Ivan der bessere "chuk"

07.07.2007 – Im Kampf der beiden "chucks" beim stark besetzten Schnellschachturnier der Pivdenny Bank in Odessa hatte am Ende Vassily Ivanchuk die Nase vorn. Zwar konnte Alexander Grischuk den späteren Turniersieger im Direktvergleich schlagen, doch allen anderen nahm Ivanchuk in den übrigen acht Partien sieben Punkte ab. Dritter wurde Teimour Radjabov, der gegenüber dem punktgleichen Alexei Shirov die bessere Zweitwertung aufwies. In den neun Runden wurde zumeist hervorragendes Schach gezeigt und das anspruchsvolle Publikum (Bild) konnte vollauf zufrieden gestellt werden. Misha Savinov berichtet.Offizielle Seite...Bericht, Partien, Bilder...

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3. Pivdenny Bank Chess Cup in Odessa
Von Misha Savinov

Pivdenny Bank Chess Cup, Odessa: Alle Partien...


Sommer in Odessa


Die Oper, gleich neben dem Turnier 


Das Londonskaya Hotel


Der stilvolle Turniersaal

Nach dem zweiten Tag des 3. Pivdenny Bank Chess Cups hatten zwei "chuks" die Tabelle angeführt. Alexander Grischuk gewann am ersten Tag alle Partien.


Alexander Grischuk

Ivanchuk gelang das gleiche Kunststück am zweiten Tag.


Vassily Ivanchuk

Ein gewisser Zufall bei Schnellschachtunieren sorgt dafür das die zugelosten Gegner des Tages entweder in schlechtere oder besserer Form sind. So hatte Smirin zum Beispiel am ersten Tag "die lange Rochade" hingelegt, schlug am nächsten Tag aber Grischuk, und brachte Gelfand in Bedrängnis. Tukmakov hingegen erwischte einen schlechten Tag und spielte 0,5:2,5.

Viele hochklassige Partien gab es zu sehen. Die Spieler sind entspannt und scheuen nicht die wildesten Verwicklungen. Die Geldpreise liegen nicht weit auseinander (außer für die letzten drei Plätze), was den Mut der Spieler fördert. In dieser Hinsicht bedaure ich das Format, denn beim K.o.-Turnier könnte man den die Partien viel intensiver verfolgen, wenn jeweils nur eine zur gleichen Zeit ausgetragen würde, so wie beim ACP World Cup im Januar am gleichen Ort. Die Zuschauer vermissen außerdem die großartigen Kommentare von Kortchnoi und Beim.

Für Viktor L’vovich läuft es nicht so gut, aber er hat eine Erklärung.

"Normalerweise muss ich mich nur auf eine Partie vorbereiten, hier aber auf drei pro Tag. Wenn die Partien beginnen, habe ich schon Kopfschmerzen." Doch sein taktischer Blick ist immer noch wscharf. So bedrängte er Tukmakov mit dem überraschenden Schlag 19.Lg6!! am ersten Tag.

Etienne Bacrot bewahrte sich trotz schlechter Ergebnisse Galgenhumor.


Bacrot und Gelfand

"Immerhin erreiche ich gute Positionen. Ich kann sie nur nicht zum Punkt konvertieren," kommentierte der Franzose den zweiten Tag.

Tukmakov erlitt am zweiten Tag einen psychologischen Rückschlag, als er eine gewonnene Partie gegen Shirov noch verlor. Gegen Radjabov ließ er sich einen ganzen Turm in der Brettmitte einfangen und musste nach 21 Zügen aufgeben.

Ein andere Spieler aus Odessa, Yury Drozdovskij, nutzte die Gunst der Stunde und schlug Tukmakov ebenfalls. Der "Elo-Underdog" liegt nun zusammen mit Gelfand im Mittelfeld - nicht schlecht.


