Isle of Man: Alina l'Ami berichtet

von Alina L'Ami
24.10.2015 – Der indische GM Pentala Harikrishna hat das PokerStars Isle Of Man Turnier 2015 gewonnen. Das Turnier war stark besetzt, gut organisiert und fand in landschaftlich reizvoller Umgebung statt. Schachglobetrotterin Alina l'Ami hat beim Turnier mitgespielt und die Schönheit der Insel auf zahlreichen Fotos festgehalten. Bericht, Bilder, Analysen...

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Ich habe mich immer gefragt, welches Ziel Schachspieler in ihrem unsteten Leben eigentlich verfolgen? Suchen sie nach dem endgültig besten Zug, wollen sie die brillanteste Partie aller Zeiten spielen oder die höchste Elo-Zahl erreichen, die je erreicht worden ist? Aber als ich anfing das Buch "El paraiso en la otra esquina" (wörtlich übersetzt "Das Paradies in der anderen Ecke"; der Roman erschien 2005 auf deutsch unter dem Titel "Das Paradies ist anderswo") von meinem Lieblingsautor Mario Vargas Llosa zu lesen, kam mir der Gedanke, dass es vielleicht genau dieses Glück in der anderen Ecke ist, wonach wir Schachspieler suchen!

Keine leichte Aufgabe: es gibt so viele Ecken, in denen man suchen kann, und sie ändern sich unaufhörlich. Doch durch einen dieser Zufälle, die mir gefallen und die ich begrüße, habe ich die letzten Kapitel von Vargas Llosa gelesen, als ich zur Isle of Man gefahren bin. Diese kleine Insel sieht immer anders aus; ihr  Licht ändert sich von einer Minute zur anderen und man bräuchte ein ganzes Leben, um diese Schönheit und Größe zu begreifen, und ich habe mich gefragt, ob die Isle of Man, wo ich das Poker Stars International Chess Tournament spielen wollte, eine der Ecken war, von denen Vargas Llosa spricht?

Die Isle of Man it ein Paradies für Naturliebhaber, Fotografen und Schachspieler.

Eine objektive Betrachtung verrät, dass da was dran sein könnte. Das Teilnehmerfeld im diesjährigen Turnier war sehr stark. An der Spitze, in der Mitte und am Ende der Rangliste. War man nicht gut in Form, dann konnten die Dinge sehr leicht gründlich schiefgehen. Dafür war die Bedenkzeit sehr großzügig bemessen - eine Partie konnte bis zu neun Stunden dauern!

Auf der Isle of Man fährt man links und auch die Uhren...
gehen anders! Ich brauchte immer eine Zeit, um herauszufinden, wie viel Uhr es war.

Meine Partien dauerten oft länger als alle anderen, aber obwohl kräftezehrend , störte mich das überhaupt nicht, nicht nur, weil ich gerne lange nachdenke, sondern vor allem, weil ich glaube, dass Qualität und Schönheit einer Schachpartie von einem langsamen Rhythmus profitieren.

Immer elegant: Ketevan Arakhamia-Grant

Plaudern Nigel und Erwin über... Schach?!

Coca Cola oder Mineralwasser? Für die langen Partien beim Isle of Man Turnier brauchte man vielleicht beides.

Ein Italiener, von dem man noch hören wird...

...GM Francesco Rambaldi holte 6 Punkte aus 10 Partien und gewann damit zehn Elo-Punkte.

 
 

Der Spielsaal und die Spielbedingungen des Turniers sind einfach hervorragend, denn der Hauptsponsor PokerStars, die Familie Scheinberg und das Organisationsteam um Alan Ornsby scheuen keine Mühe, um den Aufenthalt der Spieler so gut wie möglich zu machen. Schön ist auch, dass alle Spieler, die 2015 eingeladen wurden, auch im nächsten Jahr auf der Gästeliste stehen. Außerdem versprach Alan bei seiner Schlussansprache, den Termin des Turniers so zu legen, dass er nicht mit der Schacholympiade 2016 kollidiert.

Was zeichnet einen guten Turnierorganisator aus? Schachleidenschaft!

Nachdenken an den Spitzenbrettern.

Kampf der Titanen: Tarjan (mit Weiß) gegen Timman. Das letzte Mal haben sie 1983 gegeneinander gespielt!

