Jeder Zug zählt

15.06.2007 – Vielleicht ist das ganz normal. Wenn wir in der Eröffnung eine angenehme Stellung erreicht haben, neigen wir dazu, uns zurück zu lehnen, durchzuatmen und intuitiv einen soliden Zug zu spielen, der eben nur "nichts kaputt" macht. Aber Intuition kann sich hier wie anderswo auch als ein schlechter Ratgeber erweisen. Auf seiner DVD "Powerplay 4 - Eröffnen, aber richtig!"  hebt Daniel King hervor, dass es enorm wichtig ist, schon in der ersten Partiephase jene Züge zu finden, die aus einer guten oder aussichtsreichen Stellung eine exzellente Stellung machen. King: "Powerplay 4" im Shop bestellen...Mehr...

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"Eröffnen - Aber richtig!" - Daniel King's Powerplay 4 DVD

Rezension von William Frost

Danny King setzt seine faszinierende "Powerplay"-Reihe mit der nunmehr vierten DVD fort. Diesmal stellt er verschiedene Methoden vor, mit Hilfe derer man in der Eröffnung die Initiative an sich reißen kann. 

Als Ausgangsbasis und Prüfstein wählt King eine Reihe von Partien Paul Morphy's. Diese Wahl ist insofern etwas überraschend, als Morphy's Gegner für ihre defensiven Fähigkeiten in der Regel wenig berühmt waren. Dennoch ist diese Auswahl wohl begründet, denn in seinen Partien kann man verfolgen, wie sich der alte Meister durch feine und effektive Entwicklungszüge Initiative verschafft.

Klicken Sie hier, um King's Präsentation zu Morphy - Anderssen zu starten...

In seiner Einleitung stellt Daniel King das Motto dieser DVD vor: "Jeder Zug zählt in der Eröffnung" und führt zur Illustration sogleich eine Partie zwischen Ricardi - Hellsten (1st Magistral Endesa, 2006) an. Nach sieben Zügen entstand in der Katalanischen Eröffnung folgende Stellung:

Hier setzte Weiß mit 8.e4!? fort und offerierte seinem Gegner damit mindestens einen Bauern. Schwarz nahm das Angebot an, es folgten 8..... Lxc3 9.bxc3 Sxe4 und 10.Se5. Die Idee von Weiß ist, dass 10...Sxc3 mit 11.Lxc6 bxc6 12.Df3 und durchschlagendem weißen Angriff beantwortet wird. In der Partie wählte Schwarz daher 10..Sxe5, doch nach 11.Lxe4 Sd7 12.La3 blieb dem Nachziehenden die kurze Rochade verwehrt. Die Partie endete wenig später zu Gunsten von Weiß.

In seinen Erläuterungen dieser Partie weist Danny darauf hin, dass Ricardis Gambit möglicherweise zwar nicht ganz korrekt ist und einer Überprüfung mit Hilfe von Fritz vermutlich nicht standhalte würde. Andererseits hat es den Nachziehenden derart aus dem Gleichgewicht gebracht, dass seine Stellung am Ende auseinander brach. Und genau das, so führt King weiter aus, kann man in vielen Partien verfolgen, in denen eine Seite frühzeitig die Initiative ergreift. Und da Weiß nun einmal das Recht des ersten Zuges hat, sieht King den Anziehenden auch in der Pflicht die Initiative zu führen. .

In 18 weiteren illustrativen Partien vertieft King das Thema und stellt Eröffnungen und Eröffnungsideen für Weiß und Schwarz vor, die die Perspektive auf frühzeitige Initiative eröffnen. Seine Kommentare zu einer aktuell populären Variante der Nimzoindischen Verteidigung sind sehr interessant. Unter anderem zitiert er die Partie Bareev - Topalov (Amber Rapid, 2005) und zeigt in seinen Analysen der Variante mit 4.Dc2 einige Schwierigkeiten auf , in die Weiß geraten kann. Z.B. könnte bei scharfem Spiel von Schwarz folgende Stellung entstehen:

Es ist eine Sache, die Initiative zu erlangen, und eine andere, mit Hilfe dieser Initiative eine Gewinnstellung zu erreichen. Kings Präsentation zeichnet wieder und wieder diesen Weg nach schließt erst dann ab, wenn der Ausgang der Partie zweifelsfrei feststeht. (An dieser Stelle ist auf die ersten drei DVDs aus der Powerplay-Reihe verwiesen, in denen King eine Reihe effektiver Techniken für die Endphase der Partie vorstellt).


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Ein probates Mittel, um frühzeitig Vorteil zu erlangen, ist die Wahl unorthodoxer Eröffnungen. Tony Miles hat in seinen Partien gegen Farago (Hastings 1976) und Ree (Hoogovens 1979) zwei gelungene Beispiele hierfür geliefert. In der Partie gegen Ree beantwortete er 1.c4 mit 1.....b6. Danny's Erläuterungen dieser beiden Partien beinhalten eine Kurzdarstellung dieser Eröffnung, und diese allein ist bereits den Preis für die DVD Wert. Tony Miles war ein Experte in Sachen unorthodoxer Eröffnungszüge. Zwar verschaffte ihm sein legendäres 1...a6 gegen Anatoly Karpov bei der Europäischen Mannschaftsmeisterschaft 1980 keinen Eröffnungsvorteil, aber wer wird diese Gewinnpartie jemals vergessen?

Die DVD "Eröffnen - Aber richtig!" beinhaltet eine Einführung und 13 Kapitel, deren  Videospielzeit bereits über 3 Stunden beträgt. Im Anschluss hierzu hat King neun weitere Trainings-Videos aufgenommen. An dieser Stelle weist er nochmals darauf hin, dass nur bei Aktivierung des Trainingsmodus der angestrebte Trainingseffekt eintreten wird. Selbst wer sofort alle Lösungen erkennt und daher nie die "Pause"-Taste benötigt, kann sich hier über fast zwei weitere Stunden Videotraining mit King freuen.

Ich denke, dass dieser Trainingskurs ebenso wie seine drei Vorgänger am beten für Spieler mit einer Wertungszahl von 1800 - 2200 geeignet sein dürfte. Für das Training junger Spieler ist dieses Material unschätzbar. Danny King ist ein erfahrener Trainer und hat offensichtlich umfangreich nachgeforscht, um geeignetes Material und angemessene Erklärungen präsentieren zu können. Die Trainingsreihe ist gut strukturiert und wird hoffentlich ChessBase fortgeführt werden, um diese Serie zu einer kompletten Darstellung von Angriffsthemen und -strategien auszubauen.

Die Powerplay-Reihe von GM Daniel King:

Powerplay 1 - Mattmuster...
Powerplay 2 - Königsangriff...
Powerplay 3 - Bauernsturm...
Powerplay 4 - Eröffnen - Aber richtig!...

 

 


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