Odessa Derby

Boris Gelfand ist müde nach seinem Schach-Marathon Elista-Dormund-Odessa, aber er bleibt seinem Stil treu und liefert interessante Partien, immer auf der Suche nach der Wahrheit. Man sehe zum Beispiel seine Partie gegen Radjabov. Er hatte eine völlig verlorene Stellung gegen Smirin, stiftete Verwirrung und seinem Landsmann entglitt der Sieg.


Und los geht's...

Übrigens: Die erste Partie zwischen den beiden wurde schon 1979 gespielt und Gelfand gewann damals.

Radjabov und Shirov liegen einen Punkt hinter den Führenden, aber ich bin sicher, dass sie es noch schaffen könne, an die Spitze zu kommen. Radjabov ist im Moment etwas weniger auf Schach fixiert.

Er lehnte die Einladung zum Aerosvit-Turnier ab, weil er in Projekte der UNICEF eingebunden ist.

Allerdings lässt er sich keine Chance entgehen, wie wir schon in seiner Partie gegen Tukmakov gesehen haben.

Alexei Shirov spielt im Ruhemodus, vielleicht genau das richtige für den Feuerwerker aus Riga.

Sein Sieg gegen Smirin ist ein Beispiel für Shirovs Gespür für langfristige Kompensation. Manchmal typisch für Alexei verwandelte er auch hier eine ausgezeichnete Stellung gegen Grischuk in eine Niederlage.

Vassily Ivanchuk begann den zweiten Tag mit 1.5/3 und Schwarz gegen Radjabov.


Schlüsselpartie des zweiten Tages

Wer hätte auf Benoni gewettet? Offenbar fühlte sich Chuky verpflichtet, auf Sieg zu spielen und erreichte dies auch, was ihm viel Schub für den ganzen Tag lieferte. Ivanchuk ist von allen Spielern hier der eifrigste. Nach jeder Runde schaut er sich die Partien der anderen an.

"Ich schaue nicht nur nach den Eröffnungen", antwortete er, als er daruf angsprochen wurde.

Alex Grischuk erfährt viel Unterstützung von seiner Frau Natalia Zhukova und seiner Tochter Masha, die jeden Tag in das Londonskaya Hotel kommen.

Alexander konnte den Speed des ersten Tages nicht halten. Gestoppt wurde er von Kortschnoj, der ihm einen halben Punkt abnahm und dann von Smirin, der den ganzen Punkt einkassierte. Immerhin konnte Grischuk gegen Shirov gewinnen.

Vor dem dritten Tag konnten noch vier Spieler auf den Turniersieg hoffen. Im Falle von Gleichstand war ein Blitz-Stichkampf vorgesehen.

Wie erwartet setzten die beiden "chuks" dann am dritten Tag ihren Wettstreit um den Turniersieg fort. In der 7. Runde schlugen sie Smirin bzw. Tukmakov.

In der achten Runde wurde Grischuk von einem sehr guten vorbereiteten Drozdovskij aufgehalten - remis. Auch Ivanchuk, der dem Druck von Shirov standhielt remisierte. So entschied alles erst in der letzten Runde, wo Ivanchuks Chancen leicht besser waren, denn er spielte gegen Tukmakov, während Grischuk es mit dem gefährlichen Radjabov zu tun hatte, der noch den dritten Platz erreichen konnte.

Die letzte Runde brachte dann nicht allzu viele Überraschungen. Ivanchuk überspielte Tukmakov und Grischuk erarbeitete sich Vorteil gegen Radjabov. Diesen verwandelte er in eine Endspiel mit drei gegen zwei Bauern am Königsflügel. Er tauschte ein paar Steine um mit Springer gegen Läufer übrig zu bleiben. Doch Radjabov verteidigte sich ruhig und hielt die Stellung. Im 82sten Zug endete die Partie remis. Damit war Ivanchuk Erster, Grischuk Zweiter und Radjabov Dritter wegen der besseren Sonderwertung gegenüber Shirov.   