 
 

Aber trotzdem ist es immer wieder ein kleines Wunder, wenn man das "Glück in einer anderen Ecke" findet. In unserem Fall könnte das in dem Versuch bestehen, zwei unterschiedliche Spiele miteinander zu verbinden: Schach und Poker! Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich beim Poker nicht einmal die Regeln kenne. Aber ich glaube, ich habe etwas vom Geist des Spiels begriffen - und warum es trotz aller Unterschiede Parallelen zum Schach hat. Sowohl im Schach als auch im Poker neigen wir dazu, uns für Genies zu halten und glauben, dass wir sensationell erfolgreich spielen könnten, wenn nicht immer wieder etwas dazwischen kommen würde... Und auch wenn Schach sehr viel rationaler ist als Poker, so spielt das Glück doch eine Rolle. Aber es kommt nicht darauf an, welche Karten man bekommt, sondern wie man sie spielt! Je mehr man übt und je talentierter man ist, desto mehr Glück hat man.

GM Hrant Melkumyan aus Armenien

Ein echtes Naturtalent: Julio Granda Zuniga

Turniersieger Pentala Harikrishna

Harika Dronavalli (die hier mit Schwarz gegen Michael Adams spielt)
hätte in diesem Turnier noch besser abschneiden können, aber dadurch hat sie sich die Laune nicht verderben
lassen. Sie hat versprochen, beim nächsten Mal noch härter zu arbeiten!

 

Yochanan Afek, Großmeister für Schachkomposition, hat für das Turnier auf der Isle of Man
eine spezielle Studie komponiert. Auch im Turnier lief es gut für ihn.

Studie von Yochanan Afek. Lösung am Ende des Artikels

 

Gelegentlich taucht in Interviews die Frage auf, warum in aller Welt wir die dornige Schachkarriere nicht aufgeben und etwas anderes tun? Ich antworte dann meistens ausweichend und sage, dass Schach süchtig macht, dass ich dadurch viel reisen kann. Manchmal zitiere ich auch Aronian, der einmal gesagt hat, dass alle Schachspieler Masochisten sind - nur die Spitzenspieler nicht: die sind Sadisten... Aber jetzt sehe ich Parallelen zwischen Schach und Poker: man kann nicht aufhören, wenn man verliert, aber noch viel weniger, wenn man gewinnt!

Doch kehren wir zur wirklichen Welt zurück. Ich halte es für eine gute Idee, am Tag vor Beginn des Schachturniers, ein Pokerturnier zu veranstalten. Auf diese Weise kann man einen klaren Kopf für das Schach bekommen und den Druck verringern. Und manch einer hat vielleicht schon eine Glückssträhne gehabt!

Die Flagge der Isle of Man mit dem berühmten Triskele-Zeichen

Yuri Garrett überprüft vor der letzten Runde, ob die Spieler elektronische Geräte mit sich führen - beide Spieler haben den Test bestanden!

Yuri Garrett ist leidenschaftlicher Fotograf.

Es heißt, dass sich die Geschichte immer wiederholt, und tatsächlich hätte das beim Isle of Man Turnier 2015 leicht passieren können. Letztes Jahr gewann Nigel Short das Turnier, weil er in der Schlussrunde gegen David Howell gewinnen konnte. Auch dieses Jahr zeigte sich seine Liebe zum Spiel immer wieder, ganz besonders in seiner Partie gegen Alon Greenfeld, in der er auf einen ungewöhnlichen Zug verfiel, mit dem er seinen Läufer freiwillig in eine Bauerngabel stellte.

Auch dieses Jahr spielte Short um den Turniersieg und wie im letzten Jahr entschied die Schlussrunde. Short versuchte gegen Tabellenführer Pentala Harikrishna ein Endspiel zum Gewinn zu führen, aber der indische Großmeister verteidigte sich gut und behielt seinen Platz an der Spitze; Sargissian und Fressinet konnten durch Siege gegen Rambaldi und Naiditsch zwar mit ihm gleichziehen, aber der Inder hatte die beste Wertung und gewann so das Turnier.

Dieses Mal hat sich die Geschichte nicht wiederholt: Nigel Short machte Gewinnversuche, aber Harikrishna wehrte sie ab.

Laurent Fressinet beendete das Turnier mit einem Sieg:
er gewann gegen Arkadij Naiditsch und wurde so zusammen
mit Sargissian und Harikrishna geteilter Erster.

 

Die entscheidende Begegnung zwischen Naiditsch und Harikrishna in Runde sieben

 

7 aus 9, geteilter erster Platz. In der letzten Runde gewann Gabriel Sargissian gegen Francesco Rambaldi.

 

Turniersieger Pentala Harikrishna!

