum kommentiert?

Ja, und das war auch sehr schön, weil die Leute hier über eine ausgezeichnete Schacherziehung verfügen.

Warum ist Antoaneta nicht bei den Pressekonferenzen nach den Partien gewesen?

Wir haben bemerkt, dass sie nicht nur viel Zeit kosten, sondern auch sehr schlecht für die Konzentration sind. Ety folgte meinem Rat bei der Frauenweltmeisterschaft in Elista, wo sie gewonnen hat, und wir haben beide die Pressekonferenzen nicht besucht. Das hat uns ein bisschen Geld gekostet, aber das war es wert. Am Besten ist eine Pressekonferenz zum Schluss J.

Nehmen wir an, die Partie endet nach zwei oder drei Stunden. Dann muss man zwei oder drei Stunden warten, bis die anderen mit ihren Partien fertig sind. In der Zeit könnte man auch etwas anderes machen, zum Beispiel sich etwas ausruhen.

In Krasnoturinsk haben die Organisatoren unsere Gründe verstanden und mir erlaubt, Antoaneta bei den Pressekonferenzen zu vertreten, ohne dass es dafür Strafen gab.

Verrat uns ein bisschen mehr über euer Team. Wie entspannt ihr euch nach den Partien am Liebsten?

Wie die meisten Frauen geht Ety gerne shoppen und ich habe nichts dagegen, sie dabei zu begleiten. Ich habe erkannt, dass sie ihre Batterien nach ausgiebigem Shopping immer auflädt. (Übrigens meint Ety, es macht Spaß, mit Vladimir zu shoppen – er beklagt sich nie und ist normalerweise ihrer Meinung, ohne dabei mit Komplimenten zu geizen.)

Du bist ebenfalls aktiver Spieler. Wie wirkt sich die Zusammenarbeit mit Stefanova dabei aus?

Das ist für beide nützlich. Da ich bei ihren Eröffnungen auf dem Laufenden sein muss, kann ich das, was ich dabei lerne, auch anwenden. Was gut für mich ist. Das hat sich vor allem letztes Jahr in Dresden bei der Europameisterschaft gezeigt, wo Ety die Silbermedaille gewann und ich mich für den World Cup qualifizieren konnte.

Werdet ihr ein bisschen früher nach Nalchik kommen, um euch zu akklimatisieren?

Unsere Vorbereitung endet am 18. August, eine Woche vor dem Turnier. Dann entspannen wir ein bisschen in Sofia und reisen dann ein paar Tage vor Beginn der Meisterschaft an.

Vielen Dank für das Gespräch und viel Glück!

 

 

 

 

 


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