Sieger und Dritter


Pressekonferenz im Atrium


Die Organisatorinnen der Pivdenny Bank

Der arme Vladimir Tukmakov schaffte nicht ein Remis in den letzten beiden Tagen. Außer Müdigkeit kann es kaum eine andere Erklärung geben. Er hatte einen guten ersten Tag und einige viel versprechende Positionen danach, aber... 

Ilya Smirin teilte den 9ten und 10ten Rang mit Tukmakov. Sein Sieg über Grischuk blieb sein einziger ganzer Punktgewinn. Die war allerdings eine entscheidende Partie für den Turniersieg. Ivanchuk muss sich beim israelischen Großmeister bedanken.

Viktor Korchnoi beendete Das Turnier auf Platz acht. Er entkam dem letzten Platz mit einer teuflischen Falle in seiner Schlussrundenpartie gegen Smirin, der nach 25. Sc1!! sofort aufgab.

Die war der einzige Sieg Korchnois in Odessa. In diesem Jahr. Wer weiß, ob Viktor L’vovich nicht im nächsten Jahr besser sein wird!

Bacrot machte drei Remis am dritten Tag, spielte solide und erreichte so den 7ten Platz. Ettiene muss froh sein, dass das Turnier nicht gewertet wird.Bis zu letzten Runde war der Franzose übrigens der Einzige, der Lokalmatador Drozdovskij schlagen konnte.

Yury Drozdovskij wurde Sechster.

Sein früherer Trainer, der alle Partien im Presseraum beobachtete, vergleicht seinen Stil mit dem Petrosians. Der Ukrainer liebt ebenfalls ausgefeilte Manöver mit strategischen Ideen. Mit 1,5 aus 3 erzielte er das beste Ergebnis gegen die dreiPreisträger.  

Der fünfte Platz von Boris Gelfand ist vielleicht das beste, was man nach einem solchen Schachmarathon bekommen kann. Er hätte mehr punkte machen können, wenn er seine Partien weniger ehrgeizig angelegt hätte. Als Zuschauer bin ich ihm dankbare, dass er daran noch nicht einmal im Traum gedacht hat. alle seine Niederlagen waren spektakulär.

Alexei Shirov teilte den dritten Platz mit Radjabov, wegen der schlechteren Sonderwertung wurde er Vierter. Seinen Sieg über Gelfand wird man sich lange merken.

Es gab eine studienartigen Gewinnidee - Schwarz gibt seine Dame und setzt mit dem Läufer matt -, die auch nur im Problemschach funktioniert und niemals in der Praxis: Doch Shirov marschierte mit 38...Kg6!! (es droht 41...Df4) genau in dieser Richtung. Im 41. Zug gab es eine interessante Idee für Weiß. Nach 41.Txc5 (statt wie gespielt 41.Tf5 wonach Df4!! folgte), gefolgt von 42. De5!!? würde das Nehmen der Dame zum Patt führen. Schwarz muss den Bauern auf g5 schlagen und eine Serie von Damenschachs zulassen. Vielleicht kann der schwarze König entkommen, vielleicht nicht, wer weiß?

Teimour Radjabov’s Vorstellung war etwas unausgewogen. "Ich sollte vielleicht mehr wie Kramnik spielen", meinte er auf der Pressekonferenz, "solide und sicher, wenn ich mich in einer schlechten Stellung befinde." Ein dritter Platz ist allerdings kein schlechtes Ergebnis  

Alexander Grischuk war mit seinem zweiten Platz nicht zufrieden, aber angesichts des 7 aus 8 Ergebnis von Ivanchuk gegen alle anderen Spieler außer Grischuk war mehr nicht drin.


Grischuk mit Tochter Masha

Für Ivanchuk war es sogar der zweite Sieg in einem großen Turnier in Folge. Es ist schade, dass er sich nicht für die WM qualifiziert hat. Sein nächstes Turnier ist Montreal. Gibt es einen Hattrick.

 

 

 


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