 IM Jovanka Houska gewann den Frauenpreis

Schlussstand

Rg. Snr   Name Land Elo Pkt.
1 2 GM Harikrishna P. IND 2737 7,0
2 4 GM Fressinet Laurent FRA 2702 7,0
  6 GM Sargissian Gabriel ARM 2679 7,0
4 3 GM Howell David W L ENG 2705 6,5
  7 GM Short Nigel D ENG 2678 6,5
6 1 GM Adams Michael ENG 2742 6,0
  5 GM Naiditsch Arkadij AZE 2682 6,0
  8 GM Granda Zuniga Julio E PER 2667 6,0
  9 GM Movsesian Sergei ARM 2658 6,0
  15 GM L'ami Erwin NED 2619 6,0
  18 GM Donchenko Alexander GER 2577 6,0
  20 GM Brunello Sabino ITA 2553 6,0
  21 IM Van Foreest Jorden NED 2548 6,0
  22 GM Rambaldi Francesco ITA 2547 6,0
  23 GM Hillarp Persson Tiger SWE 2546 6,0
  43 IM Swayams Mishra IND 2444 6,0
17 11 GM Grandelius Nils SWE 2647 5,5
  12 GM Kuzubov Yuriy UKR 2641 5,5
  13 GM Jones Gawain C B ENG 2623 5,5
  14 GM Melkumyan Hrant ARM 2622 5,5
  16 GM Tiviakov Sergei NED 2612 5,5
  17 GM Sengupta Deep IND 2580 5,5
  24 GM Boruchovsky Avital ISR 2536 5,5
  25 GM Greenfeld Alon ISR 2534 5,5
  29 GM Arkell Keith C ENG 2505 5,5
  31 GM Gormally Daniel W ENG 2500 5,5
  32 GM Sundararajan Kidambi IND 2497 5,5
  36 IM Nakar Eylon ISR 2463 5,5
  50 IM Zumsande Martin GER 2422 5,5
  56 IM Houska Jovanka ENG 2372 5,5
31 10 GM Fridman Daniel GER 2649 5,0
  19 GM Timman Jan H NED 2562 5,0
  26 IM Illingworth Max AUS 2517 5,0
  28 GM Vaisser Anatoly FRA 2515 5,0
  30 GM Vishnu Prasanna. V IND 2503 5,0
  34 GM Tarjan James E USA 2479 5,0
  37 IM Lampert Jonas GER 2461 5,0
  38 GM Cherniaev Alexander RUS 2458 5,0
  40 IM Pert Richard G ENG 2450 5,0
  41 IM Paehtz Elisabeth GER 2447 5,0
  45 GM Williams Simon K ENG 2429 5,0

...

"The winner takes it all..." - aber ist ein Pokal nicht genug?

Sichtlich erleichtert und zufrieden: Turniersieger Pentala Harikrishna bei seiner Abschlussansprache.

Die gut gelaunten Sieger: Organisator Alan Ormsby gratuliert.
Zwischen Ormsby und Harikrishna steht Mr. Scheinberg, der das Turnier auch im nächsten Jahr
als Sponsor großzügig unterstützen will.

Die Gewinnerinnen der Frauenpreise

Alan Ormsby gratuliert Jovanka Houska

Pentala Harikrishna und Harika Dronavalli sind gute Freunde; mir scheint es gerecht zu sein, dass Harika den größeren Pokal bekommt!

Ich habe gehört, dass nicht diejenigen gewinnen, die niemals scheitern, sondern die, die niemals aufgeben! Da ich mit meinem Ergebnis nicht zufrieden sein kann, möchte ich immer wieder in die Ecke zurückkommen, in der die Isle of Man ist, um nach dem Glück und besseren Zügen zu suchen...

Geheimnisvoll, aber warm und freundlich, eine Mischung, die den Wunsch weckt,
immer wieder zurückzukommen.

Lösung der Studie von Yochanan Afek: 1. f7 Dh5+ 2. Lg5 Dxf7 3. Te1+ Kg2 4. Tb2+ f2 5. Txf2 Kxf2 6. Lh4+ Txh4
7. Sd3+ Kg3 8. Te3+ Kg2 9. Te2+ 1/2

Turnierseite



Alina L'Ami ist Schachprofi, WGM, und bringt allem, was sie macht, großen Enthusiasmus entgegen. Sie liebt es, in die entlegensten Winkel der Erde zu reisen, um dort Schach zu spielen und darüber hier bei ChessBase zu berichten.
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