Karpov gegen Morovic

von André Schulz
15.01.2015 – Anatoli Karpov spielte im Rahmen seines Besuchs in der nordchilenischen Stadt Arica einen Wettkampf über zwei Partien gegen den chilenischen Großmeister Ivan Morovic. Der 12. Weltmeister gewann die erste Partie im Karpov-Stil und remisierte die zweite. Zum Besuch gehörte eine ausgedehntes Programm mit Simultan, Empfang im Rathaus und Podiumsdiskussion. Mehr...

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Anatoly Karpov, 12. Weltmeister, befindet sich derzeit auf einer Werbetour in Arica, eine Stadt, ganz im Norden Chiles an der Grenze zu Peru gelegen.

Arica

Arica wurde am 25. April 1541 vom Spanier Lucas Martínez Vegazo gegründet. Ende des 17. Jahrhunderts mussten die spanischen Kolonisatoren sich hier der Angriffe durch englische Piraten erwehren, die 1680 und 1681 unter Bartholomew Sharp und John Watling die Stadt mit jeweils etwa 100 Mann angriffen, von den Spaniern aber unter hohen Verlusten zurückgeschlagen werden konnten. Sharp hatte sich zuvor mit seinem Flagschiff Trinity "erfolgreich" in der Karibik betätigt, wo er 25 spanische Schiffe gekapert hatte,  und setzte seine "Geschäfte" dann auf der pazifischen Seite des südamerikanischen Kontinents fort. Eigentlich wollte er den Weg durch die Magellanstraße nehmen, wurde nach einem Sturm jedoch nach Süden abgetrieben und umsegelte schließlich als erster Engländer Kap Hoorn. Seine größte Leistung für die Briten war die Erbeutung einer Mappe mit spanischen Seekarten. Später lebte er auf der Karibikinsel St. Thomas (1917 von den USA zusammen mit St. John und St. Croix von 25 Mio. Dollar in Gold von Dänemark gekauft, gehört nun zu den US Virgin Islands), wurde aber wegen seiner Schulden inhaftiert und starb 1702 im Gefängnis.

Ende des 19. Jahrhunderts ereigneten sich vor Arica zwei schwere Tsunamis mit mehreren Hundert Toten.

Ursprünglich gehörte Arica zu Peru, wurde aber nach dem Pazifischen Krieg (oder Salpeterkrieg, 1879-1883) zwischen Chile und der Allianz von Peru und Bolivien Chile zugeschlagen. Bolivien verlor durch den Krieg seinen Zugang zum Meer, erhielt zum Ausgleich aber im Vertrag von 1904 zollfreien Zugang zum Hafen von Arica. Seit 1920 bemüht sich Bolivien jedoch um eine Revision des Vertrages und Rückgewinnung seines Küstenzugangs, weshalb zwischen den damaligen Kriegsgegnern bis heute Spannungen herrschen.

Arica hat heute knapp 190.000 Einwohner, liegt nur wenige Kilometer von Peru, aber über 2000 km von der eigenen Hauptstadt Santiago entfernt. Wegen der gleichbleibenden Temperatur, im Sommer (= Januar) 25 Grad, im Winter (= August) 18 Grad, wird Arica hier "Stadt des ewigen Frühlings" genannt. Im Übrigen herrscht Wüstenklima, denn in Arica und der Umgebung regnet es so gut wie nie. Dank des Wassers aus den Anden gibt es dennoch genug Feuchtigkeit für die Bewässerung von Parkanlagen und den Betrieb einer ausgedehnten Landwirtschaft in der Nähe der Flüsse.

Zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt gehören das von Gusatv Eiffel entworfene Zollgebäude, die ebenfalls von ihm entworfene "Catedral de San Marcos", der Mount Arica und der Playa El Laucho.

Das Zollhaus von Gustav Eiffel

Die "Catedral de San Marcos"

Der Monte Arica

Der Strand, niemals Regen

All zu oft sind In Arica Schachgroßmeister nicht zu Gast, geschweige denn Schachweltmeister. So hatte Ehrengast Anatoli Karpov bei seinem Besuch ein umfangreiches Programm zu absolvieren. Mit Mittelpunkt stand ein Wettkampf gegen den chilenischen Spitzenspieler Ivan Morovic über zwei Partien. Dieser wurde im Casino von Arica ausgetragen. Außerdem spielten die beiden Großmeister simultan an verschiedenen Punkten der Stadt, und zwar dort, wo man gesehen wird, im Zentralpark und am Strand. Karpov wurde im Rathaus empfangen und stand zum Schluss für eine Podiumsdiskussion zur Verfügung.

Das Casino

In den zwei Partien gegen den Chilenen zeigte Karpov, dass er nichts verlernt hat. Die erste Partie gewann er im Karpov-Stil. Die zweite Partie endete remis.

 

 

 

Morovic beim Simultan

 



André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
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